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Autor Thema: Alternative Choralsätze zum neuen Gotteslob  (Gelesen 879 mal)
Romanus
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« am: 04. Oktober 2018, 21:27:55 »

Ihr könnt mich gern erzkonservativ und einen Nostalgiker nennen, aber mich begeistern die meisten Liedsätze im neuen GL nicht wirklich, sie wirken auf mich zu einem großen Teil "08/15", teilweise einfallslos, teilweise stilistisch nicht passend.  
Ausnahmen: "Das Weizenkorn" (für mich ein echter Gewinn gegenüber dem Satz im alten GL !) und natürlich ein paar schöne Sätze, die unverändert aus dem alten GL übernommen wurden.

Deshalb und natürlich auch aufgrund des meiner Meinung nach überhöhten Preises und der nicht gerade gediegenen Verarbeitung habe ich mir diese Bände privat nicht gekauft und halte stattdessen nach praxistauglichen und stilvollen Alternativ-Sätzen Ausschau, wenn ich gerade nicht genug Zeit und Lust habe, um meinen eigenen Satz zu einem neu eingeführten Lied zu schreiben.

Bereits zu Zeiten des alten GL ist mir aufgefallen, dass einige der schönsten Sätze wie z.b. "O Heiland, reiß die Himmel auf", "Komm, du Heiland aller Welt" und "Es ist ein Ros entsprungen", aus dem "Choralbuch zum Evangelischen Kirchengesangbuch, Ausgabe Württemberg" stammen.  Lupe
Also habe ich nach exakt diesem Choralbuch gegooglet und wurde in einem Antiquariat prompt fündig.  Freudensprung
Mittlerweile habe ich ein gut erhaltenes Exemplar des Württembergischen Choralbuches.
Die darin enthaltenen 4-stimmigen Sätze sind eigentlich ziemlich einfach, ohne viel Vorzeichen-Änderungen und komplizierte harmonische Wendungen, klingen aber trotzdem großteils sehr stilvoll und edel.
Das Buch enthält zu jedem Choral auch einen 3-stimmigen Satz. Dafür habe ich zwar grundsätzlich eher wenig Verwendung, aber man könnte diese Sätze z.b. - zart registriert und ein bisschen verziert - auch als Vorspiele gebrauchen.

Alles in allem finde ich im Württembergischen Choralbuch - obwohl es ein evangelisches Choralbuch ist - immer wieder gut verwendbare Alternativen zu GL-Sätzen, z.b. für nächstes Wochenende, für das - entsprechend dem Thema des Evangeliums - die Einführung von GL 499 "Gott, der nach seinem Bilde aus Staub den Menschen macht" geplant ist, das dieselbe Melodie wie das evangelische Lied "Wie soll ich dich empfangen" (Johann Crüger) verwendet, habe ich mir den Satz aus dem Württembergischen Choralbuch nach D-Dur transponiert und werde ihn (mit einer kleinen Änderung in Takt 4, wo im GL ein fis steht) kommenden Sonntag spielen.

Übrigens, dieses Choralbuch ist keineswegs vergriffen, ich empfehle es allen, die leicht spielbare und dennoch stilvolle Alternativen zu den Sätzen in den so beliebten Teufel 1 grauen Ringbüchern suchen !  Geheimtipp
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Gemshorn
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« Antworten #1 am: 04. Oktober 2018, 21:49:19 »

Die Gedanken zu den von dir genannten Sätzen im Orgelbuch zum alten GL hatte auch ich!
Dieses Choralbuch ist wohl wirklich eine Anschaffung wert.

PS: GL 499 nach der dort stehenden Melodie? Ich spiele das auch, allerdings auf die Melodie von 185 oder 187.
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Romanus
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« Antworten #2 am: 04. Oktober 2018, 22:12:05 »

GL 499 nach der dort stehenden Melodie?
Ja, unbedingt ! Wann hat man schon als Katholik die seltene Gelegenheit, die wunderschöne Melodie des Crüger´schen Adventliedes "Wie soll ich dich empfangen" zu spielen ?  Dafür
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« Antworten #3 am: 04. Oktober 2018, 22:19:37 »

Öh, keine Ahnung. Ich hätt's noch nie vermisst... Ratlos
Apropos: Ich habe irgendwo die Gemeindeausgabe des Württembergischen Gesangbuchs, allerdings sind dort ebenfalls 4stimmige (Chor?)Sätze drin - sind das wohl dieselben wie im Orgelbuch?
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Larigot
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« Antworten #4 am: 04. Oktober 2018, 23:09:04 »

Oh ja, das württembergische Choralbuch ist auch meine bevorzugte Quelle für Begleitsätze. Die Sätze (vor allem die Bassführung) sind m.E. meist schöner als das, was die aktuellen Begleitbücher zum EG so zu bieten haben. Ansonsten gucke ich auch gern in das Begleitbuch zum alten GL.

Ich bin auch bekennender Fan von den dreistimmigen Sätzen, weil sie kein "ausgedünnter" vierstimmiger Satz sind, sondern ganz anderen Prinzipien gehorchen. Zitat aus dem Vorwort: "... sind grundsätzlich weniger von der Harmonie als vielmehr von den melodischen Linien der Einzelstimmen her gestaltet." Im Trio ist das für einzelne Strophen eine schöne Abwechslung zu den vierstimmigen Sätzen, wenn man sich mit Dingen wie durchlaufende Bewegung an den Versenden oder Unisono-Strophenende anfreunden kann.

Apropos: Ich habe irgendwo die Gemeindeausgabe des Württembergischen Gesangbuchs, allerdings sind dort ebenfalls 4stimmige (Chor?)Sätze drin - sind das wohl dieselben wie im Orgelbuch?
Da hilft am besten ein direkter Vergleich.  Zwinkern

LG
Christian
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« Antworten #5 am: 05. Oktober 2018, 09:16:27 »

Romanus, ist es das: https://ia601703.us.archive.org/7/items/choralb00evan/choralb00evan.pdf? Kopfkratzen
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« Antworten #6 am: 05. Oktober 2018, 10:00:30 »

Tatsächlich habe ich gestern beide württembergische ev. Orgelbücher gebraucht erhalten und bin begeistert.

Hier gibt es einige Beispiele: https://www.stretta-music.com/orgelbuch-zum-evangelischen-gesangbuch-wuerttemberg-nr-207500.html

Im neuen GL Orgelbuch sind leicht spielbare Standardsätze. Das finde ich o.k. und sehe darin den eigentlichen Sinn eines Choralorgelbuches. Der Anfänger und Nebenamtler soll vertretbar einfache vierstimme Sätze zur Gemeindebegleitung finden. Vom Neukauf 228,00 € ist abzuraten.

Beim alten Gotteslob Orgelbuch waren mitfederführend Erwin Horn, Gustav Biener, A. F. Kropfreiter und Peter Planyavsky mit teilweise mittelschweren Sätzen, also eher an diesem Zweck des Orgelbuches vorbeikomponiert (wenn auch musikalisch durchaus besser). Aber es ist ein Band und als antiquarisches Schnäppchen durchaus auch zum Privatkauf lohnend.

Das ev. württembergische Orgelbuch ist nach meinem Geschmack von allen drei Büchern das beste, weil es auch spielbare neue Sätze und Ideen erhält. Mitverantwortlich sind Ingo Bredenbach und unser Tuttlinger Nachbar KMD Helmut Brand. Neupreis verhältnismäßig mit 122 € günstig und mit Glück gebraucht viel günstiger.

Michael
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« Antworten #7 am: 05. Oktober 2018, 10:06:55 »

Oha, danke für den Link und die erklärenden Worte! Anbetung
Da habe ich mit meinem antiquarischen Dings wohl tüchtig daneben gelangt. Schock
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Wichernkantor
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« Antworten #8 am: 05. Oktober 2018, 10:34:48 »

Unter dem Begriff "Württembergisches Choralbuch" versteht man gemeinhin das von Christhard Mahrenholz und Rudolf Untermöhlen 1949 zum damals brandneuen EKG herausgegebene Buch. Die letzte Auflage erschien 1978 - also ein echter "Longseller" für das Haus Bärenreiter. Da es auch das erste greifbare Buch zum EKG war (andere Landeskirchen zogen erst Jahre später nach) war es in vielen Kirchen eingeführt. Später gab es auf dieser Grundlage auch Ausgaben für Niedersachsen und Hessen, in denen die (sehr kleinen) Regionalteile eingearbeitet waren.

Außer dem vierstimmigen Standardsatz (in formaler Anlehnung an den Kantionalsatz der Schütz-Zeit) finden sich zu vielen Liedern Alternativen, auch in "bequemere" Tonarten nach unten transponiert. Gerade die Sätze zu den frühen, bisweilen etwas sperrigen Gesängen der Reformation sind handwerklich sehr ordentlich gearbeitet und liegen gut in Händen und Füßen. Wenn mir eine "Antiquität" über den Weg läuft, gucke ich ganz gern mal, wie die Harmonisierung im alten Choralbuch gelöst ist. Man wird davon nicht dümmer.

Ich vermute mal, dass auf vielen Emporen irgendwo noch so ein "Schinken" herumliegt. Mein Exemplar habe ich damals bei Einführung des EG durch artiges Fragen geschenkt bekommen.

Auch bei den neuen Choralbüchern und Vorspielbänden zum EG von 1993 haben sich die Württemberger (neben den Bayern) sehr viel Mühe gegeben, paxistaugliche Lösungen anzubieten. Nachdem mein bayerisches Großdruck-Gesangbuch nach 25 Jahren intensiver Nutzung zerlegt ist (und die Auflage vergriffen ist), habe ich mir kürzlich das auf den selben Druckvorlagen basierende Buch der Württemberger besorgt.

LG
Michael
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« Antworten #9 am: 05. Oktober 2018, 10:48:38 »

Ist das bereits rechtefrei? Existiert davon gar ein Scan in den unendlichen Weiten des Internet?
Gute Sätze sollte man retten, finde ich... Eine Abschrift im digitalen Notensatz wäre ein Projekt, das mich durchaus reizen könnte.

Zu Romanus’ einleitend geäußerter Unzufriedenheit über die Orgelsätze im neuen Orgelbuch zum GL kann ich nur sagen: Mir geht es da sehr ähnlich. Allerdings merke ich, dass ich mit der Zeit – beim zweiten (und dritten) Hinsehen und Ausprobieren – durchaus die guten Seiten mancher neuer, einfacherer Sätze anerkenne; Vieles läuft dank der neuen Sätze flüssiger, was zuvor eher sperrig war. Manche (!) Sätze im alten Orgelbuch bremsten den Gesang eher, während neuere ihn durchaus beleben.
Natürlich habe ich fast alle Sätze aus dem alten Orgelbuch noch in Kopf und Fingern; das meiste davon bringe ich immer noch auswändig zustande. Trotzdem „zwinge“ ich mich mitunter zum Spielen der neuen Sätze – auch, um sie mir durch Herz und Hirn gehen zu lassen. Zu den gelungenen Neuen zählen für mich etwa: 187, 193, 221, 358, 372, 395, 409, 485. Vielleicht eine Geschmacksfrage...
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