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Autor Thema: Stammteil-Orgelbuch zum Gotteslob  (Gelesen 39617 mal)
Machthorn
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« Antworten #340 am: 03. Juni 2015, 23:22:47 »

Zitat
Da im GL aber nicht irgendwelche alten Notenbilder verwendet wurden, scheint es eine darüberhinausgehende Problematik zu geben.
Die nennt sich "Wissenschaftliche Bearbeitung". Auf gut deutsch: Ich nehme mir den Urtext (also z.B. eine Handschrift des guten Basti), denke darüber nach, wie er es gespielt haben könnte, male zur Verdeutlichung zwei bis drei Bindebögen und Stakkatopunkte rein, und schon beginnt das Urheberrecht auf diese Variante neu: bis 70 Jahre nach meinem Tod!

Es hilft also nur eines: Wenn ich Noten kopieren will, muss ich mir eine Ausgabe besorgen, die garantiert so alt iast, dass alle Rechte darauf erloschen sind. Was als neuer Druck im Handel ist, könnte immer eine solche "Wissenschaftliche Bearbeitung" sein. Auf dem Einband steht dann ganz harmlos "Neu durchgesehen von Heinrich Labersülz" und schon sind da wieder Urhebberrechte drauf...

Ich bin prinzipiell kein Gegner von Urheberrechten. Wer seine Arbeitsstunden mit dem Komponieren von Musik verbringt, muss die Chance auf einen gerechten Verdienst haben. Allerdings glaube ich schon, dass gerade die Möglichkeit der "Wissenschaftlichen"  Traurig Bearbeitung der Abzocke Tür und Tor öffnet.
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Gloria Klassik 226 Trend
Gemshorn
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« Antworten #341 am: 04. Juni 2015, 07:47:30 »

Wer seine Arbeitsstunden mit dem Komponieren von Musik verbringt, muss die Chance auf einen gerechten Verdienst haben.
Völlig d'accord, wenn es um große Chor- oder Orgelwerke, Messkompositionen etc. geht.
Hier aber sprechen wir von simplen Liedern für den Gemeindegesang. Unter Berufung auf Autoren- bzw. Komponistenrechte die weitere Nutzbarmachung (Orgelsatz, Klaviersatz etc.) zu verhindern, halte ich für einen untragbaren Zustand.
Als Beispiel: Inzwischen scheint es ja nun doch einen Orgelsatz zu Webbers "Look at all my trials" zu geben; als das Orgelbuch zum Stammteil in erster Auflage erschien, war das nicht so - da prangte anstelle eines Begleitsatzes ein in großen Lettern gedruckter Hinweis, dass man noch zu keiner Einigung hinsichtlich der Rechte gelangt sei. Untragbar! Wenn die Rechte für den liturgischen Gebrauch nicht freigegeben werden, dann hat dieses und jenes Lied im GL nichts verloren! So jedenfalls sehe ich das. Wenn Dichter und Komponisten zu stolz sind, ihre Kirchenlieder zur Verfügung zu stellen, dann würde ich sie erst gar nicht in ein offizielles Gesangbuch aufnehmen. Schnell würden sich andere Dichter und Komponisten finden, die mehr Sensus für die Notwendigkeiten gottesdienstlicher Musik beweisen. (Es gibt übrigens auch heute schon solche; ich nenne nur den Namen Peter Gerloff.)
Das Gros der traditionellen Lieder wäre durch eine solche Regelung nicht betroffen, sondern vornehmlich Schöpfungen aus dem Bereich des NGL.
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Machthorn
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« Antworten #342 am: 04. Juni 2015, 10:22:15 »

Zitat
Untragbar! Wenn die Rechte für den liturgischen Gebrauch nicht freigegeben werden, dann hat dieses und jenes Lied im GL nichts verloren!
Völlig richtig, das ist schon ziemlich absurd, was da gemacht wurde.
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Gloria Klassik 226 Trend
pvh
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« Antworten #343 am: 04. Juni 2015, 19:12:55 »

Hallo,
Ich nehme mir den Urtext (also z.B. eine Handschrift des guten Basti), denke darüber nach, wie er es gespielt haben könnte, male zur Verdeutlichung zwei bis drei Bindebögen und Stakkatopunkte rein, und schon beginnt das Urheberrecht auf diese Variante neu: bis 70 Jahre nach meinem Tod!
das stimmt nicht ganz. Es gelten meines Wissens folgende Fristen:

70 Jahre: Frist, bis zu der ein Stück urheberrechtlich geschützt ist, beginnend mit dem Tod des Komponisten.

50 Jahre: Frist, bis zu der das Notenbild nach Erscheinen der Ausgabe geschützt ist.

25 Jahre: Frist, bis zu der eine wissenschaftliche Bearbeitung ab Erscheinen (nicht erst ab Tod des Bearbeiters) geschützt ist. In dieser Zeit kann aber ggf. eine ältere Ausgabe, für die die Rechte ausgelaufen sind, zur Erstellung von Neuausgaben/ Kopien/ Scans etc. genutzt werden.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
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Machthorn
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« Antworten #344 am: 04. Juni 2015, 21:16:11 »

Zitat
25 Jahre: Frist, bis zu der eine wissenschaftliche Bearbeitung ab Erscheinen (nicht erst ab Tod des Bearbeiters) geschützt ist. In dieser Zeit kann aber ggf. eine ältere Ausgabe, für die die Rechte ausgelaufen sind, zur Erstellung von Neuausgaben/ Kopien/ Scans etc. genutzt werden.

Ah, OK. Gibt es eigentlich eine Definition, bis wann etwas als wissenschaftliche Bearbeitung gelten muss und ab wann der Komponist seine Arbeit als "Satzkomposition" definieren darf?
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Wichernkantor
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« Antworten #345 am: 05. Juni 2015, 07:25:49 »

Diese fruchtlose Debatte hatten wir ja schon ein paarmal.
Liebe Leute, findet Euch damit ab, dass wir das Urheberrecht nicht per Forumsbeschluss ändern können.

Ich mache das so:
1. Ich kaufe meine Noten - sowohl die Orgelnoten als auch die für den Chor.
2. Ich nutze sie auch und lasse daraus singen.
3. Ich mache mir von unangenehmen Blätterstellen Kopien und klebe sie zum Ausklappen in den jeweiligen Notenband (wg. "Recht auf Abnutzung").
4. Ich beobachte argwöhnisch, wenn irgendjemand auf die Empore kommt und sich interessiert an meinem Arbeitsplatz zu schaffen machen will (kommt eher selten vor). Dann muss er sich als Interessent und/oder Kollege legitimieren oder ich weise ihn dezent darauf hin, dass für ihn unten in der Kirche ein eigener Platz reserviert ist - ganz vorne, wo man die Orgel am besten hört.  Lachen
5. Da ich mit dem Chor ab und an Selbergestricktes singe, haben die Sänger Anweisung, jedwedem fremden Interesse an ihren Notenmappen mit äußerster Reserviertheit zu begegnen - das gilt vor allem bei den hierzulande derzeit sehr populären Chortreffen und ähnlichen Massenpartouzen. (Die kantorierenden Ober- und Hauptgedönsräte, die gern ihren Gotthilf-Fischer-Komplex ausleben und Massenchöre dirigieren wollen, sind ja leider unausrottbar.)
6. Würde ein Häscher irgendeiner kriminellen Vereinigung in der Chorprobe auftauchen und Einsicht in den Notenbestand fordern, würden unsere "vier Tenöre" - allesamt Kirchenvorsteher - dem Herrn höflich bedeuten, nach Klärung der rechtlichen Grundlage ihres Begehrens schriftlich eine Anfrage beim KV zwecks Terminabsprache einzureichen und jetzt den Saal zu verlassen und den Kantor nicht länger am Arbeiten zu hindern. Der werde sonst nämlich seeeehr ungehalten ...  Böse Böse

Ich denke, damit wäre allen Eventualitäten vorgebeugt.

LG
Michael
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Gemshorn
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« Antworten #346 am: 28. September 2016, 18:22:34 »

 Meldung Eeextrablatt: Meldung

Für 2017 ist eine Neuauflage des Stammteil-Orgelbuchs geplant: Mit Fadenbindung und in nur zwei Bänden.

Man hat offensichtlich gelernt.
Wenn jedoch lediglich die Bindung verändert und nicht mindestens die Hälfte der "verunglückten" Sätze neu geschrieben wird: Wer kauft das Machwerk dann? Die Pfarren haben es bereits auf den Emporen rumliegen und werden einen Teufel tun und es ein zweites Mal kaufen. Schließlich muss ja nur der Organist mit den drei Ziegelsteinen jonglieren...
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Guilain
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« Antworten #347 am: 29. September 2016, 08:34:37 »

Für eine Salzburger Kirche wurde das GL-Orgelbuch eigens in zwei Faszikeln gebunden. Effekt: Damit es auf dem Pult offen bleibt, braucht man eine/n Buch-Halter/in. (Ähnlich übrigens bei der großen Ausgabe des Münchener Kantorales.) - Schon früher habe ich darauf hingewiesen, dass man ja ein Alternativ-Orgelbuch machen könnte. Leider ist der geniale Organisator und Kontaktmann zum Carus-Verlag, Armin Kircher, im Oktober 2015 gestorben. Ohne ihn (und ohne rechtskundige Leute im Carus-Verlag) gäbe es das dreistimmige 'Orgelbuch light' nicht.   
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« Antworten #348 am: 29. September 2016, 09:39:51 »

Hallo,

von der Ringbindung bin ich grundsätzlich ganz angetan. Allerdings ist das technisch mit dem Binde-Draht schlecht gelöst. Die Blätter halten noch gut, aber die Drähte in den Büchern, in denen ich nicht regelmäßig Blätter zurückfädele und die Drähte wieder in Position biege, gehen schon  aus dem Leim. Bei meinen privaten Übe-Exemplaren ist alles OK. Die aktuelle Bindung ist leider für das "Umschlagen" nicht geeignet.

Aktuell hantiere ich mit bis zu 5 Büchern und 1 Heft: 3 x Orgelbuch Stammteil, 1 x Orgelbuch Anhang, 1 x Vorspielsammlung Anhang, Vorspielhefte für Stammteil. Daher fände ich es gut, wenn eine Ausgabe mit Stammteil in 2 Bänden möglich wäre. Dann müsste aber wohl die Papierstärke reduziert werden und eine Ringbindung, auch mit verbessertem Bindesystem wäre wohl nicht mehr möglich.

Mit der Qualität der Sätze, auch im Nord-Anhang, bin ich soweit zufrieden. Die Sätze bzw. Halteakkorde zu den Kehrverse und Psalmen finde ich deutlich besser als vorher, gerade für die Begleitung der Schola. Früher hat die Schola ausschließlich ohne Orgel gesungen, weil deren und mein Sprachduktus einfach anders sind und die Schola weit weg von der Orgel steht.

Beste Grüße
Christoph P.
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« Antworten #349 am: 29. September 2016, 11:27:42 »

@Guilain: Was für ein Alternativ-Orgelbuch wäre dir da vorgeschwebt? Andere Sätze, andere Bindung?

Dass auch dicke Bücher mit Fadenbindung gut ihr Werk tun, sieht man ja am alten Stammteil-Orgelbuch; das blieb auch ohne Wäscheklammern oder andere Behelfe offen. Ich hoffe sehr, dass die Papierstärke anlässlich der Neuauflage diskutiert wird. Mit einem derart dicken und steifen Papier sehe ich schon das nächste Fiasko kommen, Stichwort "Buchhalter nötig".

@chp: Vorab: Ich spreche vom Stammteilorgelbuch. Insbesondere die Begleitsätze zu den Liedern stellen den Organisten vor mitunter widersinnige Anforderungen: Wenn etwa bei GL 172 "Gott in der Höh sei Preis und Ehr" zu Beginn - drei gleiche Melodienoten! - ein liegenbleibender D-Dur unterlegt wird, frage ich mich, wie der Gemeinde das Tempo suggeriert werden soll. Mit diesem Orgelsatz ist das schlicht unmöglich. Ich rede nicht davon, dass man hier die Akkorde deutlich voneinander absetzen muss; das kann man machen (und es ist sinnvoll), aber es steht eben nicht so im Orgelbuch. Weiter geht es mit Haltebögen in den Begleitstimmen und Harmonisationen, die eine regelrechte Anleitung zum Danebengreifen beim Singen sind (z.B. im Alt ein fis, wo wenige Schläge später die Melodie ein f verlangt) und mit einer Synkopenbehandlung beim NGL, wo alle Stimmen homophon geführt sind, sodass ein durchgehender "Beat" nicht mehr vorhanden ist. Das und vieles mehr ist kompositorisch schwach und nicht State-of-the-art, was heutige Gemeindegesangsbegleitung betrifft. Es scheint so, als hätte man die Idee des akustischen Dirigats vollends aufgegeben.
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