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Autor Thema: CD-Tipps  (Gelesen 41217 mal)
Gemshorn
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« am: 19. Januar 2015, 17:21:11 »

Frohes Posten! Dafür
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Autumn comes, the summer is past...
Wichernkantor
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« Antworten #1 am: 19. Januar 2015, 18:56:20 »

Als verspätetes Weihnachtsgeschenk habe ich am vergangenen Wochenende von meinem Schwiegervater die Bach-Gesamteinspielung von André Isoir bekommen.

https://www.jpc.de/jpcng/classic/detail ... um/6129614

Kühn, mir eine Bach-Gesamteinspielung zu schenken, aber ich vermute, er hat seine Tochter als Spionin eingesetzt, um auszuspähen, welche ich noch nicht habe ...  Lachen

Isoir ist ja ein Exot unter den Interpreten. Er hatte nie Klavierunterricht, hat sich das Spiel und die Grundlagen der Harmonielehre an einem klapprigen Harmonium selber beigebracht. Dann ging er zu Souberbielle - das war Mitte des 20. Jh. der Feldwebel und "Rekrutenabrichter" von Maitre Dupré. Souberbielle musste die Aspiranten erst fit machen wie einen Turnschuh. Erst wenn sie geländegängig genug waren, unterrichtete der Maitre persönlich. Isoir war allerdings kein Dupré-Schüler. Ihm reichte Souberbielles Drill. Er hat bisweilen sehr unorthodoxe Lösungen parat - und die Auswahl der Orgeln ist ebenfalls eher exotisch: Eine Grenzing, die es m.W. auch für "Hauptwerk" gesampelt gibt, zwei des Luxemburgers Georges Westenfelder (beide kenne ich), die Weingartener Gablerin und eine bis dato unbekannte Ahrend in Frankfurt/Main.
Isoir registriert bunt, aber nicht grell, spielt unaffektiert, aber immer spannend. Ein solider französischer Organist, der Bach an genuin deutschen Orgeln mag. Auch der Preis der 15 CDs ist heiß - und der Interpret ist alles andere als ein "billiger Jakob" ...

LG
Michael
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matjoe1
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« Antworten #2 am: 20. Januar 2015, 08:01:23 »

https://www.jpc.de/jpcng/classic/detail ... um/5865553

Ziemlich breite Abdeckung französischer Orgelmusik an interessanten Orgeln. Interpretationen aus drei (oder sind´s sogar vier?) Jahrzehnten Marie-Clair Alain´scher Orgelkunst. Teilweise phatastische Aufnahmequalität.
Dazu auch noch spottbillig.

Grüße
Matthias
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Wichernkantor
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« Antworten #3 am: 20. Januar 2015, 16:35:48 »

Ja, habe ich auch zum Geburtstag gekriegt - dazu gibt's irgendwann im Lauf dieses Jahres eine Sendung. Sehr schöne Sachen, dito Instrumente ...

LG
Michael
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Martin78
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« Antworten #4 am: 20. Januar 2015, 23:23:21 »

Also, dann gucke ich mal in mein CD-Regal und picke mir ein Thema raus, den Norddeutschen Orgelbarock. Nicht, dass aufgrund meiner Filmchen der Eindruck entsteht, ich würde nur diese Orgelmusik pflegen… aber ich höre mir sie gerne an.

Die verdienstvolle CD-Reihe von cpo (die allermeisten der hier aufgeführten CDs gehört dazu) haben wir hier schon angesprochen. Friedhelm Flamme spielt souverän und widmet sich nicht nur den bekannten Meistern, sondern auch den Herren aus der zweiten Reihe, von denen sich oft nur einzelne Stücke überliefert haben. [size=70]Liebe Komponisten, entschuldigt bitte den Begriff "zweite Reihe" - Kleinmeister finde ich etwas despektierlich. Welchen reichhaltigen Schatz wir (nicht nur) orgeltechnisch immer wieder heben können, zeigt sich m.E. daran, wie gut selbst unsere zweite Reihe ist. Soviel zum Thema "altes Europa", sorry!  Zwinkern[/size] Eine CD aus der Serie wird schon spottbillig für EUR 2,99 abverkauft – auch dies ist eine schöne Aufnahme eines kleinen einmanualigen Instrumentes. Flammes Umgang mit den allesamt hörenswerten Orgeln ist immer souverän; die Registrierungen sind stets von kundiger Begleitung sorgfältig im Raum abgehört und passend. Die cpo-Booklets dokumentieren diese selbstverständlich. Jede CD ist empfehlenswert! Da die CD-Reihe wohl noch nicht komplett ist, aber schon einzelne Folgen verramscht werden (jaja, die hohen Lagerhaltungskosten), könnte es natürlich sein, dass cpo später ne Box mit allen CDs neu auflegt.

Ebenfalls schon genannt habe ich die MDG-Reihe von Martin Rost "Die Norddeutsche Orgelkunst". Dieser Organist präsentiert seine fantastische mitteltönige Stralsunder Stellwagen-Orgel anhand Literaturauswahl von Komponisten jeweils einer Stadt: Danzig, Lübeck, Lüneburg, Hamburg. Ich besitze sie alle vier, auch hier eine klare Empfehlung. Vorbildliche Aufnahmen und Booklets wie meist bei MDG, inkl. Registrierungen. Vor allem die Danziger Folge zeigte mir zudem Komponisten auf, von denen ich noch nie etwas gehört hatte (Neunhaber/Volckmar/Hintz).

Thiemo Janssen und seine Ehefrau Agnes Luchterhandt sind begnadete Organisten, dürfen sich den Arbeitsplatz an einer der schönsten Orgeln Deutschlands, der Schnitgerin in Norden, teilen, und haben mittlerweile drei CDs dieses Instrumentes vorgelegt. Die erste befindet sich in meinem Besitz und lässt stark vermuten, dass auch Nummer zwei und drei ihr Geld wert sind.

Der Verein Nomine e.V. widmet sich den Orgeln im nördlichen Niedersachsen und hat mittlerweile fünf CDs herausgegeben, die nicht so teuer sind (EUR 9,80). Zumindest im Booklet der vierten CD waren auch Registrierungen dokumentiert, ansonsten (die fünfte kenne ich noch nicht) nur die Instrumente in Kurzportraits. Ohne Dispos, die sind ja auf der schönen HP des Vereins zu finden. Klanglich vorbildlich, lohnenswert, ein großer Querschnitt durch die Region!

Neben der schon von Michael erwähnten Doppel-CD von den niedersächsischen Schnitgerorgeln gibt es auch noch das holländische Pendant, ebenfalls sehr hörenswert! Grandiose Instrumente. Der dritte Teil mit den norderelbischen, portugiesischen und brasilianischen Schnitger-Orgeln war schon 2002 geplant, ist aber noch nicht herausgekommen.

Der Schweizer Organist Bolliger hat ebenfalls zwei CDs mit norddeutschen Orgeln (Schnitgerinnen Hamburg, Norden) mit jahreszeitlich geprägten Werken vorgelegt. Die Hamburger CD (Advent und Weihnachten) kenne ich, sie gefällt mir wirklich sehr gut!

In dieser, hier schon einmal verlinkten CD-Box, ist gleich die erste CD mit Harald Vogel an ostfriesischen Orgeln ein Volltreffer und alleine schon die EUR 12,99 wert. Zu diesem Preis gibt es gleich noch neun andere CDs mitgeliefert!  Lachen
Zwar nur Pappschuber, keine näheren Infos, aber trotzdem ist diese Box nicht nur zu diesem Preis ein Muss, und einen Teil der Booklets kann man sich bei Bedarf im Netz runterladen.

Noch zwei einzelne CDs: Bernard Winsemius präsentiert die Orgel der Nieuwe Kerk Amsterdam sehr gut, eine atemberaubende CD. Die Einspielung des Husumer Orgelbuches, was Michael schon vorgestellt hatte (das Notenheft ist zwar teuer, aber dankbar und auch durchaus C-Musiker-geeignet!) macht einfach nur Spass und ist sehr kurzweilig.

Vom norddeutschen Großmeister Buxtehude kenne ich drei Gesamtaufnahmen der Orgelwerke. Vogel, Foccroulle und Spang-Hanssen sind durchaus unterschiedlich, aber allesamt empfehlenswert. Wer die billigste Aufnahme von Spang-Hanssen kauft, macht nichts verkehrt… viel Spielfreude, schöne Instrumente und auch hier einfache, aber gute Booklets (inkl. Registrierungen).

Ergänzungen sind gerne willkommen!  Dafür  Danke
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Gloria Concerto 350 Trend
Martin78
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« Antworten #5 am: 21. Januar 2015, 18:39:03 »

Zitat von: "Gemshorn"
Der zitierte Prinzipal 24' verdankt sich vermutlich einem sog. Ravalement, einer Erweiterung des Klaviaturumfangs nach unten (bis F oder G). Daher die merkwürdige Fußtonzahl, die — obwohl es sich klingend um ein 16'-Register handelt — von der tiefsten Pfeife des Registers genommen wurde. Zwinkern

In Alkmar gibt es einen Prestant 22' im Prospekt; dazu gab es neulich im gelben Pfeifenorgelforum eine interessante Diskussion. Dabei war zu erfahren, dass das Register
- 1629 von van Hagerbeer als 16' ab Kontra-F gebaut worden war
- bei einem Neubau 1723-25 (F. C. Schnitger) als Quinte 21 1/3' (=22') ab C im neuen Pedal angeschlossen wurde; ein akustischer 64' im 18. Jahrhundert!
- am Ende des 18. Jhdts., um weitere Pfeifen ergänzt, zu einem 32' ab F umgebaut wurde und danach als 24' bezeichnet wurde, was wohl nicht überzeugend geriet  und
- bei einer Renovierung 1987 wieder als akustischer 64' angeschlossen wurde.

Obwohl die 32'-Lage im Pedal auch nur durch eine Rohrquint erzeugt wird und das tiefste Register, der Prestant 22', klanglich unter dem eigentlich gespielten Ton liegt, soll der 64'-Effekt dort vor Ort überzeugend erlebbar sein!  Freudensprung  Anbetung
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Martin78
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« Antworten #6 am: 22. Januar 2015, 13:54:37 »

Zwar ist das keine vollständige Einspielung, aber trotzdem sind Vol. 1 und Vol. 2 der Einspielung von Craig Cramer bei Naxos sehr zu empfehlen, vor allem auch zu dem Preis. Tolle Instrumente!
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Wichernkantor
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« Antworten #7 am: 26. März 2015, 13:48:35 »

Wenn Ihr mal einen richtig guten, formsicheren Improvisator (es muss nicht immer Seifen sein ...) an einer richtig guten Universalorgel (im besten Sinne des Wortes) hören wollt, dann empfehle ich diese Scheibe, die Osterhasi in meinem Fundus verloren hat:

<!-- m --><a class="postlink" href="https://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/art/Kay-Johannsen-Passion-Lieder-zu-Passion-Ostern/hnum/8948779">https://www.jpc.de/jpcng/classic/detail ... um/8948779</a><!-- m -->

Kay Johannsen hat wirklich gute Ideen, viel Klangsinn und ein Instrument, dessen Farbigkeit und kammermusikalische Dezenz sich angenehm unterscheidet von den pseudo-französischen Brüllern aus der Schweiz, die seit einigen Jahren in deutschen Hauptkirchen angesagt sind. Der Leonberger Mühleisen hat sich mit dieser Orgel intonatorisch in die erste Reihe katapultiert (die einschlagende Clarinette mit separatem Windschweller - vom Feinsten!). Und die Aufnahme von Carus fängt die Orgel ausgezeichnet ein. Ich habe sie mit KH in Studio-Qualität durchgehört. Schon schön, wie das Instrument zeichnet und singt.

LG
Michael
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« Antworten #8 am: 26. März 2015, 14:03:40 »

Wie Martin treffend bemerkte, gibt es Walther-Einspielungen leider nur in Auszügen. Ich habe noch ein herrliches LP-Doppelalbum von Erato (Beutestück einer Klassenfahrt nach Paris, so Mitte der 60er) mit den 14 Konzerten nach verschiedenen Meistern, gespielt von Marie-Claire Alain an einer neo-barocken schönen Haerpferin in irgendeiner französischen Abtei. Der Tontechniker meines Vertrauens hat mir die Scheiben professionell digitalisiert. Das ist richtig gut geworden. Die Alain stand damals im Zenit ihres technischen Könnens. Das ist kaum zu überbietende artikulatorische und metrische Präzision, dabei bleibt alles musikantisch bis ins Mark.

Olivier Vernet hat an einer sehr gelungenen Ahrend (als Silbermann-Kopie konzipiert) in Porrentuy ein komplettes Walther-Programm eingespielt: zwei Concerti, G-Dur- und A-Dur-Präludium, die beiden großen Choralpartiten. Hier die Details:
https://www.jpc.de/jpcng/classic/detail ... um/8567361

Tja, es müsste sich mal jemand die Mühe machen, das gesamte Choralwerk von Walther einzuspielen - vielleicht in der Weimarer Herderkirche, wo Walther amtierte. Die haben ein schönes Gerät von den Potsdamer Schukes. Aber das ist halt eine Fleißaufgabe. Große Meriten als Virtuose kann man damit sicher nicht erwerben...

LG
Michael
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Wichernkantor
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« Antworten #9 am: 26. März 2015, 14:20:48 »

Bei Mendelssohn-Gesamteinspielungen war ja lange Zeit Peter Planyavsky mit seinen drei Scheiben bei Motette-Ursina der "Platzhirsch". Wirklich alles, was M. für Orgel geschrieben hat - und das sehr lebendig und facettenreich gespielt an einer Orgel, die die nötigen Farben hergibt.

Aber hier ist das Konkurrenzprodukt:
https://www.jpc.de/jpcng/classic/detail ... um/6500353
Ursula Hauser lässt zwar ein paar kleinere Nummern aus dem Orgelschaffen aus, geht aber deutlich über die Sonaten und Präludien hinaus, z.B. mit den charmanten D-Dur-Variationen, dem "pompichten" Nachspiel D-Dur und dem virtuosen Allegro d-moll/D-Dur. Überhaupt legt die Hauser an der Schweriner Domorgel einige Allegros (z.B. den 1. Satz der IV. Sonate) sehr virtuos an. Der Raum verträgt es und das Instrument (von Michael Tramnitz mit gewohnter Kompetenz auf den Recorder gebannt) gibt es allemal her. Der saftige, kompakte Prinzipalchor der Orgel macht schon etwas daher. Der Anhaltiner Ladegast hat sich durchaus vom Mecklenburgischen Geschmack inspirieren lassen. (Schrieb doch ein großherzoglich-mecklenburgischer Orgelrevisor im 19. Jh: "Ein rechter protestantischer Prinzipal muss den Organisten von der Bank blasen.") Gerade in den längeren schnellen Sätzen gelingen Ursula Hauser musikalische Linien mit ungemein weitem Atem. Bis es jemand besser macht, ist das jedenfalls meine Favorit-Einspielung.

LG
Michael
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