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Autor Thema: Liturgiereform in der EKD zum 1. Advent  (Gelesen 1006 mal)
Positiv
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« Antworten #10 am: 29. November 2018, 09:52:24 »

Auch in Ekiba Baden gibt es ab sofort ein neues Plus Heftchen. Wenn ich im Bücherschrank z.B. den Anhang 71 rausziehe, dann sind dort Lieder drin, die wieder untergingen und andere die überlebten. Insoweit finde ich die Anhangspolitik sehr nützlich und bei einer Revision des Stammteils sollten dann auch Lieder vorhanden sein, die sich über diverse Anhänge durchgesetzt haben.

Beliebte Pluslieder wie "Aus den Dörfern und aus Städten" oder "Da berühren sich Himmel und Erde" kann ich musikalisch gar nicht leiden. "Da berühren sich Himmel -Pause- und Erde?" berühren sie sich oder durch die Pause nicht? dass "Frieden" gerade dieses wichtige Wort Frieden wird triolisiert und bleibt für die Durchschnittsgemeinde unsingbar und so weiter und dann aus "Dörfern und aus den Städten" oder umgekehrt finde ich einfach unrund. Und der Schlagerrefrain passt für mein Empfinden so überhaupt nicht zur holprigen Strophenzeile (eingeladen zum "Fest des Glaubens"- was ist das?).

Andererseits geht es auch viel besser: "da wohnt ein Sehnen" welches mich rythmisch eher überzeugt und die wichtigen Begriffe Sehnen, Gott, dich,sehn, nah, sein jeweils auf den betonten Noten vorsieht.

Also sollten meines Erachten die neuen Lieder durchaus Eingang in die Liturgie finden und den Zeitgeschmack mittragen. Mit dem einzigen Ziel Leute in die Kirche zu bringen sind neue Lieder ohnehin ungeeignet, da Kirche keine Disko ist. Die reinen Kirchenhopsfiguren werden früher oder später andere Gymnastikraume aufsuchen, oder ist das zu pesimistisch gedacht?

Michael
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Wichernkantor
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« Antworten #11 am: 29. November 2018, 10:04:45 »

Das ist keineswegs Pessimismus, sondern Empirik. Es gibt längst (kircheneigene) Studien, denen zufolge man sich tunlichst nicht bei den Eventhoppern anbiedern sollte, um sie an den Gottesdienstbesuch zu "binden". Denn sie wollen Spaß. Und wenn auf das "Event" nicht das "Mega-Event" und das "Giga-Event" folgen, hoppen sie nach kurzer Zeit anderswo ... oft in Gemeinden, die "Wunder" und "Prophetie" verheißen. Hier in der Gegend gibt es da eine sehr bunte und spirituell abgedrehte Szene in diversen Freikirchen (US-amerikanischer Prägung), deren Mitglieder zuerst landeskirchliche Gemeinden aufgemischt haben, bevor sie dort eine "geistliche Heimat" fanden. Ich nenne sie gern die "Hände-hoch-Fraktion" - z.T. liebe Leute, an deren Redlichkeit ich nicht zweifle, z.T. spirituelle Hedonisten und Egomanen. Der liebe Gott hat einen großen Zoo ...  Lachen

LG
Michael


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Wichernkantor
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« Antworten #12 am: 29. November 2018, 12:54:29 »

Hier ist der theologisch-theoretische Überbau zur "Liturgiereform". In verschiedenen Punkten durchaus diskussionswürdig ...
(Bitte ganz oder gar nicht lesen ...  Lachen)

http://gottesdienst-ekir.de/files/downloads/zu_schauen_die_schoenen_gottesdienste_des_herrn.pdf

LG
Michael

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wohli
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« Antworten #13 am: 29. November 2018, 17:06:45 »

Hier das wichtigste:

Dazu, dass die Gottesdienstgemeinden überhaupt singen,
müssen sie aber auch in den Gottesdiensten selbst ermutigt
und befähigt werden. Dies geschieht zunächst durch eine
instrumentale Begleitung des Gemeindegesangs, die ihm in
Tempo, Dynamik und Harmonik aufhilft und dient. Sicherlich
bleibt für die Begleitung der singenden Gottesdienstgemeinde
die Orgel das Hauptinstrument; zur adäquaten Begleitung
neuerer musikalischer Formen sollte aber möglichst in jeder
Gottesdienststätte auch ein Klavier oder E-Piano zur Verfügung
stehen und genutzt werden.

 Lupe  LG Bernd
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Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten [Friedrich Schiller (1759-1805), Wilhelm Tell (III,1)]
trompetendulzian
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« Antworten #14 am: 29. November 2018, 18:39:18 »

Die dazugehörigen Begleitbücher für die Organisten sind noch nicht erhältlich wie es ausschaut, sollen aber demnächst kaufbar werden.

Hier ist's nun zu finden. (Der Link in's Shopsystem bei Strube sieht etwas merkwürdig aus, funktioniert aber).

Viele Grüße
Trompetendulzian
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Larigot
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« Antworten #15 am: 29. November 2018, 23:01:24 »

Hier ist's nun zu finden. (Der Link in's Shopsystem bei Strube sieht etwas merkwürdig aus, funktioniert aber).

Oh danke, gestern habe ich noch vergeblich danach gesucht.

Die Liedauswahl (also das, was ich kenne) finde ich gar nicht mal schlecht, allerdings sind im rheinischen Eigenteil des EG und in unserem alternativen Gesangbuch "Lieder zwischen Himmel und Erde" (finde ich übrigens ziemlich gut) so viele Lieder schon enthalten, dass dieses Begleitheft bei uns wohl keine Chance hat.

LG
Christian
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« Antworten #16 am: 29. November 2018, 23:28:43 »

zur adäquaten Begleitung
neuerer musikalischer Formen sollte aber möglichst in jeder
Gottesdienststätte auch ein Klavier oder E-Piano zur Verfügung
stehen und genutzt werden.



Aus meiner Sicht ein Klares Jein. Auf der einen Seite ist das rein musikalisch schon richtig und gerade die NGLs lassen sich auf dem Klavier viel leichter so begleiten, dass man der Gemeinde wirklich eine Hilfe ist. Auf der anderen Seite habe ich die Erfahrung gemacht, dass Klaviere in Kirchen der Pfarrerschaft häufig so gut gefallen, dass man ständig dazu gedrängt wird ganz auf die Orgel zu verzichten und ständig den Kampf für die Orgel als Hauptinstrument des Gottesdienstes führen zu müssen empfand ich als sehr ermüdend.

Es bleibt noch anzumerken, dass ab einer gewissen Raumgröße die Klaviere Probleme kriegen ebenjenen Raum zu füllen. Eine wirklich gute auf den Raum abgestimmte E-Pianoverstärkung dürfte aber wiederum sehr aufwendig zu realisieren sein...
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Es mag sein, dass nicht alle Musiker an Gott glauben; an Bach jedoch alle. - Mauricio Kagel
wohli
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« Antworten #17 am: 30. November 2018, 07:42:00 »

War auch ironisch gemeint  Teufel 1 Sorry - hätte "das wichtigste" in Anführungszeichen setzen sollen ...
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Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten [Friedrich Schiller (1759-1805), Wilhelm Tell (III,1)]
Wichernkantor
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« Antworten #18 am: 30. November 2018, 08:30:00 »

Egal was - neben viel Bedenkenswertem - in diesem Papier steht: Für mich ist und bleibt das Klavier kein gottesdienstliches Instrument. Denn in den meisten Kirchen, die ich kenne, klingen (mechanische und digitale) Klaviere einfach grottig. Zudem eignen sie sich nicht für (orgeleigenes) Literaturspiel und Choralbegleitung. Und NGL, die auf der Orgel nicht angemessen darstellbar sind, eignen sich nach meinen Beobachtungen auch nicht so recht für den Gemeindegesang.

Daher werde ich mich weiter konsequent weigern, als Organist im Gottesdienst Klavier zu spielen. Gemeinden, die das wünschen, mögen einen "liturgischen Kneipenpianisten" verpflichten - ein Berufsbild, das ja wohl Zukunft hat, wenn der Trend zum Pianiergerät anhält ...  Lachen

In (mindestens) einem Punkt irrt die Studie: Sie schreibt vom Aufblühen der Gospelchöre. Ich beobachte hierzulande, dass dieses Strohfeuer in etlichen Gemeinden bereits heruntergebrannt ist. Oft waren das Personalchöre, die den ersten, spätestens den zweiten Wechsel in der Chorleitung nicht überlebt haben ...
Ich wage die Gegegenthese: Nach dem oberflächlichen amerikanisch-englischen Zeug mit seinen schlechten Übersetzungen und theologischen Platitüden kräht in zehn bis 20 Jahren kein Hahn mehr. Paul Gerhardts tiefe Dichtung wird man noch in 100 Jahren schätzen und singen.

LG
Michael
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« Antworten #19 am: 30. November 2018, 09:27:09 »

Hallo,

ein paar Einwürfe:
Beliebte Pluslieder wie "Aus den Dörfern und aus Städten" oder "Da berühren sich Himmel und Erde" kann ich musikalisch gar nicht leiden. "Da berühren sich Himmel -Pause- und Erde?" berühren sie sich oder durch die Pause nicht? dass "Frieden" gerade dieses wichtige Wort Frieden wird triolisiert und bleibt für die Durchschnittsgemeinde unsingbar und so weiter [...]
Ich habe einen Freund, der singt im selben Gottesdienst sehr gerne ein lateinisches Choralordinarium und "Da berühren sich Himmel..." oder andere neuere "Schlager". Im vorliegende Fall habe ich das übrigens immer so empfunden oder gesungen, dass der "Frieden" durch die Rhythmusänderung hervorgehoben wird.

Aus meiner Sicht ein Klares Jein. Auf der einen Seite ist das rein musikalisch schon richtig und gerade die NGLs lassen sich auf dem Klavier viel leichter so begleiten, dass man der Gemeinde wirklich eine Hilfe ist.
Allerdings gehört da auch eine eigene Klavier-Spiel-Technik dazu. Wir haben hier einen Kollegen (Laie), da klingt die Begleitung von NGL auf dem Klavier super. Ich kann das nicht.
Dass Klavier und Gitarre, abhängig von der Größe der Kirche oder Kapelle, nur wenig oder keinen Gesang in der Kirche tragen, ist eine andere Sache. Unsre 3registriges Portativ trägt aber auch nur in der Kapelle, nicht in der Kirche.

Egal was - neben viel Bedenkenswertem - in diesem Papier steht: Für mich ist und bleibt das Klavier kein gottesdienstliches Instrument. Denn in den meisten Kirchen, die ich kenne, klingen (mechanische und digitale) Klaviere einfach grottig. Zudem eignen sie sich nicht für (orgeleigenes) Literaturspiel und Choralbegleitung.
Letzteres ist sicher richtig, heißt aber nicht, dass nicht auf dem Klavier in einer Kapelle oder kleinen Kirche musikalisch tolle Dinge möglich sind. Karl Scharnweber etwa hat das drauf  (leider gib es kein Video von seinen Improvisationen). Ich wundere mich immer ein bisschen, dass in der Aus- und Weiterbildungen von ehren- und nebenamtlichen Organisten/innen der Schwerpunkt sehr stark auf Bach und Barock liegt. Einfache und gut klingene Musik etwa Romantik oder Gegenwart wird ziemlich vernachlässigt.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
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