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Autor Thema: Nervosität beim Orgelspiel  (Gelesen 594 mal)
PeterW
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« Antworten #10 am: 01. Dezember 2017, 05:21:19 »

Den schlimmsten Streß empfinde ich bei Ton-/Videoaufnahmen. Insofern tröstet mich Karajans Geständnis (zit. Machthorn). Leider bringt das in der Praxis auch nicht viel weiter.
Wenn man von dem simplen Lied "Der Mond ist aufgegangen" den gefühlten 78. Take wegschmeißen muß, flattern die Nerven hinterher.  Ratlos
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+ 12.1.2018
Machthorn
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« Antworten #11 am: 01. Dezember 2017, 07:46:53 »

Das Fiese an Aufnahmen ist ja auch, dass man das Gespielte nicht einfach nur einmal live hört sondern immer wieder, und dabei fallen Fehler schnell deutlicher auf als im Konzert.
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Gloria Klassik 226 Trend
hahoern
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« Antworten #12 am: 03. Dezember 2017, 19:45:31 »

Was mich schon mal richtig aus der Bahn hauen kann sind Leute, die um mich herumtänzeln, in meine Noten gucken aber gleichzeitig noch woanders hin (bevorzugt meine Frau...), Chormitglieder die unter der Musik ratschen. Das ist für mich deutlich schlimmer als die Frage, ob da unten 10 oder 650 Besucher sitzen.

Heute nachmittag war Adventskonzert. Eigentlich ging ich nur von der Anwesenheit der Stadtkapelle auf meiner Orgelempore aus. Als ich kam, war da auch noch der Sakralklampfenclub versammelt, bevorzugt auf der Orgelbank. Haben die Noten vom Spieltisch geworfen, um ihre Lautsprecherbox zu platzieren, unterm Singen auf Stühlen gestanden und nach hinten nicht nur an den Prospekt gelehnt, auch den Pfeifen schon gefährlich nahe gekommen, sogar einen ausrangierten Windkanal haben sie als Podest missbraucht. Okay, ich habe jahrelang bemängelt, das der Verein den Hochaltar zustellt - aber so war das nun auch nicht geplant. So was empfinde ich dann als Stress pur und raubt mir alle Konzentration. Zum Glück stand nur Improvisation auf dem Programm, da gibt's kein "falsch"...
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Gemshorn
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« Antworten #13 am: 03. Dezember 2017, 20:22:11 »

Solche Zustände könnte ich nur einmal vorfinden; das nachfolgende Donnerwetter würde auf etwaige Wiederholungstäter sehr präventiv wirken. Teufel
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hahoern
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« Antworten #14 am: 03. Dezember 2017, 21:02:56 »

Das ist die Truppe der Frau Bürgermeister, für ein Donnerwetter ist kaum Rückhalt vorhanden und Freunde sind wir vorher schon nicht gewesen.
Aber vielleicht kann man das Anlehnen noch für irgendwelche anderen dringend nötigen Reparaturen ausschlachten.
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clemens-cgn
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« Antworten #15 am: 03. Dezember 2017, 21:33:35 »

Hallo hahoern,
hast Du zufällig ein Foto von den Prospektlehnern gemacht?
Da gibt es doch jetzt sicher ein erhebliches Reparaturbedürfnis.
Deine Situation kann ich sehr gut nachfühlen. Seit einem traumatischen Kindheitserlebnis, kann ich beim Spiel niemanden (außerhalb meines Sichtfeldes) ertragen. Wenns ganz schlimm wird ergreife ich mitten im Spiel halt die Flucht.
"LebensabschnittsgefährtInnen" werden kurzer Hand zum Blättern und mit irgendwelchen Registrieraufgaben (man muß die Konzentrationsfähigkeit der Störenfriede voll ausschöpfen) beschäftigt. Dabei verdonnert: links von mir absolut still zu stehen, meinen Atemrhythmus aufzunehmen. Mitsingen und Taktwippwegungen sind verboten. Geblättert wird mit der linken Hand von oben, nach Aufforderung des vorbereitenden Griffes in die Seite. Das Blättersignal geht dann via Kopfnicken.... Reaktion i.d.R.: Ich wußte gar nicht, daß da soviel zu tun ist.
Ganz schlimm sind Mütter, die meinen Ihr Baby, garantiert gegen jedes Metrum in meinem energetischen Bereich schuckeln zu müssen. Nach dem Liedende weise ich freundlich aber bestimmt auf den Mutter/Kindraum mit Gottesdienstübertragung hin  duck und weg
Zu schwätzenden Chorsängerinnen: Der inzwischen verstorbene Kollege aus Hannover-Kleefeld, hat bei schwätzenden Chor- oder ScholasängerInnen einfach sein 3. Gebiß auf dem freistehenden Spieltisch mit Blickrichtung Schwätzerinnen postiert. Die Wirkung war jedes mal verblüffend. .... Ich hab noch meine eigenen Zwinkern  
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Machthorn
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« Antworten #16 am: 03. Dezember 2017, 23:29:53 »

Ich hatte heute ein ähnliches Erlebnis: Zum Auszug Guilmants Paraphrase über Tochter Zion, für sowas muss ich lange üben. Ich hatte mir extra eine Registrantin gesúcht und mit ihr das Aufregistrieren geprobt. Ich fange an zu spielen und im Altarraum, wo der Spieltisch steht, wird es plötzlich wuselig - von beiden Seiten je ein Kind auf der Orgelbank, von rechts noch die Oma dazu, lautes gequassel und quer durch den Altarraum ruft auch noch jemand mehrfach nachdrücklich nach meiner Registrantin, weil er mit ihr dringend was zu besprechen habe.

Meine Konzentration war im Eimer. Ich bin zwar halbwegs glücklich am Ende angekommen, aber eben nicht mehr wirklich schön. Wo ist der Respekt vor der Musik und erst recht dem geweihten Raum geblieben?
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Gloria Klassik 226 Trend
geris
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« Antworten #17 am: 04. Dezember 2017, 08:43:19 »

Hallo zusammen,

vielen Dank für eure Tipps.  Danke
So, das Adventskonzert ist rum, meine zwei kleinen Orgeleinspielungen von Mendelssohn auch. Allerdings hat mich während des zweiten Stückes mittendrin das Flattern wieder eingeholt.  Verwirrt Naja, ich habe es durchgezogen und, immer gaaaanz wichtig, der letzte Takt muss sitzen und das tat er wieder.   Engel

Ob ich allerdings ein weiteres Mal einen Romantiker auf DER Orgel spiele, muss ich mir reiflich überlegen. Warum? Eine einigermaßen vernünftige Registrierung ist nur über die Manualkoppel möglich, aber dann sind es gefühlt einige Zentner, um den benötigten Tastendruck auf dem HW aufzubauen.  Schock


Viele Grüße
Gerd
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« Antworten #18 am: 05. Dezember 2017, 18:25:25 »

Wo ist der Respekt vor der Musik und erst recht dem geweihten Raum geblieben?
Hallo Machthorn,
den vermisse ich inzwischen in jeder NAK-Gemeinde, die ich kenne. Ich verweise gerne im Gemeindeblatt auf den alten Propheten: Aber der Herr ist in seinem heiligen Tempel. Es sei vor ihm stille alle Welt. Habakuk 2,20

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Mir hilft bei Nervosität ruhiges, gleichmäßiges Atmen. Bei schwierigen Passagen hielt ich früher immer die Luft an. Mein Lehrer hat mir beigebracht, alles auf einem ruhigen Atem zu spielen und bei schwierigen Passagen nicht zu stocken.
Mir hilft's.

Jürgen
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