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Autor Thema: Liedanzeigetafel  (Gelesen 644 mal)
Wichernkantor
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« Antworten #10 am: 08. November 2018, 12:56:04 »

In der hiesigen Freikirchen-Szene ist der Liedtext-Beamer absolutes Mittel der Wahl. Vor allem deshalb, weil das Liedgut i.d.R. aus irgendwelchen Heftchen oder von kopierten Zetteln mit NGL zusammengesucht ist. Notentext verbietet sich, da sich die Gemeinden meistens ihre Lokalfassungen "zurechtkomponiert" haben.
Außerdem geht das Beamen nur in relativ kleinen Räumen. In großen, die dazu noch hell ausgeleuchtet sind, versagt der Beamer. Statt gut lesbarer, kontrastreicher Buchstaben sieht man oft diffuse Schattenspiele an der Wand. Und oft genug bleibt das Ding dann hängen oder der Bediener blättert zu früh oder pennt (alles Live-Erlebnisse ...).
Meistens steht dann auch noch vorn an zentraler Stelle eine Leinwand als Projektionsfläche herum. Auf mich wirkt das atmosphärisch wie "Onkel Emil zeigt seine Urlaubsfilme" ...  Traurig

Ich kann mir nicht helfen: Für mich geht nix über die Liedtafel. Auch deshalb, weil ich keine Lust habe, noch während des Gottesdienstes an irgendwelchen Anzeigeapparaten herumzuspielen. Ich bin mit Tasten und Registerzügen hinreichend ausgelastet ...  Lachen
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Jesaiah
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« Antworten #11 am: 08. November 2018, 15:39:57 »

Damit man sich was vorstellen kann, so sieht das bei uns aus ...:

http://olaf.uni-graz.at/~wessely/Liedanzeige_Nestelbach.jpg

Das Foto ist leider mit meiner miesen Handykamera gemacht ... aber für einen Eindruck reicht es.
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Machthorn
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« Antworten #12 am: 08. November 2018, 20:45:16 »

Zitat
und zwar, wie ich vermute, ohne die Rechte dafür irgendwo eingeholt zu haben

Das ist ein nicht unwichtiger Punkt! Texte per Beamer live an die Wand zu werfen, ist eine Veröffentlichung. Da braucht man schon die Genehmigung von Autor, Verlag oder Verwertungsgesellschaft - natürlich nicht ohne gewissen Obulus...
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Gloria Klassik 226 Trend
Wichernkantor
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« Antworten #13 am: 08. November 2018, 21:59:35 »

Ich habe den Eindruck, dass man das in dieser Szene eher locker sieht ...  Zwinkern
Vor allem, weil der Tatnachweis schwer zu führen ist, wenn der Beamer ausgeschaltet und der USB-Stick mit den Texten irgendwo in einer Jackentasche steckt.
Eine Parallele zur Kopierwut in den wilden 70ern. Ich entsinne mich an einen (landeskirchlichen) Pfarrer, der einem Kollegen sagte, er solle Kopien für den Kirchenchor machen, statt Noten zu kaufen. Das sei nichts als eine Form der "indirekten Kirchensteuer". Da war keinerlei Unrechtsbewusstsein.
Ende der 70er gingen viele kleine Musikverlage ein, weil die Kopierwut lawinenartig anschwoll.

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Michael
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« Antworten #14 am: 08. November 2018, 22:12:02 »

Och, gerade die Verwertungsgesellschaften wissen schon, wie das geht. Anekdote aus einem NAK-Konzert irgendwo im Norden, wo aus zusammenkopierten Noten gesungen wurde. Nach dem Konzert gesellten sich zwei sehr nette Herren zu ein paar Chorsängern, sparten mit Lob nicht und ließen sich die Noten zeigen, nach dem Motto: "Was haben Sie da schönes gesungen, darf ich mal sehen?". Schon war die Falle zugeschnappt. Das geht auch im Gottesdienst, wer kennt schon immer alle Besucher?
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Gloria Klassik 226 Trend
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« Antworten #15 am: 08. November 2018, 22:18:11 »

Ich habe den Eindruck, dass man das in dieser Szene eher locker sieht ...  Zwinkern
Vor allem, weil der Tatnachweis schwer zu führen ist, wenn der Beamer ausgeschaltet und der USB-Stick mit den Texten irgendwo in einer Jackentasche steckt.
Das war in meiner frischen Jugendzeit. Da wusste die Welt noch nichts von USB. Das waren ordinäre Dias, die da gebeamt wurden. Lachen

Zum Thema Rechte: Vor 20, 30 Jahren kannte ich hier im Umkreis von 30 km keinen Chor, der Noten gekauft hätte...
Kopieren war normal. Und oft waren selbst die Kopien schon uralt. Oder man fertigte Abschriften uralter handschriftlicher Noten an, die der Dorflehrer von anno dazumals für den Kirchenchor verfasst hatte und die als lokales Kulturgut von Generation zu Generation weitergereicht wurden.
Gerade am Dorf gab es viele Regentes chori, die fromme Lieder für ihren Chor selber einrichteten („Sätze für einfachste Verhältnisse“). Hin und wieder konnte man da eine Kopiervorlage vom Chorleiter der Nachbargemeinde erbetteln. Damals war so etwas noch ohne viel Aufhebens möglich... Selige Zeiten...
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Jesaiah
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« Antworten #16 am: 09. November 2018, 07:01:01 »

Och, gerade die Verwertungsgesellschaften wissen schon, wie das geht. Anekdote aus einem NAK-Konzert irgendwo im Norden [...]

Das wäre in Österreich auch der Fall. Konzert ist ja ein anderer Fall.
Aber im Gottesdienst? Bei uns regelt das Urheberrechtsgesetz, dass Kopien in angemessenem Umfang und nur für den kirchlichen Zweck zulässig sind, und kirchliche Aufführungen fallen unter freie Werknutzung...

Ist die Rechtslage in D tatsächlich so unterschiedlich, oder lese ich das UrhRG falsch?

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« Antworten #17 am: 09. November 2018, 07:14:24 »

Nach dem Konzert gesellten sich zwei sehr nette Herren zu ein paar Chorsängern, sparten mit Lob nicht und ließen sich die Noten zeigen, nach dem Motto: "Was haben Sie da schönes gesungen, darf ich mal sehen?". Schon war die Falle zugeschnappt. Das geht auch im Gottesdienst, wer kennt schon immer alle Besucher?

Bei einem befreundeten (kath.) Kollegen tauchten in den wilden 70ern zwei Herren in der Chorprobe auf und wollten in die Schränke sehen. Die Leutchen waren so verdattert, dass sie es zuließen, statt vom Hausrecht Gebrauch zu machen. Die Sache kostete den Chor damals 20 TDM ... Und der Pfarrherr, der Geld für Noten verweigert hatte, entrüstete sich, dass "sein" Kirchenchor so böse, illegale Sachen gemacht hatte ...

Bei Evangelens war das schon damals anders geregelt: Das Geld für Chornoten ist in den meisten Landeskirchen ein fester Titel des Budgets der Gemeinde. Es ist zweckgebunden, damit keiner auf dumme Gedanken kommt und dafür ein neues Altartuch kauft oder den Lokus im Gemeindehaus frisch streichen lässt ...

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« Antworten #18 am: 09. November 2018, 07:23:41 »

Ist die Rechtslage in D tatsächlich so unterschiedlich, oder lese ich das UrhRG falsch?

Die Rechtslage ist eindeutig. Aber zwischen den Verwertungsgesellschaften auf der einen und den Diözesen und Landeskirchen auf der anderen Seite bestehen unterschiedliche vertragliche Vereinbarungen. Es ist noch nicht lange her, da hat die GEMA den Vertrag mit den kath. Bistümern gekündigt, weil nicht genug Kohle 'rüberkam. Neue Verhandlungen ziehen sich - nach meinen Informationen - hin. Die Landeskirchen haben unterschiedliche Verträge. Manche decken auch die konzertante Kirchenmusik ab. Die EKHN schickte vor Jahren noch Listen rund, in die die Organisten einzutragen hatten, was sie gespielt haben. Ich habe mich immer geweigert, das zu machen - mit der Begründung, dass Zeit für Tatigkeiten als Hilfsbuchhalter der GEMA nicht Bestandtteil meines Arbeitsvertrages sei. Ich habe dann immer vorgeschlagen, dass die GEMA doch bitteschön einen Aufpasser vorbeischicken möge, wenn sie wissen wolle, was ich spiele. Danach war immer eine Zeitlang Ruhe.
Da ich wohl nicht der einzige Kooperationsverweigerer war, hörte das irgendwann ganz auf.

Aber jetzt sind wir voll in einem anderen Thema ...

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« Antworten #19 am: 09. November 2018, 07:50:30 »

Es ist noch nicht lange her, da hat die GEMA den Vertrag mit den kath. Bistümern gekündigt, weil nicht genug Kohle 'rüberkam. Neue Verhandlungen ziehen sich - nach meinen Informationen - hin.
War das nicht schon erledigt?
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Gloria Concerto 350 Trend
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