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Autor Thema: Wir sagen euch an II  (Gelesen 2571 mal)
pvh
Allwissendes Orakel
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« am: 03. Dezember 2017, 13:56:43 »

Hallo,

mich würde einmal interessieren, wann "Wir sagen euch an den lieben Advent" so gesungen wird.

In unserer Katholischen Gemeinde wird, mindestens so lange wie ich in der Gemeinde bin (>15 Jahre?), das Lied vor den Sonntagsgottesdiensten im Advent gesungen, wenn der/die Ministrant/in die Kerzen anzündet. Wenn der Adventskranz im 1. Advents-Gottesdienst geweiht wird (in der Regel in der Vorabendmesse), dann gibt es Strophe 1 im Gottesdienst. Übrigens kann man nur so (Lied vor dem Gottesdienst) die hübschen Choralvorspiele von Wichernkantor unterbringen.

Heute behauptete der Pastor, dass dies liturgisch falsch wäre und man das Lied im Gottesdienst statt dem Eingangslied sänge. So stünde das auch in irgendwelchen Liturgiebüchern. Da der Adventkranz eine Erfindung des protestantischen Theologen und Sozialpädagogen Johann Heinrich Wichern ist und erst 1925 erstmals in einer katholischen Kirche aufgehängt wurde, kann ich mir das nicht so ganz vorstellen (gibt es etwa in Lateinamerika oder Afrika überhaupt Adventskränze?). Eine kurze Recherche ergab, dass im ambrosianischen Rithus im 6wöchigen Advent zu Beginn des Gottesdienstes Kerzen angezündet werden. Aber sonst?

Abgesehen davon, dass bei den Gemeindemitgliedern liebgewordene lokale Praktiken bestehen bleiben sollten: Wie wird das anderswo gehalten - mich interessieren die katholische und diverse protestantische Praktiken.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
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Gemshorn
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WWW
« Antworten #1 am: 03. Dezember 2017, 16:56:51 »

Mir ging aus deinem Posting nicht hervor, was das "Falsche" wäre... Kannst du präzisieren? Lupe

In meinen Gemeinden wird das Lied erstmalig bei der Adventkranzsegnung gesungen, unter denselben Rahmenbedingungen, die du beschrieben hast.
Früher baute ich es jeden Adventsonntag ein, davon bin ich aber inzwischen abgekommen - es gibt ja auch die werktäglichen Roraten, wo es dann uns wann gesungen werden kann.
Fixer Bestandteil ist es in meinen Gemeinden am Sonntag Gaudete, naheliegenderweise wegen dem Refrain "Freut euch, ihr Christen".
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pvh
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« Antworten #2 am: 03. Dezember 2017, 18:40:22 »

Hallo,
Mir ging aus deinem Posting nicht hervor, was das "Falsche" wäre... Kannst du präzisieren?
falsch wäre, nach Ansicht des Pastors, das Lied zu singen und dann das Eingangslied. Es ist allerdings so, dass "Wir sagen euch an" gesngen wird, bevor der Gottesdienst beginnt bzw. das Klingelzeichen ertönt. Insofern kann es ja nicht falsch sein, weil es nicht zum Gottesdienst gehört. Vermutlich ist unser lokale Brauch entstanden, weil irgendein früherer Pastor das Lied nicht mochte, die Leute es aber trotzdem singen wollten.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
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« Antworten #3 am: 03. Dezember 2017, 20:20:21 »

Eine sog. statio vor dem Gottesdienst lässt sich für alle möglichen und unmöglichen Gelegenheiten zimmern. Der geistliche Herr ist wohl ein (unkundiger) Formalist.
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clemens-cgn
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« Antworten #4 am: 03. Dezember 2017, 20:52:55 »

Lieber Christoph,
weil das Lied bei uns einfach nicht tot zu kriegen war, hat der Kirchenvorstand entschieden, außerhalb der Meßliturgie direkt nach dem 2. Läuten mit einer Choralbearbeitung über das Thema zu beginnen. Die Gemeinde singt anschließend das Lied und dazu steckt eines der Kommunionkinder die jeweiligen Kerzen zur jeweiligen Strophe an. In der Gemeinde hat das seiner Zeit zur Befriedung beigetragen. Mittlerweile ist es bei uns lieb gewordene Tradition. Zaungäste aus anderen Gemeinden bedanken sich häufig hinterher. Offensichtlich gibt es für dieses Lied bei einigen Menschen ein inneres Bedürfnis, das hiermit gestillt wird. Ich kann damit gut leben. Selbst bei einem Pfarrerwechsel müßte dieser Beschluß erst durch den KV revidiert werden. Für den Fall daß, steht in meinem Dienstgesangbuch die genaue Fundstelle des KV-Beschlusses. Eine "Quick&Dirty"-Aktion irgend eines Klerikers  :teufel:ist damit gut "behindert"  Lachen
Lieben Gruß
Clemens
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jogo31
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« Antworten #5 am: 04. Dezember 2017, 12:01:50 »

Bei uns wird das Lied 1. Mal gesungen und zwar am 1. Advent die erste Strophe. Und damit ist dieses belanglose Liedchen auch genug gesungen worden. Bei uns läuft das immer so ab:

1. Orgelmusik zum Einzug
2. Liturgischer Gruß und Einführung in die Messfeier
3. Segnung des Adventskranzes
4. Entzündung der ersten Kerze mit Strophe 1 des Liedes "Wir sagen euch an".

dann gehts mit der Messe ganz normal weiter. An den weiteren Sonntagen werden die weiteren Kerzen des Adventskranzes ohne weitere liturgische Ausgestaltung angezündet.

Derartige "Knebelverträge" würden meinen Pfarrer übrigens nicht an "Quick&Dirty"-Aktionen hindern. Nach seiner Auffassung hat er insbesondere liturgisch das letzte Wort. Und recht hat er.
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Jesaiah
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« Antworten #6 am: 04. Dezember 2017, 15:06:54 »

1. Orgelmusik zum Einzug
2. Liturgischer Gruß und Einführung in die Messfeier
3. Segnung des Adventskranzes
4. Entzündung der ersten Kerze mit Strophe 1 des Liedes "Wir sagen euch an".

[...]

Derartige "Knebelverträge" würden meinen Pfarrer übrigens nicht an "Quick&Dirty"-Aktionen hindern. Nach seiner Auffassung hat er insbesondere liturgisch das letzte Wort. Und recht hat er.

Läuft bei uns exakt auch so.
Und: Natürlich hat der Pfarrer (sofern er wirklich einer ist und nicht "nur" Administrator oder Moderator oder so, da gibt es in der kath. Kirche einige feine, aber wichtige Unterschiede ...) das absolute Sagen vor allem in Sachen Liturgie. Aber ein weiser Pfarrer wird nur mit SEHR guten Argumenten gegen den KV / PGR entscheiden (oder in absoluten Krisenfällen)...

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"Ahoi da drin, hätten Sie vielleicht Interesse an einer Dampforgel?"

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clemens-cgn
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« Antworten #7 am: 04. Dezember 2017, 18:49:09 »

Ein Pfarrer ist bei uns geborenes Mitglied im KV und stets sein 1. Vorsitzender. Wenn ein neuer Pfr. kommt und einen in der Vergangenheit gefaßten KV-Beschluß in "Bossingmanier" ohne Beratung und neuer Beschlußfassung kippt (aus welchen noch so gewichtigen Gründen!), wird sich im KV oder der 2x jährlich stattfindenden Gemeindeversammlung den schwerstmöglichen Status geschaffen haben.
Allerdings, wie Jesaiah schon sagte, sind derartige Beschlüsse vorwiegend zur Verhütung böser Überraschungen vor "Möchtegern Pfarrern" gefaßt. Ein gesundes Selbstbewußtsein einer Gemeinde gegenüber "geweihten Gefäßen" aller Art hat im Gemeindeleben wirklich etwas Belebendes. Der Gottesdienstbesuch in der Großstadt regelmäßig erheblich über 10 % spricht da für sich.
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pvh
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« Antworten #8 am: 04. Dezember 2017, 19:46:24 »

Hallo,
weil das Lied bei uns einfach nicht tot zu kriegen war, hat der Kirchenvorstand entschieden, außerhalb der Meßliturgie direkt nach dem 2. Läuten mit einer Choralbearbeitung über das Thema zu beginnen. Die Gemeinde singt anschließend das Lied und dazu steckt eines der Kommunionkinder die jeweiligen Kerzen zur jeweiligen Strophe an. [...] Offensichtlich gibt es für dieses Lied bei einigen Menschen ein inneres Bedürfnis, das hiermit gestillt wird.
genau, so machen wir das auch, nur dürfen wir keine Glocken haben und ein/e Ministrant/in zündet die Kerze an. Gerade Eltern mit Kindern legen Wert darauf, dass das Lied gesungen wird.

Beste Grüße
Christoph P.
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Praestant
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« Antworten #9 am: 04. Dezember 2017, 21:48:54 »

Ich war gestern im Hochamt und dort wurde das Lied doch glatt zum Credo gesungen.

Zum Sanctus gab es dann die fünfte Strophe von "Macht hoch die Tür".

Da fällt mir nichts mehr zu ein.
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