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Autor Thema: Fernsehgottesdienst 22.07.2018  (Gelesen 1879 mal)
Wichernkantor
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« Antworten #20 am: 27. Juli 2018, 06:46:21 »

Interessant, was Du über die Lipp schreibst. Das war in den 60er Jahren ein high-end-Produkt mit sehr solider Elektromechanik, Einzeltongeneratoren und Röhrentechnik. Einziges Langzeit-Problem waren die Kontakte der Koppelrechen, mit denen die Töne der Generatoren verschiedenen Fußlagen zugeschaltet wurden.
In meiner Heimat steht in einer Filialkirche auch noch ein einmanualiges Lipp-Instrument - und funktioniert. Da habe ich lediglich (irgendwann Ende der 70er) mal eine (damals mühelos lieferbare) Platine in der Klangfilterung ausgetauscht, die eine kalte Lötstelle hatte.
Die Orgel hat eine - hoch über der Empore angebrachte - externe Abstrahlung aus vier groß dimensionierten Breitband-LS. Im Vergleich zum damaligen Standard (Böhm- oder Wersi-Selbstbauten oder die legendäre "Philicorda") klangen die Orgeln ausgezeichnet. Vor allem war ihr Klang erstaunlich tragfähig, jedenfalls in kleinen Räumen. Lipp trennte grundsätzlich Spieltisch und Abstrahlung, achtete dabei darauf, dass die Elemente so hoch wie möglich angebracht waren. In einer anderen kleinen Kirche bei uns in der Gegend (auch sie hatte ein in Holz ausgezimmertes Pyramidendach) kamen die LS hinter Schlitze in der Auszimmerung.
Preislich lagen diese Orgeln (genauso wie die von Ahlborn) bei 15- bis 20.000 Mark. Damals gab es am deutschen Markt drei Hersteller: Ahlborn, Kienle und Lipp. Erster Preiskiller der Szene war dann die Dereux (mit der Urform des Samplings), die von Steinway vertrieben wurde.

LG
Michael
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Wichernkantor
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« Antworten #21 am: 27. Juli 2018, 07:10:23 »


Wenn mal jemand mal vorbei kommt und sich für das Instrument interessiert, herzliche Einladung.


Auf die Einladung komme ich bei Gelegenheit gern zurück. Ich finde diese Kirche genial. Die absolute Alternative zu den Gebetsscheunen und Turnhallen, die in dieser Zeit gebaut wurden ...

Klar - bei einer PO müsste man an diesem exponierten Ort jede Prospektpfeife und Gehäusefüllung mit einer Alarmanlage gegen "Andenkenjäger" sichern ... oder eine Videoüberwachung installieren ... *grusel* (big brother 2.0)

LG
Michael
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Romanus
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« Antworten #22 am: 27. Juli 2018, 16:41:50 »

Lipp war in den 60er Jahren ein high-end-Produkt mit sehr solider Elektromechanik, Einzeltongeneratoren und Röhrentechnik. Einziges Langzeit-Problem waren die Kontakte der Koppelrechen, mit denen die Töne der Generatoren verschiedenen Fußlagen zugeschaltet wurden.
Im Vergleich zum damaligen Standard (Böhm- oder Wersi-Selbstbauten oder die legendäre "Philicorda") klangen die Orgeln ausgezeichnet. Vor allem war ihr Klang erstaunlich tragfähig, jedenfalls in kleinen Räumen. Lipp trennte grundsätzlich Spieltisch und Abstrahlung, achtete dabei darauf, dass die Elemente so hoch wie möglich angebracht waren.
Ich erinnere mich noch gut - ich pflege ja, alle Pfeifenorgeln (oder was ich dafür halte Zwinkern), auf denen ich jemals spiele, in ein Heft - eine Art "Orgeltagebuch" - einzutragen - wie ich am 07.07.1985 - ich war damals Mittelschüler und hatte Sommerferien - die Orgel der Pfarrkirche Matzen (Niederösterreich, Marchfeld) ausprobierte:
Sie hatte 34 Register auf 2 Manualen + Vollpedal, der Pfeifenprospekt stand an der Hinterwand der Kirche und der Spieltisch war auf der rechten Seite der Empore mit Blickrichtung nach rechts zum Altar. Ein paar Tasten im oberen Manual funktionierten nicht, das störte mich, aber klanglich hatte ich nichts an ihr auszusetzen.
Ca. 2002 hörte ich die Orgel wieder, diesmal von unten anlässlich eines Begräbnisses, mir fiel nichts besonderes dabei auf.
Erst 2005, als ich die Orgel wieder einmal spielte, fiel mir am Spieltisch der Schriftzug LIPP auf  Schock und auch mein Gehör war damals bereits so weit fortgeschritten, dass ich den Klang als elektronisch identifizieren konnte.

Aber immerhin, 20 Jahre lang hielt ich diese analog-elektronische Orgel mit der externen Abstrahlung in einem Pfeifenprospekt tatsächlich für eine echte Pfeifenorgel ! Respekt !
  
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Die einzig wahre Königin ist die Pfeifenorgel.
Etwas gleichwertiges muss erst erfunden werden !
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