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Autor Thema: Orgelarena Lahn/Dill 2017  (Gelesen 3242 mal)
clemens-cgn
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« Antworten #20 am: 29. Mai 2017, 20:34:43 »

Lieber Michael,
vielen Dank für die wie immer amüsant- informativen Reiseberichte. Wie hat sich denn Dein Örgelchen geschlagen? Mit, oder ohne digitale Erweiterungen?

Lieben Gruß
Clemens
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Wichernkantor
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« Antworten #21 am: 29. Mai 2017, 20:58:54 »

Lieber Michael,
vielen Dank für die wie immer amüsant- informativen Reiseberichte. Wie hat sich denn Dein Örgelchen geschlagen? Mit, oder ohne digitale Erweiterungen?

Lieben Gruß
Clemens

Ohne, da ist Matthias Purist. Die gewählte Literatur, die Canones aus den Goldberg-Variationen, kann man ja manualiter ausführen. Er hat in zwei Sätzen Pedal verwendet - und da passte der (im neuen akustischen Umfeld) eher diskrete 16' gut. Ich hab' meine Orgel zum ersten Mal so richtig bewußt selber von unten gehört. Es war einfach nur schön. Wenn sie keinen Gemeindegesang tragen müssen, singen die etwas engen Prinzipale 4' und 2' schon fein.
Und einige Kollegen meinten hinterher, über das Instrument gäbe es wahrlich nix zu meckern. Einer von ihnen, KMD bei Heidelberg, kam hinterher und meinte: "Da kann ich verstehen, dass Du Dich hier wohlfühlst." Vor allem das (sorgfältig gestimmte) Regal 8' fand allgemeinen Beifall. Ich begreife jetzt, wieso der Orgelbauer nölte, als ich vor Jahren mal anregte, es gegen ein Krummhorn auszutauschen. Im Raum wirkt es sehr sonor und ausgeglichen.
Bei unseren Nachbarn in Thomas Morus waren die Zungen total aus dem Ruder gelaufen - und zwar in alle Richtungen. Matthias' Assistent stieg ins (sehr hoch ragende) Gehäuse und stimmte schnell bei, was zu schaffen war.
Diese Kirche ist sehr groß, ein riesiger Betonwürfel, der mit 21 Registern eher unterbeschallt ist. Bei der jüngsten Generalüberholung vor drei Jahren hat man die Mixturen zurückgenommen. Ob das so sinnvoll war ... ?
Wir waren uns jedenfalls einig, dass das Instrument zu laut und dunkel geworden ist. Im Zustand quo ante erinnere ich mich an stimmigere Plena.

LG
Michael
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Wichernkantor
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« Antworten #22 am: 29. Mai 2017, 21:02:05 »

In meinem bescheidenen Lagerhaus befindet sich nur noch eine ungeöffnete Flasche von der 54-Fuß-Jericho-Posaune.

Aber ich werde mal nachfragen, ob auch von der Light-Version noch was da ist...
 Prost!

LG
Aeoline

 Dafür Dafür Dafür
Das Wässerchen hat 100 % WAF!

LG
Michael
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Orgelpunkt
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« Antworten #23 am: 03. Juni 2017, 01:15:30 »

So, nachdem ich mich von den Strapazen der Orgelarena regeneriert habe und in meinem familiären Umfeld wieder erfolgreich resozialisiert worden bin, melde ich mich wieder zu Wort:

Mein Dank gilt Michael, dass ich nun sämtliche Assistenten-Scheine sowie das Abschlussdiplom erfolgreich ablegen konnte. Ich bin sehr, sehr stolz darauf!!! Darüber hinaus hat er mich bei unseren Fahrten von Schnell-Abbauen nach Schnell-Aufbauen ergänzend in Orgelbau und Registrierkunde, Geschichte und Entwicklung des Lahn-/Dill-Kreises mitsamt seinen prächtigen Bahnhöfen, namhaften Fürsten von-und-zu-hin-und-mit-und-auf-und-davon Solms-Braunsfeld und Konsorten mitsamt deren buckligen Brut, oranjeschen Fürsten-Personaleinkäufen sowie in Theologie, bildende Kunst - und nicht zu vergessen: zügigem Autofahren - hervorragend unterrichtet.
Danke

Unvergessen bleibt mir auch in Erinnerung, wie Michael mir mit Engelsgeduld den Unterschied zwischen einem langen und einem kurzen Kabel erklärt hat….  Schlaumeier


An dieser Stelle möchte ich auch mein ausdrückliches Lob an Michael für seine excellente Vorarbeit aussprechen. Er hat für diese Orgelarena die einzelnen Kirchen mit deren ansprechenden Orgeln ausgesucht und Kontakte hergestellt. Klasse!!!  Anbetung Anbetung
Wir sind bei der Tour durch schnuckelige Dörfer, an anmutenden Schlössern sowie wunderschönen Kirchen vorbeigefahren und waren auch an beschrankten Bahnübergängen gestanden. Die Empfehlungen, die unser Michael den vorausstehenden Auto“fahrern“ gegeben hat, waren mehr als amüsant!!  Böse

Die Gegend und die Landschaft macht Geschmack auf einen schönen Urlaub mit weiteren Erkundungen! Geheimtipp

Ebenso werde ich wohl nicht vergessen, wie wir in einem Ort in der Kirche von einem Orgelarena-Kirchen-Sonderbeauftragten empfangen worden sind. Michael flott voraus, in schicker Sonntagskleidung und silbernem Technikkoffer, ich hinterher mit meinem Werktags-T-Shirt, abgelatschtem Schuhwerk, dem schweren Hochstativ auf den Schultern, abgekämpft, von den Strapazen sichtlich gezeichnet, der Schweiß läuft in Strömen, der Kopf glüht, die Füße brennen…. Ja, da sagt doch dieser Herr so nett zu Michael: „Aha, Sie sind der Herr vom Radio!?!“ und dann zu mir „Und Sie sind dann der (Konzert)-Organist?!“ Meine Antwort: „äääääh, ja……, Organist bin ich auch…. aber, ääääh… da kommt gleich einer, der ist noch besser als ich!!“ Tja, wenn einer eine Reise tut…..  Lachen Lachen Lachen

Übrigens: An Aeoline's "Rauschwerk 40fach" durfte ich in Michaels trautem Garten auch mal schnuppern! Lecker!!

Zum Interpreten: Matthias Grünert verdient meinen uneingeschränkten und allerhöchsten Respekt!!! Er hat in 4 Tagen insgesamt 27 Konzerte mit eine Dauer von jeweils 30 Minuten… an ihm zumeist unbekannten Orgeln… überwiegend hoch und höchst anspruchsvolle Orgelliteratur in einer derart hohen Güte und Präzision sowie überragend interpretiert und dargeboten…. Da kann ich nur staunend meinen Hut ziehen und mich zutiefst verbeugen!!!! Ich hab ihn gefragt, wie er sich auf so eine Tour mit über 130 Literaturstücken vorbereitet. Antwort: „Gar nicht“ Wahnsinn!! Unbelievable!!!  Schock

LG
Roland
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Martin78
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« Antworten #24 am: 04. Juni 2017, 14:34:38 »

Hallo Michael,

auch von mir ein herzliches Dankeschön!

Eine Verständnisfrage zum Konzept der Reihe: Grünert kennt die Orgeln doch oft nur vom Papier, d.h. kennt die Eckdaten inkl. Disposition. Spielt er dann in der Kirche vor dem Konzert die gleichfalls auf dem Papier vor-überlegten Registrierungen kurz an? Dass z.B. Manualiter-Variationen hinsichtlich Registrierungen unkritisch sind (Gedackt 8' und Rohrflöte 4' in einer einmanualigen Dorkirchenorgel), ist klar, aber er bietet ja teils veritable Konzertstücke dar, auch auf dreimanualigen Orgeln. Läuft er da nicht Gefahr, dass die Balance z.B. zwischen Hauptwerk und RP für den Zuhörer ein ganzes Stück lang nicht passt?
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Gloria Concerto 350 Trend
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« Antworten #25 am: 04. Juni 2017, 16:16:28 »

Er war schon am Mittwoch da und ist den ganzen Tag lang durch das Terrain gereist, und hat genau solche Sachen geklärt an den "kritischen" Instrumenten. In Dillenburg, Weilburg, Herborn und Wetzlar hat er die größeren Instrumente probiert. Vor allem der Rheinberger in der Hospitalkirche war ja eine Herausforderung: Orgel neobarock, nix Schweller, nix Walze. Zwar drei FK, aber die hat er dann aus Prinzip auch nicht benutzt und sich auf seinen Registranten verlassen, der alle Hände voll zu tun hatte.

LG
Michael
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Martin78
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« Antworten #26 am: 04. Juni 2017, 16:55:07 »

Aha!

Die übrigen Orgeln bis auf die vier genannten waren ihm also vorher unbekannt, sondern von Kundigen vor Ort wie dir ausgewählt?
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Gloria Concerto 350 Trend
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« Antworten #27 am: 04. Juni 2017, 18:16:35 »

Aha!

Die übrigen Orgeln bis auf die vier genannten waren ihm also vorher unbekannt, sondern von Kundigen vor Ort wie dir ausgewählt?

Zum Teil. Er war natürlich vorher auch auf dem Altenberg. Ich hatte ihm jedes Instrument mit Stärken (die "Triosonaten"-Orgel in Dorlar oder die kantige "Norddeutsche" in der Unteren Stadtkirche in WZ) und Schwächen (der ausgesprochen gemütliche pneumatische Setzer in Wetzlar/Dom, bei dem die Züge mit einem schmatzenden "plopp" laaaaangsam in ihre Position rücken) charakterisiert und auf die Besonderheiten hingewiesen. Z. B. waren darunter zwei, bei denen das Hw ans Pos koppelt (Wichern und Kreuzkirche), eine mit "Labialzunge", (Leihgestern).
Das bestimmte vorweg die Literaturauswahl. Da kein eigentliches sinfonisches Großinstrument dabei war, lag der Programmschwerpunkt im Barock, vor allem bei Bach. Matthias hat ja alle Rheinberger-Sonaten und Mendelssöhne "drauf". Da hätte man gern was gehort - auf der neuen Gießener Eule z.B.
Die stand aber nicht zur Disposition, weil zum Zeitpunkt der Planungen zeitgleich Vakanz in Kantorat und Pfarramt war und kein Ansprechpartner für verbindliche Absprachen bereitstand. Von den zwei großen Försterinnen in den ev. Innenstadtkirchen wurde eine von der dort wirkenden Propsteikantorin als "unzumutbar" bezeichnet. (Wiewohl ihr Vorgänger sie Jahrzehnte lang äußerst kundig traktiert hatte. Bei dessen Verabschiedung in den Ruhestand war mir kein Defekt aufgefallen ...  Kopfkratzen) Und die andere stand bei Ablauf der Deadline in einer frisch renovierten Kirche und harrte ihrerseits der Ausreinigung. Schade - die "Orgelstadt Gießen" musste so diesen Rang Wetzlar überlassen, wo fünf tadellos gepflegte Instrumente bereitstanden.

LG
Michael
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« Antworten #28 am: 05. Juni 2017, 09:02:18 »

@ Martin78:

Rheinberger in Wetzlar, Hospitalkirche, guckst Du PN.
Nicht erschrecken, wenn plötzlich eine Batterie Presslufthämmer im Tutti "zugeschaltet" wird. Das ist kein "Tonnere" à la ACC, sondern der akustische Fingerabdruck einer Rockergang auf Vatertagsausflug, die den Platz neben der Kirche als Zwischenlager für ihre Harleys ausersehen hatte. Wir haben den Jungs dann klargemacht, dass sie STÖREN ...  Böse

LG
Michael
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« Antworten #29 am: 06. Juni 2017, 07:49:01 »

So allmählich trudeln die ersten Rückmeldungen ein. Matthias Grünert geht mit diesen Konzerten ja sehr bewusst "auf's Land", um den Menschen dort zu zeigen, welche wertvollen Kulturgüter sie in ihren Kirchenorgeln besitzen. Und er spielt die "Landorgel" mit I/8 mit der selben Selbstverständlichkeit und Professionalität wie ein "Dickschiff".
Einige Pfarrer haben sich nochmal bei mir bedankt, dass ich im Vorfeld den Kontakt vermittelt habe. In einer Gemeinde hatte der KV schon erwogen, die (relativ neue und recht adrette) Orgel zu verkaufen, weil niemand mehr da sei, sie regelmäßig zu spielen. So was sei jetzt definitv vom Tisch, sagte mir eine Kirchenvorsteherin.
Für etliche Gemeinden war die Auswahl als Station der Orgelarena Anlass, mal wieder einen Orgelbauer kommen zu lassen, um gründlich durchzustimmen. Nur in zwei Kirchen mussten Matthias und sein Assistent noch schnell die Zungen beiziehen - und das war weniger der Nachlässigkeit der jeweiligen Gemeinden als dem ruckartigen Temperaturanstieg während der Arena geschuldet. Da haben wir bei vorangegangenen Arenen und Marathons ganz Anderes erlebt ... (korrodierte Zungenblätter, Insektensammlungen in den Bechern und Stiefeln etc.)

Mein Fazit: Durch die 27 Konzerte wurde eine Region flächendeckend darauf aufmerksam, was für schöne Instrumente in unseren Kirchen stehen und welch geniale Musik man darauf machen kann - wenn man es kann. Nötigt allein schon die physische Leistung Respekt vor dem Interpreten ab, so habe ich darüber hinaus beeindruckende künstlerische Leistungen auf dem Recorder dokumentiert. Meine persönliche Favoritin war die Sonate von Frygies Hidas auf der Klaisine in Dillenburg (kath.). Das Werk ist eines von Matthias Grünerts "Paradestücken". Ich hatte bereits zwei Aufnahmen davon an erheblich größeren Orgeln. Aber ich habe es bis dato noch nicht so differenziert und konzise wahrgenommen wie in diesem Raum und an diesem Instrument. Der subtile Umgang mit der hochwirksamen Schwellung (vor allem im Mittelteil) und der Einsatz der "Spanierin" an den "richtigen" Stellen waren Geniestreiche, die so nicht in der Partitur stehen, sondern allein dem genius loci und den instrumentalen Möglichkeiten geschuldet waren.

Ich freu' mich auf die Nordeifel 2018 - so Gott will und wir leben ...

LG
Michael



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