Seiten: 1 2 [3] 4   Nach unten
Drucken
Autor Thema: Pfeifenorgel mit Digitalorgel(Lautsprechern) ergänzen  (Gelesen 22082 mal)
Martin78
Allwissendes Orakel
*****
Beiträge: 1721


WWW
« Antworten #20 am: 13. Juni 2014, 14:18:43 »

Zitat von: "Gemshorn"
Ein ganz ähnliches Register gibt es doch von Hehl? Die haben einen Cubus 16' patentieren lassen, wenn ich mich nicht irre - ein labiales Bassregister, das weit weniger Platz braucht als ein Subbass.

Meines Wissens war das Oberlinger, siehe hier oder auch hier.
Gespeichert

Gloria Concerto 350 Trend
Gemshorn
Administrator
*****
Beiträge: 6918



WWW
« Antworten #21 am: 13. Juni 2014, 21:29:21 »

Danke für die Korrektur. Du hast Recht - der Cubus ist von Oberlinger.
Gespeichert

Kein Mensch ist arm zu nennen, der ab und zu tun kann, was immer ihm Spaß macht. (Dagobert Duck)
Dieter Schuster
Gelehrter
***
Beiträge: 126


« Antworten #22 am: 17. Juli 2014, 05:24:53 »

Zitat von: "Machthorn"
Ich sehe den Markt für Hybridlösungen zumindest in Europa deutlich skeptischer.

Das Argument 'Orgelbauer verdienen an Kombinationsprojekten weniger oder fast nichts' ist bekannt. Die entscheidende Frage ist aber doch: Will man sich  weiterhin krampfhaft-konsequent von 'bösen' Digitalorgeln abgrenzen, koste es was es wolle? Dann wird es in immer mehr Situationen für Orgelbauer überhaupt nichts zu 'verdienen' geben, weil einfach die begrenzten Budgets keine Pfeifenorgeln zulassen. Oder - öffnet man sich ein Stück weit den neuen, inzwischen auch durchaus attraktiven Möglichkeiten der Kombination aus 'echten Pfeifen' und 'digitaler Technologie', und erschließt man sich damit eigene Chancen zu Kombinatiosorgelprojekten aktiv beizutragen?

Es ist auch absolut nicht so, dass an solchen Projekten nichts zu verdienen wäre, denn die Orgelbaubetriebe erwirtschaften immerhin einen nicht unmaßgeblichen Teil an der Wertschöpfung eines solchen Projekts, in aller Regel sogar den größeren Teil. Eine einfache Rechnung: Wenn ein Orgelbaubetrieb lediglich 10 Pfeifenregister für eine neu gebaute Kombinationsorgel beisteuert, und wenn man einen (eher niedrig geschätzten) Durchschnittspreis von EUR 12.000  pro Register (Windmotor, Windladen, Reserviore/Schwimmer, Pfeifen, Ventilmagnete etc,) ansetzt, dann ist das für einen Orgelbauer ein Erlös von EUR 120.000, für den Lieferanten eines hochwertigen digitalen Spieltischs nebst digitaler Register dagegen vielleicht aber nur 50-60% dieses Betrags - einschliesslich Multikanal-Audioanlage. Wo ist in einem solchen Szenario also der 'Nichtgewinn' oder gar Verlust für einen Pfeifenorgelbauer...?

Noch signifikanter wird die Rechnung, wenn sich ein (aufgeschlossener) Orgelbaubetrieb nicht lediglich darauf beschränkt, für ein Kombinationsorgel-Projekt 'ein paar Pfeifenregister beizusteuern', sondern eigene grundlegende Ideen und Spezifikationen für hybride Lösungen zu entwickeln - so wie z.B. der italienische Orgelbauer Consoli. Dort hat man sich angesichts noch viel knapperen Budgets italienischer Kirchen schon vor 15 Jahren kreative Gedanken dazu gemacht, wie man als Orgelbaubetrieb trotzdem weiter 'im Geschäft bleiben kann'. In klarer Konsequenz hat man als klare und einleuchtende alternative Pfeifenerweiterungen für digitale Spieltische entwickelt - und zwar als modular aufgebaute Systeme mit einem eigenen, selbst entwickelten Pfeifen Interface und Steuerungssystem, einschließlich einem eigenem 'Auto Tune' System, das die Stimmung der Digitalorgel automatisch an die temperaturabhängigen Stimmung der Pfeifenregister anpasst. Daneben lassen sich auch Pfeifenregisterauszüge oder Extentions via Software leicht und flexibel realisieren - alles zusammen zu sehr budgetfreundlichen Kosten. Da überrascht es nicht dass es allein in Italien inzwischen ca. 200 Digital-Pfeifen Kombinationsorgeln unter Beteiligung von Consoli gibt...

Kein Markt und Erlös/Ertrag für Pfeifenorgelbauer...? Mitnichten - ich sehe da viel eher neue Chancen und Möglichkeiten...
Gespeichert
Martin78
Allwissendes Orakel
*****
Beiträge: 1721


WWW
« Antworten #23 am: 08. Februar 2016, 22:44:29 »

Ich habe mir anlässlich der Generalüberholung unserer Orgel (1979, II/13) Hw und Pedal midifizieren lassen. Das Instrument ist eine typische neo-barocke Spardisposition der Zeit, also ohne Prinzipal 8' im Hw und ohne 8' im Pedal.
Seit gut einem Jahr habe ich einen Accupipe angehängt, der via Yamaha-HiFi-Stereo-Endstufe 180W über zwei großvolumige PA-Boxen von Magnat abstahlt, die ich als "C- und Cis-Lade" beiderseits des Gehäuses platziert habe.
Die akustischen Bedingungen sind sehr gut, die Kirche hat eine ideale Orgelakustik. Die Verschmelzung des Klanges ist nahezu perfekt.
Ich habe die 12 Plätze des Accupipe (derzeit) so belegt: Man: Quintade 16' - ganz leicht, nur ein Hauch, Prinzipal 8', weich und singend, Prinzipalschwebung 8', ebenfalls sehr diskret intoniert, Hohlflöte 4', weich und rund füllend, Mixtur 4f 1 1/3'. Die der Orgel ist nur 2-3f und der dritte Chor setzt bei c0 ein - bei Pedalsoli unüberhörbar, obwohl wir uns bei der Nachintonation allergrößte Mühe gegeben haben, den Übergang zu "glätten". Deshalb die zweite Mixtur als Ergänzung, ebenfalls sehr dezent intoniert. Die gesamte Intonation der Orgel wurde "entschärft", ohne ihr Brillanz und Klarheit zu nehmen. Außerdem noch ein Cornett 5 f - dem Gesamtcharakter der Orgel entsprechend recht konturiert und nicht zu füllig, eine Trompete 8', ebenfalls schlank und brillant und eine fein singende Oboe 8'
Das Pedal habe ich ergänzt um einen fülligen Untersatz 16', vom Charakter her ein weicher, tragender Holzprinzipal, einen vollen Oktavbass 8, ein sauber zeichnendes Gemshorn 8' für das Triospiel und ein rundes Fagott 16'.

Ich achte darauf, die digitalen Zusätze stets in sorgfältiger Auswahl zu verwenden. Im Pedal ist das Gemshorn quasi Standard, im Hw beim Choralbegleiten der Prinzipal 8'. Im Plenum kommt noch das Fagott hinzu. Die Trompete gibt dem Plenum zwar Glanz und Saft, aber ich verwende sie überwiegend solistisch oder triomäßig.
Der OSV hat den Zubau ausdrücklich gebilligt, weil ich ihm versichert habe, dass wir so behutsam wie möglich mit der Originalsubstanz umgehen und den Eigencharakter der Orgel nicht verändern. Alle Zubauten sind reversibel angelegt.
(...)
Wir sind mit dieser Lösung sehr zufrieden. Klangproben gibt es
<!-- m --><a class="postlink" href="http://test.wicherngemeinde-giessen.de/?p=677">http://test.wicherngemeinde-giessen.de/?p=677</a><!-- m -->
hier.
(...)
Wir planen mittelfristig, den Prinzipal 8' auf einer Einzelventillade "in Pfeife" dazu zu bauen. Diese Lade kann dann über den Midi vom Man. und vom Ped. angesteuert werden. Wenn wir genug Kohle zusammenbekommen, gibt es dann auch ein richtiges Fagott. Mal sehen, was das Volk anlässlich des 50jährigen Kirchenjubiläums so in den Hut wirft?

LG
Michael

Ihr habt in Gießen ja was aus eurer Orgel gemacht - Wertschätzung durch den Organisten, Identifikation in der Gemeinde mit dem selbst aufgebautem Instrument, unverkrampfte kostengünstige Erweiterung nach einer Bestandsaufnahme, etc.

In Mainz gibt es wohl auch ein ähnliches Selbstbau-Instrument dieser Firma, Bj. 1984, das nun wohl demnächst durch eine Fasen-Orgel mit 23 Registern abgelöst wird.

LG
Martin
Gespeichert

Gloria Concerto 350 Trend
Johannimus
Novize
*
Beiträge: 19


« Antworten #24 am: 15. März 2016, 22:02:25 »

Hallo,
im Rahmen einer Orgelrenovierung haben wir auch eine Midifizierung der Manuale und Pedale vorgenommen. Die Midikomponenten haben wir von Pausch-e bezogen. Mittelfristig soll hier ein Viscount Expander CM100 installiert werden.

Jetzt habe ich aber noch eine Frage zur Justierung der Hall-Sensoren bei den Klaviaturen. Hier hat der beauftragte Orgelbauer die Tasten beim Drücken so eingestellt, dass die regulären Orgelpfeifen ein wenig vor dem Midisignal ansprechen. Das heißt, beim Tieferdrücken der Taste spricht die Orgelpfeife nach ca. 1/3 des Tastentiefgangs an, das Midisignal kommt dann bei ca. der Hälfte des Tastengangs. Wie ist eure Erfahrung?

Viele Gruesse
Johannimus
Gespeichert
Wichernkantor
Moderator
*****
Beiträge: 3989


« Antworten #25 am: 16. März 2016, 08:23:29 »

Ja, wir haben das auch so gemacht, allerdings mit klassischen mechanischen Kontaktrechen und der elektronischen Hardware von Heuss. Die sitzen hier gleich um die Ecke in Lich und der ausführende Orgelbauer war mal Chef der Spieltischfertigung dort.
Die Differenz der Ansprechpunkte von max. 2 mm im Tastenfall ist für das Ansprechverhalten irrelevant. Entscheidend ist die Qualität des Anschlags, das akkurate Durchdrücken der Taste bis zum Endanschlag. Auch auf das Repetitionsverhalten wirkt sich eine geringfügige Differenz der Ansprechpunkte nicht negativ aus, wenn entsprechend präzise gespielt wird.

LG
Michael
Gespeichert
Johannimus
Novize
*
Beiträge: 19


« Antworten #26 am: 22. März 2016, 18:39:14 »

Hallo Michael,

herzlichen Dank für deine Informationen. Aus deinen Ausführungen von oben entnehme ich, dass Du den CM100 im Split-Mode betreibst für Pedal und dem HW-Manual. Hast Du auch die Koppel HW/PED midifiziert und den Expander so eingestellt, dass bei Betätigen der Koppel die Midi-Register vom Manual im Pedal mitgespielt werden?
Viele Gruesse
Johannimus
Gespeichert
Wichernkantor
Moderator
*****
Beiträge: 3989


« Antworten #27 am: 22. März 2016, 20:38:27 »

Ganz genau so. Zusätzlich zur vorhandenen mechanischen Koppel gibt es eine digitale über einen innenbeleuchteten Drucktaster unter den mechanischen Koppelzügen.
Funktioniert tadellos.


LG
Michael

 
Gespeichert
Johannimus
Novize
*
Beiträge: 19


« Antworten #28 am: 23. März 2016, 12:27:32 »

Sendet der Drucktaster dann auch auf einem MIDI-Kanal und mit einen speziellen Befehl? Wie hast Du dann die MIDI-Signale im CM100 Expander konfiguriert? Ich komme leider mit der der Beschreibung im CM100-Handbuch nicht klar.
Viele Grüße
Johannimus
Gespeichert
Wichernkantor
Moderator
*****
Beiträge: 3989


« Antworten #29 am: 23. März 2016, 14:24:46 »

Uups, weiß ich jetzt nicht mehr. Die Koppel ist in der orgelseitigen Platine fertig programmiert. Damit hat der Expander nix zu tun. Auch die Midi-Kanäle für Manual und Pedal sind werkseitig voreingestellt. Man muss hat jedem Register seinen Kanal zuweisen. Da gibt es eine Funktion "Channel" oder so im Expander-Menü.
Ich habe das seinerzeit im Handbuch gefunden. Aber das liegt hier rum - irgendwo ...  Lachen

LG
Michael
Gespeichert
Seiten: 1 2 [3] 4   Nach oben
Drucken
 
Gehe zu: