Seiten: 1 ... 21 22 [23] 24 25 26   Nach unten
Drucken
Autor Thema: Forumstreffen Mai 2018  (Gelesen 13096 mal)
udo
Augur
*
Beiträge: 19



« Antworten #220 am: 14. Mai 2018, 20:13:04 »

Hallo ihr Lieben,
auch wir sind heute so gegen 19 Uhr gesund und wohlbehalten zu Hause angekommen. Die Fahrt verlief dank Gerlindes Einsatz in den ersten 4 Stunden und meinem Dazutun von ebenfalls 4 Stunden sehr gut und war einfach nur schön.

Unser Dank gilt auch besonders den Aktivisten Michael und Harald und dem hervorragenden Herrn Peter Voitz mit seiner Familie, die sich so gut eingesetzt haben.

Danke für die vielen wertvollen Gespräche, für das Musizieren und für die Gemeinschaft.


Für die Statistiker unter uns sei noch bemerkt, dass wir von Donnerstag bis Sonntag ca. 39.000 Schritte (einschließlich der Treppen in die Höhe zu den Orgeln), das sind ca. 29,69 km zu Fuß zurückgelegt haben. Dank sei der App auf meinem Handy.

Wir freuen uns schon auf das nächste Forumtreffen.  Freudensprung Freudensprung Freudensprung
Liebe Grüße
Udo und Gerlinde
Gespeichert
Gemshorn
Administrator
*****
Beiträge: 6835



WWW
« Antworten #221 am: 14. Mai 2018, 20:33:42 »

dass wir von Donnerstag bis Sonntag ca. 39.000 Schritte (einschließlich der Treppen in die Höhe zu den Orgeln), das sind ca. 29,69 km zu Fuß zurückgelegt haben.
Herrje, gut, dass du das erst jetzt sagst. Engel
Das ist doch unfassbar... Schock
Gespeichert

Autumn comes, the summer is past...
Martin78
Allwissendes Orakel
*****
Beiträge: 1693


WWW
« Antworten #222 am: 14. Mai 2018, 21:46:22 »

Soweit schon einmal herzlichen Dank für die Schilderungen, insbesondere an Michael für die detaillierten Ausführungen!
Gespeichert

Gloria Concerto 350 Trend
Aeoline
Allwissendes Orakel
*****
Beiträge: 1660



« Antworten #223 am: 14. Mai 2018, 22:48:14 »

Hallo Leute,

mit etwas Abstand hier auch mein Review unseres Forumstreffens. Wichernkantor ist ja für den ausführlichen textlichen Rückblick zuständig - daher zwinge ich meinen Beitrag in max. fünf Zeilen je Topic. Da das für den Empfang bei Voitz nicht ausreicht, beginne ich mit einem "special bulletin" für unseren Gastgeber...

Die Bild- und Videogalerien sind in Arbeit und brauchen noch ein paar Tage. Wie gewohnt werden sie im Schatzkästchen veröffentlicht...

Sakralorgelwelt Voitz in Freilassing
Schon der Empfang war ungewöhnlich freundlich und familiär. Man fühlte sich sofort wohl und es sollte noch viel besser kommen. Die ganze Familie Voitz machte sich den ganzen Tag sehr große Mühe damit, uns zu beraten und zu betreuen. Das war ganz große Schule! - ich hoffe, Herr Voitz liest diese Zeilen: Ganz großen Oberdank an die ganze Familie Voitz für diesen herzlichen und warmen Tag!!

Gleich zu Beginn wurden uns leckere Backwaren in Herzform angeboten. Ich war gerade vor einer Stunde vom Frühstück aufgestanden und hatte deshalb leider keine Kapazitäten um davon zu genießen. Die Ankündigung von Weißwürsten zum Mittag erleichterte mir den Verzicht. Zum Mittag wurden wir in den angrenzenden Gemeindesaal eingeladen und dort (wieder) von Familie Voitz zuvorkommend und charmant verköstigt. Mein Hunger war zurück und ich genoß die Weißwürste, die Brezel und die Getränke.

Später am Nachmittag wurde herrlicher Kuchen gereicht. Ich fühlte mich den ganzen Tag wie ein "König" behandelt. Es ist wirklich schade, dass man nicht jedes Jahr eine Digital-/Hauptwerkorgel kaufen kann...

Zu den Orgeln: Das Viscount Cantorum VIplus und die Johannus One wurden uns vorgestellt, sowie die intonatorisch stark überarbeiteten Einsteigermodelle von Content. Dann folgte eine ausführliche Einführung in die Welt der Hauptwerk(komplett)Orgeln.

Herr Voitz bestätigte unseren "Verdacht" eine (die) echte Koryphäe auf dem Gebiet der Hauptwerk-Orgeln zu sein. Mit großem Engagement erläuterte er alle Vor- und Nachteile der drei für eine HW-Orgel erforderlichen Komponenten: Spieltisch, PC-System und Abstrahlung.

Für alle, die den Kauf einer Hauptwerk-Orgel in Betracht ziehen ist Herr Voitz ganz klar eine der ersten Adressen - egal, wie viele Kilometer zurück zu legen sind.

Enttäuscht war ich von der Haptik und Optik der Hymmersive. Die OLED-Displays sind zwar messerscharf, bunt und lassen sich sehr gut ablesen, aber von der Haptik war ich enttäuscht. Ein HW-Sampleset hört sich auf der Hymmersive genau so gut an, wie auf einer anderen HW-Orgel, da ja der Klang nur von der Abstrahlung abhängt. Da fand ich die Noorlander-Instrumente deutlich "orgeliger" als die verwirrende und unzuordnenbare Menge von schwarzen OLED-Tastern der Hymmersive. OK - ich geb' zu dass ich ein Noorlander-Fan bin...

Nach der Besichtigung der benachbarten Kirche mit der 48kanaligen Monarke und einer eilends parallel aufgestellten HW-Installation ging es zu "Orgeln und Kuchen" zurück in den Ausstellungsraum. Zu dem denkmalgeschützten Frei"pfeifen"prospekt möchte ich mich hier nicht äußern. Ich kam mir ziemlich ver*****t vor - von unten sah das Teil wirklich mondän aus. Später auf der Empore konnte man sehen, dass hier gespart wurde, wo es nur ging. Auf die Sichtlinie gekürzte "Rohre" als Pfeifen oder sogar "Dachrinnen" - also "Halbpfeifen" - führen den Betrachter hinters Licht. Hier wird etwas vorgegaukelt, war gar nicht existiert. Tut mir leid - habe kein Verständnis dafür, warum diese Ansammlung von Fake-Pipes irgend einen Erhaltungswert hat...

Unser Gastgeber Herr Voitz musste gegen 18 Uhr den nächsten Einsatz fliegen und so ging ein sehr ereignisreicher Orgel-Tag zu Ende. Ich mag jedoch nicht enden, ohne eins von vielen besonderen Details dieses Tages zu erwähnen:

Zu Beginn unserer Anwesenheit in der Sakralorgelwelt hat die Familie Voitz von uns ein Gruppenfoto gemacht. Davon bekam jeder von uns zum Abschied einen Papierabzug. Nicht nur, dass man das während des Tages auch "machen" muss, man hätte es uns zum Abschied auch "einfach" in die Hand drücken können - aber so hat man es in der Sakralorgelwelt nicht gemacht! - jeder bekam ein kleines "Geschenk" in die Hand gedrückt: Das Gruppenfoto mit einem Mozart-Herzchen in Folie verpackt, verschnürt und verziert mit einem Herzchen-Band und einer schönen Schleife.

Das war nicht "zweckmäßig" - das war "lieb" - das war "wertschätzend". Chapeau!!

Uns den ganzen Tag zu unterhalten, zu informieren, zu betreuen, zu verköstigen und als Gastgeber zu beherbegen hat die Familie Voitz ganz sicher sehr viel Aufwand bei der Vorbereitung, der Durchführung und der Nachbearbeitung gekostet - ganz zu schweigen von dem finanziellen und zeitlichen Aufwand.

Einen ganz großen und herzlichen Dank dafür!

 Danke

VG
Aeoline
Gespeichert

Viscount Unico 400 DE V1.14.2 (56/III/P) (seit 11.2012)
Johannus Opus 520 (45/II/P) (10.1987 bis 11.2012)
Siel HB 700 (9/II/P) (1977 bis 09.1987)

Viele Organisten leiden an einer schlimmen Krankheit:
Augentinnitus - Man(n) sieht nur noch Pfeifen
Aeoline
Allwissendes Orakel
*****
Beiträge: 1660



« Antworten #224 am: 14. Mai 2018, 22:51:41 »

Die unverstärkte Concerto in Pasing
Ich betrat den großen Raum und wurde vom Paulus zum Saulus. "Das kann nicht funktionieren" - dachte ich... - aber es funktioniert doch. ThoFi hat uns mit großem Aufwand sein Interimsinstrument gezeigt und war auch gerne bereit, den von clemens-cgn mitgebrachten Sub anzuschließen. Ich wünsche der Concerto ein langes Leben - wobei ich fürchte, dass Verstärker, Lautsprecher und Gehäuse bei der geplanten jahrelangen Nutzung weit über dem "Heimniveau" nicht lange durchhalten...

Hotel Sonnenbichl und Restaurant Schwabenbräu
Unser Hotel hat mich voll überzeugt. Die Zimmer waren super und der Ausblick auf die Berge beeindruckend. Das Frühstück war sehr gut und der Service im Haus hervorragend. Wegen fehlender Hotelbar ließ man uns auch gerne in den Aufenthaltsräumen unsere mitgebrachten Getränke verzehren. Das Schwabenbräu war urig und wartete mit sehr guten Speisen auf. Klar - am Donnerstag war der Alleinunterhalter unerträglich - aber das war unser Problem...

Orgel in St. Zeno in Bad Reichenhall
Die beiden Maerz-Orgeln in St. Zeno wurden am Samstagmorgen unter die Lupe genommen. In bewährter Weise zeigte uns Wichernkantor die vielen Stärken und wenigen Schwächen der Hauptorgel. Danach durften wir "ran". An der kleinen Chororgel beeindruckte uns Canticus mit einer selbstbegleiteten Gesangs-Einlage. Alles in Allem ein guter Start in den Orgel-Samstag - aber es sollte noch besser werden...

Beckerath-Orgel in der ev. Stadtkirche in Bad Reichenhall
Nach einer fluffigen Mittagspause erwartete uns KMD Roth vor der Kirche. Er führte uns auf die Orgelempore und zeigte uns sein ursprünglich zweimanualiges Dienstinstrument, welches mittlerweile um ein Schwellwerk erweitert wurde. Scheinbar unbelastet von Denkmalschutzgründen wurde und wird dieses Instrument ständig erweitert und man scheut auch nicht den Einbau bzw. die Verwendung von elektronischen Zusatzfeatures. Auch hier durften wir selber ran! - vielen Dank für die aufgewendete Zeit an KMD Roth.

Die Metzlerinnen in der Franziskaner-Kirche in Salzburg
Nach einer stressfreien Anreise fanden sich alle um 20 Uhr in Salzburg in der Franziskaner-Kirche ein. Der späte Abend, die Dunkelheit, die Abgeschiedenheit in der Kirche und die gewählte Literatur, die uns Mag. Stepanek zu Ohren brachte, waren verantwortlich für das besondere Erlebnis in dieser Kirche. Die beiden Metzlerinnen haben je für sich auf andere Art und Weise beeindruckt. Leider war die Zeit auf der Orgelempore der romantischen Hauptorgel etwas kurz, aber dennoch war jede Sekunde des Aufenthalts für mich ein besonderes Erlebnis. Großen Dank an Herrn Stepanek und seine Frau für den spätabendlichen Einsatz.

Steinmeyer-Schmid in St. Sebastian in der Ramsau
Nach dem Frühstück erwartete uns bei prächtigstem Kaiserwetter die Steinmeyerin in St. Sebastian in der Ramsau. Die Kirche ist recht klein - die Orgel dafür mit drei Manualen inkl. Schwellwerk recht "üppig". Erweitert um ein Schmid'sches Schwellwerk bezaubert diese Orgel mit herrlichen Aliquoten und facettenreichen Grundstimmen. Kurz: Man erwartet in so einer kleinen Kirche nicht wirklich so ein klangmächtig-prächtiges Instrument! Auch hier durften wieder alle "ran", nachdem uns Wichernkantor in bewährter und kompetenter Weise das Instrumet vorgestellt hatte.

Fazit
Ein in aller Hinsicht erfolgreiches und bereicherndes Forumstreffen kam zum Ende. Mal wieder war es gelungen, organologische Eindrücke und "Urlaubswert" zu kombinieren. Ich habe alles sehr genossen. Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben.

Es gab einige neue Gesichter kennenzulernen und viele bekannte Freundschaften zu pflegen. Zwischen Orgelemporen und Weingläsern gab es jede Menge interessante Gespräche und Gedankenflüge...

Es war sehr schön mit euch...

Die Heimfahrt war für mich - und wohl auch für viele andere von euch - eher anstrengend. Bis Würzburg ging bei mir alles ziemlich glatt. Dann kamen die Staus, explodierende LKW-Reifen und Gewitter mit Starkregen. So wurde aus den geplanten sieben Stunden Heimreise schließlich fast neun. Was solls... Ihr seid es Wert gewesen!!

In diesem Sinne...

Bis zum nächsten Mal...

VG
Aeoline
Gespeichert

Viscount Unico 400 DE V1.14.2 (56/III/P) (seit 11.2012)
Johannus Opus 520 (45/II/P) (10.1987 bis 11.2012)
Siel HB 700 (9/II/P) (1977 bis 09.1987)

Viele Organisten leiden an einer schlimmen Krankheit:
Augentinnitus - Man(n) sieht nur noch Pfeifen
Wichernkantor
Moderator
*****
Beiträge: 3887


« Antworten #225 am: 15. Mai 2018, 08:55:07 »

Erlebnisaufsatz, Teil III

Am Samstagmorgen erreichten wir nach kurzem Fußmarsch die romanische Basilika St. Zeno am Ortseingang von Bad Reichenhall. Die ehemalige Klosterkirche wurde im Lauf ihrer Geschichte mehrfach erweitert, d.h. vor allem verlängert. Akustisch ist dieser Raum ein dreischiffiger „Schlauch“, wobei die Kubatur aus der Relation 2:1 entwickelt ist. Das Kirche ist also doppelt so breit wie hoch (im Scheitelpunkt des Hauptschiffes), die Seitenschiffe sind halb so breit wie das Hauptschiff und halb so hoch. Nur bei der Länge hat man wohl die sechzehnfache Breite genommen. Für diese monumentale Kubatur ist der Hall recht moderat. Der verwendete Kalksandstein schluckt halt eine ganze Menge.
Ein freundlicher Mitarbeiter der Kirchenverwaltung öffnete uns die Emporentüre und den Spieltisch der Orgel von Hoforgelbaumeister Franz Borgias Maerz aus 1899. (Der äußerst herzliche Empfang durch die Kollegen oder Gemeindemitarbeiter sollte sich wie ein roter Faden durch dieses Treffen ziehen. Alle zeigten sich hocherfreut, dass wir uns für „ihre“ Orgel interessieren.) Das „barocke“ Gehäuse stammt übrigens vom Erbauer. Maerz hatte ein Faible für „Stilgehäuse“, den Bau der damals hochmodernen „Lattenzaun-Prospekte“ überließ er anderen.
Seine Pneumatik war sehr präzise, selbst auf kurzen Entfernungen baute er sog. „Stationen“ in die Trakturbahn ein, um die An- und Absprache zu präzisieren. Als Späth die Orgel in den 90er Jahren generalüberholte, gab es keine Diskussionen um die Traktur – auch wenn man am Spieltisch bei leisen Registrierungen den Höreindruck einer kräftig tackernden Barkermaschine hat.
Eher stand die Disposition zur Debatte. Denn die Orgel hat 23 Register – in einem Raum, der (bei normaler, singender Intonation) mindestens 40 brauchen und 60 vertragen würde.
Die Mensuren aller Register sind zwar weit, aber nicht als „Brüller“ intoniert. Der Prinzipalchor wird nach oben enger, so dass die 2’-Octav leuchtet wie eine barocke. Das Plenum dieser Orgel ist weich und voll, am Spieltisch recht deftig. Selbst wenn man die in I disponierte Oktavkoppel zieht, wird es nicht schrill. Im Raum empfindet man das mächtige, kompakte „Orgelbrausen“, das die spätromantische Orgel erzeugen sollte.
Im Nebenmanual finden sich Echostimmen der 8’-Lage, eine Fugara 4’ leistet noch Beiträge zum Plenum. Und als Zugabe hat Meister Maerz ein Cornet geliefert – für das damals eher seltene c.f.-Spiel.
Die genaue Disposition findet ihr hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_St._Zeno
Als ich den Zug „Tuba 8’“ betätigte, rechnete ich mit einem kräftigen klanglichen Kick. Stattdessen erklang eine weiche Holzflöte, die damals landesübliche „Tibia“. Da war der Graveur der Registerschilder wohl zu lange im Biergarten gesessen ...  Lachen und die Restauratoren setzten seinen Rechtschreibkünsten ein Denkmal, indem sie den Dreckfuhler nicht korrigierten. Stattdessen bekam das Hw. eine runde, machtvoll grollende Trompete 8 dazu. Eine nicht weniger mächtige Posaune 16’ im Pedal gibt dem Plenum satte Substanz und bindet hervorragend in die Labialstimmen ein.
Eine ideale Orgel für Mendelssohn, Rheinberger und die ganzen süddeutschen Kleinmeister der Romantik.
1998 leistete sich die Gemeinde noch eine kleine Maerz-Orgel aus einer Dorfkirche bei Valley. (Da hat Dr. Lampl ja sein legendäres Orgelmuseum und ich vermute mal, dass er die Finger im Spiel hatte.) Das Instrument aus 1890 mit seinen 9 Registern hat mechanische Kegelladen. Es wurde im 2. Joch des rechten Seitenschiffes in Altarnähe aufgestellt und beschallt mit einem kräftig-frischen Plenum den Chor und das vordere Raumdrittel. Unser Begleiter fand den Schlüssel für den Motorschalter nicht sofort. Aber Klaus fand den Tretschemel der Balganlage. Und so hatten er und unser Schweizer Freund Martin die Gelegenheit, das Kalkanten-Sportabzeichen zu erwerben. So viel Wind war lange nicht ...  Lachen
Eine CD dieser Orgel findet Ihr hier: http://www.florianwilkes.net/musik/discographie#cd16

Nach einem Mittagsmahl im Biergarten (diesmal ohne akustischen Terror, dafür mit „au point“ zubereiteten bajuwarischen Schmankerln) zogen wir weiter in die Ev. Stadtkirche. Dort erwartete uns KMD Matthias Roth, um uns seine Beckerath-Orgel zu zeigen. Vom Fleck weg war zu spüren, mit welcher Begeisterung er diese Orgel hegt und pflegt. Und das scheint nicht ohne Früchte zu bleiben. Aus den Augenwinkeln bekamen wir mit, dass er zwei Übewillige auf später vertrösten musste.
Und das, obwohl diese Orgel alles andere als auf der Brandungswelle des Zeitgeistes surft. 1963 ordnete der damalige lutherische Orgelpapst im Bayernland (Namen und Anschrift sind der Redaktion bekannt) den Kauf einer „preußischen“ Orgel aus dem Hause Beckerath an. Diese Werkstatt lieferte 24 Register auf Hw und Rp in neobarockem Stil. Nun gehört Beckerath zu den Häusern, die eine "barocke" Intonation ablieferten, die auch in den Ohren des 21. Jh. noch durchgeht. Wenngleich die Darstellung romantischer Literatur eher an Grenzen stieß ...
Mit Beharrlichkeit setzte KMD Roth den Zubau eines Schwellwerkes durch. 2011 wurde es (wegen der komplizierten Platzierung elektrisch traktiert) von OBM Ulrich Erbslöh mit 12 zusätzlichen Registern erstellt. Der Erbauer war lange bei Beckerath tätig und integrierte den neuen Registerbestand so in den vorhandenen Fundus, dass keine hörbaren Brüche entstehen. KMD Roth führte uns vor, was mit den deutlich erweiterten Grundstimmen klanglich möglich ist. Allein die Verwendung der Schwebung mit den anderen 8’-Partnern erlaubt ein Spiel mit feinsten Farbnuancen, die in diesem akustisch eher dezenten Raum eindringlich wirken. Oktav- und Suboktavkoppeln ermöglichen weitere Klangsteigerungen, die den Raum (und den Hörer) indes nie überfordern. Als letzte Ausbaustufe ist noch ein leiser 8’ für das Pedal in Arbeit, die hölzernen Pfeifen lagen bereits im Untergehäuse parat. Dann hat die Orgel III/37 – eine Stimme mehr als die der (erheblich größeren) kath. Stadtkirche, wie uns Roth schmunzelnd verriet. Auch die Beschaffung eines Zimbelsterns im RP war eine Fußnote wert – gab es doch im Kirchenvorstand asketisch-protestantische Stimmen, die derart „katholischen“ Tand ablehnten ...
Fazit: Eine sehr schöne, in sich stimmige und vielseitige Orgel, von einem engagierten, begeisterten und begeisterungsfähigen Musiker mit Können und Herzblut gespielt und gehegt.
Den „status quo“ vor dem Bau des Schwellwerkes hat Matthias Roth übrigens auf dieser Scheibe dokumentiert:
http://www.matthias-roth.info/cds/index.html

Der in den Landesfarben weiß und blau strahlende Himmel verdüsterte sich am späten Nachmittag. Und als wir nach Salzburg aufbrechen wollten, tobte ein Berggewitter mit allen Schikanen. Als der Hagel nachließ und in einen mittleren Wolkenbruch überging, wollte ich den Wagen am Hotelportal vorfahren, um meinen Mitfahrern den Kampf mit den Elementen zu ersparen. Die wenigen Schritte bis zum Auto genügten, mich komplett zu durchnässen. Die Regenjacke hielt zwar dicht, aber an den Beinen lief mir das Regenwasser entlang ...
Immerhin – bis Salzburg war ich leidlich trockengelegt. Die dortige Franziskanerkirche hat nicht eine, sondern zwei Metzler-Orgeln. Warum es nach der vorn links über dem Kapellenkranz aufgestellten Universalorgel aus Dietikon (mit III/49) von 1989 anno 2003 noch eine zweite Metzlerin mit III/50 auf der Westempore gab, erklärte der Organist, Mag. Markus Stepanek, ganz lapidar: „Weil wir mit der ersten sehr zufrieden waren.“
Das ist natürlich vornehm untertrieben. Der nicht mal so arg große Raum ist durch seine reiche Gliederung akustisch sehr anspruchsvoll. Schiff und (großer) Chor führen ein akustisches Eigenleben, so dass es sehr sinvoll ist, die beiden Raumteile mit eigenen Klangkörpern auszustatten (mehr hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskanerkirche_(Salzburg) )
Dass keine zentrale Spielanlage gebaut wurde, ist wohl dem Horror des Hauses Metzler vor jeder Form von elektrischer oder elektronischer Komponente geschuldet.
Die Orgel im Hochchor hat keinerlei Spielhilfen außer einigen klug konzipierten Einführungstritten. In puncto Material- und Verarbeitungsqualität lässt diese Orgel keine Wünsche offen. Die Traktur ist hochsensibel, das klangliche Konzept überzeugend. Die Orgel klingt forsch und gerade heraus, aber nie laut oder gar brutal. Mit BWV 541/1 und Widors Ohrwurm-Toccata zeigte uns Mag. Stepanek die Bandbreite dieses Instrumentes auf.

Die Werkstattschwester auf der Westempore entpuppte sich als ganz anderes Kaliber. Metzler hat sie im Stil von ACC gestaltet, ohne seinen Personalstil zu verleugnen. Das Instrument beschallt das Hauptschiff mit enormer Kraft, ist gleichzeitig zu feinster Nuancierung fähig, wie in Viernes „Carillon“ zu hören war.
Am Spieltisch traute ich meinen Augen nicht, war es den Verantwortlichen doch gelungen, Metzler eine elektronische Setzeranlage abzuringen. (Wohl einmalig in der Firmengeschichte). Natürlich ist die Registertraktur mechanisch, die Motoren greifen lediglich in die Trakturbahn ein und die Züge rücken beim Druck eines Setzerknopfes geräuschlos (!) in Position. Auch hier Verarbeitung vom Feinsten – aber: Diese Orgel ist auf den Raum intoniert. Nicht auf den Spieltisch. Der Organist muss damit leben, dass ihm diese Orgel kräftig um die Ohren fegt.
Fazit: Zwei große Orgeln der absoluten Spitzenklasse in einem Raum, dazu ein souveräner Interpret, dem es sichtlich und hörbar Spaß machte, uns seine Preziosen zu zeigen.

Als wir im Hotel ankamen, war es schon nach elf, was uns nicht davon abhielt, dem reichen Kommunikationsbedarf gebührend Raum zu geben. Ich bin dann gegen 3.45 Uhr ins Bett – ich glaube, Clemens war noch ein paar Minuten länger auf ...  Prost!

VP und LG
Michael









Gespeichert
StrahlRohrFlöte
Gelehrter
***
Beiträge: 152


Gloria Concerto 350 Trend im Dach mit ca. 40 m²


« Antworten #226 am: 15. Mai 2018, 11:39:40 »

Auch ich bin wohlbehalten um 23:45 Uhr zu Hause angekommen. Meine Heimfahrt war stressfrei. Staus gab es keine, da der ICE glücklicher Weise neben der Autobahn fährt. Auch der Starkregen und das Gewitter haben mich nicht gestört. Ich hätte jedoch für die Rückfahrt eine Platzkarte buchen sollen, denn der Zug war gerammelt voll.
Zu dem Erlebten kann ich mich nur dem bereits Geschriebenen anschließen. Angefangen bei der sehr guten Betreuung und den detailreichen Informationen in der Sakralorgelwelt durch die Familie Voitz, bis hin zur Kirche in der Ramsau war jeder Programmpunkt gelungen und hoch interessant. Auch ich empfand die Metzler - Orgel der Franziskaner Kirche als ein Highlight. Hier hatten wir nicht nur Gelegenheit die Instrumente selbst auszuprobieren, sondern bekamen auch noch ein, nur für uns gespieltes, Orgelkonzert auf beiden Orgeln, mit insgesamt 5 Stücken geboten.
Die Abende im Hotel waren hoch interessant und sehr informativ. Zu guter Letzt möchte auch ich mich bei den Organisatoren bedanken. Lieber Harald, Du hast wieder einmal mit Deinem guten Spürsinn eine sehr schöne Unterkunft für uns ausgesucht, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe  Danke . Lieber Michael, danke für das sehr schöne Programm mit vielen tollen Eindrücken. Dein Wissen um die Instrumente, ihre Enstehung und Deine klanglichen Erläuterungen sind für mich ein wichtiger Bestandteil unserer Exkursionen und eigentlich unverzichtbar.  Danke
Ich freue mich schon auf das nächste Treffen und ein Wiedersehen. Freudensprung Von mir aus kann es schon im Herbst stattfinden. Grob wurde ja schon über den Ort, die Niederlande, nachgedacht. Dafür
Bis dahin liebe Grüße aus Berlin
Matthias
Gespeichert

Gloria Concerto 350 Trend
matjoe1
Erleuchteter
****
Beiträge: 411


« Antworten #227 am: 15. Mai 2018, 19:48:00 »

Danke, danke an alle, die den Nichtteilnehmern so ausführlich von den Genüssen des Forumstreffens berichten.
Es macht das Nichtdabeigewesensein ein wenig erträglicher.
Klingt, als wäre es ein fantastisches Wochenende gewesen.

 Danke

LG
Matthias
Gespeichert
matjoe1
Erleuchteter
****
Beiträge: 411


« Antworten #228 am: 15. Mai 2018, 19:49:18 »

Grob wurde ja schon über den Ort, die Niederlande, nachgedacht.

 Dafür Dafür Dafür

LG
Matthias
Gespeichert
kirchenmaus
Gelehrter
***
Beiträge: 199



« Antworten #229 am: 15. Mai 2018, 22:07:23 »

Ob das den Daheimgebliebenen das Nichtdabeigewesensein wirklich ERTRÄGLICHER macht.. .???
Naja, ich zumindest krieg im Nachhinein nochmal "lange Zähne" . ..
Trotzdem schön, bei Eurem Treffen wenigstens auf diese Weise "dabeisein"  zu dürfen
 Danke
Gespeichert
Seiten: 1 ... 21 22 [23] 24 25 26   Nach oben
Drucken
 
Gehe zu: