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Autor Thema: Kirchenabriss  (Gelesen 1720 mal)
Machthorn
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« Antworten #50 am: 12. Januar 2018, 19:57:40 »

Ich finde es sehr schwierig, mit so inhaltsleeren Begriffen wie "schön" und "hässlich" zu argumentieren, die sagen außer subjektivem Ge- bzw. Missfallen nichts aus. Ich habe mir mal statt "schön" ein paar positive Attribute überlegt, die für die seelsorgerische Aufgabe eines Sakralbaus von Bedeutung sind, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Offen, einladend, freundlich, warm, beruhigend, friedlich.

Es fällt mir sehr schwer, diese auf große gotische Kirchen wie z.B. den Kölner Dom anzuwenden, der wirkt auf mich eher einschüchternd, bedrohlich, demütigend, arrogant. Dass er dabei ein imposantes und beeindruckendes Stück Architektur ist, will ich gar nicht abstreiten. Aber die emotional angenehmen Attribute finde ich oft eher bei Nachkriegsbauten, lassen wir einmal brutalistische Beispiele außen vor.

Natürlich gibt es auch große alte Kirchen, die diese positiven Attribute aufweisen können, aber weniger in der Gotik sondern eher in Renaissance und Barock.

Edit: jogo, ich finde deine Kirche übrigens wirklich sehr angenehm! Hier kann man sich wohl fühlen.
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clemens-cgn
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« Antworten #51 am: 12. Januar 2018, 21:40:48 »

Das gehört glatt der Glaubenskongregation gemeldet. Exorzist
Ja, ja, .... wenn ein Sachverhalt nicht ausgesprochen werden darf, weil er den Klerikern  Weihrauch gotteslästerlich erscheint, obwohl eine sachliche Beweisführung vorliegt, dann werden heute zumindest in den Köpfen wieder  Exorzist Scheiterhaufen errichtet.  duck und weg
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Romanus
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« Antworten #52 am: 12. Januar 2018, 22:00:38 »

Offen, einladend, freundlich, warm, beruhigend, friedlich.
Ich weiß nicht, ob das die Attribute sind, die ich einer Kirche zuordnen würde. Kopfkratzen
Die oben genannten Eigenschaften würde ich mir von einem Restaurant oder einem Kindergarten wünschen.
Eine Kirche sollte für mich schon mehr sein als eine gemütliche, gute Stube.  
Schönheit ist natürlich immer Geschmacksache, also kein objektives Kriterium, da gebe ich Machthorn Recht.
Für mich war und ist eine gotische Kirche einfach der Prototyp des Sakralbaus, wahrscheinlich deshalb, weil die ersten Kirchen, die ich als Kind sah, eben gotisch waren.
Die Athmosphäre einer gotischen Kirche (ganz egal ob alt oder "neu") ist für mich immer etwas ganz besonderes:
Mystisch, geheimnisvoll, faszinierend, magisch, erhaben, Ehrfurcht gebietend, für manche Menschen haben sie auch etwas unheimliches, das dämonisch-sakrale Element spielt hier auch mit hinein, doch gerade das macht für mich auch die Faszination einer gotischen Kirche aus.  Anbetung Genau wie der 1. Teil der (wenn auch nicht gotischen, aber für mich eindeutig gotisch-inspirierten) Toccata BWV 565: Ein weihevoller Schauer, bei dem man eine Gänsehaut bekommt.  Weihrauch
Diese Kirchen spiegeln das Gottesbild der Menschen im späten Mittelalter wieder, das noch viel stärker von der Vorstellung eines strengen, strafenden Gottes geprägt war. Auch wenn dieses Gottesbild heute längst überholt ist, ziehe ich - was Kirchen betrifft - die Gotik jeder anderen Stilrichtung vor.
Ich liebe gotische Kirchen, sie sind für mich so viel mehr als einfach nur "schön", ich liebe auch ihre hallige Akustik, die Orgelklängen etwas mystisches und zugleich erhabenes verleiht, ich träume sogar immer wieder von gotischen Kirchen !
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Etwas gleichwertiges muss erst erfunden werden !
Machthorn
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« Antworten #53 am: 12. Januar 2018, 22:19:55 »

Zitat
Ich weiß nicht, ob das die Attribute sind, die ich einer Kirche zuordnen würde. Kopfkratzen
Ich gebe zu, dass das wieder rein subjektiv ist. Mein persönlicher Anspruch an eine Kirche ist die, dem Besucher eine gewisse Wärme und Geborgenheit zu geben. Hier darf er Gottes Nähe und Liebe fühlen. Hier darf er auch mit Ängsten und Nöten herkommen. Hier darf die Seele ein wenig ausruhen. Das fällt in Kirchen mit den von mir aufgezählten Attributen leichter als in solchen, deren Atmosphäre du als "[...]Mystisch, geheimnisvoll, faszinierend, magisch, erhaben, Ehrfurcht gebietend, [...] unheimlich[es], [...] dämonisch-sakral[e]" bezeichnest.

Mit dem Übergang zur Renaissance und damit schon vor über fünfhundert Jahren fand dieser Paradigmenwechsel übrigens in Florenz statt. Als erste Kirche, die unter diesen Gesichtspunkten entworfen wurde, gilt die von Brunelleschi (dem Erbauer der Florentiner Domkuppel) erbaute Basilica di San Lorenzo. Leider ist die Fassade bis heute unverkleidet und entsprechend nackt und etwas abweisend. Die Kirche hat übrigens eine mit 35 Registern für italienische Verhältnisse fast schon ungewohnt große dreimanualige Orgel, womit auch der Bogen zum Forum wieder geschlagen wäre.

Siehe hier: wikipedia.org/wiki/Basilica_di_San_Lorenzo_(Florenz)
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PM
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« Antworten #54 am: 12. Januar 2018, 23:19:42 »

Neben Religion (und Fußball) scheint nichts effektiver die Emotionen auf zu hetzen als Orgeln, Orgelmusik und Organisten..... Zwinkern Lachen
Ich muss mich selbst corrigieren. Habe die kirchengebäuden vergessen..... Lachen Lachen
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clemens-cgn
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« Antworten #55 am: 13. Januar 2018, 01:42:00 »

Eines der charakteristischen Stilelemente einer gotischen Kirche (im Gegensatz zur Romanik) ist ja gerade, daß man beim Betreten mit geradeaus gerichtetem Blick, die tatsächliche Raumhöhe gar nicht erfassen kann. Damit wird die Größe Gottes symbolisiert.
Heute kennen wir diese Räume i.d.R. nur noch weiß gekalkt. Wer mal das optische Erlebnis hat, einen in der ursprünglichen Ausmalung (in der ostdeutschen Backsteingotik gibt's es da noch ein paar sehenswerte Exemplare) zu erleben, der empfindet diese Räume als wirklich heimelig. Wenn dann noch morgens um 5:30 von Mönchen oder Nonnen eine Laudes gesungen wird und man mit ins Chorgestühl darf (in der kalten Jahreszeit einen möglichst bodenlangen Mantel nicht vergessen) dann wird es mir schon warm, weil Architektur und Gebet zur Einheit verschmelzen.
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« Antworten #56 am: 13. Januar 2018, 02:33:05 »

aha, mir scheint hier ist meine kleine bildersammlung von modernen kirchen nötig  (auch wenn sie anscheinend nur mir gefallen Zwinkern ):






die wotruba gehört natürlich auch dazu, aber die hatten wir ja schon.
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Romanus
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« Antworten #57 am: 13. Januar 2018, 05:53:11 »

aha, mir scheint hier ist meine kleine bildersammlung von modernen kirchen nötig  (auch wenn sie anscheinend nur mir gefallen Zwinkern ):


Die Kathedrale von Brasilia gefällt mir auch !  Dafür
Sie sieht aus wie eine große Krone, sehr ästhetisch, damit tanzt sie gegenüber den anderen modernen Sakralbauten aus der Reihe.

Ich habe übrigens vor ca. 22 Jahren in einem Dipl. Ing. Heinz Ahlborn - Prospekt gelesen, dass dort eine Dipl. Ing. Heinz Ahlborn - Digitalorgel steht, also in Wahrheit eine modifizierte (oder einfach nur umbenannte ?) Viscount, ich habe diesen Prospekt sogar noch, da ist auch ein Bild davon, es ist eine 2-manualige mit ca. 40 Registern.
Weiß jemand, ob sich diese Orgel bis heute gehalten hat oder ob inzwischen eine neue (derselben Marke ?) installiert wurde ? Bei Wikipedia findet man nichts darüber.
Nicht umsonst dient die charakteristische Kronen-Form dieser Kathedrale auch heute noch als Firmenlogo der Dipl. Ing. Heinz Ahlborn GmbH:
http://www.ahlborn-kirchenorgeln.de/  
Auf der Referenzliste wird sie jedenfalls nicht genannt. Lupe
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« Antworten #58 am: 13. Januar 2018, 08:00:44 »


Auf Wikipedia findet sich übrigens auch ein kurzes Klangbeispiel von der Grazer Herz-Jesu-Orgel.  Geheimtipp


Naja... Die Walcker in Herz-Jesu ist groß und wurde mit großem Aufwand und sehr liebevoll restauriert. Das Problem ist ihre Pneumatik einerseits, und andererseits die Akustik des Kirchenraumes. Letztere macht, und das weiß ich aus eigener Erfahrung, trotz guter Beschallungsanlage das Zelebrieren zu einer Herausforderung, und die Nachhallzeiten bzw. -frequenzen sind für die Orgel enorm, dadurch wird alles recht diffus. In Köln ist auch ein langer Nachhall, aber in den Frequenzen viel differenzierter, sodass mir scheint, dass die Orgel - die natürlich auch eine ganz andere Charakteristik als die Walcker hat - besonders in den hohen Mitten besser "zeichnet".

Mein Bruder und ich hatten vor zwei Jahren den Auftrag, für eine CD mit einem sehr guten Organisten in Herz-Jesu aufzuzeichnen (Zoltan Borbely, Novi Sad). Wir haben es eine Woche lang versucht, mit unterschiedlichsten Mikrofonkonstellationen und -positionen, dann hatten wir eine Aufnahme, die zunächst (vor Ort im Kopfhörer und auf den Kleinmonitoren) sehr akzeptabel klang ... Im Studio in der Nachbearbeitung kamen dann so viele Schwächen heraus (Nachhallphänomene, Echos, einzelne "schreiende" Aliquoten und vor allem die Geräusche der Arbeitsbälge), dass die Aufnahme unbrauchbar war. Wurde in Senta wiederholt. Das hat dann geklappt.

Daher meine "akustische Skepsis" gegenüber der konkreten Situation.
Was aber am selben Ort TOLL funktioniert, sind die Kinoabende - einmal im Jahr gibt es eine Projektion von Filmklassikern (stumm), zu denen live auf der Orgel improvisiert wird. Großartig!

Entschuldigt die laienhafte Ausdrucksweise. Mir fehlt da zum Teil auch die Fachterminologie...


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"Ahoi da drin, hätten Sie vielleicht Interesse an einer Dampforgel?"

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« Antworten #59 am: 13. Januar 2018, 08:50:11 »

Danke für die Bildbeispiele. Beeindruckend! Danke
Das eine Foto - anscheinend senkrecht in einen Turm hinein gerichtet - machte einem Science-Fiction-Film alle Ehre. Sieht aus wie ein gewaltiges Raumschiff. Die Trekkies unter uns werden sich vielleicht an Star Trek I erinnern, wo die Enterprise in das riesige Gebilde V'ger hineinflog...
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