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Autor Thema: neue EU-Richtlinie Blei,Cadmium  (Gelesen 454 mal)
Piepenpfeif
Gast
« am: 12. August 2017, 21:02:59 »

Mahlzeit Leute,
ich habe mich schon manchmal gewundert,wenn Orgelbauer z.B. beim Intonieren mit bloßem Mund
in Orgelpfeifen blasen.
Wenn Blei wirklich so gesundheitsschädlich ist,wieso ist mir nichts von einer Orgelbauerkrankheit bekannt?
Auch in der Elektronikindustrie kenne ich keine Fälle,wo Arbeiter beim Löten mit bleihaltigem Lötzinn
reihenweise vom Fließband gekippt sind.
Trotzdem hat man das schöne Blei aus dem Lötzinn verbannt mit dem Ergebnis,
daß sich die Bastler eher die Finger verbrennen,als das eine haltbare Lötverbindung zustande kommt.
Wenn die in Brüssel dahinterkommen,daß Orgelpfeifen -nicht die aus Holz-zu 40 % aus Blei bestehen,
dann gute Nacht liebe Pfeifenorgel.
Ich habe eher den Verdacht,daß diese Leute in ihrer Jugend zu viel Cadmium genascht haben-das soll nämlich blöd machen.
viele Grüße vom Ekke
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Machthorn
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« Antworten #1 am: 13. August 2017, 00:31:02 »

Zitat
Wenn die in Brüssel dahinterkommen,daß Orgelpfeifen -nicht die aus Holz-zu 40 % aus Blei bestehen,
dann gute Nacht liebe Pfeifenorgel.
Ich glaube, die waren schneller als du, zum Glück aber nicht ganz so radikal wie befürchtet:
https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/bleiverbot-in-elektrogeraeten-ausnahmen-fuer-orgelbauer/150/3094/349447
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« Antworten #2 am: 23. September 2017, 16:21:44 »

mir wurde mal erklärt, dass reines Blei giftig ist, Bleilegierungen hingegen nicht. Ob das so stimmt, weiß ich nicht. Jedenfalls puste ich auch in meine Pfeifen, die ich daheim hab, nach Lust und Laune mal rein und bin bisweilen noch nicht unter den Radieschen  Lachen
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Wichernkantor
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« Antworten #3 am: 23. September 2017, 18:43:45 »

In meinen Volontärsjahren hatte jeder Verlag eine sog. Akzidenzdruckerei, in der noch im Bleisatz gearbeitet wurde. Die klassische Berufskrankheit der Schriftsetzer war eine chronische Bleivergiftung. Dagegen bekamen die Lehrlinge damals pro Tag einen halben Liter Milch gratis. Trotzdem erkannte man die Schriftsetzer alle daran, dass sie relativ klein gewachsen und schmächtig waren. Sie starben oft vor der Verrentung an Leberzirrhose - nicht, weil sie zu viel Alk gesoffen hatten, sondern weil in der Linotype-Setzmaschine ständig ein Kessel mit flüssigem Blei quasi auf Kopfhöhe der Setzer vor sich hin brodelte.

Unsere Volontärsmutti legte allergrößten Wert darauf, dass wir nicht in versifften Klamotten herumliefen. "Ordentliche" Hose (keine Jeans) und ein ebensolches Hemd waren obligatorisch, bei den Mädels (nicht allzu kurzer) Rock und Bluse. (Ein Kollege bekam mal einen Riesenanschiss vom Verleger persönlich, weil er über den Direktionsflur lief und das Hemd über der Hose hatte ...)
Jeden Tag war ein frisches Hemd nötig. Denn wenn man abends aus dem Verlagsgebäude ging, hatten Manschetten und Kragen graue Ränder - vom Blei, das im Laufe von mehr als hundert Jahren von der Setzerei und vom Drucksaal in jeden Winkel gedrungen war.

Das Gießblei für die Akzidenz hatte auch einen Zuschlag (ich glaube, Antimon), um den Schmelzpunkt niedriger oder die gegossenen Zeilen härter zu machen.

LG
Michael
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