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Autor Thema: Kirchenmusiker verzweifelt gesucht: die Organola  (Gelesen 2257 mal)
Tieftonpfeife
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« Antworten #20 am: 06. Februar 2018, 08:13:19 »

An begabtem Nachwuchs fehlt es sicher nicht. Aber dem potentiellen Auszubildenden wird in den Gemeinden schon rechtzeitig demonstriert, dass Qualität weder erwünscht ist noch sich irgendwie auszahlt.
Ich schätze aber, dass dies kein lokales Phänomen ist...
LG

In der hiesigen evangelischen Gemeinde wird den Kirchenmusikern vom Pfarrer, der selbst Musiker, Gitarrist und Bandleader ist, immer wieder kommuniziert das er durchaus auch ohne Orgel, Chor und Kirchenmusiker ganz gut alleine zurecht kommt. Wie muss diese Einstellung auf unsere junge Nachwuchsorganistin wirken?! Zum Glück gibt es immer noch einige Gemeindemitglieder die sich am Orgelklang erfreuen. Ich finde es hängt sehr viel von der Einstellung der "Gottedienstverantwortlichen" zur Orgelmusik ab, ob das Instrument gepflegt wird und ob der Nachwuchs sowie die aktiven KiMus motiviert werden.
Als gelernter Verkäufer habe ich immer noch den Spruch meines Lehrherrn im Ohr der sagte: Wenn du die Ware die du verkaufen willst selbst nicht wertschätzt, dann erzielst du auch keinen guten Preis dafür.

Viele Grüße aus Osthessen
Stefan
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Gloria Excellent 360
clemens-cgn
Allwissendes Orakel
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« Antworten #21 am: 06. Februar 2018, 09:10:52 »

Der Weisheit Deines Lehrherrn ist absolut beizupflichten.
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MagisterPerotin
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« Antworten #22 am: 07. Februar 2018, 01:47:36 »

Es kommt natürlich sehr auf das Milieu an. In meiner Studienzeit in Frankfurt hatte ich schon den Eindruck, dass die kleineren Kirchen sehr gerne möglichst wenig Orgel haben wollten (die Hauptkirchen sind natürlich etwas anderes). Ich glaube viele sahen in der Flucht vor der Orgel so etwas wie eine Möglichkeit der starken Säkularisation Frankfurts entgegen zu wirken. Mich hat das immer sehr gewurmt, dass man mich immer wieder an ein miserables Klavier zwingen wollte, weil das ja "schöner" sei.

Seit ich mich in ländlicheren Gefilden befinde, stelle ich auf jeden Fall fest, dass der Stellenwert der Orgel insgesamt höher ist. Auf vielen Dörfern auch bedingt durch eine "das war schon immer so"-Mentalität. Diese Argumentationsgrundlage ist zwar an sich recht zweifelhaft, aber im Resultat durchaus von Vorteil. Die Jugendlichen hören noch regelmäßig Orgelmusik in ihrer Konfirmandenzeit in der Kirche und es gibt doch einige die Interesse zeigen. Meine Schüler kommen zumindest alle vom Dorf und keiner aus der Stadt.

Ein großes Problem der Motivation bleibt häufig die furchtbare Qualität bzw. der furchtbare Zustand vieler dörflicher Instrumente. In meiner Jugend war ich durch unsere Stadtkirchenorgel motiviert zu orgeln. Hätte ich nur die Dorforgeln meiner damaligen Region gekannt, hätte mich das nicht im geringsten gereizt. Ich kann mir schon vorstellen, dass viele Menschen keine Idee davon haben, was das Instrument Orgel eigentlich hergibt, da sie häufig nur ihre kleine Dorfkirche kennen, wo häufig auch nur noch notdürftig Organisten gefunden werden und man froh ist, wenn überhaupt jemand auf der Orgelbank sitzt. Natürlich kommt es auch immer darauf an ein die jeweiligen Instrumente ihrer Eigenart entsprechend zu spielen, aber häufig gibt es auch einfach Instrumente, die einfach keine Freude machen. Die "guten Orgeln" sind meist in der Hand der hauptamtlichen Kirchenmusiker oder aber von sehr versierten nebenberuflichen Organisten "besetzt". Was dann häufig übrig bleibt motiviert vielleicht nicht unbedingt zum Orgellernen und den eigenen Charme historischer Instrumente weiß man meist ja auch erst ab einem gewissen fachlichen Niveau zu schätzen.
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Es mag sein, dass nicht alle Musiker an Gott glauben; an Bach jedoch alle. - Mauricio Kagel
Wichernkantor
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« Antworten #23 am: 07. Februar 2018, 06:28:01 »

Treffende Analyse. Ich sehe das ganz genau so.
Ich beobachte zudem hier in der Gegend immer öfter, dass Kirchenvorstände inzwischen problemlos ein paar Tausender für ein Digitalpiano hinblättern, das dann vorn im Altarraum mehr schlecht als recht traktiert wird, statt für dassselbe oder weniger Geld die Orgel zu pflegen zu lassen.
Von den hundert und mehr Jahre alten Wirthausklavieren in den Gemeindesälen, in die Generationen von Konfirmanden den Flohwalzer geklopft haben, ganz zu schweigen ...
Wir haben auch so ein Ding im Gemeindesaal. Ich habe es einmal probehalber angerührt. Seither nie wieder ... *grusel*

LG
Michael
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