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Autor Thema: Martinskirche Kassel  (Gelesen 1519 mal)
Wichernkantor
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« am: 20. April 2017, 12:06:31 »

Folgende epd-Meldung zur neuen Orgel für die Martinskirche lag gerade in meinem Jackpot:

Musik/Kirchen/Orgel/FEA/
«Wir betreten eine neue Klangwelt» - Kassel bekommt eine Orgel speziell für Neue Musik  - (Termin: 4. Juni) - (mit Bild) Von Jörg Echtler (epd) =

Ein Neubau, der Maßstäbe setzt: Die Orgel in der Kasseler Martinskirche ist ein innovatives Instrument mit fahrbaren Teilen und einem Vierteltonklavier. Vor dem Bau wurden Komponisten befragt, was sie von einer Orgel des 21. Jahrhunderts erwarten.

Kassel (epd). Die Orgelpfeifen stehen dicht an dicht. Übereinander verschachtelt, nehmen sie die ganze Rückwand der Kasseler Martinskirche ein - stolze 19 Meter. Und doch wirkt dieser Wald aus
5.000 Pfeifen nicht massiv oder hermetisch. Ganz im Gegenteil: Das Sonnenlicht, das durch die Fenster in die Kirche fällt, reflektiert sich auf ihrem hellen, glänzenden Metall und bringt die Formen zum Tanzen.

   «Nicht nur musikalisch soll das Instrument herausragen, auch die Gestaltung muss zeitgemäß sein», sagt Kantor Eckhard Manz. Die äußere Gestalt der neuen Orgel von St. Martin in Kassel stammt vom norwegischen Künstler Yngve Holen.

   Es ist ein Instrument, das Maßstäbe setzt: Die Orgel wurde speziell für die Erfordernisse Neuer Musik konzipiert, die in Klang, Harmonik und Melodik mit alten Traditionen bricht. Unter anderem hat sie ein Vierteltonklavier. Am Pfingstsonntag (4. Juni) wird die Orgel in einem Gottesdienst mit Landesbischof Martin Hein offiziell in Dienst gestellt.

   Als Ort, an dem zeitgenössische Musik gepflegt wird, hat die Kasseler Martinskirche schon lange überregionale Bedeutung. Das Festival «Neue Musik in der Kirche» pflegt seit mehr als 40 Jahren den Austausch zwischen Komponisten, Interpreten und Theologen. Und auch im Gemeindealltag - in Gottesdiensten und Predigtreihen - hat die Neue Musik einen festen Platz.

   Der Neubau soll nun dieser musikalischen Prägung Rechnung tragen, neuen Klängen Gehör verschaffen und dem Orgelbau frische Impulse geben. Die Planung für das Instrument begann bereits vor zehn Jahren.

   «Wir haben mit vielen Komponisten gesprochen», erzählt Manz. Was die Kreativen von einem Instrument des 21. Jahrhunderts erwarten, ist höchste Klangqualität. Außerdem soll die Tongebung durch den Spieler mehr als bisher beeinflussbar sein.

   Der Wunsch, den allzu statischen Orgelton irgendwie zu beleben, besteht seit langem. 15 Orgelbaufirmen wurden eingeladen, Entwürfe einzureichen. Die Vorarlberger Firma Rieger macht schließlich das Rennen. Sie zählt zu den ältesten und etabliertesten Orgelbauern im deutschen Sprachraum und hat auch durch internationale Aufträge von sich reden gemacht, wie die Instrumente in den Philharmonien von Paris und Lodz oder dem Grand Theatre von Nanjing (China).

   «Die Mischung aus Neugier und Professionalität in der technischen Realisierung hat uns überzeugt», sagt Manz. Doch die Orgel kann auch die traditionelle Literatur aus Barock und Romantik wiedergeben. «Das war wichtig, dass es eben kein Spezialinstrument ausschließlich für die Neue Musik wird», betont der Kantor.

   Die Verbindung von der Taste zur Pfeife ist mechanisch - eine Reminiszenz an die Tradition des Orgelbaus. Verschiedene Schlagzeugregister und eine breite Palette von einzeln wählbaren Obertönen erweitern das Klangspektrum. Zur fest installierten Hauptorgel kommt noch ein fahrbares Modul im Kirchenschiff, das seine Töne direkt neben den Ohren der Hörer produziert.

   Um den Ton lebendig und individuell zu gestalten, kann der Winddruck abgesenkt oder erhöht werden. Dies geschieht mittels Gewichten über den ledernen Magazinbälgen, in denen die Luft für den Orgelton vorgehalten wird. Neu ist die Möglichkeit, den Winddruck für jedes der vier Manuale und das Pedal der Orgel unabhängig voneinander zu variieren - so entstehen ganz neue Klangschattierungen.

   Die wohl spektakulärste Neuerung der Kasseler Orgel aber sind vier Register (Pfeifenreihen), die nicht in Halb- sondern in Vierteltönen gestimmt sind. Anspielbar sind sie über eine spezielle Klaviatur, die die Oktave nicht wie üblich in 12, sondern in 24 Tonschritte unterteilt. Die Gestalt orientiert sich an einem Vorbild aus dem historischen Cembalobau.

   Seit Oktober 2016 wird das Instrument aufgebaut, seit Ende Januar läuft die Intonation, das klangliche Feintuning. Auch für die Orgelbauer ist dieses Instrument eine besondere Herausforderung. «Der Aufbau ist extrem komplex», sagt Daniel Orth von der Firma Rieger.

   Ob die Neuerungen vielleicht einmal auch bei kleineren Instrumenten Einzug halten, lässt sich nicht voraussagen. «Wir betreten hier eine neue Klangwelt», sagt Orth. «Es wäre schön, wenn sie eine neue Entwicklung anstoßen würde.»

   An die feierliche Eröffnung an Pfingsten schließt sich in Kassel ein Festival mit mehr als 150 Veranstaltungen an. Neue, eigens für das Instrument komponierte Werke erklingen in Gottesdiensten und Konzerten, berühmte Virtuosen geben sich ein Stelldichein.

   Während der zeitgleich laufenden Kunstschau documenta 14 wird das Instrument täglich mehrmals zu hören sein. Bei Führungen können die Besucher alles aus der Nähe betrachten. «Ich wünsche mir, dass jeder
Gottesdienst- und Konzertbesucher von der Vielfalt dieser Orgel berührt wird», sagt Eckhard Manz.

LG
Michael
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Piepenpfeif
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« Antworten #1 am: 03. August 2017, 22:59:20 »

Hallo Leute
In der "Sächsischen Zeitung" las ich einen Bericht von einer Orgelweihe in Kassel.
Die neue Orgel hat 5700 Pfeifen auf 90 Register und kostete  ?Mill Euro.
Das besondere an dieser Orgel-sie hat ein Manual in viertelton Schritten.
Leider ging nicht hervor,ob es sich dabei um das einzige-oder um ein zusätzliches Manual handelt.
Das ist sicher keine Neuheit,seit Schönbergs 12-Ton-Musik.
Ich hab auch schon mal beiläufig von einem Orgelkonzert in viertelton Technik in Ungarn gehört.
Mich interessiert nun,hat dieses Manual nur einen verkürzten Tonumfang,oder ist es doppelt so lang wie ein normales?
Wie sehen die Notenzeilen dafür aus,gibt es da 10-statt 5 Notenlinien?
Werden in Deutschland Organisten für diese Technik ausgebildet?
Gibt es Leute,die solche Konzerte besuchen?
Wo kann ich mal kostenlos reinhören?
Grüßle vom Ekke
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Martin78
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« Antworten #2 am: 03. August 2017, 23:14:21 »

Wo kann ich mal kostenlos reinhören?
Bitteschön, viel Vergnügen!
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Gloria Concerto 350 Trend
Piepenpfeif
Gast
« Antworten #3 am: 03. August 2017, 23:35:13 »

Hallo Michael
Meine Fragen zu dieser Orgel hätten wohl besser hierhin gehört,wenn ich nur Deinen Beitrag vorher gelesen hätte.
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Gemshorn
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« Antworten #4 am: 04. August 2017, 07:37:16 »

Kein Beinbruch; ich habe beide Threads hier zusammengeführt. Zwinkern
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Was würde wohl dazu sagen?
Wichernkantor
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« Antworten #5 am: 04. August 2017, 08:31:09 »

Harald hatte doch schon vor einiger Zeit angeregt, dass wir uns das exotische Gerät mal ansehen. Schließlich liegt Baunatal in der Nähe. Und die Forums-Regionalgruppe Mittel-/Nordhessen/Rheinland schafft das als Tagesausflug. Meine Überlegung: Wir planen mal was für das Frühjahr 2018. Augen- und Ohrenschein sind für ein sachgerechtes Urteil dringend geboten, denke ich mal.

LG
Michael
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Mulligan
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« Antworten #6 am: 05. August 2017, 08:19:54 »


Das besondere an dieser Orgel-sie hat ein Manual in viertelton Schritten.
Leider ging nicht hervor,ob es sich dabei um das einzige-oder um ein zusätzliches Manual handelt.
Mich interessiert nun,hat dieses Manual nur einen verkürzten Tonumfang,oder ist es doppelt so lang wie ein normales?
Wie sehen die Notenzeilen dafür aus,gibt es da 10-statt 5 Notenlinien?

HIER ein Bild. IV ist das Viertelton-Manual.

Zweifellos eine ausgesprochen interessante Orgel - auch wenn ich noch nicht hundertprozentig sicher bin, was ich von ihrem wehenden Schnurrbart halten soll...
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Machthorn
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« Antworten #7 am: 05. August 2017, 10:26:55 »

Zitat
Meine Überlegung: Wir planen mal was für das Frühjahr 2018.
Ich hätte auch Interesse, für mich auch nicht weit. Vielleicht gibt es bis dahin ja auch Digitalorgeliges neu zu begutachten.
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Gloria Klassik 226 Trend
clemens-cgn
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« Antworten #8 am: 05. August 2017, 13:13:13 »

Ich wäre auch dabei, wenn es in den Terminkalender paßt Zwinkern
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Machthorn
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« Antworten #9 am: 05. August 2017, 13:43:12 »

Zitat
wenn es in den Terminkalender paßt
Das ist ja immer die große Schwierigkeit.  Lachen
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Gloria Klassik 226 Trend
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