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Autor Thema: Aux In-Kabel für Sakralorgel  (Gelesen 806 mal)
Michal
Novize
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Beiträge: 17


« Antworten #10 am: 14. März 2018, 20:32:14 »

Die Klinkenstecker sind aus mehreren Gründen bei Musikinstrumenten beliebt.

Erstens weil sie sich leicht lösen und nicht klemmen wie der Chinch-Stecker (dessen Name ja schon auf das "Klemmen" hinweist). Das ist wichtig, weil man auf der Bühne gerne mal auf ein Kabel tritt und dann ist es besser der Stecker geht raus, als wenn was im Moment irreparabel zu Bruch geht.

Zweitens, weil sie auch symmetrisch geschaltet werden können. Aber die wenigsten Musikinstrumente haben symmetrische Ausgänge (auch nicht die Sakralorgeln, die ich kenne). Und wenn doch, wird autom. die negativ gepolte Leitung gegen Masse kurzgeschlossen (je nachdem kann das aber auch Schäden verursachen - meistens aber nicht).

Außerdem haben sie zwar einen Kurzschluss beim Einstecken, aber haben keinen viel schlimmeren voreilenden Innenkontakt wie der Chinch, der in jedem Fall einen lauten Brumm oder Knacken verursacht was bei PA-Leistungen echt gefährlich wäre (ein Kurzschluss gegen Masse hingegen macht meist nichts, es sei denn man nimmt sie als Lautsprecherstecker, was aber heute kaum mehr jemand macht).

Und sie können sowohl Mono als auch Stereo - in einem Stecker.

Wegen der relativ hohen Stromverträglichkeit kann man sie aber durchaus auch als Lautsprecheranschluss verwenden und sogar als Stromzuführung und obendrein als Insertkabel, was sehr wichtig ist.

Der XLR-Stecker ist bei symmetrischen Anwendungen aber vorzuziehen und wird auch meistens vorgezogen. Aber es gibt auch XLR-Buchsen, die sowohl Klinke, als auch XLR aufnehmen können (die sind sehr weit verbreitet). Geht mit Chinch alles nicht.

Der Klinkenstecker ist aber nach wie vor DER Universalstecker, der unterm Strich fast alles kann und nur hinnehmbare Nachteile hat.

Last not least, lassen sich schaltende Steckverbindungen mit der richtigen Klinkenbuche realisieren, was sehr häufig vorkommt.

Der Chinch kann das alles nicht und wird im Profibereich sich daher auch nie durchsetzen.

LG
Michal
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trompetendulzian
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Beiträge: 149


« Antworten #11 am: 15. März 2018, 20:05:47 »

Hallo Michal,

danke für deine ausführliche Erläuterung! Zufälig habe ich gerade deinen Beitrag zum Nubert AW-17 gelesen, in dem du im Fall deiner Unico von einem "kreuzgekoppelten symmetrischen Ausgang" sprichst. Was ist darunter zu verstehen und haben die Viscount-Orgeln nun doch symmetrische Ausgänge (die für Kircheninstallationen sicher vorteilhaft wären)?

Viele Grüße
Trompetendulzian
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Michal
Novize
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Beiträge: 17


« Antworten #12 am: 15. März 2018, 21:24:46 »

Tja, das ist so eine Sache. Und die macht gleich mal den Nachteil von Klinkensteckern deutlich. Nämlich dann wenn man was verwechselt.

Ich hatte also bei meiner Unico das Problem eines Brummens auf den beiden Pipe 27. Ich habe dann, was man im Notfall so macht, die Netzerdung weggenommen, aber das Brummen war nun viel lauter, was es eigentlich nicht sein dürfte. Übertrager mit Ground-Lift nutzen auch nix.
Ich habe dann mit dem Techniker bei Viscount telefoniert. Er sagte ich solle balanced, also symmetrische Kabel nehmen.
Gesagt, getan, ich bestellte welche bei Thomann und die waren zwei Tage später da - ohne Berechnung.
Und dann war das Brummen weg.

So ging ich davon aus, dass die Unico symmetrische Ausgänge hat.

Dann kaufte ich den Subwoofer - übrigens bis heute der Beste, den ich in der Preisklasse je gehört habe - der ist der Hammer. Ich hatte Angst, weil der eben unsymmetrisch ist, dass es dann wieder brummen würde. Tat es aber nicht!

Die Viscount-Klinkenkabel hatte ich weggelegt. Und vor ein paar Monaten, als ich meine unendlich vielen Kabel mal ausgemistet habe vielen sie mir wieder in die Hände. Die Kabel selbst machten mir keinen sehr wertigen Eindruck, aber die Klinkenstecker waren echt massiv. Also wollte ich die Kabel wegwerfen und die Stecker behalten. Ich schraubte sie auf und was sehe ich - das Kabel hatte überhaupt keine Schirmung. Es war ein Lautsprecherkabel!
Viscount hat meine Unico mit Lautsprecherkabeln statt Line-Kabeln für die Pipes ausgeliefert. Die müssen mangels Schirmung förmlich brummen wenn sie in die Nähe von Stromkabeln kommen.
Die symmetrischen waren dann natürlich geschirmt und dann brummte es nicht mehr.
 
Die Viscount-Orgel hat also gar keine symmetrischen Ausgänge. Aber das war egal, weil dann einfach der mittlere Pol mit der Masse gekoppelt ist oder ins Leere läuft (je nach Buchsenaufbau).

Kurz und gut: Die Viscount Unico hat asymmetrische Ausgänge. Man kann alle Klinkenkabel einstöpseln, nur eben keine Klinkenlautsprecherkabel.

Der Unterschied zwischen asymmetrischen Klinkenkabeln und symmetrischen Klinkenkabeln ist nur, dass ein zweiter Kanal drin ist (also Stereostecker statt Monostecker).
Der Unterschied zwischen symmetrischen Klinkenkabeln und Stereo-Klinkenkabeln (oder Insert-Klinkenkabeln) ist übrigens, dass erstere einen Schirm für beide Adern haben und die anderen einen Schirm für jede Ader separat (Kanaltrennung).

Ja, das war ein Paradebeispiel was sein kann, wenn man Klinke mit Klinke verwechselt.

Meine Kenntnisse von Klinkenkabeln rühren eben genau aus dieser Episode.
Kaufst Du Viscount, lernst Du viel!  Lachen

VG
Michal
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clemens-cgn
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Beiträge: 1441


« Antworten #13 am: 16. März 2018, 14:39:39 »

Danke Michal,
schon wieder ein Punkt mehr für kommende Ausschreibung Zwinkern
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