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Autor Thema: EG plus  (Gelesen 2815 mal)
Wichernkantor
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« am: 10. Juli 2017, 07:44:54 »

Die beiden ev. Kirchen in Hessen - die von Hessen-Nassau und Kurhessen Waldeck - bringen im Herbst eine Zusatzpublikation zum EG heraus. Hier die offizielle Erklärung dazu:

https://www.zentrum-verkuendigung.de/unsere-themenbereiche/kirchenmusik/evangelisches-gesangbuch/egplus.html

Und hier der Inhalt des 300 Seiten (!) starken "Zusatzgesangbuches":

https://www.zentrum-verkuendigung.de/fileadmin/content/Kirchenmusik/Downloads/Liederliste_EGplus_nach_Rubriken_Stand__April_2017.pdf

Das Meiste ist mir unbekannt. Ich lasse mich also überraschen. Sehr gespannt bin ich auf die Begleitmaterialien, u.a. ein Orgelbuch für "einfache Verhältnisse". Mal sehen und hören, wie der gemeine hessische Landorganist den zu erwartenden "Sakro"-Pop auf der Orgel begleiten soll ...  Engel

LG
Michael
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Gemshorn
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« Antworten #1 am: 10. Juli 2017, 08:26:35 »

Interessant. Ich kenne aus der Liste einige Titel, die - wie du schon vermutet hast - nahezu samt und sonders dem NGL zuzurechnen sind. Da mischt sich Brauchbares mit Unbrauchbarem in friedlichem Nebeneinander.
Der Umfang der Publikation ist allerdings erstaunlich. Was will man damit sagen? Lupe Kopfkratzen
Und was bedeutet die Herausgabe dieses Zusatzgesangbuches für eine allfällige Neuauflage des EG? Kopfkratzen
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Was würde wohl dazu sagen?
Wichernkantor
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« Antworten #2 am: 10. Juli 2017, 08:51:16 »

Na ja, das EG ist jetzt seit 1993 im Gebrauch - also 24 Jahre. Das EGB erschien 1948, diente also 46 Jahre lang. Einiges im EG hat sich überholt bzw. wurde von den Gemeinden nicht angenommen; z.B. die gesamte pseudo-modale und pseudo-moderne Neutönerei, die am Gemeindebedarf vorbeikomponiert war. Das war das, was meine Lehrergeneration als "sakral" definiert hat. Im Zeitalter der "Popkantoren" kann ich mir ungefähr denken, wie die Sitz- und Machtverteilung im Herausgeberkreis ausgesehen hat ...
Ich bin halt gespannt, ob sie außer Band-Arrangements und "lead-sheets" für "sacro-Pianisten" auch spielbare und gut klingene Orgelsätze fertigbringen. Denn davon hängt die flächendeckende Akzeptanz ab. Vielleicht wäre es klüger, auf manchen Orgelsatz zu verzichten und in fettem Rot über den zugehörigen Cantus zu schreiben: "Nur für Band oder Gitarre!"

Mir hat die (wirklich nette und sehr gut predigende) Vertretungspfarrerin gestern wieder für den Schulanfangsgottesdienst im August einen der üblichen hektographierten Zettel mit apokryphem Liedgut in die Hand gedrückt - lauter Zeug für Klampfenisten. Und an einem Werktagmorgen um 8 Uhr schlafen die vermutlich noch ...

LG
Michael
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kirchenmaus
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« Antworten #3 am: 10. Juli 2017, 09:07:01 »

Wäre interessant zu wissen, ob "Große Leute, kleine Leute, alle feiern Ostern heute" von Bernhard Fibich ist  ("Große Leute, kleine Leute, alle sind beisammen heute, singen mit, laut oder leise, jeder halt auf seine Weise..."     Lupe
Also manche - wenige -  der Lieder sind mir aus unseren Schulmessen (Schrumm-schrumm) bekannt.... manches davon kann sicher auch auf der Orgel gut klingen. Dass vermutlich ein guter Teil auch unbrauchbar ist, ist doch eh klar - also zumindest mir geht es bei ziemlich jedem dickeren Notenband so. duck und weg

Ich würde das Buch schon gerne mal durchblättern Lupe .... vielleicht, falls ich doch irgendwann mal bei einem Forumstreffen dabei sein kann..

Bei dieser Zusammenstellung vermisse ich drei Lieder: How many roads...  , Morning has broken und From a distance    duck und weg

Im Ernst: Bei Euch scheint das alles etwas strenger zu sein, als bei uns. Sogar die älteren Damen, allen voran unsere über 80jährige älteste Chorsängerin, singt mit Begeisterung auch eher Modernes.  Die Mittelalterlichen sind das Problem...
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Gemshorn
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« Antworten #4 am: 10. Juli 2017, 10:03:43 »

Wenn das EG nun 24 Jahre auf dem Buckel hat, wird vermutlich in Bälde mit der Einberufung einer Kommission für die Nachfolgepublikation zu rechnen sein. Die Lebensdauer von plus minus 40 Jahren für ein Gesangbuch (wie sie auch für das alte GL gelten konnte) kann heute möglicherweise nicht mehr erwartet werden; unsere Zeit ist ja insgesamt schnelllebiger geworden...
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Wichernkantor
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« Antworten #5 am: 10. Juli 2017, 10:04:48 »

Cat Stevens' Ballade steht schon seit 24 Jahren im Stammteil: "Morgenlicht leuchtet", EG 455. Ein Teil der Pfarrerschaft hat nach meinen Beobachtungen die Gattung "Morgenlied" (im EG immerhin mit 19 Angeboten im Stammteil vertreten) auf diesen Cantus reduziert. (Wir haben ja gerade Vakanz und so ziemlich jede Aushilfe kommt mir damit um die Ecke. Ich lüge dann immer dreist und behaupte: "Das hatten wir erst vorigen Sonntag.")
Die "offiziellen" Vorspiele und Begleitsätze dazu laden ein zu form- und stilkritischer Analyse.

"From a distance" mag ich als Ballade von einer Solistin gesungen und einer diskret musizierenden Band begleitet sehr - aber nicht im Gottesdienst. Eine Freundin meiner Frau ist professionelle Solistin in diesem Genre. Und sie kann sowas singen im Gegensatz zu den dilettierenden "Vocals" der frommen "Band-Szene"

Samstag hatten wir eine Hochzeit, da hat sich die amtierende Pfarrerin beschwätzen lassen, zwei Liedplätze an einen "Gesangssolisten" abzutreten. Hinterher gestand sie mir ihre - ganz zu recht vorhandenen - Bauchschmerzen. Die Texte hatten nix zu tun mit dem Anlass. Und unsere Kirche mit ihrer ganz speziellen Akustik hat sich erfolgreich gewehrt gegen dröhnende Begleitung aus der Konserve. Wie taub muss man sein, um das Ergebnis "schön" zu finden? Das meinte hinterher unser Küster. Im Januar kriegen wir einen neuen Pfarrer, dann ist es an dieser Front hoffentlich auch wieder vorbei mit dem "Wildwuchs".

LG
Michael
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Wichernkantor
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« Antworten #6 am: 10. Juli 2017, 10:06:52 »

Wenn das EG nun 24 Jahre auf dem Buckel hat, wird vermutlich in Bälde mit der Einberufung einer Kommission für die Nachfolgepublikation zu rechnen sein. Die Lebensdauer von plus minus 40 Jahren für ein Gesangbuch (wie sie auch für das alte GL gelten konnte) kann heute möglicherweise nicht mehr erwartet werden; unsere Zeit ist ja insgesamt schnelllebiger geworden...

Nee, dafür gibt es noch zu wenig "Popkantoren" im KMD-Rang. Die Majorität werden sie hoffentlich erst nach meiner Versetzung an die Harfe erringen.
duck und weg

LG
Michael
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Martin78
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« Antworten #7 am: 10. Juli 2017, 11:40:19 »

Na ja, das EG ist jetzt seit 1993 im Gebrauch - also 24 Jahre. (...) Einiges im EG hat sich überholt bzw. wurde von den Gemeinden nicht angenommen; z.B. die gesamte pseudo-modale und pseudo-moderne Neutönerei, die am Gemeindebedarf vorbeikomponiert war.
Welche Nummern im EG würden dir da einfallen?
Erstaunlich, dass man solchen pseudo-modalen, meist arg nüchternen und spröden Kram dann wohl auch noch im EG findet. Zum Erscheinungszeitpunkt gab es das GL ja schon fast 20 Jahre, da hätte man einfach mal bei Katholens nachfragen können, welche Lieder der 74er Ausgabe in der Fläche weitgehend gefloppt sind (da gibt es ja durchaus einige, denen wohl niemand eine Träne nachweint ...) - und welchem Stil diese angehören.  Zwinkern
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Gloria Concerto 350 Trend
Wichernkantor
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« Antworten #8 am: 10. Juli 2017, 12:32:51 »

15, 20, 41, 50, 51, 57, 65, 94, 153, 190,3, 199, 210, 212, 226, 228, 237,254, 260, 267, 268, 269, 277, 278, 285, 278, 291, 292, 311, 312, 313, 314, 315, 360, 381, 383, 416, 417, 418, 426, 427, 428, 429, 431, 454, 486, 489, 491, 509, 515, 533, 534.

Soweit mal der Stammteil. Die rheinischen und hessischen Regionalteile gucke ich jetzt nicht mehr durch. (Es steht zu befürchten, dass da nochmal die doppelte Zahl hinzukäme, der sich meine Gemeinde durch Sangesverweigerung entziehen würde ...)
Irgendwas Schönes brauche ich noch in meiner Mittagspause. Ich zieh' mir jetzt ein paar Aufnahmen von der Orgelarena 'rein ... (Nein, ich suche nicht mit der Partitur in der Hand nach "Fehlern" ...  Engel)

LG
Michael
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« Antworten #9 am: 10. Juli 2017, 19:13:06 »

Zwei Dinge fallen mir immer wieder bei dem "Sakro-Pop" auf:
1. Lieder sind nicht tauglich für den Gemeindegesang - allenfalls der Refrain
2. Bei den Texten vermisse ich den Tiefgang der Aussagen, sie sind mir oft zu oberflächlich. Über einen Text von Paul Gerhardt könnte man ganze Gottesdienste halten, soviel Inhalt steckt in den Versen. Die Oberflächlichkeit ist aber wohl eine Zeiterscheinung. Wo werden in den Schulen noch die Literaturklassiker "Die Glocke", "Die Bürgschaft" etc. gelehrt?

Damit Sakro-Pop (scheußliches Wort) wirklich ankommt, muss man es können. Ich habe eine CD von Dieter Falk - der kann es. Aber wie sieht es in den Gemeinden aus?

Mit nachdenklichem Gruß über die Entwicklung der Kirchenmusik
Jürgen
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