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Autor Thema: Kaufempfehlung für Anfänger  (Gelesen 4495 mal)
Der Schwede
Novize
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« am: 21. Juli 2018, 16:14:49 »

Liebe Orgelfreunde,

ich bin ein Anfänger und brauche ein Übungsinstument zu Hause. Ich bin gar kein Musiker sondern einfach ein Amateur, der Klavier spielen kann und endlich den alten Traum verwirklichen will, Orgel zu lernen. Vor einigen Monaten habe ich angefangen, in der Kirche gelegentlich zu üben aber habe festgestellt, dass ich ganz selten genug Zeit dafür habe. Zu Hause könnte ich viel öfter üben und habe mich entschieden, eine DO zu kaufen - aber welche? Unter den Einstiegsinstrumenten finde ich im Internet u.A. die Johannus Studio 150, die Gloria Cantus 230 und die Gloria Optimus 231. Die Dispositionen sind sehr ähnlich, die Cantus ist am billigsten aber auch das älteste Modell. Ich plane in ein paar Wochen, zur Firma Kisselbach zu fahren, um die Instrumente zu probieren, aber hätte auch gern Ratschläge von Euch.
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Gemshorn
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WWW
« Antworten #1 am: 21. Juli 2018, 16:23:35 »

Willkommen bei uns, Der Schwede! Meldung
Mit den drei genannten Modellen kannst du eigentlich nichts falsch machen. Der Preisrahmen bewegt sich zwischen EUR 4.200,- und EUR 4.700,- – somit jedenfalls unterhalb der magischen 5000er-Grenze.
So wird es vor allem darauf ankommen, welches Modell dir besser gefällt - was in erster Linie im Bezug auf den Klang gemeint ist. Du wirst hören, dass diese Orgeln trotz ähnlicher Disposition teilweise sehr unterschiedlich klingen.
Viel Spaß beim Aussuchen! Freundlich
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Kein Mensch ist arm zu nennen, der ab und zu tun kann, was immer ihm Spaß macht. (Dagobert Duck)
Wichernkantor
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« Antworten #2 am: 21. Juli 2018, 17:04:15 »

Ja, die drei Instrumente geben sich nichts im Einsteigerbereich. Und sie klingen alle drei ordentlich. Vor Jahren gab es diese Klangqualität erst ab der "Mittelklasse". Die technischen Plattformen sind bewährt und solide.
Du solltest in der Tat ausprobieren, welches Instrument dir klanglich am meisten zusagt - ein weiteres wichtiges Merkmal wäre für mich, wie sich die Klaviaturen anfühlen. Anhand dieser beiden zentralen Kriterien läge bei mir persönlich die Optimus vorn. Aber auch mit den beiden anderen Modellen machst Du sicher nichts verkehrt. Entscheidend ist: Es ist Deine Orgel und Dir (und sonst niemandem) muss sie gefallen.

LG und viel Erfolg beim Entscheiden
Michael

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Der Schwede
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« Antworten #3 am: 21. Juli 2018, 18:53:52 »

Vielen Dank für diese Ratschläge. Als Anfänger frage ich mich natürlich, ob es etwas gibt, woran ich nicht gedacht habe. Auffallend ist, dass der Preisunterschied zur nächsten Stufe (Gloria Cantus oder Optimus 238) nur 10-15% beträgt. Ich zögere trotzdem, dieses extra Geld auszugeben weil a) zur Zeit habe ich keinen offenbaren Bedarf (denke ich) an den vielen zusätzlichen Registern und b) die Bedienung scheint mir kompliziert. Anderseits weiß ich nicht, wie wertvoll die extra Register und die Möglichkeit sie zu intonieren sind. Mit wenig Erfahrung vom Orgelspiel ist das schwierig einzuschätzen.
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Aeoline
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« Antworten #4 am: 21. Juli 2018, 19:37:32 »

Hallo 'Der Schwede',

tja - das ist schwer zu beschreiben...

Der Unterschied zwischen den absoluten Einsteiger-Instrumenten und der Stufe höher liegt oftmals wirklich nur in der Anzahl der Register. Gehäuse und Abstrahlung sind identisch.

Wozu braucht man ein "mehr" an Registern, wenn man das "mehr" nicht zu schätzen weiß? - diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn Du beim Händler beide Modelle spielen kannst. Dann wirst Du merken, ob Dir die fehlenden Register an der kleineren Orgel wirklich "fehlen".

Wie Wichernkantor schon schrieb: Du musst zum Händler und möglichst alle in Frage kommenden Instrumente ausgiebig testen. Dann wirst Du schon "Deine" Favoritin finden.

Und lass' Dich nicht überraschen: Die meisten von uns sind mit Budget x zum Händler gefahren um festzustellen, dass es für Budget x+y noch was viel schöneres gibt - letztlich sind wir dann bei x+y+z gelandet...

 Lachen Prost!

VG
Aeoline
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Viscount Unico 400 DE V1.14.2 (56/III/P) (seit 11.2012)
Johannus Opus 520 (45/II/P) (10.1987 bis 11.2012)
Siel HB 700 (9/II/P) (1977 bis 09.1987)

Viele Organisten leiden an einer schlimmen Krankheit:
Augentinnitus - Man(n) sieht nur noch Pfeifen
Aeoline
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« Antworten #5 am: 21. Juli 2018, 19:48:25 »

Ach ja - ich vergaß...

Die drei von Dir angesprochenen Instrumente sind allesamt in der Klasse sehr fein.

Die Gloria Cantus dürfte die Älteste in der Runde sein - möglicherweise ist deshalb deren Technik auch die angestaubteste.

Die Johannus Studio 150 muss einem klanglich gefallen. Sie ist halt eine Niederländerin. Dem einen gefällts, dem anderen nicht. Oder man muss mit Intonat ordentlich ran. Dann lässt sich ein klangliches Schätzchen daraus zaubern.

Die Gloria Optimus ist die jüngste der Schwestern. Klanglich vermochte sie sogar unseren Admin zu beeindrucken. Ohne viel Schnickschnack bietet sie aktuelle Sampleorgel-Qualität in der Einsteigerklasse.

Viel Erfolg beim Probespiel. Lass' Dir vorher bestätigen, dass alle drei Orgeln in der Ausstellung sind - bei Kisselbach in Baunatal dürfte das wohl kein Problem sein...

VG
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« Antworten #6 am: 22. Juli 2018, 08:08:29 »

"Die Johannus Studio 150 muss einem klanglich gefallen. Sie ist halt eine Niederländerin. Dem einen gefällts, dem anderen nicht."

Das klingt interessant! Jetzt freue ich mich noch mehr auf das Probieren. Kannst du den Unterschied beschreiben? Klingt die Johannus weniger realistisch als die andereren Orgeln oder richtet sie sich einfach nach Pfeifenorgeln mit anderem Klang?

LG,

Per
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Gemshorn
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« Antworten #7 am: 22. Juli 2018, 08:28:23 »

Dazu gäbe es vielleicht viel zu sagen.
Die unterschiedlichen Hersteller huldigen durchaus unterschiedlichen Klangidealen.
Das betrifft einerseits das Woher der Samples, andererseits auch deren Aufbereitung im Klanglabor.
Über Viscount (Gloria Cantus, Gloria Optimus) wurde uns mehrfach gesagt, dass man dort den Klang unmittelbar an der Pfeife abnimmt, während Johannus mit größerem Abstand von der Pfeife sampelt. Daraus entstehen Samples, die zum Teil ganz unterschiedliche Hörwahrnehmungen hervorrufen.
Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Philosophien, wie „sauber“ der Klang sein muss, wenn er in die oder besser gesagt: aus der Digitalorgel kommt. Johannus hat sich hier im Forum den Ruf erworben, ein sehr glattes Klangbild zu favorisieren; der Klang wirkt m.E. viel „aufbereiteter“ als bei den Viscountmodellen. Mir selber sagt ein geglättetes Klangbild eher weniger zu – ich bevorzuge ein „weniger gereinigtes“, ein „direkteres“ Klangbild. Nicht weil das per se mehr wie eine Pfeifenorgel klingt, sondern weil es meiner Idee von Pfeifenorgel eher entspricht.
Was die Transparenz, sprich: die Durchhörbarkeit des Klanges betrifft, ist die Klangabstrahlung ein gewichtiger Faktor. Auch dazu gäbe es viel zu sagen, aber das sprengt bereits den Rahmen meines Beitrags (und meinen Wissenshorizont).

Darum einmal mehr: Hör es dir an. Es gibt kein richtig oder falsch, sondern nur ein gefällt mir oder gefällt mir nicht.
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mvn
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« Antworten #8 am: 22. Juli 2018, 08:52:39 »

Du schreibst "....bin ein Amateur, der Klavier spielen kann...."

  • Die Viscount-Modelle haben eine andere Standard-Tastatur-Haptik als die Johannus-Modelle. Gerade der Klavierspieler wird den Unterschied beim testen sofort wahrnehmen (war für mich ein Punkt, der zu Gunsten von Viscount (Gloria Cantus, Gloria Optimus) sprach.
  • Betr. Anzahl Register: der Appetit kommt mit dem Essen. Falls dir das Orgelspiel wirklich zusagt, kommen bald Bedürfnisse nach mehr Klangfarben. Ev. lohnt es sich, bereits jetzt etwas mehr auszugeben....

LG
Martin
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trompetendulzian
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« Antworten #9 am: 22. Juli 2018, 08:57:54 »

Ich würde dir aus eigener Erfahrung empfehlen, im Beratungsgespräch den Punkt anzusprechen, welche Anpassungsmöglichkeiten du hast, wenn die Orgel mit dem Aufstellungsraum interferiert. Ich musste bei meinem Instrument einige Töne gezielt in ihrer Lautstärke anpassen, um zu einem aushaltbaren Klangbild zu kommen.

Viele Grüße
Trompetendulzian
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