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Autor Thema: Wie lange habt ihr geübt, bis zum ersten Gottesdienst?  (Gelesen 2655 mal)
sunny
Novize
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« am: 17. Juli 2018, 09:34:11 »

Hallo,

leider hab ich das Thema hier im Forum nirgends gefunden, deshalb meine Frage:

Wie lange hat eure Ausbildung zum nebenamtlichen Organisten gedauert bzw. wie lange hattet ihr Unterricht bevor ihr euren ersten Gottesdienst gespielt habt?

Über zahlreiche Antworten würde ich mich freuen!

Sunny
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geris
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« Antworten #1 am: 17. Juli 2018, 10:40:23 »

Im Grundschulalter hatte ich mal Klavierunterricht. Dann kam die Pubertät und das Klavierspiel war "uncool", so kam es zu einer annähernd 40 jährigen Auszeit. Die Orgel ist aber ein Instrument, welches mich schon immer sehr fasziniert hat. Vor knapp vier Jahren habe ich einen Artikel in der hiesigen Zeitung gelesen, dass Organisten gesucht würden. Also habe ich mich vertrauensvoll an die Bezirkskantorin gewandt und seit dem bei ihr Orgelunterricht. Sehr schnell habe ich aber erkannt, dass es mit dem Üben in der Kirche so eine Sache ist. Mal eben üben ist nicht, der Weg zur Kirche wird oft als hinderlich empfunden, zumal ich im späten Herbst wieder eingestiegen bin und sich die Temperaturen zu dieser Jahreszeit in einer Kirche nicht unbedingt im Wohlfühlbereich bewegen. Also, auch dank des hiesigen Forums, ohne Umwege zu dem vertrauensvollen Orgelhändler nach B. gefahren und mir eine gebrauchte Orgel zum Üben gekauft. Seit dem wird jeden Tag im Schnitt eine Stunde geübt. Ohne Fleiß kein Preis!
Nach ca. zwei Jahren habe ich dann das erste Mal einen GD auf der Orgel begleitet. Womit wir bei der Antwort auf deine Frage angekommen wären. Zwinkern


Viele Grüße aus dem Waldecker Land
Gerd
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Wichernkantor
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« Antworten #2 am: 17. Juli 2018, 10:41:18 »

Als ich acht war, sollte ich Klavierunterricht bekommen - zusammen mit einem Schulfreund aus der Nachbarschaft (der heute Domorganist ist). Ich hatte keinerlei Lust auf tägliches Üben und mein Vater war so klug, das zu akzeptieren. Nach einem guten Jahr klang das Klavierspiel meines Freundes schon sehr ansprechend - und ich dachte mir: Das würde ich auch gern können. Daraufhin bekam ich Klavierunterricht - und niemand musste mich zum Üben prügeln, weil ich immer meinen Freund vor der Nase hatte, der in der Klavierschule 60 Nummern weiter war ...
Als ich 13 wurde und die Beine bequem ans Pedal kamen, setzte mich mein Klavierlehrer an die Orgel. Ich hatte wohl ein Jahr Unterricht, als er mir plötzlich eines Nachmittages mitteilte: "Heute Abend spielst Du."
Natürlich nahmen weite Teile der Familie an diesem Event teil. Oma, Mutter, Patentante und meine beiden kleinen Brüder begleiteten mich zur Kirche - ich fühlte mich wie ein Missetäter beim Gang zum Schafott.
Ich hatte solches Fracksausen, dass mir die Knie zitterten, als ich das Eingangslied begleiten sollte. Ich habe keinen Fuß auf das Pedal bekommen und den Satz vierstimmig manualiter gespielt ...
Als ich danach merkte, dass ich noch lebe und die Kirche nicht eingestürzt ist, klappte dann der zweite Choral sogar mit Pedal ...
Dabei ist es dann geblieben.  Lachen

LG
Michael
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Martin78
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« Antworten #3 am: 17. Juli 2018, 11:54:51 »

Michael, wenn du schon so weit warst, einen vorher pedaliter geübten Satz spontan auch manualiter spielen zu können, war das liturgische Orgelspiel dann wirklich kein Thema mehr für dich.  Lachen
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Wichernkantor
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« Antworten #4 am: 17. Juli 2018, 13:11:58 »

Von wegen spontan!  Lachen
Ich habe einige Zeit bei den Begleitsätzen heimlich die Pedalstimme manualiter mitgespielt - natürlich nur, wenn mein Lehrer mir nicht auf die Finger gesehen hat. Daheim am Klavier habe ich die Sätze immer spielfertig geübt. Es gab ein paar, bei denen ging das nicht, da habe ich links halt entsprechend hochoktaviert.
An der Orgel in meiner Heimatkirche übten drei Schüler - da war man froh, dass daheim ein Klavier stand, wenn's auch ein altes Familienerbstück mit gerissenem Resonanzboden und dumpf gehämmerten Hämmern war. In der Kapelle des Krankenhauses gab es (Ende der 60er) eine Ahlborn-Elektronenorgel mit Einzeltongeneratoren. (Da lag das Pedal um anderthalb Töne versetzt - ein Umstand, der mir bis heute Angstschweiß auf die Stirn treibt.) Gelegentlich bin ich dorthin, um Legatospiel zu üben.  

Mein Lehrer - und viele seiner Kollegen - nahmen nur Schüler an die Orgel, die am Klavier die "Sonatinenstufe" erreicht hatten, d.h. die ganzen Diabellis, Clementis und Czernys aus der einschlägigen zweibändigen Sammlung von Schott durchgekaut hatten, dazu Bachs 2stimmige Inventionen in toto und die 3stimmigen in Auswahl.
Das war lange Zeit auch die Aufnahmeschwelle für die C-Kurse. Doch das ist längst vorbei ...
Schon in den 80ern, als ich selbst im C-Kurs unterrichtete, konnte man das längst nicht mehr bei allen Kandidaten voraussetzen. Da habe ich den Leuten pro Jahr einige Bleistiftlängen an Fingersätzen in die Noten gemalt, bis der stumme Wechsel klappte ...

LG
Michael
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« Antworten #5 am: 17. Juli 2018, 14:40:27 »

Ich hatte als Jugendlicher einige Jahre Klavierunterricht. Meines Erachtens der denkbar schlechteste Zeitpunkt, so etwas zu beginnen, aber so war es halt damals. Am Ende waren sowohl mein bedauernswerter Kantor als auch ich froh, dass es vorbei war. Die "Sonatinen-Stufe" war bestenfalls in Sichtweite.
Dann kam das Studium und die montäglichen Gottesdienste der Studentengemeinde.
Als meine spätere Frau als Chefin des Vorbereitungskreises den Orgeldienst anfragte:  "du kannst doch Klavier spielen?", war es passiert.

Seitdem spiele ich seit nunmehr reichlich 30 Jahren die Orgel im Gottesdienst, ohne je Orgelunterricht gehabt zu haben.
Wie viele andere wohl auch über Jahre mit jugendlichen Enthusiasmus, aber auch mit Parallelismus linke Hand/Pedal.
Seit vielleicht zehn Jahren versuche ich dies zu verbessern, mittlerweile auch mit Unterricht.
Aber die Trauben hängen hoch - und bisweilen sind sie eher sauer...  Augenrollen

lg

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Jesaiah
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« Antworten #6 am: 17. Juli 2018, 20:03:28 »

Ich habe mich mit so 12 Jahren in das Instrument verliebt. Mein Bruder hatte zu Hause eine einmanualige GEM (keine Sakralorgel) auf der ich mir immer schon Harmonien zusammengesucht hatte, und der verständnisvolle Pfarrer hat mir dann ermöglicht, dass ich auch auf der Orgel einmal wöchentlich üben durfte ... asthamtische alte pneumatische Hopferwieset, aber für mich damals großartig. Dann die ersten Taufen instrumental begleiten ... und so mit 14 die erste Messe. Die sog. Schubert-Messe war es damals. Ging gar nicht so schlecht.

Seit damals  spiele ich eigentlich durchgehend ein Wochenende komplett (Vorabend und 2x Sonntag) und je einmal vorabend und sonntag.

Mit Unterricht hatte ich es nicht so. Leider. In der Mittelschule wollte mir ein sehr wohlmeinender Klavierlehrer ein Jahr Unterricht geben, aber zu mehr hat es nicht gereicht ... Mangel an Disziplin meinerseits.

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"Ahoi da drin, hätten Sie vielleicht Interesse an einer Dampforgel?"

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Aeoline
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« Antworten #7 am: 17. Juli 2018, 20:44:17 »

Ein paar Stunden vielleicht...

Mein Vater wurde 1976 "plötzlich" Gemeindevorsteher in Hatzfeld... Er eröffnete mir unter der Woche, dass er nun für Sonntag einen Organisten brauchte. So oft es ging, setzte er sich in dieser Woche mit mir Abends an unser kleines Harmonium (Ein Register und zwei Forte-Züge) im Haus und brachte mir bei, wie man zweistimmig mit der rechten Hand spielt.

Ich "lernte":

- O wie köstlich sind die Stunden GB 461
- Stern auf den ich schaue GB 405?
- Kleine Tropfen Wasser GB 341?

Und am Sonntag drauf habe ich diese drei Lieder auf dem Hinkel-Harmonium im Gottesdienst gespielt. Zweistimmig.

Hier ein Blick in den Kirchenraum und auf das Harmonium.

Das machte mir Anfangs große Freude und ich lernte autodidaktisch immer mehr Lieder und bald auch die vierstimmigen Sätze.

Deshalb kaufte mir mein Vater in 1977 auch die Siel Heimorgel - siehe Fußnote...
So begann mein "kometenhafter" Aufstieg...  Lachen

Wie ich die Tage bemerkte, wird das Wohnhaus, in dem damals die Gottesdienste gefeiert wurden, derzeit zum Verkauf angeboten...

Ich könnte also für einen Spottpreis an meine erste Wirkungsstätte zurückkehren...

Das Fenster rechts vom Harmonium ist das rechte Fenster von den beiden dicht aneinander liegenden Fenster in der Bildmitte...

Das wäre doch was... - Ich kaufe den Schuppen und stelle an der Originalstelle eine voll-fette-DO auf... - Eine Noorlander Menuet z.B. - bei der 355cc oder 468cc kommt niemand mehr durch die Tür in das dahinter liegende Zimmer... - aber wen interessiert das?

 Lachen Lachen Lachen

VG
Aeoline
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Johannus Opus 520 (45/II/P) (10.1987 bis 11.2012)
Siel HB 700 (9/II/P) (1977 bis 09.1987)

Viele Organisten leiden an einer schlimmen Krankheit:
Augentinnitus - Man(n) sieht nur noch Pfeifen
Romanus
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« Antworten #8 am: 17. Juli 2018, 22:20:03 »

Ich habe meinen allerersten Gottesdienst als Gymnasiast im zarten Alter von 13 Jahren in der Mödlinger Spitalkirche begleitet, damals noch ohne Pedal und ohne vorangegangenen Orgelunterricht.
 
Die Noten für die Kirchenlieder habe ich ca. 2 Wochen vor der Messe vom Pfarrer kopiert bekommen.
Ich hatte damals keinen Kirchenschlüssel, zum Üben zuhause nur eine GEM F20 und das 1-manualige, pedallose Harmonium (Gebrüder Placht, 1910) meines Großvaters.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich die Choräle an den Nachmittagen nach den Schulaufgaben ca. 1 Stunde pro Tag auf dem Harmonium geübt habe, weil dieses der Orgel der Mödlinger Spitalkirche vom Spielgefühl her viel ähnlicher war als die GEM F20.

Meine einzige "Qualifikation" waren ca. 5 Jahre Klavierunterricht an der Beethoven-Musikschule in Mödling.
 
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Die einzig wahre Königin ist die Pfeifenorgel.
Etwas gleichwertiges muss erst erfunden werden !
Martin78
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« Antworten #9 am: 18. Juli 2018, 12:46:50 »

Ab der zweiten oder dritten Klasse hatte ich Klavierunterricht, hatte vorher aber schon etwas in die Klavierschule meines älteren Bruders reingelinst. Daheim hatten wir vor Erwerb des Klaviers schon eine kleine Bontempi-Orgel (einmanualig ohne Pedal), auf der meine Mutter und meine Brüder gelegentlich orgelten (ein Finger spielte die Melodie, ein Finger die Begleitautomatik ... "O when the saints" usw.  Lachen).

Neben dem Klavierunterricht und dem Spiel in der Klavierschule habe ich auch immer versucht, mir bekannte Melodien nachzuspielen und zu harmonisieren. Im Unterricht war ich teilweise wirklich eine faule Socke und verplemperte, rückwirkend gesehen, einiges an Übezeit mit irgendwelchen „Pop-Piano“-Heftchen - damals mochte ich diese einfach arrangierten Stückchen.

Als ich dann zu Gymnasialzeiten Messdiener war, musste ich bei uns öfter einen Vertretungsorganisten anhören, der nicht gut spielen konnte. Mit meinen zehn, elf Jahren sagte ich meiner Mutter nach den Gottesdiensten öfters: „Das bekäme ich besser hin als er“. Das mag arrogant klingen, war aber tatsächlich so. Sein unbefriedigendes Spiel war für mich Motivation, weiter das freie Begleiten von Melodien am Klavier zu üben.

Trotzdem habe ich mich dann (leider!) erst mit 15 oder 16 das erste Mal an die Orgel gesetzt, zu dieser Zeit begann ich dann auch mit Unterricht - Klavierunterricht hatte ich da nicht mehr. Ohne Wissen des Orgellehrers hatte ich zugesagt, einen Vorabendgottesdienst zu begleiten. Dazu hatte ich vorher die Lieder mit dem Pastor besprochen und am Klavier mit einstimmiger Vorlage (d.h. Gotteslob) die Begleitung geübt. Eine Einweisung am Instrument hatte ich vorher natürlich auch vom regulären Organisten bekommen.

Zu dem Gottesdienst hatte ich dann meinen Vorvorgänger gebeten, mit auf die Empore zu kommen - er war damals ca. 80 Jahre und ging an Krücken, konnte daher nicht spielen - einfach um ein kundiges Feedback zu bekommen, vor allem in Sachen Lautstärke und Tempo der Begleitung. Er sagte aber nur vertrauensvoll vorher „Du machst das schon“ und war danach recht angetan von meinem Spiel.

Perfekte Begleitsätze waren das damals sicher noch nicht, hinsichtlich der Stimmführung waren vermutlich ein paar Klöpse drin (vielleicht die eine oder andere Parallele), aber ich bilde mir ein, dass das damals klanglich einigermaßen ansprechend war. Ich spielte von Anfang an auch mit Pedal. Vor allem hat es mir, von der Vielfalt der Pfeifenorgel begeistert, sofort Spaß gemacht, die Orgel beim gottesdienstlichen Spiel möglichst abwechslungsreich zu registrieren und zum Charakter der Lieder passende, unterschiedliche Vorspiele auszuprobieren.

Nach meinem ersten Einsatz habe ich dann natürlich einiges an Sätzen aus dem dicken Orgelbuch zum Gotteslob geübt. Es gab aber auch Begleitsätze, vor allem in der alten Ausgabe unseres Diözesan-Orgelbuchs, mit denen ich klanglich einfach nicht "warm" wurde - bei diesen blieb ich dann bei freier Begleitung.
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Gloria Concerto 350 Trend
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