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Autor Thema: Externe Abstrahlung für Vivaldi  (Gelesen 16203 mal)
Wichernkantor
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« Antworten #10 am: 20. Oktober 2015, 13:27:45 »

Ja, ja, die Rahmenbedingungen der Sample-Technologie sind mir bekannt - sowohl auf der Aufnahme- als auch auf der Wiedergabeseite. Die enorme Kostensenkung und Platzersparnis bei den Speichermedien müsste doch entweder das Monarke-Segment kostengünstiger machen oder für eine erheblich bessere Wiedergabe in der oberen Mittelklasse sorgen. Oder wird da der Mehrwert einfach als Gewinn abgeschöpft?
Eine wesentliche Steigerung der Klangqualität konnte ich bei den (bisher) letzten Johannüssen der gehobenen Kategorie (Symphonica, große Sweelinck) jetzt nicht beobachten. Was sicher auch daran liegt, dass ich die klangliche Ästhetik dieser Orgeln als Rückschritt empfunden habe gegenüber den Vorgängern. Aber es zählen ja nicht die Werte von Datenblättern, sondern der (zwangsläufig subjektive) Höreindruck. Was nützt mir ein schön und aufwändig wiedergegebenes Long-Loop-Prinzipal-Sample, wenn es wenig zu tun hat mit dem (zentraleuropäischen) Pfeifen-Vorbild, sondern durch intensive Nachbehandlung "weichgespült" wurde, bis es einem (imaginären?) Publikumsgeschmack entsprach, der wohl auf den Hauptmärkten (USA) ermittelt wurde?

Nun ja, ich setze auf die Live III, dass sie mich vielleicht wieder zu dem Johannus-Fan macht, der ich von 1984 (Kauf einer analogen Opus 530 mit fetter externer Abstrahlung) bis zur Jahrtausendwende (Kauf einer Opus 30) gewesen bin ...

LG
Michael

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« Antworten #11 am: 20. Oktober 2015, 15:02:43 »

Damit ist wie ich meine, die Zeit gekommen, in der auch kritische und geschulte Ohren im Blindversuch immer seltener in der Lage sein werden zu unterscheiden, ob hinter einem Vorhang das Originalinstrument oder die digitale Reproduktion am Werk sind, weil ihre bisherigen Unterscheidungskriterien mehr und mehr wegdriften.
Und was akustische Interferenzen angeht (Interaktion zwischen den Schallwellen aus räumlich entfernten Orgelpfeifen), sind diese umso schwächer, je größer der Pfeifenabstand ist und sind vom menschlichen Ohr nicht analytisch aufzulösen, weil das menschliche Gehirn keine Fourieranalyse in Echtzeit durchführen kann.
Was möchte man eigentlich unterscheiden? Für mich ist meine Digiorgel ein Instrument das ich habe um täglich, wann ich möchte darauf zu spielen, üben, vorbereiten und zwar auch spontan. Das kann ich nicht auf einer Kirchenorgel, da der Aufwand und Weg meist zu groß ist. Wenn ich den echten Pfeifenorgelsound benötige hole ich mir bei meinem Freund vom Orgelforum  einen Termin, welcher mir den Schlüssel gibt um mich an der Orgel auszutoben. PO ist PO, da gibt es keine Alternative. So gut auch die neuen Techniken sein mögen, sie werden klanglich nie die PO ersetzen und das ist auch mit einem geschulten Ohr hörbar. Daß die Digiorgel einen Zweck erfüllt ist eine andere Frage. Ich halte nichts von dem ganzen selbst rumgesample und zu tote optimieren. Ich kaufe mir eine Orgel nach meinen Vorstellungen, welche ich nach meinen Vorstellungen intoniere oder intonieren lasse und dann möchte ich eigentlich nur noch spielen.
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Bernhard
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« Antworten #12 am: 20. Oktober 2015, 15:05:26 »

Deine Meinung, Bernhard.
Andere sind anderer Meinung. Zwinkern Mir ist der gute (sprich: der Pfeifenorgel möglichst nahe) Klang ein entscheidendes Kriterium. Kompromisse beim Kauf rühren aus dem Wettbewerb verschiedener Interessen her, z.B. guter Klang und guter Preis.
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Wichernkantor
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« Antworten #13 am: 20. Oktober 2015, 15:14:26 »

Ich bring's immer wieder auf den Nenner: Klingen muss es. Wie der Klang technisch zustande kommt, ist mir eigentlich egal ...

LG
Michael
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« Antworten #14 am: 20. Oktober 2015, 15:26:31 »

Ich bring's immer wieder auf den Nenner: Klingen muss es. Wie der Klang technisch zustande kommt, ist mir eigentlich egal ...

LG
Michael

Geb ich Dir recht. Nur jede Orgel dient Ihrem Zweck. Auch jede PO unterscheidet sich und das ist gut so. Aber ein elektronischer Klang ist und wird nie den Klang und das Gefühl das man spielen einer PO hat ersetzen. Daß die Digi Orgel uns Allen große Freude macht mit Ihren doch heute schon augeklügelten Techniken ist keine Frage.  Prost!
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Bernhard
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« Antworten #15 am: 20. Oktober 2015, 15:29:00 »

Deine Meinung, Bernhard.
Andere sind anderer Meinung. Zwinkern Mir ist der gute (sprich: der Pfeifenorgel möglichst nahe) Klang ein entscheidendes Kriterium. Kompromisse beim Kauf rühren aus dem Wettbewerb verschiedener Interessen her, z.B. guter Klang und guter Preis.

Klar  ... aber warum hast du eine Digiorgel in deinem Wohnzimmer ....... weil du eine PO nicht reinkriegst und mit der Austattung was eine Digiorgel hat nicht bezahlbar ist. Ich denke so geht es den meisten.
 Opa Freudensprung
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Bernhard
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« Antworten #16 am: 20. Oktober 2015, 15:42:29 »

Stimmt, und weils auch unpraktisch wäre und ich ständig Wartungsarbeiten durchführen lassen müsste. Wenn man dieser Tage morgens für einige Minuten beherzt durchlüftet, verliert die Wohnung in kürzester Zeit bis zu 2° ... Da wäre eine Pfeifenorgel arm dran.

Außerdem genieße ich die virtuelle Akustik meiner Digitalorgel, die Möglichkeit, die Lautstärke nach meinem Geschmack zu regeln, über eine Registerbibliothek zu verfügen, mit wenigen Handgriffen nachintonieren zu können (ohne dabei Schaden anrichten zu können), die Möglichkeit, nach Belieben eine andere Temperatur einzustellen.
Es sind einige Punkte, deretwegen ich in meiner Wohnung jederzeit lieber eine Digitalorgel als eine Pfeifenorgel hätte.
Das das neueste Ding nun auch noch ganz anständig klingt, macht mir besonders viel Freude. Zwinkern

Es ist also bei weitem nicht ausschließlich eine Platz- und/oder Geldfrage.
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« Antworten #17 am: 20. Oktober 2015, 16:14:14 »

Zum Thema Pfeifenorgel im Wohnzimmer kommt mir gerade folgender Link in den Sinn:

http://my.yetnet.ch/herbert.baumann/instrument.htm

Könnte man da nicht schwach werden?
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Bernhard
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« Antworten #18 am: 20. Oktober 2015, 16:36:13 »

Wichernkantor und Orgelfan,
prinzipiell habt Ihr Recht, aber als Naturwissenschaftler weiß ich, dass man nie "NIE" sagen soll, so lange man keine unwiderlegbaren Beweise für eine Aussage in der Hand hat. Was die Pfeifenorgel angeht, so bin auch ich der Meinung, dass man sie, weil sie das über Jahrhunderte gewachsene mechanische Pendant bzw. Original ist, nicht in jeglicher Hinsicht 1:1 durch die DO wird ersetzen können. Das Spielgefühl und die Wiedergabe aber, wird man mit der DO aller Voraussicht nach bis zur Ununterscheidbarkeit realisieren können, weil das Klang- und Spielgeschehen physikalische Ereignisse sind, die man bis ins letzte Detail entschlüsseln und nachfolgend mit hochentwickelter Technik authentisch abbilden kann. Das ist nur noch eine Frage von wenig Verbesserung gegenüber dem Status Quo.
Ob man es wahrhaben will oder nicht: der Abstand schmilzt derzeit wie Schnee in der Märzsonne und man wird vermutlich schon bald Geräte sehen, die es erlauben, dass jeder seine Wunschsamples - oder Wunschpfeifen? -, ähnlich wie bei Hauptwerk, direkt in den Orgelspeicher wird laden können. Dann ist die endlose Mäkelei an vorgegebenen Dispositionen und Samples zu Ende und jeder kann sich die Klangqualität und mithin Authentizität der Wiedergabe reinstecken, die er bezahlen und intonieren kann; das geht im Prinzip jetzt schon, wenn man wirklich will.
Ich erinnere als simples Beispiel an die Entwicklung der Taschenrechner. Bis weit ins 20. Jht konnte sich kaum jemand vorstellen, dass elektronische Rechenmaschinen ihre hochkomplexen und erstaunlich leistungsfähigen mechanischen Pendants einmal übertreffen würden (man schaue sich diese einmal im Deutschen Museum in München in Ruhe an) und doch ist es so weit gekommen und nicht nur dazu...
Was das Verhältnis von PO zu DO angeht, ist aber ein ganz wichtiger Aspekt die kulturelle Bedeutung der PO, die man nicht hoch genug einschätzen kann. Deswegen ist es für uns alle ein Muss, am unbedingten Erhalt der PO festzuhalten, die zurzeit leider weltweit vielerorts aus Geldmangel im Niedergang ist. Hier aber leistet die neue Generation von Digitalorgeln mit ihrer frappierenden Leistung, mit der man tatsächlich richtig musizieren kann, einen überragenden Beitrag, weil sie es einer wachsenden Zahl von Orgelbegeisterten ermöglicht, das Orgelspiel zu erlernen und zu pflegen, auch wenn sie sonst keine Möglichkeit haben, ihre Hände auf die Tasten der von Titularorganisten wohlbehüteten traditionellen Instrumente legen zu dürfen. Dieser Nachwuchs, der viel mehr Übungsgelegenheit als die meisten Orgelspieler der Vergangenheit hat, wird es nämlich sein, der dank DO nicht nur ausgezeichnete Fertigkeiten beim Spiel erlangen kann, sondern sich dann auch mit großem Interesse für den Erhalt und die Wertschätzung der Pfeifenorgeln einsetzen wird.
Die Damen und Herren Titularorganist(inn)en werden von ihrem oftmals sehr hohen Ross herunterkommen müssen (ja, sie sind ein sehr elitärer Verein), ähnlich wie Formel 1 Fahrer, denen allein die schnellsten Kisten in oder an die Hand und den Fuß gegeben werden, und die gewöhnliche Autofahrer allenfalls mit einem bedauernden Blick würdigen, weil diese schon allein mangels geeigneter Hardware mit ihnen nie mithalten können. Insofern sind spektakuläre "Digitalorganisten" wie Cameron Carpenter sozusagen Pioniere einer neuen Orgelära, die dazu beitragen, unser altes wie neues Lieblingsinstrument wieder der Popularität zuzuführen, die es verdient, anstatt dass es langsam aber sicher im Staub der Jahrhunderte verschwindet.
Folglich sollten Pfeifenorganisten damit aufhören, ständig über die tatsächlichen oder vermeintlichen Unzulänglichkeiten von Digitalorgeln ihre Nase zu rümpfen und lieber aktiv dazu beitragen, dass diese mit der Zeit zum vollwertigen Ersatz derselben in allen Bereichen wird, wo die PO partout nicht bezahlbar ist, oder einfach nicht hingestellt werden kann.
Und noch ein Schmankerl zum Schluss: Ich möchte unter keinen Umständen damit anfangen, über die zahllosen technischen Probleme bei alternden Pfeifenorgeln zu lamentieren, die sehr häufig Anlass zu so was wie Ohrenschmerzen geben und die bei Digitalorgeln doch eher selten auftreten....
Mit diesen Zeilen möchte ich niemandem auf die Füße treten, sondern nur zum kritischen und unvoreingenommenen Nachdenken anregen, auch wenn die PO sicherlich weiterhin so manchem sakrosankt bleiben wird - auch ich liebe sie über alles!
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Sweelinck 30 seit Nov. 1997
Vivaldi 350 seit Okt. 2015
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« Antworten #19 am: 20. Oktober 2015, 16:41:54 »

 Drehorgel Prost!
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Bernhard
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