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Autor Thema: Michel Chapuis +  (Gelesen 467 mal)
Wichernkantor
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« am: 13. November 2017, 12:41:35 »

Michel Chapuis ist gestern im Alter von 87 Jahren gestorben.
Aus dem Schülerkreis um Dupré stammend, war er eine der prägenden Persönlichkeiten der französischen Orgelwelt von den 50ern bis in die 80er Jahre.
Er galt - neben seiner internationalen Reputation als Bach-Interpret - als leidenschaftlicher Botschafter der französischen Barockmusik.
Ich besitze von ihm aus den späten 60ern u.a. eine LP-Kassette mit den Triosonaten auf einer Schnitgerin.

RIP
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« Antworten #1 am: 13. November 2017, 21:33:48 »

oje! Wieder ein bekannter Name weniger.

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Wichernkantor
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« Antworten #2 am: 14. November 2017, 10:54:31 »

Ja, die Generation, die in meinen Orgelsäuglingsjahren im Zenit des Schaffens stand und die uns geprägt hat, tritt nun ab:
Franz Lehrndorfer, Marie-Claire Alain, Ewald Kooiman - und jetzt Chapuis. Eigentlich "vor der Zeit" gingen André Luy und Wolfram Menschick.
Im Himmel herrscht wahrlich kein Mangel an großen Organisten ...

LG
Michael
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Guilain
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« Antworten #3 am: 14. November 2017, 11:22:19 »

Hier ein Nachruf:
http://www.lemonde.fr/disparitions/article/2017/11/13/michel-chapuis-geant-de-l-orgue-francais-est-mort_5214082_3382.html
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Wichernkantor
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« Antworten #4 am: 14. November 2017, 11:57:33 »

Eine bewegte und bewegende Vita, zudem eine beeindruckende Discografie. Ich habe die LP-Aufnahmen beim damaligen Label "Telefunken".

Dass er es war, der die "inegalité" wiederentdeckte, war mir nicht bewusst.
Bedenkenswerte Lebensbilanz: "Ich habe niemals gearbeitet, sondern immer gespielt ..."

LG
Michael
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Albert
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« Antworten #5 am: 14. November 2017, 13:07:41 »

Ich habe die LP-Aufnahmen beim damaligen Label "Telefunken".

Du meinst doch sicher seiner Bachaufnahmen, die später bei Valois, Naïve und United Archives veröffentlicht worden sind? Offenbar hat man Chapuis' Bachlesarten bei Telefunken schon damals hochgeschätzt da sie sehr liebevoll und umfassend, u.a. mit den Partituren, ausgestattet waren.

Die Aufnahme der Trios (1967) erfolgte doch aber vermutlich an einer Andersen-Orgel (Kopenhagen/Erlöserkirche) und nicht an einer Schnitgerin?
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Guilain
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« Antworten #6 am: 14. November 2017, 14:01:01 »

Chapuis war nicht der einzige, der wieder die inegalité einsetzte. Auch André Isoir pflegte das inegale Spiel. Martin Haselböck hat Anfang der 70er Jahre bei Isoir studiert. Als ich Martin dann Grigny spielen hörte, war ich wegen der "Punktierungen" ganz erstaunt; er erklärte mir daraufhin die Inegalité. - Eines stimmt sicher, dass die um 1930-35 geborene französische Organistengeneration sich mit den historischen Spielweisen befasste.     
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Wichernkantor
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« Antworten #7 am: 14. November 2017, 14:19:25 »

Die Aufnahme der Trios (1967) erfolgte doch aber vermutlich an einer Andersen-Orgel (Kopenhagen/Erlöserkirche) und nicht an einer Schnitgerin?

Kann sein - ich habe die Box irgendwo ...  Kopfkratzen
Ich entsinne mich nur, dass im Beiheft die Noten der Peters-Ausgabe stark verkleinert mit abgedruckt waren.

LG
Michael
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Wichernkantor
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« Antworten #8 am: 14. November 2017, 14:28:43 »

Chapuis war nicht der einzige, der wieder die inegalité einsetzte. Auch André Isoir pflegte das inegale Spiel. Martin Haselböck hat Anfang der 70er Jahre bei Isoir studiert. Als ich Martin dann Grigny spielen hörte, war ich wegen der "Punktierungen" ganz erstaunt; er erklärte mir daraufhin die Inegalité. - Eines stimmt sicher, dass die um 1930-35 geborene französische Organistengeneration sich mit den historischen Spielweisen befasste.     

Mir ging's genauso mit dem Offertoire aus Couperins Pfarrmesse. Ich habe das Stück im Unterricht streng nach Notentext gelernt und war verblüfft, als ich es zum ersten Mal inegal hörte - im Konzert eines Franzosen (der Name ist  mir entfallen) im Trierer Dom - das muss so Ende der 70er gewesen sein.

MC Alain spielte bereits in ihrer ersten Bacheinspielung aus den 60ern Bachs manualiter-Prädludium d-moll 539 mit scharfen Ouvertüren-Punktierungen. Als ich dann die Noten sah, war ich gelinde erstaunt und mein erster Orgellehrer (1928 Examen bei Lemacher und Bachem in Köln) antwortete damals à la Obelix: Die spinnen, die Gallier ...
Er war durch und durch "teutscher" Organist und bezeichnete Guilmant als "Blasmusik für Orgel" - wiewohl sein stattliches Dienstinstrument aus dem Hause Haerpfer&Erman Boulay/Lorraine kam.

LG
Michael
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