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Autor Thema: Pfeifenprospekt mit Aktiv-Nahfeldmonitoren - Klangprobleme  (Gelesen 2706 mal)
BWoll
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« am: 22. Juli 2017, 23:33:44 »

Liebe Forianer,

ich habe mir einen Pfeifenprospekt für meine Hauptwerk-Orgel gebaut.
In diesem Prospekt sind 2 Paare a Genelec M040 integriert (1 mal Front-Kanal, 1 mal Rear-Kanal).
Ein Foto findet ihr hier: http://benedikt-woll.de/Orgelprospekt.jpg

Optisch bin ich mit dem Ergebnis so gut wie zufrieden. Es fehlt noch etwas Feinschliff, aber das kommt noch.
Akustisch hat sich aber im Vergleich zu der Aufstellung ohne Prospekt eine Menge ins Schlechte verändert.
Die Bässe sind ziemlich dumpf und die Orgeln klingen alle sehr verzerrt.
Kein Wunder - vergleicht man eine Orgel mit einem Löwen ist das Problem schnell klar: Wer will schon gerne eingesperrt werden? Gehäuse links und rechts, Pfeifen vorne. Schall möchte auch möglichst ungehindert austreten.

Nun ja - das ist klar so weit, allerdings bleibt mir da noch eine Frage offen:
Wenn das überall so wäre, dann würde doch wohl kaum einer mit funktionierenden Ohren einen Pfeifenprospekt mit integrierten Lautsprechern auf seinem Spieltisch stehen haben.

Was fehlt an meinem Prospekt, damit es weiterhin detailreich, angenehm und möglichst so klingt, als wäre kein
Pfeifenprospekt vorhanden?
Einige Ideen, die mir bereits kamen:

Reduzierung der Pfeifenanzahl in den Seitentürmen auf 4 -> Mehr "Luft" in der Frontseite.
Öffnen der Pfeifenkästen auf den Innenseiten -> Schall kann auch da raus.

Hat jemand Erfahrung mit Klangabstrahlung via Pfeifenprospekt und kann mir helfen?
Ich bin für jeden Tipp dankbar. Der Grund für den Bau dieses Prospekts war rein optischer Natur.
4 Monitore auf/neben der Orgel sehen nicht so schön aus. Die wollte ich verstecken...

Herzlichen Dank und liebe Grüße von
Benedikt
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Liebe Grüße

Benedikt Woll
Lumarus
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« Antworten #1 am: 23. Juli 2017, 00:21:29 »

Hallo Benedikt,

es sieht tatsächlich so aus als ob die Pfeifen zu eng stehen. Kann es sein das sich diese auf der linken Seite sogar gegenseitig berühren? Dies würde den verzerrten Klang erklären der durch die Resonanz der Pfeifen entsteht, wenn diese sich berühren und deshalb rasseln.
Ich empfehle daher auch zuerst mal die Abstände zu vergrößern und später, wenn alles funktioniert zwischen den Pfeifen und den Boxen einen dunklen Lautsprecherstoff zu spannen um das ganze optisch aufzuwerten.
Probiere zuerst mal auf eine seitliche Öffnung zu verzichten, denn so wie das aussieht könnte es auch so funktionieren.

Am besten Du machst jetzt erstmal einen Test, in dem Du mal alle Pfeifen rausnimmst und den Klang prüfst.
Sollte dies positiv ausfallen, könnte das oben beschriebene der richtige Weg sein.

Viele Grüße und Erfolg, Stefan
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Positiv
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« Antworten #2 am: 24. Juli 2017, 15:05:19 »

In den einschlägigen HiFi Foren käme vermutlich keiner auf die Idee, vor die sensiblen Boxenmonitore irgendwelche Vorhänge, Drahtverhaue oder Stahlstäbe zu bauen. So weit ich mich an meine Selbstbauboxenzeit erinnere, gibt es besondere Boxenbespannungen, die man nicht bei KIK kaufen kann. Nur in den Kirchen meint man landauf/ landab, direkt vor die Lautsprechermembrane tote Pfeifen hängen zu müssen (anders die Prospektpfeifen einer Pfeifenorgel, die einen Raum nach vorne hin abgrenzen). So auch in einer "meiner" Kirchen.

Was habe ich da schon gegen diese Unvernunft der Pseudopfeifenprospektorgeln gepredigt. Aber das Volk will betrogen sein.
Also die technisch besten Lautsprecher für die DO, nur qualitativ hochwertige Pfeifen für die Pfeifenorgel.

Und Benedikt- keine Sorge. Jeder ernsthafte Organist ist irgendwann mal von dem heilbaren Pfeifenprospektlautsprechervirus befallen. Irgendwie sieht es halt doch danach aus.

Michael
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« Antworten #3 am: 24. Juli 2017, 15:33:19 »

Nicht ohne Grund hat Johannus bei der Live III darauf verzichtet, die (mit null WAF belegten) Öffnungen für die Frontlautsprecher optisch ansprechend zu tarnen. Stäbe o.Ä. würden sich der Klangausrichtung in den Weg legen.

LG
Michael
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« Antworten #4 am: 24. Juli 2017, 19:00:26 »

Hallo Benedikt,
Vorschlag ad experimentum:
setze im den Baßturm die Pfeifen in V-Aufstellung. Setze ihn hoch und sorge anschließend dafür, daß der Hochtöner durch das "V" frei in den Raum abstrahlt. Dann dürfte die Box nicht mehr so dumpf klingen.
Damit die Proportionen in einem Prospekt optisch besser wirken, haben die alten grundsätzlich eine ungerade Anzahl je Prospektfeld gestellt.
In meinem Prospekt haben die Pfeifen einen Mindestabstand von 1,5 cm. Die Hochtöner liegen hinter den Schleierbrettern.
Viel Erfolg.
Lieben Gruß
Clemens
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BWoll
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« Antworten #5 am: 30. Juli 2017, 10:02:50 »

Liebe Freunde,

vielen Dank für eure Antworten und Ideen.
Ich habe einige Zeit experimentiert und habe mich nun für einen Umbau entschieden:
http://benedikt-woll.de/Orgelprospekt_Neu.jpg
Die Monitore stehen an derselben Stelle, aber sie haben mehr Luft um und über sich um ungehindert abstrahlen zu können. Vor die Monitore werde ich noch einen Stoff spannen (Lautsprecherstoff).
Weiterhin bekommen die Front-Monitore (unten) noch einen kleinen Unterbau, damit der Hochtöner auf Ohrenhöhe ist.
Ich habe experimentiell einmal kleine Prospektpfeifen mit 1.5cm-Abstand vor die Monitore gestellt. Dadurch hat sich das Klangbild minimal verdumpft. Aber wirklich nur minimal. Das nehme ich in Kauf.

Nun fehlen mir, dadurch, dass der Prospekt in der Breite gewachsen ist, noch einige Pfeifen.
Da die Pfeifen, die aktuell (Geschenk) drin sind, verbeult und dreckig sind, überlege ich komplett neue Pfeifen einzubauen.
Wo bekommt man so etwas preisgünstig her? Wenn ich überlege, dass unser Pfeifenprospekt in einer Kirchenorgel knapp 4.000€ (Principal 8') gekostet hat, wird mir schlecht.

Liebe Grüße,
Benedikt
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Liebe Grüße

Benedikt Woll
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« Antworten #6 am: 30. Juli 2017, 10:47:37 »

Vor diesem Problem,wo ich günstig Orgelpfeifen bekomme,bin ich auch schon einmal gestanden.Ich habe dann bei Johannus nachgefragt,ob man einzelne Pfeifen kaufen kann,bekam aber zur Antwort,dass sie nur den kompletten Prospekt verkaufen.Also habe ich mir dann Holzpfeifen gemacht.
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Subbass
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« Antworten #7 am: 30. Juli 2017, 15:34:47 »

Am besten mal direkt beim Pfeifenmacher anfragen.
Diesen könnte ich empfehlen. Meines Wissen lässt auch Kisselbach dort die Pfeifen für seine "Fernwerke" herstellen.

http://www.orgelmetallpfeifenbau.de


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« Antworten #8 am: 30. Juli 2017, 17:22:21 »

Es werden doch in Deutschland immer wieder Orgeln "abgerissen", wo bleiben eigentlich all die Pfeifen? Die müssten doch eigentlich auch mal gebraucht irgendwo auftauchen, und gut klingen müssen die ja nicht mehr, nur gut aussehen.
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« Antworten #9 am: 30. Juli 2017, 17:26:14 »

...Nun fehlen mir, dadurch, dass der Prospekt in der Breite gewachsen ist, noch einige Pfeifen.
Da die Pfeifen, die aktuell (Geschenk) drin sind, verbeult und dreckig sind, überlege ich komplett neue Pfeifen einzubauen.
Für einen Laien sind die Dellen in den Füßen etwas schwierig zu richten. Die Dellen in den Pfeifenkörpern kann man über ein Rundholz (z.B. hölzernen Besenstil) schieben und mit einem Klopfholz vorsichtig herausklopfen. So macht´s auch der Orgelbauer. Entweder polierst Du die Pfeifen anschließend z. B. mit Polypel, oder spritzt sie mit Silberbronce oder hochglänzendem Felgensilber.
Wo bekommt man so etwas preisgünstig her? Wenn ich überlege, dass unser Pfeifenprospekt in einer Kirchenorgel knapp 4.000€ (Principal 8') gekostet hat, wird mir schlecht.
Handwerkliche Arbeit hat ihren Preis, der sich aus Material- und Lohnkosten zusammensetzt. Mitunter kann man beim Orgelbauer gebraucht fündig werden. Bei Zinnpfeifen wird er allerdings auch mindestens den Zinnwert (momentan erzielt Zinn hohe Schrottpreise) einfordern. Das erklärt, warum gebrauchte momentan so schwer zu finden sind.
Wenn das Geld ganz knapp ist, überlegst Du Dir evtl., ob Du Attrappen aus Papier mit entsprechender Foliierung selber herstellst. Für gebrauchte Pfeifen habe ich Dir eben zwei Links per PM zugesandt.
Lieben Gruß
Clemens
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