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Autor Thema: Finaler (?) Subwoofer für Digitalorgeln  (Gelesen 9752 mal)
Mikelectric
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« Antworten #10 am: 29. Juni 2015, 01:46:29 »

An alle Leser dieses Forums, die etwas von Lautsprechern verstehen:

Was haltet ihr von diesem Ding?
Naja - um vollblumige Werbemetaphern war der Osi mit seinem Vertrieb von Zubehör für die virtuelle Orgel noch nie verlegen. Seit einiger Zeit beobachte ich diese Produkte schon, die er nun offenbar auch in Eigenfertigung herstellt oder herstellen lässt. Doch mehr als gut umworbene "Bastelware mit stolzem Preis" kann ich bisher daran kaum erkennen.
Spieltische und Manualblöcke aus dem "vollen Holz" geschnitzt :-/ Jeder gelernte Schreiner dürfte wohl Schweißausbrüche bekommen, wenn so etwas in Wohnzimmern mit geringer Luftfeuchtigkeit aufgestellt wird. Egal wie viele Jahrzehnte das Holz angeblich abgelagert sein soll. Die Klaviaturen sind ganz einfache von Fatar wie sie überall eingebaut werden. Die Preise dafür dann aber ganz deftig. Über das Design darf man streiten, aber ordentliche Klaviaturbacken, die etwas mehr Aufwand erfordern würden findet man i.d.R. nicht, stattdessen seltsam geschwungene einteilige "Seitenbretter". Gerne werden auch die billigen Leimholzbretter in Baumarktqualität eingesetzt - die mit dem Klötzchenmuster Freundlich

Den selben Eindruck vermittelt mir auch der Subwoofer "Thor". Das eingebaute Lautsprecher-Chassis von Eminence ist für den beabsichtigten Zweck der Abstrahlung von sehr tiefen Tönen denkbar ungeeignet. Es ist ausgelegt auf sehr hohe Verstärkerleistung und damit Schalldrücke im PA-Musikerbereich. Da reicht es dann auch gut wenn es nicht sehr tief runter reicht. Die 28 Hz sind in dem Fall sogar schon eher tief gegriffen. Abgesehen davon handelt es sich beim Chassis selbst für diesen Zweck noch um ein extremes Billigprodukt, von dem nicht wirklich viel zu erwarten ist. Die 18 Zoll Durchmesser sollen einem eben die Augen wässrig machen was das für ein "Brummer" ist. So ein Chassis bekommt man z.B. hier für rund 230,- Euro. Da bleibt dann noch sehr viel Luft nach oben im Preis für eine Holzkiste mit 4 Füßen, den Plastikrohren und einer Lautsprecheranschlussklemme um auf die knapp 1000,- Euro Verkaufspreis zu kommen. Denn Verstärker und Frequenzweiche, die dann schnell das Mehrfache kosten wenn es überhaupt brauchbar werden soll, sind ja klugerweise nicht im Preis enthalten. Überdies macht ein Subwoofer gerade heute nur noch wirklich Sinn, wenn er aktiv, also mit eingebautem Verstärker und Weiche aufgebaut ist, denn nur damit ist es preisgünstig möglich den Frequenzgang von Chassis und Gehäuse einigermaßen zu begradigen.

Allerdings wird allgemein kaum so viel gelogen wie beim Lautsprecherbau. Eine Grenzfrequenz ist grundsätzlich diejenige Frequenz, bei der ein Frequenzgang den Wert einer definierten Dämpfung unterschreitet. Sinnvoll ist den Wert dieser Dämpfung bei -3 Dezibel (dB) zu definieren. Da kann man den Ton zumindest noch eingermaßen gut hören. Oft wird aber einfach eine Dämpfung von z.B. -10 dB oder gar -18 dB zugrunde gelegt. Damit kann man z.B. bei einem Subwoofer dann noch auf 20 Hz bei -18 dB untere Grenzfrequenz kommen, die nur leider so leise sind dass man sie gar nicht mehr wahrnehmen kann, während bei einer praktikablen Dämpfung von -3 dB eben im Prospekt nur noch eine Grenzfrequenz von vlt. 32 Hz angeben könnte, was halt viel weniger schön aussieht, aber zumindest vom Pegel noch hörbar wäre. In den meisten Prospekten "vergisst" man dann einfach anzugeben, dass man bei einer Dämpfung von 18 dB die Grenzwerte ermittelt hat und kommt so auch auf die gern gesehenen 16 Hz, die Zuhause aber praktisch keiner je wirklich hören wird.

Gruß Michael
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Wichernkantor
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« Antworten #11 am: 29. Juni 2015, 05:54:06 »

Danke für die kompetente und kritische Würdigung. Das hat mir eine Fahrt erpart ...  Danke Danke Danke

LG
Michael
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Aeoline
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Beiträge: 1536



« Antworten #12 am: 29. Juni 2015, 09:37:02 »

Von mir auch drei dicke:

 Danke Danke Danke

LG
Aeoline
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Mikelectric
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« Antworten #13 am: 04. Juli 2015, 13:38:49 »

Bitteschön - mach ich doch gerne   Engel

Ich will aber die Produkte von Osi auch nicht pauschal schlecht reden. Einige Dinge, wie die Klaviaturen von Fatar einzeln z.B., werden im Vergleich zu manch anderem Händler recht preiswert angeboten.

Beim Spieltischbau sehe ich auch durchaus gewisse Fortschritte was Design und Verarbeitung anbelangt. Vielleicht ist mit zunehmender Erfahrung irgendwann auch mit hochwertigen und preiswerten Musikmöbeln zu rechnen. Hochwertige und hochpreisige Angebote gibt es ja schon reichlich, allerdings bisher kaum Konzepte die die besonderen Bedürfnisse einer virtuellen Orgel auch ausreichend berücksichtigen würden. Also vernünftige Positionen von Abstrahlung, Bedienelementen und Computer(-teilen). Meist findet man noch einfache Tische mit Manualblöcken für teures Geld und die eigentlichen Problematiken werden dem Kunden überlassen.
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matjoe1
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« Antworten #14 am: 05. Juli 2015, 14:06:30 »

Yep, dem kann ich nur zustimmen.
Oft sehe ich Hauptwerkspieltische, die keinen Deut besser zu sein scheinen als mittelpreisige Digitalorgeln, und die dennoch deutlich mehr kosten. Irgendwie ergibt das keinen Sinn. Okay, die kleinen Stückzahlen mögen mit daran Schuld sein...

LG
Matthias
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