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Autor Thema: Gesammelte Erfahrungen beim Digitalorgelkauf  (Gelesen 1675 mal)
Machthorn
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« Antworten #10 am: 12. Oktober 2017, 20:49:10 »

Zitat
Wie sind Eure Erfahrungen mit dem Markt, den Herstellern, Anbietern und wo ist der Kunde gut aufgehoben?

Ganz klar, Kisselbach legt mit seinen Ausstellungsräumen, seiner Auswahl und seiner Beratungsqualität die Messlatte extrem hoch. Wobei deine Erfahrungen auch wieder zeigen, dass zumindest Johannus und Content, in Teilen wohl auch Viscount nicht in der Lage sind, dem mitteleuropäischen Durchschnittsorganistenohr gefällige Intonationen zu liefern. Kisselbach ist also vermutlich auch deswegen so erfolgreich, weil die Gloria-Modelle sich konsequent an eben diese Zielgruppe wenden,

Magunia wäre für mich, würde ich nördlicher wohnen, sicherlich ein interessanter Händler. Ich habe mich im April bei denen sehr wohl gefühlt. Aber es gibt noch mehr. Bauer, Förg etc. sind sicherlich auch sehr kompetent!

Meine Einschätzung zu Johannus habe ich ja schon geschrieben. Content ist mir etwas zu weichgespült. Außerdem ist mir inzwischen aufgefallen, dass sie bei keinem einzigen Instrument eine Terz 1 3/5 zu bieten haben. Das zerlegte Kornett im Schwellwerk ist für mich aber inzwischen unverzichtbar, schon alleine deswegen bleibt der Hersteller bei mir inzwischen links liegen.

Viscount hat es sich vermutlich selbst schwer gemacht. Gerade die zeitgemäßen Volumenmodelle Chorum und Sonus sind wegen vermutlichen Exklusivvertrages mit Kisselbach in Deutschland als Original gar nicht zu haben sondern "nur" als Gloria Optimus und Concerto. Alle anderen Händler haben komplett das Nachsehen. Chorale und Vivace sind halt schon etwas angestaubt und die Unico-Reihe ist für viele bereits außerhalb des Budgets.
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« Antworten #11 am: 12. Oktober 2017, 22:14:01 »

Ich muss mich der Meinung von Stephan anschließen und als Leisespieler outen. Natürlich nicht in der Kirche! Gehört es doch gerade zu den Stärken der Digitalorgel, ein Plenum in Radiolautstärke  spielen zu können und sich nicht vollzudröhnen.  Wenn man kleine Kinder hat, ist ein leises Üben einfach unschätzbar und macht mehr Spaß als mit schwitzigen Kopfhörern. Ich denke auch, dass gerade die Orgeln in der Einsteigerklasse durch zu hohe Lautstärke nicht besser klingen. Ich merke das immer an meiner Cantus, dass es nicht schön klingt wenn ich über 50 in Tutti Prozent hochregle. Und die Studio 150 ist wirklich eine Leisespielorgel!
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Machthorn
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« Antworten #12 am: 12. Oktober 2017, 23:45:30 »

Zitat
dass gerade die Orgeln in der Einsteigerklasse durch zu hohe Lautstärke nicht besser klingen.
Das ist sicherlich wahr. Allerdings hat es sich laut Herrn Magunia Johannus zum Prinzip gemacht, Orgeln für das Wohnzimmer vergleichsweise leise zu halten. Die Abstrahlung einer Classic oder Vivaldi hat aber das Potential, auch laut gut zu klingen, siehe Gloria Exzellent. Viscount überlässt es dem Kunden, wie laut er das Instrument drehen will, und das ist gut so. Ich lasse mich ungern bevormunden.

Ich fahre meine kleine Klassik, deren Abstrahlung ja auf der Studio basiert und scheinbar nur um Tweeter erweitert wurde, auch nur auf etwa 50%. Aber selbst dann ist sie schon etwas lauter als die Studio im Auslieferungszustand bei 100%. Zusätzlich fahre ich über den Line-Out ein 4.1-System breit aufgestellt nochmals mit etwa dem gleichen Pegel. Durch Überlagerung und Auslöschung liege ich damit am Spieltisch zwar immer noch unter dem, was die Orgel alleine mit 100% kann, aber gerade die Abstrahlungsbreite bringt ein besseres Raumgefühl. Die Lautstärke fahre ich nicht, weil ich im Plenum Ohrenschmerzen so liebe (wobei auch das volle Werk noch unter dem Schmerzpegel liegt), sondern weil gerade das Spiel mit kleiner Registrierung so erst sauber durchhörbar wird. Derzeit übe ich z.B. eine Trio-Transkription von Corellis Sinfonia Pastorale aus seinem Weihnachtskonzert op. 6. Auf jedem Werk spielt nur die 8'-Flöte. Auf einer Serien-Studio/Opus/Classic wäre das viel zu leise, klingt aber wirklich schön, wenn man die Flöten etwa auf natürlicher Lautstärke hört.



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« Antworten #13 am: 13. Oktober 2017, 07:18:34 »

Ich gebe als nach wie vor zufriedener Besitzer einer Studio 150 den Johannus-Lautstärkekritikern recht, ohne Zusatzabstrahlung käme ich selbst in meinem kleinen Zimmerchen nicht gut zurecht, daher hatte ich mir beim Kauf ausgehandelten Rabatt gleich zwei Nahfeldmonitore und den kleinen Cantus AS85 Sub dazugekauft, die ich ergänzend zu den Originallautsprechern betreibe, wenn ich nicht ohnehin über Kopfhörer spiele. So kriege ich auch die Brummfrequenzen gut weg, die der Johannus-Subwoofer allein erzeugt, sobald ich die Lautstärke ein wenig angehoben hatte. Ästheten würden sich am etwas unaufgeräumten Bild stören, aber das war für mich kein Kriterium, ebenso war der Johannus-Klang für mich nur zweitrangig, da ich fast ausschließlich mit HW/GO spiele.
Der einzige Grund irgendwann mal den Spieltisch doch zu wechseln, wäre ein drittes Manual, aber im Moment ist das (noch) kein Thema, man braucht ja noch ein paar Träume...
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« Antworten #14 am: 13. Oktober 2017, 07:32:12 »

Ich muss mich der Meinung von Stephan anschließen und als Leisespieler outen.

Das ist doch völlig ok und mir ist auch absolut bewusst, dass es sicher viele Johannusfreunde gibt, die mit dem weichen, warmen, wohltuenden Klang der gesampelten Flöten super zufrieden sein werden. Wenn Mixturen und Prinzipale nicht wichtig wären, dann klänge eine Johannus auch für meine Ohren gut. Aber im 1:1 Vergleich mit einer Gloria, sind die Mixturen der Johannus Vivaldi, Rembrandt oder Positiv irgendwie klinisch rein, es fehlt an Lebendigkeit.
Ich für meinen Fall hatte aber als Kaufkriterium eine DO zu finden, bei der ich für den Kaufpreis möglichst nahe an das Erlebnis Pfeifenorgel herankomme. Das ist zum einen die Realitätstreue eines jeden Registers, anderseits aber auch die Klangfülle. Da ich auf Lautstärke in meinem Wohnumfeld nicht achten muss (wir haben ein freistehendes Haus am Waldrand, nach 3 Seiten keine Nachbarn) war also klar, das ein Subbass im Pedal mit einem Prinzipal im Hauptwerk beim Griff in die Tasten, Originallautstärke zu haben hat. Beim hinzunehmen von weiteren Registern ist dann für mich die Erwartung, dass ich das entsprechende additive Verhalten einer Pfeifenorgel bekommen sollte - bis hin zum ~100dB Plenum.
Dies ist mit der Gloria Concerto 346 absolut möglich und einfach ein Traum. Man könnte damit eine kleine Kirche ohne Zusatztonstrahler beschallen.
Spielt mal "Hymne an Europe" von Ferdinando Mantovaneli in Originalregistrierung des Komponisten auf einer Rembrandt/Vivaldi 350 und anschliessend auf einer Gloria Concerto 346/355cc o.ä.. Am Ende lasst den Schlussakkord verklingen und fragt Euch welches Stück ein Leuchten aufs Gesicht zaubert.

Bei mir war das Erlebnis klar: Johannus erzeugt auf Grund der fehlenden Mixturenqualität und einer stark dezimierten Gesamtkraft ein "naja, war ganz ok". Bei der Concerto, grinst man genüsslich in sich hinein und fühlt sich wie am echten Pfeifenorgelspieltisch, nach Vollendung seines "Werkes".

Nach diesem Erleben war die Orgel für mich gekauft. :)

VG

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« Antworten #15 am: 13. Oktober 2017, 07:38:04 »

Wer sich mit den Stärken der Concerto 346 so identifiziert, wird viel und lange Freude an dieser schönen Orgel haben! Glückwunsch dazu!  Prost!

Mir geht's genauso, seit ich meine Ex360 habe. Es will einfach kein Wunsch nach einer Nachfolgerin aufkommen - höchstens der nach einer Zweitorgel. Und da ränge eine große Concerto immer noch Kopf an Kopf mit einer LiveIII um die Gunst als Favoritin.

LG
Michael
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« Antworten #16 am: 13. Oktober 2017, 08:08:35 »

Wer sich mit den Stärken der Concerto 346 so identifiziert, wird viel und lange Freude an dieser schönen Orgel haben! Glückwunsch dazu!  Prost!

Besten Dank :)
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« Antworten #17 am: 13. Oktober 2017, 09:01:15 »

Gerade habe ich festgestellt, dass ich bei einem Besuch in B. (das muss im Mai 2016 gewesen sein) mal ein paar Klangschnipsel von der C346 auf die Tonmaschine gezogen habe. Ich habe sie mal in meine Dropbox geworfen, die Links kriegst Du per PN. Viel Spaß damit.

LG
Michael
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« Antworten #18 am: 13. Oktober 2017, 15:18:09 »

Hallo Pipeorgan,

Auch von mir herzlichen Glückwunsch zur neuen Orgel. Wenn ich das richtig sehe bist Du der Erste mit einer Concerto 346. Welche Ausführung hast Du gewählt? Zwinkern

LG
Frank
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« Antworten #19 am: 13. Oktober 2017, 16:57:42 »

Vor gut 3 Jahren war ich in der gleichen Situation wie Pipeorgan. Im Sakralorgelforum holte ich mir die Infos zu den wesentlichen Details der verschiedenen Hersteller.

Daraus fiel meine Wahl eindeutig zu Gunsten der Physis-Technologie.

Als Schweizer wollte ich meine neue Orgel in der Schweiz kaufen. Im angetönten Zürcher Orgelhaus erhielt ich die ehrliche und klare Antwort: bei mir kannst du nur eine Johannus kaufen (ich werde meine Kollegen der anderen Marken nicht konkurrenzieren)! Anmerkung: ich hatte mit eben diesem Orgelhaus bereits 2 Kircheninstallationen (Ecclesia und Monarke) realisiert mit positivem Resultat.

Die Kontaktaufnahme bei den "Mitbewerbern" in zwei verschiedenen Landesteilen, die Physis-Orgeln im Sortiment führen, führte leider zu folgenden Erkenntnissen:
Die eine Firma bestand aktuell aus  einer einzigen Person im fortgeschrittenen Alter.... (Zukunft?).

Bei der anderen Firma habe ich unglaubliches erlebt: ich fühlte mich als Kunde von Anfang an als "Störfaktor". Meine detaillierten und kritischen Fragen führten dazu, dass ich als "grosse Gefahr" betrachtet wurde, der einzig das Ziel hat, den Preis zu drücken, obschon dass ich in dieser Situation noch gar nie über den Preis gesprochen hatte! Da wurde "gewettert" über die ausländische Konkurrenz. Diesen Kontakt habe ich abgebrochen.

Das führte dazu, dass ich gezwungen war, über die Landesgrenzen zu evaluieren. In Augsburg habe ich schliesslich die entsprechende Kompetenz gefunden - und habe meinen Entschluss bis heute nicht bereut.

Fazit: das Forumstreffen 2017 hat mir neu die klanglichen Vorteile von Physis aufgezeigt -bei den beiden Kirchen-Installationen - der Ecclesia 450 und der Kapella 235.

Die Beschaffungsmöglichkeiten im Schweizer-Markt sind aktuell sehr begrenzt. Es fehlen leider detaillierte und kompetente Vergleichsmöglichkeiten. Der Markt ist offenbar zu klein - schade!

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Gloria Concerto 234 DLX
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