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Autor Thema: Orgel in der Daimlerstadt  (Gelesen 1256 mal)
HighEnd111
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« am: 02. Januar 2018, 21:53:18 »

Dachte, euch interessiert das vielleicht Zwinkern

Schorndorf, die Geburtsstadt von Gottlieb Daimler, trägt in der Altstadt die schon von weitem erkennbare Stadtkirche. In ihr befinden sich zwei Orgeln, die Hauptorgel von F. Walcker, Baujahr 1962, wurde 2014 vom Orgelbau Mühleisen restauriert.

http://www.orgelbau-muehleisen.de/de/16/Evang.-Stadtkirche.html?wid=276

Sie sieht optisch relativ harmlos aus und ist auch nicht wirklich mein Geschmack, aber die Disposition hat mich doch etwas umgehauen... dass so viele Pfeifen so kompakt zusammen passen, hätte ich nicht erwartet.

http://www.orgelbau-muehleisen.de/dokumente/SCHORNDORFdisposition.pdf

Bisher hab ich sie noch nie gehört, aber das möchte ich baldmöglichst ändern.

Über die Chororgel weiß ich leider nichts.
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PM
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« Antworten #1 am: 02. Januar 2018, 22:06:24 »

Hallo HighEnd,

Sehr interessante Disposition mit Unruh 3f, Kopftrompete 8, Gambetta 2f. Schön! Sind da Aufnahmen von diese Instrument? Ich habe kurz "geGoogled“ aber nichts gefunden.

Gruss, PM
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„Bach ist Anfang und Ende aller Musik, auf ihm ruht und fuszt jeder wahre Fortschritt“  - Max Reger
HighEnd111
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« Antworten #2 am: 02. Januar 2018, 22:16:14 »

Hallo PM,

ich hab bis jetzt auch keine Aufnahmen gefunden. Schade, wüsste auch gern wie sie klingt, die Disposition ist ja doch relativ außergewöhnlich.
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clemens-cgn
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« Antworten #3 am: 02. Januar 2018, 23:03:43 »

Auf diesem Instrument müssen Ahrens, Bornefeld, David und Pepping hervorragend klingen. Schön das dies Instrument aus der Orgel(hoch)Bewegung erhalten geblieben ist. Leider gibt es. z. B. eine Definitionsdatei für eine None 8/9´ bislang nur in einem frz. Physisinstrument. 
Die in diesem Instrument ausgebauten Obertonreihen laden ja regelrecht zum experimentieren mit Klangfarben ein (Mit dem Instrument spielen und nicht gegen das Instrument Zwinkern.
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Machthorn
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« Antworten #4 am: 02. Januar 2018, 23:57:15 »

Das Brustwerk finde ich besonders krass. Eine Zimbel auf 1/3'-Basis, das dürfte Ultraschall vom Feinsten sein, kann man damit auch medizinische Untersuchungen machen?  duck und weg
Und die Siebenquart finde ich auch - hmm - spannend? 16/19', darauf kann ich mir keinen Reim machen. Klar, kann man mathematisch sinnvoll mit einem 16' mischen, aber was gibt das dann für ein Intervall? Obendrein hat das Brustwerk keinen 16', wie soll ich mir das vorstellen? Gibt das dann unterschwellig einen akustischen 16'?
Ich habe noch nie eine so ausgeprägt bewegte Orgel gehört. Gibt es für Vergleichbares Aufzeichnungen?
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Gloria Klassik 226 Trend
clemens-cgn
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« Antworten #5 am: 03. Januar 2018, 00:11:25 »

evtl. googelst Du mal Bornefeld für YT
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Machthorn
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« Antworten #6 am: 03. Januar 2018, 01:10:32 »

Wen's interessiert, ich habe tatsächlich ein Video gefunden, in dem so hohe Mischungen vorgestellt werden:
https://www.youtube.com/watch?v=xZmSPmAYrVY
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Gloria Klassik 226 Trend
trompetendulzian
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« Antworten #7 am: 03. Januar 2018, 08:52:36 »

Ein spannendes Instrument! Interessant finde ich in dem Dokument Technische Details folgende Anmerkungen:
Neubau der gesamten Orgeltechnik einschließlich eines neuen Innengehäuses und neuer Windladen im vorhandenen Walckergehäuse.
Gründe dafür waren eine sehr mangelhaft ausgeführte Bauweise und die sehr schlechten Stimm- und Wartungszugänge im Instrument.

Da frage ich mich doch, wieso man dem Vernehmen nach so schlechte Stimm- und Wartungszugänge hatte. Walcker wird das Instrument ja kaum nach dem Motto "einmal hinstellen und nie wieder anfassen" konzipiert haben.

Viele Grüße
Trompetendulzian
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« Antworten #8 am: 03. Januar 2018, 12:32:34 »

Walckerinstrumente aus dieser Zeit sind von sehr unterschiedlicher Qualität und Ausführung. Auch wurde in dieser Zeit sehr gerne mit damals "modernen und innovativen" Werkstoffen hantiert, die sich im Nachinein als "keine dauerhaft funktionierende" Lösung erwiesen haben: Z.B. Nüsse aus diversen Kunstoffen. Plastikkapseln und Plastikdöckchen in Alutrakturen.  Hast Du mal so ein regelrecht explodiertes Wellenbrett gesehen? Zerbröselnde Schaumstoffe als Schleifendichtungen, mitunter sogar Spanplatten im Windladenbau, 30 töniger Subbaß "en bloc" aus Sperrholz, mit durchgehender Vorder- und Rückwand (damit teilen sich die Nachbarpfeifen ihre Seitenwände - Das galt damals als die Platz- und Materialsparende Innovation). Die zu der Zt. üblichen pneumatischen Schleifenzugapparate sind heute i.d.R. (mitunter bedingt durch Einsatz von preiswerteren Ersatzmaterialien, wie Gummituch i. V. mit Industrieemmisionen, regelrecht zerbröselt). -> Wenn man diese damals innovativen Platzungetüme durch heute übliche kleine Schleifenzug(motoren)magneten ersetzt, kann sich der Platzgewinn bei Neukonstruktion der Lade nur positiv auswirken. Die Gehäusefronten wirkten auch bei schmalpreisigen Instrumenten massiv. Rückwärtige Gehäuseteile, wenn überhaupt vorhanden oft aus Presspan oder Presspappe. Wenn der Architekt gesagt hat: Das Gehäuse darf nicht so tief werden, wurden die Pfeifenstellungen auf den Windladen enger gewählt. Häufig (wie bei anderen Orgelbauern auch) fielen dann die innen liegenden Stimmgänge weg... auch die Orgelstimmer von Walcker haben später regelmäßig über komplizierte Erreichbarkeit  Motzen gestöhnt (oft genug habe ich Tasten gehalten...) Wenn zum Stimmen der Mixtur erst die Zungenbatterie ausgebaut werden muß... oder bei auf Sturz stehenden Pedalladen C der Pedaltrompete oder Posaune unter lebensgefährlichen Manövern, mit Besenstil verlängertem Stimmeisen zu versuchen war, die Krücke zu treffen... weil keine Leiter zur Verfügung stand, um hier durch den Prospekt die Pfeifen zu erreichen. Der Stimmer nennt das dann gerne : xy hat selbsthaltende "Dauerstimmung". Mitunter lohnt sich ein Blick in die Mängelkladde der Orgel... Die klanglichen Qualitäten des Instrumentes, scheinen hingegen außer Zweifel....   
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trompetendulzian
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« Antworten #9 am: 04. Januar 2018, 17:31:13 »

Hast Du mal so ein regelrecht explodiertes Wellenbrett gesehen?
Bisher leider (oder zum Glück) noch nicht. In meinem C-Kurs wurde seinerzeit in Orgelkunde zwar gelehrt, dass die Instrumente der 60er Jahre ihre Mängel hätten und viel mit damals neuen Materialien experimentiert wurde, aber anscheinend hatten die Orgelbauer in der Region ihr Handwerk so weit im Griff, dass es nicht zum Totalausfall der Traktur gekommen ist oder die anfälligen Teile waren Mitte der 90er Jahre, als ich mit ihnen in Berührung kam, schon ersetzt. Vermutlich hing es auch vom zuständigen Orgelsachverständigen ab, was dem Orgelbauer erlaubt war und was nicht.
Lediglich an ein Beispiel kann ich mich noch erinnern und zwar waren in einer Orgel mit der Zeit einige Schleifenzugmotoren unzuverlässig geworden: Ein oder zwei Register ließen sich zwar ein- jedoch nur unter großer Verzögerung wieder ausschalten. Welche weiteren Mängel dazu geführt haben, dass das Instrument zwischenzeitlich abgerissen wurde, ist mir jedoch nicht bekannt.

Viele Grüße
Trompetendulzian
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