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Autor Thema: Orgelmarathon Nordeifel 2018  (Gelesen 3829 mal)
Wichernkantor
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« Antworten #40 am: 16. August 2018, 12:41:36 »

Wir (und andere) haben behoben, was in einem engen Zeitkorsett zu beheben war. Aber bei einigen der Instrumente hätte ein Orgelbauer (mit Tastenhalter) einen Tag arbeiten müssen, um sie betriebsbereit zu machen. Andere gingen ab wie Schmidts Katze ...
Das sagt natürlich auch etwas über Material- und Verarbeitungsqualitäten aus ...
In etlichen Fällen gab es zwei Lösungen: Ohren zu und durch oder die Registrierungen einzudampfen. Beide Verfahren hat Matthias Grünert angewandt. Weder mir noch sonst jemandem steht es an, ihm die Kompetenz dazu abzusprechen ...

Wer es "anders gemacht hätte", kann es mir ja mal vormachen. Ich komme dann gern (mit Aufnahmegerät) und hinterher hören wir uns die Ergebnisse im Vergleich an ...  Lachen

Nix für ungut - aber (hinterher) in Unkenntnis der jeweiligen lokalen Sachlage (klug oder dumm) dahergeschwätzt (wie an anderem Orte geschehen) ist nämlich leicht und geht schnell ...

Ich selber hätte mich in Grund und Boden geschämt, einem ja nicht ganz unprominenten Kollegen die Orgeln anzubieten, die wir in zwei Fällen angetroffen haben.


LG  Prost!
Michael
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« Antworten #41 am: 16. August 2018, 15:38:33 »

Lieber Michael,
wenn Du den Termin fürs Voigtland hast, beantrage ich gerne Urlaub. Wenn Du mir dann noch einen ortskundigen FahrerIn, den/die man noch zum Tastenhalten gebrauchen kann, organisiert bekommst, packe ich doch gerne mal meinen Orgelreparaturkoffer und die Stimmeisen ein, um die stimmtechnische Vorhut zu bilden. 
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Wichernkantor
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« Antworten #42 am: 16. August 2018, 17:16:58 »

Ich jedenfalls freue mich – so Gott will und wir leben – auf den Marathon 2019. Er soll vom 21. bis zum 25. August 2019 im Vogtland stattfinden. Back to the roots – wie man auf gut Deutsch sagt. Denn da hat die Serie der Marathons seinerzeit begonnen.  

Guckstu oben - Transport wäre das geringste Problem - schließlich fährt das Vorkommando jede Kirche mit Vorsprung an, um die Programmhefte zu verteilen. Es sind zwei Teams im überlappenden Einsatz. Irgendwie bekämen wir das sicher gebacken. Bei einigen Marathons hatten wir Jiri Koucourek dabei, den damaligen Werkstattleiter von Eule, der hat bisweilen auch mal eine Notoperation am offenen Herzen gemacht. Gerade in die Lausitz haben sich an die vielen historischen Instrumente eher selten Orgelstimmer verlaufen ...

LG
Michael
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Wichernkantor
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« Antworten #43 am: 17. August 2018, 07:08:14 »

Auf einer der weiten Überlandfahrten haben wir mal über Zielregionen zukunftiger Marathons palavert. Dabei kam u.a. Luxemburg bzw. die Region Saar/Lor/Lux ins Gespräch. In Luxemburg ist ja - u.a. durch die langjährige lokale Präsenz der Orgelbaufirmen Haupt, Schmidt und Westenfelder - eine eigene Orgellandschaft entstanden. Sie ist auf der Page www.orgues.lu des dortigen "Piusverbandes", der in etwa dem deutschen "Cäcilienverband" entspricht, nahezu vollständig dokumentiert.
Mal sehen, ob daraus was wird in einem der nächsten Jahre ...

LG
Michael
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Wichernkantor
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« Antworten #44 am: 18. August 2018, 05:55:25 »

Ich habe gestern mal angefangen, die Aufnahmen zu überarbeiten. Dabei habe ich festgestellt, dass mehr Material brauchbar ist, als ich vermutet habe. Denn überall, wo es zu hellhörig war, habe ich mit Nahfeldmikrophonierung gearbeitet. Und das verwendete Stereomikro bildet sehr gut räumlich ab, d.h. es ist noch genug Raumcharakter dran. Nur wenige Aufnahmen müssen aus technischen Gründen in den Orkus. Was Matthias Grünert freigibt, wird dann auf jeden Fall bewährte radiophile Qualität haben.
Mit diversen Spezialprogrammen kriege ich auch die wildesten Kampfhuster still, das ist aber eine ziemliche Geduldsarbeit, die man nur machen darf, wenn man wirklich Lust dazu hat. Es kann also ein paar Wochen dauern, bis ich mit dem Material - immerhin mehr als 20 Stunden - durch bin.
Die Aufnahmen der Konzerte des letzten Tages hat ein Freund gemacht. Mal hören, was bei ihm herausgekommen ist.

LG
Michael
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Wichernkantor
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« Antworten #45 am: 19. August 2018, 18:52:46 »

Beim Bearbeiten der Files vom Orgelmarathon bin ich an der schönen Seifertine in Großbüllesheim angekommen. Die Orgel war für mich die stimmigste und überzeugendste der ganzen Reihe.
Ich bin autorisiert, sie Euch in der Schatztruhe zugänglich zu machen - ich stelle die Aufnahmen als wav-Dateien in CD-Qualität in meine Dropbox.

LG
Michael
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Wichernkantor
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« Antworten #46 am: 02. September 2018, 11:08:10 »

Als gestern früh der Morgen graute und einen schönen Spätsommertag versprach, sind wir spontan losgezogen, um nochmal in aller Ruhe einige Stätten des Orgelmarathons Eifel 2018 in Augenschein zu nehmen.
Unser Hauptziel war Monschau mit seinem pittoresken Ortskern (und einer Edel-Konfiserie mit 100% WAF). Hier ist das Bild aus der dortigen Aukirche - das Gehäusedesign ist Schuhkartonstil aus den 60ern.

https://www.dropbox.com/s/ltbeuhsj7jpniya/Monschau%2C%20Aukirche%20Prospekt.jpg?dl=0

Klanglich ist das Gerät aus dem Hause Stahlhut gar nicht übel. II/22, 1996 von Stockmann generalüberholt.
Hw: Bordun 16', Prinzipal 8', Harmonieflöte 8', Viola di Gamba 8', Gedacktquinte 5 1/3' (!), Praestant 4', Superoktav 2', Waldflöte 2' Sesquialtera 2f, Mixtur 4f 2', Trompete 8'.
Pos: Rohrflöte 8', Prinzipal 4' Flauto oktaviante 4' (sic!), Querflöte 2', Carillon 2f, Scharff 3f, -Tremulant-.
Pedal: Prinzipalbass 16' (Holz), Subbass 16', Oktavbass 8', Posaune 16', Trompete 8'.

Die ev. Stadtkirche in Monschau stand zwar nicht auf dem Spielplan des Orgelmarathons. Aber ich habe trotzdem mal geguckt. Der Raum ist ein klassizistischer Zentralbau mit vielleicht 100 Sitzplätzen, in der Form eines Würfels mit hoher Empore. Ins erhaltene Gehäuse der ersten Orgel aus 1810

https://www.dropbox.com/s/6sebpti5d6tli4e/Monschau%2C%20Ev%20Stadtkirche%20Prospekt.jpg?dl=0

hat Wilbrand 1981 II/18 gebaut - für den kleinen, kammermusikalisch intimen Raum erfreulich üppig und absolut dicht füllend. Disposition hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Stadtkirche_Monschau
(Etwas nach unten scrollen.)

Ich habe ein bisschen herumprobiert. Aber an diesem Tag jag nur wenige Meter entfernt der Zielpunkt einer Oldtimer-Rallye. Es waren entsprechend viele Touris unterwegs, die von den Orgelklängen auf die Empore gelockt wurden - beileibe nicht, um zuzuhören, sondern um das Wichtigste überhaupt zu machen: ein Selfie ...
Über diese Unsitte (ICH mit Eifelturm, ICH mit Akropolis, ICH mit dem Papst - Hauptsache: ICH) habe ich so meine eigene Theorie: Die ganze Welt als Bühne für die Inszenierung schwacher Egos.

Auf jeden Fall eine schöne, warm klingende Orgel, die lt. Aushang konzertant genutzt wird.
Überhaupt scheint es in den Eifelstädtchen erfreulich viele kirchenmusikalische Initiativen zu geben. In vielen Kirchen hängen Plakate mit Konzertankündigungen.

In Schleiden hatte ich das Konzert in der Schlosskirche am letzten Tag des Marathons ja - dienstlich bedingt - verpaßt.
Das prächtige Gehäuse der König-Orgel von 1770 ließ optisch erahnen, was mir akustisch verwehrt blieb.

https://www.dropbox.com/s/vjqjving5lmu4dm/Schleiden%2C%20Schlosskirche%2C%20Prospekt.jpg?dl=0

Technische Daten der Orgel mit II/30 (von der ich zum Glück eine CD habe) hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Schlosskirche_Schleiden

Auf dem Heimweg fuhren wir über eine Straße nach Prüm, auf der man alle paarhundert Meter die deutsch-belgische Grenze überquerte. Hätte es diesen Highway in Vor-EU-Zeiten gegeben, hätte jedes (Kaffee- und Schokoladen-) Schmugglerherz frohlockt ...  Lachen
Die Prümer Basilika bekam 1973 ins barocke Gehäuse Nollet-Gehäuse eine herrliche Klaisine mit III/43.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt-Salvator-Basilika_(Prüm)
(Obwohl hier korrekt notiert, will der Link nicht funktionieren. Hinten fehlen beim Aufrufen in der Darstellung die Zeichen "üm" und die "Klammer zu". Einfach dranschreiben, dann klappt's.)

Sie galt kurz nach der Fertigstellung unter Kennern als eine der besten Orgeln zwischen Saarbrücken und Köln. Wir sind seinerzeit als Studiosi hingepilgert und haben uns uns an der Schwebung delektiert - Mitte der 70er noch eine exotische Rarität in Neubauten.

Am späten Nachmittag kamen wir gestern in Himmerod an - gerade noch rechtzeitig, um leckeres Brot in der Klosterbäckerei zu kaufen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Himmerod

Leider waren an diesem Tag dort keine Veranstaltungen mehr, bei denen die Klaisine (IV/60) aus 1962 zum Einsatz kam. Diese Orgel ist der Schwarm meiner Jugend. Ich habe gegenüber im linken Querhaus gesessen, micht gefreut, dass sie den Brandschaden im Frühsommer 2017 unbeschadet überstanden hat und sie einfach angehimmelt ...
Dieser in seiner zisterziensischen Schlichtheit so monumental wirkende Raum vermittelt - wie auch die äußere Anlage des Klosters - eine Atmosphäre völligen Seelenfriedens. Hic domus dei est et porta coeli. Man sitzt da und empfindet: Hier ist gut Sein. Als wir die Kirche verließen, stellten wir fest, dass eine knappe Stunde vergangen war, in der wir einfach nur so dagesessen hatten ...

Da ich sämtliche Tonträger besitze, die jemals zu kaufen waren (auch dank unseres Mitforisten ChristiansOrgel - eines weiteren Himmerod-Fans), habe ich mich abends daheim erst mal mit Mendelssohns Vater-Unser-Sonate in einer genialen LP-Aufnahme des damaligen Trierer Domorganisten Wolfgang Ohems aus 1970 zugedröhnt ...

Mit Sicherheit war das nicht die letzte Eifel-Orgeltour, die ich unternommen habe. War diese Region noch vor 40 Jahren ein orgelbauliches "Notstandsgebiet" (mit einigen wenigen "Leuchttürmen"), so hat sich da zwischenzeitlich wohl sehr viel getan, das zu entdecken wäre ...
(Abgesehen davon: Alle gastronomischen Lokalitäten, die wir gestern heimgesucht haben, dürfen ab sofort ein Schild führen: "Von Michael getestet und empfohlen."  Lachen)

LG
Michael



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Axel
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« Antworten #47 am: 23. September 2018, 12:21:55 »


Mit Sicherheit war das nicht die letzte Eifel-Orgeltour, die ich unternommen habe. War diese Region noch vor 40 Jahren ein orgelbauliches "Notstandsgebiet" (mit einigen wenigen "Leuchttürmen"), so hat sich da zwischenzeitlich wohl sehr viel getan, das zu entdecken wäre ...



Kann ich bestätigen. Bei Bedarf einfach melden. Für den Süden dürfte Martin eine gute Anlaufstelle sein.
VG Axel
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« Antworten #48 am: 23. September 2018, 15:11:19 »

Ich stehe noch ganz unter dem Eindruck der 2-tägigen Orgelfahrt von Camburg nach Waltershausen.
Es war für mich bewunderswert, mit welcher Souverenität Matthias Grünert die auch hier teilweise auftretenden Unzulänglichkeiten (Heuler, Hänger) bewältigte.
Herausragend und neu war für mich die Schuke Orgel der Margarethenkirche in Gotha. Da muss ich mich unbedingt mal um eine Spielerlaubnis bemühen!
Krönender Abschluss war die Trost Orgel in Waltershausen von der ich ja bekanntermaßen eine virtuelle Replik besitze.

Ich freue mich jetzt schon auf den Orgelmarathon im nächsten Jahr, bei dem ich Heimvorteil habe!
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Gloria eco 217 seit 2009, Hauptwerk 4.2, Sets: Trost Waltershausen, Silbermann Zöblitz, Reinhardsgrimma, Großhartmannsdorf, Rötha, Radeker und Garrels Anloo, Arp Schnitger Cappel, Rabstejn nad Strehlau, Cembalo Mietke
Abstrahlung:Infinity Kappa 8.2, RS3-220,Marantz PM 78
Kopfhörer:Sennheiser HD590
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