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Autor Thema: Cantorum Duo - meine Feldorgel 2.0  (Gelesen 1665 mal)
Wichernkantor
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« am: 30. Oktober 2018, 17:26:35 »

Hendrik hat ja schon gepetzt - ich habe seit Samstag eine neue Feldorgel, die neue Viscount Cantorum Duo.
 Freudensprung Freudensprung Freudensprung
Das Projekt "Feldorgel 2.0" hat mich ja schon seit einiger Zeit beschäftigt. Zum Anforderungprofil gehörten für mich Zweimanualigkeit, Option auf Pedalanschluss, möglichst geringe Kubatur und geringes Gewicht. Guter Klang versteht sich von selber.
Alleiniger Platzhirsch in diesem Segment war ja bis ins vergangene Jahr Hoffrichter. Damit habe ich auch lange geliebäugelt. Ein zweimanualiger Hoffrichter-Tastaturblock mit einem der sehr gut klingenden Expander waren für einige Zeit meine Favoritlösung. Das wären dann allerdings wieder zwei Kästchen plus Abstrahlung gewesen. Dann kam Content mit der "Compact" aus den Startlöchern.
Da Tauglichkeit zur Begleitung einer gut hundertköpfigen Gemeinde (in Gemeindesälen, Aussegnungshallen) im Lastenheft stand, fand ich die externe Abstrahlung über kleine, aber feine Standboxen recht apart. Auch die Abmessungen des Klaviaturblocks lagen (in der Breite) deutlich unter denen des Cantorum VI, dass dazu noch ganz schön was auf die Waage bringt. In zwei Punkten konnte mich die "Compact" jedoch nicht überzeugen. Die mechanische Qualität des Ständers, vor allem dessen Seitenstabilität, waren suboptimal. Und es ist ja kein Geheimnis, dass mir die Content-Samples nicht übermäßig gut gefallen. Ich hab's einfach gern knackiger ...
Also hieß es: abwarten.
Kurz vor dem Sommerurlaub kam dann die Nachricht aus Baunatal, dass dort ein Prototyp der neuen Viscount Duo zu betasten sei. Ich bin noch schnell hingefahren, habe das Gerät aus der Vorserie betastet und fand die meisten Punkte meines Profils erfüllt.
- Die Samples entsprechen denen der Gloria Optimus, es gibt sie in vier Styles. Sie taugen was.
- Die Disposition ist brauchbar - und durch den freigewordenen CM 100 aus der Wichernkirche flexibel zu erweitern.
- Die Klaviaturen spielen sich angenehm. Guter Viscount-Standard.
- Das Instrument ist - trotz Zweimanualigkeit - handlicher als das Cantorum VI und auch geringfügig leichter.
- Die interne Abstrahlung ist ein Wurf und setzt in dieser Klasse neue Maßstäbe: Eine durchgehende Reflexröhre quer hinter den Klaviaturen verbessert die bisher bei allen Sakralkeyboards eher bescheidene Basswiedergabe enorm. Die Haupt-LS strahlen nach der Seite ab und neben dem Notenbrett werkeln zwei Tweeter und sorgen für einen plastischen Klang.
- Und nun das Beste: Die Verstärker leisten 2x40 Watt.
- Wem das nicht langt, der hat die Option, bis zu vier Kanäle extern anzuhängen. D.h. ich könnte an diesem Instrument ggf. mit meinen beiden externen Aktivsystemen eine werkweise Abstrahlung realisieren, mit der auch größere Räume zu beschallen sind.
Mir ging es aber vorrangig um ein schnell und flexibel einsetzbares System. Im Normalfall (Verwendung bei einer Trauerfeier anstelle der in den hiesigen Leichenhallen üblichen Gruselgeräuscherzeuger) brauche ich wohl nur den Klaviaturblock, den Ständer und meinen Notenkoffer. Das schafft ein Mann in einer Tour aus dem Kofferraum. Verkabelung enfällt - bisher war ich bei solchen Gelegenheiten immer sehr früh am Einsatzort, um nicht vor der versammelten Trauergemeinde noch Strippen durch die Geographie ziehen zu müssen.

Diese Gedankengänge ließ ich in der Sommersonne Frankreichs reifen.

Als wir uns also am Samstag im Hause Kisselbach trafen, bin ich sofort auf die Cantorum Duo los und der Chef lästerte, normalerweise würden sich Kunden erst mal an die größte Orgel setzen und alle Register ziehen. Ich hab's gemacht wie immer: Erst mal den Prinzipal 8' probiert. Und wir wurden sofort Freunde.
Während sich die Kollegenschar an Größerem delektierte, teilte ich der Gemahlin fernmündlich mit, dass ich ihr vom Forumstreffen edle Konfiserieprodukte und mir eine schnucklige kleine Orgel mitbringen werde.
Und so geschah es.
Jetzt bevölkert das schöne Instrument interimistisch mein Arbeitszimmer und wartet auf den ersten bestimmungsgemäßen Einsatz.

LG
Michael

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« Antworten #1 am: 30. Oktober 2018, 17:36:02 »

Herzliche Gratulation!

Ich bitte um gelegentliche Praxisberichte...!

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"Ahoi da drin, hätten Sie vielleicht Interesse an einer Dampforgel?"

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Wichernkantor
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« Antworten #2 am: 30. Oktober 2018, 17:59:58 »

Aber gern!

LG
Michael
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« Antworten #3 am: 30. Oktober 2018, 18:03:20 »

Wichernkantor, Du lässt mich vor Neid erblassen, Deine Gemahlin mit einer Konfisserieköstlichkeit gnädig stimmen zu können! Mich würde interessieren, ob so ein Cantorum duo auch ein passendes Pedal hat und ob der Transport des Manualblocks wirklich leichter geht als mit einem Cantorum VI. Kann ein Normalsterblicher per Pedes Dein Teil wirklich in der Berliner S-Bahn durch den Innenstadtverkehr transportieren? Gibts dafür ne gepolsterte Tasche? Wäre ne tolle Alternative zum leichten Cantorum V...
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Viscount Cantorum V
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« Antworten #4 am: 30. Oktober 2018, 18:51:48 »

Ja, es gibt eine passende Tasche dazu.
Das Gerät ist nur so breit wie eine Klaviatur plus Seitenwangen. Es ist halt eine Tastenlänge tiefer als das Cantorum VI und rund 20 cm hoch. Die Kubatur ist durchaus handlich und das Gewicht liegt - wie erwähnt - geringfügig unter dem schweren Cantorum VI. Es gibt dazu auch ein passendes Untergehäuse und ein Pedal mit Bank. Ich habe mir beides seinerzeit schon für das Cantorum VI beschafft. Beide Teile passen auch zur Cantorum Duo.

LG
Michael
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« Antworten #5 am: 31. Oktober 2018, 13:49:17 »

Sehr interessant. Das Gerät weckt mein Interesse für eine kleine Taufkapelle bei uns.

Wie ist das mit der Nutzung der Pedalregister? Nur möglich mit angeschlossenem Pedal oder auf die Manuale setzbar?
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Es mag sein, dass nicht alle Musiker an Gott glauben; an Bach jedoch alle. - Mauricio Kagel
Wichernkantor
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« Antworten #6 am: 31. Oktober 2018, 13:55:44 »

Nein, die Pedalregister lassen sich natürlich am I. Manual mitspielen.
Sie wirken jeweils auf den tiefsten Ton. Natürlich würde man sich in der Disposition noch Subbass 16' und Gedecktbass 8' wünschen. Aber die Prinzipale sind vom Klang her eher Offenbässe bzw. franz. Flutes, d.h. sie sind rund mit festem, kompaktem Klang. Der kommt aus den verbauten LS in der tiefen Oktave klarer als die obertonlosen Gedeckten.

In einer halben Stunde hat das Gerät (pur, ohne jede Zutat) Einsatzpremiere bei einem Trauergottesdienst. Ich bin sehr gespannt.

LG
Michael
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« Antworten #7 am: 31. Oktober 2018, 14:00:26 »

Lass nachher hören, ob das Gerät Trost gespendet hat...
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Viscount Cantorum V
Wichernkantor
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« Antworten #8 am: 01. November 2018, 10:55:31 »

Es war eine gelungene Premiere. Ohne jede Zutat ist eine mehr als 100köpfige Gemeinde in einer Aussegnungshalle mit dem Prinzipalchor ordentlich zu begleiten. Die Pedalstimme trägt und zeichnet. Mit sechs 8'ern kann man schattierungsreich spielen, die solistischen Zungen (Oboe, Krummhorn) klingen fein.
Mit dem Cantorum VI habe ich ja ziemliche Tricksereien anstellen müssen, um via Manualteilung und Querkoppeln "virtuelle" Zweimanualigkeit vorzutäuschen. Da sind zwei reale Manuale einfach praktischer und machen den Kopf frei für's Musizieren.
Ich wurde in der Vergangenheit von dieser Gemeinde (im Nachbarort) regelmäßig angefragt - stets mit der Maßgabe, meine Feldorgel mitzubringen, da sie erheblich besser trägt als das vorhandene Krächzpositiv.
Bastis a-moll-Fantasie zum Schluss (da sie manualiter gespielt werden kann, ist sie mit einer 900er-Nummer unter den Klavierwerken einsortiert) ermöglichte mit hochgekoppeltem Pedal einen saftig tragenden Klang. Sie ist ja ein Stück des Durezza-e-Ligature-Typus, erinnert in der Machart an die Fuge aus der "Dorischen".
Ich habe übrigens beim Literaturspiel den romantischen, beim Begleiten den sinfonischen Registersatz verwendet - letzterer hat in den Prinzipalen zum Diskant hin steigende Mensur, wie es die romantischen Engländer machten.

Das Gerät macht einfach Spaß. Auf- und Abbau dauern keine fünf Minuten: Scherenständer aufstellen, Keyboard auflegen, Stecker stöpseln, fertig. Die zugehörige Tasche ist noch nicht da. Zum Transport habe ich die Orgel in eine Decke gewickelt. Sie paßt locker in der Breite in den Kofferraum eines Golf Sportsvan.

Fazit: ein deutliches Mehr an klanglichen Optionen und im mobilen Einsatz eine spürbare Erleichterung im Handling.
Je ne regrette rien ...

LG
Michael


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Jesaiah
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« Antworten #9 am: 01. November 2018, 13:17:40 »

und die Frage aller Fragen ...: Was hat Dich das Schmuckstück nun gekostet (tutti!) ?
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"Ahoi da drin, hätten Sie vielleicht Interesse an einer Dampforgel?"

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