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Autor Thema: Liturgiereform in der EKD zum 1. Advent  (Gelesen 1005 mal)
trompetendulzian
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« am: 27. November 2018, 20:30:06 »

Durch Zufall bekam ich vor ein paar Tagen mit, dass im Bereich der Gliedkirchen der EKD am kommenden Sonntag einige liturgische Veränderungen (die sogenannte Perikopenrevision) anstehen. Neben einer Neuordnung der Predigttexte gibt es in Zukunft zu jeweils zwei Wochenlieder, von denen zumindest eins aus einem neuen (?) Beiheft zum Evangelischen Gesangbuch stammen kann.
Außerdem werden die Sonntage der Epiphanias- und Vorpassionszeit im Kirchenjahr neu geordnet. Die Weihnachtszeit endet in Zukunft am Sonntag nach dem 2. Februar. Die interessanteste Änderung ist in meinen Augen der Umgang mit dem Halleluja:
Das „Halleluja“ (und der dazugehörige Halleluja-Vers) ist nun die Einleitung zur Evangeliumslesung und nicht mehr die Antwort der Gemeinde auf die Epistellesung. Diese Funktion ist die historisch ursprüngliche, und sie entspricht der Praxis in den Kirchen der Ökumene.
Wenn ich das richtig verstehe, müsste das Halleluja in Zukunft nach dem Lied nach der Epistel gesungen werden bzw. bei Gemeinden, die nur eine Lesung lesen, davor statt danach. Auf die Umsetzung bin ich sehr gespannt, zumal hier der Regelfall ist, dass das Halleluja nach dem Evangelium bzw. der einzigen Lesung gesungen wird. Ein Punkt mehr, den es vor dem Gottesdienst zu klären gibt - vermutlich wird diese Frage wie ich die meisten Pfarrer kenne erstmal auf Unverständnis stoßen...

Habt ihr von der Thematik schon etwas mitbekommen?

Viele Grüße
Trompetendulzian
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« Antworten #1 am: 27. November 2018, 20:38:48 »

Mangels Zugehörigkeit zur EK habe ich davon nichts gehört.
Einiges kommt mir - aus katholischer Sicht - recht sinnvoll vor, z.B. die Zuordnung des Hallelujarufs zum nachfolgenden Evangelium.

Dass die Weihnachtszeit wieder mit dem 2. Februar (Darstellung des Herrn) in Verbindung gebracht wird, freut mich ganz persönlich; da haben wir Katholiken uns vermutlich doch etwas übereifrig übernommen, als wir Sonntag nach Epiphanie als Ende setzten.
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« Antworten #2 am: 27. November 2018, 21:12:32 »

In der rheinischen Kirche ist die Ordnung nicht verpflichtend, sondern (nur) "zum Gebrauch empfohlen". In meiner Gemeinde wird von dieser Freiheit traditionell reichlich Gebrauch gemacht; ich bin gespannt, ob, wann, wie und was sich ändert. Lupe

LG
Christian
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« Antworten #3 am: 27. November 2018, 23:50:50 »

Neben einer Neuordnung der Predigttexte gibt es in Zukunft zu jeweils zwei Wochenlieder, von denen zumindest eins aus einem neuen (?) Beiheft zum Evangelischen Gesangbuch stammen kann.


Ich habe davon ein bisschen mitbekommen und frage mich gerade was das heißen könnte? Es gibt glaube ich kein Beiheft zum EG das in allen Gliedkirchen verwendet wird, oder?

Ich habe jedenfalls mitbekommen, dass einige der neuen Wochenlieder in manchen Regionalanhängen zum EG vorkommen, aber da sie halt nicht aus dem Stammteil kommen für viele nur mühsam zugänglich sind. Entweder werden diese neuen Wochenlieder es also schwer haben oder es wird wieder viel kopiert werden  Dagegen oder die werden alle in den Stammteil des neuen geplanten Gesangbuchs kommen. Ich finds jedenfalls nicht gut. Der Stammteil hätte aus meiner Sicht genug hergegeben.

Auf die liturgischen Änderungen bin ich in der Praxis im positiven Sinne gespannt.
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Gemshorn
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« Antworten #4 am: 28. November 2018, 08:15:06 »

Den Link zur Perikopenseite habe ich gestern Abend noch besucht.
Was ich bis dato nicht wusste, ist, dass die EK andere Perikopen liest als die KK - und zwar auch zu den geprägten Zeiten.
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trompetendulzian
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« Antworten #5 am: 28. November 2018, 18:26:43 »

Ich habe davon ein bisschen mitbekommen und frage mich gerade was das heißen könnte? Es gibt glaube ich kein Beiheft zum EG das in allen Gliedkirchen verwendet wird, oder?
Auf der von mir verlinkten Seite heißt es ziemlich weit unten:
Als Supplement zum Evangelischen Gesangbuch ist ein Ergänzungsheft mit den Psalmen in der Auswahl der neuen Ordnung erschienen und mit den neuen Liedern der Woche bzw. des Tages, die im Stammteil des aktuellen EG nicht enthalten sind. Es wird von der EKD herausgegeben.

Alle drei Publikationen sind in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig und im Luther-Verlag Bielefeld erschienen und seit Oktober 2018 über den Buchhandel erhältlich.

Für Kirchenmusiker/-innen und Chöre erscheinen im Strube-Verlag ein Begleitheft für Tasteninstrumente (November 2018), eine Bläserausgabe (Dezember 2018) und ein Chorheft (Frühjahr 2019).
Die Webseite vom Strube-Verlag, auf der ich mehr Informationen zu finden hoffte, ist bei mir momentan leider nicht erreichbar.
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« Antworten #6 am: 28. November 2018, 23:02:22 »

Ich hab das Ergänzungsheft zum EG seit dieser Woche. Soweit ich weiß, wird das überall verwendet werden. Kostenpunkt 1€. Es kann also leicht von jeder Gemeinde gekauft werden.
Die dazugehörigen Begleitbücher für die Organisten sind noch nicht erhältlich wie es ausschaut, sollen aber demnächst kaufbar werden.
Finden tut man es auf der Seite der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig, bestellbar ist es noch nicht, habe ich gerade gesehen, hm ...
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MagisterPerotin
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« Antworten #7 am: 28. November 2018, 23:41:27 »

Zitat
Als Supplement zum Evangelischen Gesangbuch ist ein Ergänzungsheft mit den Psalmen in der Auswahl der neuen Ordnung erschienen und mit den neuen Liedern der Woche bzw. des Tages, die im Stammteil des aktuellen EG nicht enthalten sind. Es wird von der EKD herausgegeben.


Na da werden sich aber alle Landeskirchen, allen voran die hessischen, freuen die derzeit planen oder bereits vor kurzem eigene Beihefte herausgebracht haben.

Soll es dann schon drei Liederbücher/hefte für den Gottesdienst geben? Ich halte das für sehr unglücklich.
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Larigot
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« Antworten #8 am: 29. November 2018, 00:23:23 »

Na da werden sich aber alle Landeskirchen, allen voran die hessischen, freuen die derzeit planen oder bereits vor kurzem eigene Beihefte herausgebracht haben.

Soll es dann schon drei Liederbücher/hefte für den Gottesdienst geben? Ich halte das für sehr unglücklich.

Das sehe ich ganz genau so.

Aber positiv gesehen: Wenn Ergänzungs- und Begleithefte wie Pilze aus dem Boden schießen, zeigt das, dass die Zeit allmählich für ein neues "großes" Gesangbuch reif wird. Und welche Lieder, Psalmen etc. da reinfinden und welche nicht, erprobt man am besten in der Praxis (Try-and-Error), anstatt dass es am grünen Tisch entschieden wird.
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Wichernkantor
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« Antworten #9 am: 29. November 2018, 07:37:51 »

Es geht im Wesentlichen darum, Wochenlieder, Psalmen und Lesungen neu zu ordnen - weniger darum, sie neu zu erfinden. Der überwiegende Teil der Gesänge ist im Stammteil und in den Regionalanhängen bereits vorhanden. Im Gegensatz zum NGL-Gehopse des "EG plus" haben die Autoren darauf geachtet, dass so ziemlich alles für die sonntägliche Normalgemeinde singbar ist. Der Liedteil umfasst knapp die Hälfte des kleinen Heftes. Die meisten Seiten sind mit den Wochenpsalmen und den Bibelstellen für die Sonntage der Lesejahre bedruckt. Also kein neues "Gemeindebuch", sondern eher eine Handreichung für die Liturgen, wenn ich das richtig verstanden habe.

In der Tat: Wenn man plötzlich drei Gesangbücher aufschlagen müsste, wäre das ein starker Anreiz, es ganz zu lassen. Und nach 25 Jahren Gebrauch wäre mal zumindest eine Revision des EG dran.

Was die Veränderungen im gottesdienstlichen Ablauf betrifft (Halleluja): In der rheinischen Kirche hat das örtliche Presbyterium die Liturgiehoheit. Es muss also Veränderungen in der Agende erst mal beschließen. (In meinem Wohnort wird die Liturgie noch nach der altpreußischen Agende von 1832 gesungen - ein prächtiges Museumsstück von Dimitri Bortnijansky.) Daher ist der Aufbau des Gottesdienstes im hiesigen Kirchenkreis eh ein Flickenteppich voller Versatzstücke. Hinzu kommt noch, dass die rheinische Kirche "uniert" ist, d.h. die Gemeinden stehen je nach Historie und Beschlußlage des Presbyteriums in lutherischer oder reformierter Tradition. Hier in der Gegend gab es vor Jahren noch (reformiert geprägte) Gemeinden, in denen das Abendmahl nach dem Gottesdienst gefeiert wurde. Vorher wurden alle Nichtteilnehmer (mit Ausnahme des Organisten) gesegnet und nach Hause geschickt.

Und ceterum censeo: Das "EG plus" gehört eh' zu den Dingen, die die Welt nicht braucht (und in den Orkus) ...  Dafür

LG
Michael
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