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Autor Thema: Bemerkenswertes YT-Projekt  (Gelesen 1259 mal)
Wichernkantor
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« am: 13. April 2018, 08:07:20 »

Beim Stöbern im www stieß ich auf folgendes:

https://www.youtube.com/watch?v=y7BkISArVPk

Weitere Recherche ergab, dass der Autor und Interpret mittlerweile rund 180 (!) dieser Dorforgelporträts gemacht hat. Es sind überwiegend Instrumente aus der Region Osthessen, hessische/bayerische/thüringische Rhön, Thüringerwald etc. erfasst.
Ich finde, die Porträts sind mit viel Fleiß und Sorgfalt gemacht, vermitteln einiges an Hintergrund über die Instrumente und haben einen hohen dokumentarischen Wert, zumal sich der Verfasser viel Mühe gegeben hat, stilistisch und ästhetisch passende Literatur regionaler Meister zu finden.
Man kann anhand dieser Porträts auf die Reise durch eine Orgellandschaft gehen, deren Charme nicht im "Spektakulären", sondern im Bodenständigen und Alltäglichen liegt. Die Vorstellung, dass diese schönen Instrumente allsonntäglich die Gottesdienstgemeinden erfreuen, macht so manchen Frust über die grassierende Klampferei, Trommlerei und Digitalpianiererei in der Kirche vergessen ...  Lachen

LG
Michael
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Martin78
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WWW
« Antworten #1 am: 13. April 2018, 09:31:28 »

Danke für den guten Tipp!

Den Herrn kannte ich noch gar nicht, ich habe sofort mal den Kanal abonniert. Die Videos sehen wirklich gut gemacht aus.

Ja, es tummelt sich mittlerweile eine ganze Menge an Orgelvorstellungen auf YouTube - und das ist gut so! Gestern stieß ich auf ein etwas skurilles Video, eine mehr als viertelstündige Vorstellung einer analogen Domus (Viscount) DK-800, die vor einer denkmalgeschützten, unrestaurierten (und nicht mehr benutzten) Pfeifenorgel in einer Allgäuer Pfarrkirche aufgestellt ist. Also, wer sich mal richtig an Analogklängen gruseln will ...  Putzen Lachen

Nur wenn man solche Klänge (man beachte den Prinzipalchor!) als maßgeblich für Elektronikorgeln ansieht und mal eben die Entwicklung der letzten 20 Jahre ausblendet, kann man manch abweisende Haltung hinsichtlich Elektronikorgeleinsatz im Kirchenraum verstehen.
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Gloria Concerto 350 Trend
Wichernkantor
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« Antworten #2 am: 13. April 2018, 09:53:11 »

*Grusel* - das ist ja fürchterlich. Sowohl von der dilettantischen Machart her - wirkt wie ein Projekt der "AG Schülerfunk" an der Realschule - , als auch von den Klängen her. Zu diesen dünnen, sägenden Tönen kann eine Gemeinde wohl kaum singen. Hier in der Gegend gibt es ein paar Friedhofshallen, in denen solche üblen Geräuscherzeuger herumstehen. Wenn ich in diesen Lokalitäten musizieren soll, nehme ich immer meine Feldorgel mit.

Viele "Obergedönsräte" haben die Entwicklung auf dem DO-Sektor ignoriert und haben noch solche "Elektronenorgel"-Klänge im Ohr, vor denen sie vor 30 plus x Jahren völlig zu Recht davongelaufen sind. Unter den Davonläufern befand sich auch der Unterfertigte.

Ich beobachte aber zunehmend, dass die jüngeren Kollegen, die in OSV-Ränge aufgerückt sind, das meistenteils sehr entspannt sehen und eine DO zumindest dann als zweitbeste Lösung betrachten, wenn die Alternative in einer Winzlings-PO vom Orgeldiscounter bestünde.  
Und einige meiner Freunde, die es bis zum Domorganisten gebracht haben oder an anderen "großen" Stellen amtieren, üben daheim an der hochwertigen DO, die sie ihren Gemeinden aus ideologischen Gründen nicht empfehlen dürfen.

Die Dinge sind also im Fluss. Nach wie vor wünsche ich jeder Gemeinde die finanziellen Ressourcen und die weitblickenden Entscheidungsträger, die den Kauf einer angemessenen und hochwertigen PO ermöglichen. Und noch mehr wünsche ich ihnen junge Leute, die diese Instrumente mit Engagement und Begeisterung spielen. Denn das ist - zumindest wenn ich in mein Lebensumfeld blicke - die größere Baustelle.

Da sind Leute wie der junge Kollege aus Osthessen, der da mit seinem Equipment über die Dörfer zieht und so schöne Porträts strickt, ein echter Lichtblick.

LG
Michael

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Martin78
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« Antworten #3 am: 13. April 2018, 10:07:24 »

Da sind Leute wie der Kollege aus Osthessen, der da mit seinem Equipment über die Dörfer zieht und so schöne Porträts strickt, ein echter Lichtblick.
Volle Zustimmung, Hochachtung vor der tollen Leistung! Der Organist Pirkl präsentiert passende, abwechslungsreiche Literatur sehr überzeugend, dazu noch passende Infos rund um Aufnahmeort, Orgelbauer, Orgelgeschichte usw. Da werde ich mir einiges von anhören!
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Gloria Concerto 350 Trend
wohli
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« Antworten #4 am: 13. April 2018, 12:33:39 »

...  mittlerweile rund 180 (!) dieser Dorforgelporträts gemacht hat ... deren Charme nicht im "Spektakulären", sondern im Bodenständigen und Alltäglichen liegt. Die Vorstellung, dass diese schönen Instrumente allsonntäglich die Gottesdienstgemeinden erfreuen, macht so manchen Frust über die grassierende Klampferei, Trommlerei und Digitalpianiererei in der Kirche vergessen ...  Lachen

LG
Michael


Kann ich nur bestätigen - hier in Ostfriesland ist quasi auch auf fast jedem Orf ein Schätzchen, manchmal in recht traurigem Zustand, aber immer nett erlebenswert ...

 Zwinkern LG Bernd
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Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten [Friedrich Schiller (1759-1805), Wilhelm Tell (III,1)]
Larigot
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« Antworten #5 am: 13. April 2018, 20:08:02 »

Klasse, danke für den Tipp!

Sehr angenehm, dass der Autor nicht hektisch durch die Gegend filmt, sondern die Beiträge mit Fotos bebildert. So kann man in Ruhe gucken und sich auf die Musik und die Informationen konzentrieren.

Außerdem eine interessante Literaturauswahl. Ich habe gleich mal sondiert, was IMSLP von J.G. Vierling zu bieten hat, leider mit begrenztem Erfolg...

LG
Larigot
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Wichernkantor
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« Antworten #6 am: 13. April 2018, 20:15:51 »

Außerdem eine interessante Literaturauswahl. Ich habe gleich mal sondiert, was IMSLP von J.G. Vierling zu bieten hat, leider mit begrenztem Erfolg...

LG
Larigot
Bei Harmonia Uitgave hat Ewald Kooiman in der Reihe "Incognita Organo" ein oder zwei Hefte mit Stücken von Vierling veröffentlicht.

LG
Michael
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Larigot
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« Antworten #7 am: 13. April 2018, 21:10:38 »

Bei Harmonia Uitgave hat Ewald Kooiman in der Reihe "Incognita Organo" ein oder zwei Hefte mit Stücken von Vierling veröffentlicht.

Ja, da gibt es wohl auch von anderen Verlagen so einiges. Aber ich habe meine Noten am liebsten als Dateien und bin kein Freund von gebundenen Ausgaben...
Trotzdem danke für den Tipp!!

LG
Christian aka Larigot
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Larigot
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« Antworten #8 am: 14. April 2018, 19:54:24 »


 Danke Danke Danke
Die Seite kannte ich noch gar nicht. Da gibt es ja so einiges zu entdecken.
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Romanus
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« Antworten #9 am: 15. April 2018, 13:32:06 »

Gestern stieß ich auf ein etwas skurilles Video, eine mehr als viertelstündige Vorstellung einer analogen Domus (Viscount) DK-800, die vor einer denkmalgeschützten, unrestaurierten (und nicht mehr benutzten) Pfeifenorgel in einer Allgäuer Pfarrkirche aufgestellt ist.
Nicht dass ich ein Fan dieses Orgelmodells wäre, aber eines muss zur "Ehrenrettung" der Viscount Domus DK-800 gesagt werden: Schlaumeier
Diese Orgel wurde vor 30+ Jahren in Mondaino, Italien produziert und hat(te) einen (für die damalige Zeit, als digitale Kirchenorgeln noch in den Kinderschuhen steckten und für normalsterbliche unerschwinglich teuer waren !!!) durchaus ordentlichen Klang. Die im Video zu hörenden, in der Tat grauenvollen Klänge sind durch die mehr als unprofessionelle Aufnahmetechnik total entstellt und können keinesfalls als "Referenz" für den damaligen Viscount-Klang gelten.

Woher ich das weiß ???
Ich erinnere mich noch, als ob es gestern gewesen wäre:
Herbst 1985, meine Eltern und ich im Musikhaus Reisinger in Wien (damals noch in der unteren Mariahilfer Straße, nahe der Stiftskirche), nach einer leistbaren Alternative zu meiner altersschwachen RIHA Classica suchend. Diese hatten wir erst ein halbes Jahr zuvor als Gebrauchtorgel ebendort erstanden, die für meine damaligen Ohren gar nicht schlecht klang, uns aber mit ihrer nicht enden wollenden Defektanfälligkeit zur Verzweiflung getrieben hatte.
Mein Blick schweifte sehnsüchtig zu einer - für mich und meine Eltern damals unleistbaren - Johannus mit Pfeifenprospekt, da kam der damalige Geschäftsführer, Herr Norbert Ludwig (ein äußerst kompetenter und kundenfreundlicher Hobby-Organist) zu uns und sagte feierlich: "Es gibt etwas neues !" Er zeigte uns einen Prospekt "Viscount church models" und rechnete uns vor, wie sich die Domus DK-40 - unter Inzahlungnahme zweier Gebrauchtorgeln rechnerisch ausginge.
Nachdem die DK-40 ein Auslaufmodell und - wie sich bald herausstellte - nicht mehr verfügbar war, wurde es schließlich die größere Domus DK-50. Diese hatte fast die gleiche Disposition wie die im Video zu sehende DK-800, ebenfalls 37 Register, allerdings einen geringeren Manual-(C-g3) und Pedalumfang(C-d1) und keinen Crescendo-Schweller. Beim ersten Ausprobieren im Musikhaus Reisinger war ich mit dem Klang absolut zufrieden.
Die Domus DK-50 hat bei mir immerhin 11 Jahre lang (1985-1996) treu gedient (so lang wie keine andere meiner durchaus zahlreichen Ex-Orgeln !), mit geschickter, trickreicher Registrierung waren ihr einigermaßen hübsche Klänge zu entlocken und sie hatte kaum Defekte. Ich habe damals sogar 2 MCs an ihr aufgenommen, wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich sie in mp3 konvertieren und eine Kostprobe daraus online stellen.
Erst im Oktober 1996 leistete ich mir meine allererste Digitalorgel, eine Johannus Wesley Allegro 30, die im Vergleich zur Viscount einen klanglichen Quantensprung bedeutete, allerdings den Nachteil einer beschränkten Polyphoniekapazität hatte, aber das ist ein anderes Kapitel, worüber ich mich in diesem Forum bereits mehr als erschöpfend geäußert habe.  Augenrollen
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Die einzig wahre Königin ist die Pfeifenorgel.
Etwas gleichwertiges muss erst erfunden werden !
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