Seiten: 1 [2]   Nach unten
Drucken
Autor Thema: Ökumenisches Orgelbegleitbuch  (Gelesen 596 mal)
Wichernkantor
Co-Moderator
Allwissendes Orakel
*****
Beiträge: 3674


« Antworten #10 am: 19. April 2018, 19:11:26 »

Das württembergische Choralbuch (1. Auflage 1953) war zu Zeiten des EKG (1949-1993 in Gebrauch) in einigen Landeskirchen offiziell eingeführt. (So wie heute das EG Bayern/Thüringen in vielen Kirchengemeinden Sachsens und Brandenburgs.) Die Begleitsätze waren durchweg im Kantionalstil der Schütz-Epoche gehalten, also mit großen Intervallen im Bass (i.d.R. Grundton), die Harmonien enthielten überwiegend Grundakkorde; "Gewürze" wie Sextakkorde, Akkordrepetitionen oder gar frei eintretende Septimen waren verpönt. Es war der "strenge" Satz aus den damals üblichen Harmonielehre-Büchern (Lemacher/Schröder, Dachs-Söhner), der ja in der Schützzeit nie so komponiert wurde. Dennoch erfüllten diese Sätze ihren Zweck. Sie waren gut zu spielen (im Pedal können sich r. und l. Spitze meistens ablösen) und handwerklich sauber. Das Buch enthielt etliche Choräle in mehreren Tonhöhen. "Herzliebster Jesu" z.B. in g, f und e, "Wachet auf" in C und B, war also durchaus gemeindefreundlich und praxisnah. M.W. war es bis Mitte der 90er bei Bärenreiter im Verlagsverzeichnis gelistet - also ein Bestseller und Longseller, wie man auf gut deutsch sagt.

Gerade bei den spezifisch protestantischen Urchorälen in den alten Modi gucke ich ganz gern mal hinein, wie die damaligen (orgelbewegten) Tonsetzer das gelöst haben. Man wird dadurch nicht dümmer ...  Lachen

LG
Michael
Gespeichert
Gemshorn
Administrator
Allwissendes Orakel
*****
Beiträge: 6608



WWW
« Antworten #11 am: 19. April 2018, 19:24:23 »

Aus dem Württembergischen Choralbuch bezogen auch die Macher des alten Gotteslob-Orgelbuches einige Sätze, z.B. Es ist ein Ros entsprungen. Die Sätze sind auch für meinen Geschmack gleichermaßen schlicht und gut. Was will man mehr. Freundlich
Gespeichert

Was würde wohl dazu sagen?
Larigot
Adept
**
Beiträge: 49


« Antworten #12 am: 20. April 2018, 00:03:38 »

Die Begleitsätze waren durchweg im Kantionalstil der Schütz-Epoche gehalten, also mit großen Intervallen im Bass (i.d.R. Grundton), die Harmonien enthielten überwiegend Grundakkorde; "Gewürze" wie Sextakkorde, [...] waren verpönt. [...] Das Buch enthielt etliche Choräle in mehreren Tonhöhen.

Hmm... in dem Band, den ich meine, gibt es reichlich Sextakkorde. In Verbindung mit vielen Mollparallelen (bei Durtonarten) in der Harmonisierung ergibt sich dann auch eine (wie ich finde) eher lineare Bassführung. Choräle in mehreren Tonarten gibt es bei mir nicht...

Also entweder ich bin komplett blöd oder wir reden von unterschiedlichen Choralbüchern (ich hoffe letzteres...  Ratlos ).

Ich schicke dir am besten mal einen Scan. Dann fischen wir hier nicht im Trüben...

LG
Christian
Gespeichert
Wichernkantor
Co-Moderator
Allwissendes Orakel
*****
Beiträge: 3674


« Antworten #13 am: 20. April 2018, 07:08:01 »

Mollakkorde und Sextakkorde gehörten selbstverständlich zum Akkordrepertoire der Schützzeit und des "strengen Satzes". Ich sprach vom Quartsextakkord (einem typischen, kadenzierenden Stilmittel der Klassik und der Romantik), Terzverdopplungen sowie frei eintretenden Septimen. Die sind in den einschlägigen Lehrtraditionen verpönt. Ein eigenes Kapitel sind die Stimmführungsregeln - Ggegenläufigkeit der Baßstimme zum Diskant (sog. übergeordnete Zweistimmigkeit), weitgehende (d.h. nicht generelle) Vermeidung von Sekundschritten im Baß zugunsten von Terzen, Quarten und Quinten - im Idealfall in wechselnde Richtung.
Andere Leute brauchen für dieses Regelwerk mehrere hundert Buchseiten. Es in einem Thread auch nur ansatzweise zu erklären, ist etwas komplex ...  Lachen

LG
Michael
Gespeichert
Seiten: 1 [2]   Nach oben
Drucken
 
Gehe zu: