Sakralorgelforum

Unterforen => Zubehör => Thema gestartet von: Guilain am 07. November 2018, 11:48:20



Titel: Liedanzeigetafel
Beitrag von: Guilain am 07. November 2018, 11:48:20
Eine Salzburger Pfarrkirche hat eine elektronische Liedanzeigetafel, die das komplette Programm eines Gottesdienstes darstellen kann. (Link zur Firma: http://www.it-fritzel.at/) Die ist natürlich viel besser als die Einzel-Anzeige, die beim Nummern-Wechsel fast immer stört.


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Positiv am 07. November 2018, 12:03:53
Solange es noch Hersteller gibt, die die Projektoren und Liedanzeiger aus den siebziger Jahren oder früher technisch unterstützen, wird es schwierig.

Es wäre wohl einfach, wenn ich die Lieder in einem Handyformat bekommen und diese ohne Eigenarbeit als Anzeige per Wlan oder Bluetooth oder ähnlich in der Kirche verwenden könnte.

Praktisch habe ich aber erst kürzlich einen Transistorenliedanzeiger  von der Firma F.R.Eckel GmbH FB-6/4 geöffnet und als technischer Laie einen neuen Akkusatz eingelötet. Jetzt kann es wieder ein paar Jahrzehnte wie bisher weitergehen.

Michael


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Martin78 am 07. November 2018, 13:29:15
Ich finde die Fritzel-Tafel unpraktisch, ganz abgesehen davon, dass vielen älteren Gottesdienstteilnehmern die Zahlen zu klein sein werden. Zumindest unpraktisch  für katholische Zwecke ...  :-)
Mich stört der Wechsel einer Nummer nicht wirklich. Richtig bedient, kann ich mit dem Liedanzeiger dafür sorgen, dass die Gemeinde an genau der richtigen (passenden) Stelle blättert. Da kann man aber auch viel falsch machen ...
Außerdem ist im katholischen Gottesdienst bei den Begleitgesängen Flexibilität angesagt, manchmal nimmt man halt noch eine Strophe mehr als vorher vereinbart; da frage ich mich, ob man die so ganz spontan auf der Fritzl-Tafl ergänzen kann.

Wer eröffnet ein Liedanzeigerforum? Ein schier unerschöpfliches Thema ... gefühlt ist jeder anders!  :hilfe: :teufel: :D :duckundweg:


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Gemshorn am 07. November 2018, 17:01:41
Das eigentliche Problem ist, dass ein elektronischer Liedanzeiger eigentlich so gut wie immer Unruhe verursacht.
Einerseits schätze ich zwar die Präzision (es wird genau die benötigte Nummer angezeigt und sonst nichts), denn man möchte nicht meinen, wie ungeschickt sich selbst langjährige Kirchgeher im Umgang mit einem althergebrachten Liedanzeiger anstellen...
Andererseits finde ich in der Messe eigentlich nie einen geeigneten Zeitpunkt, wo ich den Liedanzeiger aktivieren kann, ohne damit ein Gebet, eine Schriftlesung oder sonst eine liturgische Handlung zu stören. Da die Gemeinde in der Regel gut konditioniert ist, reagiert sie, sobald das Ding aufleuchtet... Vorteilhaft, um lang(weilig)e Predigten zu verkürzen. :devil:


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: pvh am 07. November 2018, 19:09:19
Hallo,

ich finde diese Tafel gut (je nach Variante enthält die Anzeige ja auch große Nummern), kann aber nicht ganz erkennen, worin der Vorteil gegenüber unserer ollen Stecktafel besteht - im Gegenteil, genauso nutzen wir unser Stecktafel, sogar noch flexibler (manchmal 2 Nummern in einer Zeile, manchmal nur eine und Strophenangaben). Dass man noch ein weiteres Teil hat, was Strom verbraucht, kann ja kein Vorteil sein.

@Martin78: Wenn nur die Liednummer angegeben ist, singt unsere Gemeinde die Strophen der Reihe nach, solange der/die Organist/in spielt. Sind aus irgendwelchen Gründen Strophennummern angeben, werden die gesungen, anschließend werden automatisch die nächsten Strophen angestimmt. Bei der Angabe "xyz 1+3" singt die Gemeinde also die Strophen 1, 3, 4, 5 usw. Spontane Änderungen werden angesagt (kommt kaum vor, fast nur, wenn falsche Nummern aufgesteckt wurden). Wenn ich versehentlich mehr Strophen spiele als im GL stehen, hört die Gemeinde allerdings zu singen auf und fängt nicht wieder mit der ersten Strophe an... ;-)

Bei uns steckt der/die Küster/in die Nummern, ich ändere das dann je nachdem, was ich mit dem Kantor bzw. der Schola besprochen habe bzw. wenn ich von zwei Alternativen eine andere nehmen möchte. Ich mache auch die Liedpläne für Sonn- und Feiertage selbst (als "Themenverantwortlicher Kirchenmusik" in unserer Gemeinde) und lege sie Wochen vorher in die Sakristei. Übrigens bereite ich für jeden Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen auch 7 Zettelchen für Pastor, Kommunionhelfer und Ministranten vor.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Jesaiah am 07. November 2018, 20:37:44
Wir verwenden auch die Fritzel-Tafel.

Der Lieferant passt bei Bedarf die Textgröße an. Extrem praktisch ist die browserorientierte Bedienung (ich kann zugleich aus der Sakristei mit Tablet a die Lieder eingeben und von der Empore aus mit Mobilfon weiterschalten (oder Fehler korrigieren, musste auch schon mal sein).

Ausserdem ist der parallele Text- und Fotoanzeigemodus fein.



Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Larigot am 07. November 2018, 21:23:44
Normalerweise bin ich ja sehr technikaffin... Aber diese Monitore finde ich (im Kontext des Kirchenbaus und Gottesdienstes) so scheußlich unpassend, dass ich mir das als Kirchenbesucher nicht antun würde.

Ich gucke im täglichen Leben oft genug auf irgendwelche Monitore und Displays, die mir nützliche oder überflüssige Informationen mitteilen wollen. Im Gottesdienst will ich -auch- davon Abstand gewinnen und bestimmt nicht multimedial bespaßt werden.

LG
Christian


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Guilain am 08. November 2018, 09:03:03
Ich bin ja selbst für die gute alte Stecktafel. Aber diese neue Form der Anzeige erscheint mir immer noch besser, als wenn  nur eine Nummer erscheint. 2006 erschien in "Gottesdienst" ein Leserbrief von mir (siehe unten). Die (nicht veröffentlichten) Reaktionen: Fast alle Einsender waren FÜR den Liedanzeiger, nur eine Schwester des Erfurter Augustinerklosters unterstützte mich.
Wie betätigt man den elektronischen Liedanzeiger so, dass das Aufleuchten der neuen Nummer nicht stört? Immer wieder bringen Zeitschriften dafür Ratschläge – so kürzlich auch GD (Nr. 19 / 2006, S. 148). Der Autor hat recht: „Diese Überlegungen dürfen nicht als Kleinigkeit abgewertet werden.“ Es erfordert liturgisches Gespür (und nicht selten Fingerfertigkeit), ein solches Gerät richtig einzusetzen. Man könnte freilich menschliche wie elektrische Energie sparen, indem man erst gar keine Liedanzeiger anschafft bzw. kaputte nicht mehr ersetzt. Stattdessen verwendet man wieder eine Stecktafel – idealerweise mit Platz für Lied- und Strophennummern. Die Vorteile: Jeder / jede weiß schon zu Beginn, welche Gesänge vorgesehen sind, kann so die Zeichenbänder gleich im Buch einlegen. Und gestört wird niemand. Eine weitere Möglichkeit (derzeit wohl nur ein Wunsch), falls es unbedingt etwas Elektronisches sein soll: Vielleicht erfinden Leuchtanzeigen-Hersteller eine Tafel, auf der die Liednummern eines ganzen Gottesdienstes erscheinen? Wenn man heute in den Weltraum fliegen kann, müsste es sich doch machen lassen, eine solche Großtafel zu entwickeln. –  Übrigens: Ich habe noch in keiner evangelischen Kirche einen elektronischen Liedanzeiger gesehen. Er dürfte eine katholische Erfindung sein. Obwohl ich manchmal vermute, sie stamme von einem Teufelchen...   


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Jesaiah am 08. November 2018, 11:30:43
Ein Seniorenstudent hat mir gestern am Rande einer VL in München berichtet, dass er in Münster (?) bei einem Gottesdienst war, in dem das ganze Liedprogramm inkl. Texten per beamer projeziert wurde. Habe ich noch nie live gesehen, könnte es mir aber theoretisch vorstellen. Der Gute war sehr begeistert davon, dass keine Liederbücher mehr nötig waren.
Und war offenbar eine evangelische Kirche (naja, zumindest war die Vorlesung an der evangelisch-theologischen Fakultät ...)



Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Gemshorn am 08. November 2018, 12:51:44
Hat ein Pfarrer in meiner Gegend auch jahrelang gemacht - und zwar, wie ich vermute, ohne die Rechte dafür irgendwo eingeholt zu haben. So kann man den Gemeinden den Umgang mit dem Buch auch austreiben...


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Wichernkantor am 08. November 2018, 12:56:04
In der hiesigen Freikirchen-Szene ist der Liedtext-Beamer absolutes Mittel der Wahl. Vor allem deshalb, weil das Liedgut i.d.R. aus irgendwelchen Heftchen oder von kopierten Zetteln mit NGL zusammengesucht ist. Notentext verbietet sich, da sich die Gemeinden meistens ihre Lokalfassungen "zurechtkomponiert" haben.
Außerdem geht das Beamen nur in relativ kleinen Räumen. In großen, die dazu noch hell ausgeleuchtet sind, versagt der Beamer. Statt gut lesbarer, kontrastreicher Buchstaben sieht man oft diffuse Schattenspiele an der Wand. Und oft genug bleibt das Ding dann hängen oder der Bediener blättert zu früh oder pennt (alles Live-Erlebnisse ...).
Meistens steht dann auch noch vorn an zentraler Stelle eine Leinwand als Projektionsfläche herum. Auf mich wirkt das atmosphärisch wie "Onkel Emil zeigt seine Urlaubsfilme" ...  :(

Ich kann mir nicht helfen: Für mich geht nix über die Liedtafel. Auch deshalb, weil ich keine Lust habe, noch während des Gottesdienstes an irgendwelchen Anzeigeapparaten herumzuspielen. Ich bin mit Tasten und Registerzügen hinreichend ausgelastet ...  :D


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Jesaiah am 08. November 2018, 15:39:57
Damit man sich was vorstellen kann, so sieht das bei uns aus ...:

http://olaf.uni-graz.at/~wessely/Liedanzeige_Nestelbach.jpg (http://olaf.uni-graz.at/~wessely/Liedanzeige_Nestelbach.jpg)

Das Foto ist leider mit meiner miesen Handykamera gemacht ... aber für einen Eindruck reicht es.


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Machthorn am 08. November 2018, 20:45:16
Zitat
und zwar, wie ich vermute, ohne die Rechte dafür irgendwo eingeholt zu haben

Das ist ein nicht unwichtiger Punkt! Texte per Beamer live an die Wand zu werfen, ist eine Veröffentlichung. Da braucht man schon die Genehmigung von Autor, Verlag oder Verwertungsgesellschaft - natürlich nicht ohne gewissen Obulus...


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Wichernkantor am 08. November 2018, 21:59:35
Ich habe den Eindruck, dass man das in dieser Szene eher locker sieht ...  ;-)
Vor allem, weil der Tatnachweis schwer zu führen ist, wenn der Beamer ausgeschaltet und der USB-Stick mit den Texten irgendwo in einer Jackentasche steckt.
Eine Parallele zur Kopierwut in den wilden 70ern. Ich entsinne mich an einen (landeskirchlichen) Pfarrer, der einem Kollegen sagte, er solle Kopien für den Kirchenchor machen, statt Noten zu kaufen. Das sei nichts als eine Form der "indirekten Kirchensteuer". Da war keinerlei Unrechtsbewusstsein.
Ende der 70er gingen viele kleine Musikverlage ein, weil die Kopierwut lawinenartig anschwoll.

LG
Michael


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Machthorn am 08. November 2018, 22:12:02
Och, gerade die Verwertungsgesellschaften wissen schon, wie das geht. Anekdote aus einem NAK-Konzert irgendwo im Norden, wo aus zusammenkopierten Noten gesungen wurde. Nach dem Konzert gesellten sich zwei sehr nette Herren zu ein paar Chorsängern, sparten mit Lob nicht und ließen sich die Noten zeigen, nach dem Motto: "Was haben Sie da schönes gesungen, darf ich mal sehen?". Schon war die Falle zugeschnappt. Das geht auch im Gottesdienst, wer kennt schon immer alle Besucher?


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Gemshorn am 08. November 2018, 22:18:11
Ich habe den Eindruck, dass man das in dieser Szene eher locker sieht ...  ;-)
Vor allem, weil der Tatnachweis schwer zu führen ist, wenn der Beamer ausgeschaltet und der USB-Stick mit den Texten irgendwo in einer Jackentasche steckt.
Das war in meiner frischen Jugendzeit. Da wusste die Welt noch nichts von USB. Das waren ordinäre Dias, die da gebeamt wurden. :D

Zum Thema Rechte: Vor 20, 30 Jahren kannte ich hier im Umkreis von 30 km keinen Chor, der Noten gekauft hätte...
Kopieren war normal. Und oft waren selbst die Kopien schon uralt. Oder man fertigte Abschriften uralter handschriftlicher Noten an, die der Dorflehrer von anno dazumals für den Kirchenchor verfasst hatte und die als lokales Kulturgut von Generation zu Generation weitergereicht wurden.
Gerade am Dorf gab es viele Regentes chori, die fromme Lieder für ihren Chor selber einrichteten („Sätze für einfachste Verhältnisse“). Hin und wieder konnte man da eine Kopiervorlage vom Chorleiter der Nachbargemeinde erbetteln. Damals war so etwas noch ohne viel Aufhebens möglich... Selige Zeiten...


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Jesaiah am 09. November 2018, 07:01:01
Och, gerade die Verwertungsgesellschaften wissen schon, wie das geht. Anekdote aus einem NAK-Konzert irgendwo im Norden [...]

Das wäre in Österreich auch der Fall. Konzert ist ja ein anderer Fall.
Aber im Gottesdienst? Bei uns regelt das Urheberrechtsgesetz, dass Kopien in angemessenem Umfang und nur für den kirchlichen Zweck zulässig sind, und kirchliche Aufführungen fallen unter freie Werknutzung...

Ist die Rechtslage in D tatsächlich so unterschiedlich, oder lese ich das UrhRG falsch?



Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Wichernkantor am 09. November 2018, 07:14:24
Nach dem Konzert gesellten sich zwei sehr nette Herren zu ein paar Chorsängern, sparten mit Lob nicht und ließen sich die Noten zeigen, nach dem Motto: "Was haben Sie da schönes gesungen, darf ich mal sehen?". Schon war die Falle zugeschnappt. Das geht auch im Gottesdienst, wer kennt schon immer alle Besucher?

Bei einem befreundeten (kath.) Kollegen tauchten in den wilden 70ern zwei Herren in der Chorprobe auf und wollten in die Schränke sehen. Die Leutchen waren so verdattert, dass sie es zuließen, statt vom Hausrecht Gebrauch zu machen. Die Sache kostete den Chor damals 20 TDM ... Und der Pfarrherr, der Geld für Noten verweigert hatte, entrüstete sich, dass "sein" Kirchenchor so böse, illegale Sachen gemacht hatte ...

Bei Evangelens war das schon damals anders geregelt: Das Geld für Chornoten ist in den meisten Landeskirchen ein fester Titel des Budgets der Gemeinde. Es ist zweckgebunden, damit keiner auf dumme Gedanken kommt und dafür ein neues Altartuch kauft oder den Lokus im Gemeindehaus frisch streichen lässt ...

LG
Michael


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Wichernkantor am 09. November 2018, 07:23:41
Ist die Rechtslage in D tatsächlich so unterschiedlich, oder lese ich das UrhRG falsch?

Die Rechtslage ist eindeutig. Aber zwischen den Verwertungsgesellschaften auf der einen und den Diözesen und Landeskirchen auf der anderen Seite bestehen unterschiedliche vertragliche Vereinbarungen. Es ist noch nicht lange her, da hat die GEMA den Vertrag mit den kath. Bistümern gekündigt, weil nicht genug Kohle 'rüberkam. Neue Verhandlungen ziehen sich - nach meinen Informationen - hin. Die Landeskirchen haben unterschiedliche Verträge. Manche decken auch die konzertante Kirchenmusik ab. Die EKHN schickte vor Jahren noch Listen rund, in die die Organisten einzutragen hatten, was sie gespielt haben. Ich habe mich immer geweigert, das zu machen - mit der Begründung, dass Zeit für Tatigkeiten als Hilfsbuchhalter der GEMA nicht Bestandtteil meines Arbeitsvertrages sei. Ich habe dann immer vorgeschlagen, dass die GEMA doch bitteschön einen Aufpasser vorbeischicken möge, wenn sie wissen wolle, was ich spiele. Danach war immer eine Zeitlang Ruhe.
Da ich wohl nicht der einzige Kooperationsverweigerer war, hörte das irgendwann ganz auf.

Aber jetzt sind wir voll in einem anderen Thema ...

LG
Michael


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Martin78 am 09. November 2018, 07:50:30
Es ist noch nicht lange her, da hat die GEMA den Vertrag mit den kath. Bistümern gekündigt, weil nicht genug Kohle 'rüberkam. Neue Verhandlungen ziehen sich - nach meinen Informationen - hin.
War das nicht schon erledigt (https://www.gema.de/aktuelles/gema-und-katholische-kirche-einigen-sich-auf-pauschale-lizenzzahlung/)?


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Tuba_Mirabilis am 09. November 2018, 08:15:32
War das nicht schon erledigt (https://www.gema.de/aktuelles/gema-und-katholische-kirche-einigen-sich-auf-pauschale-lizenzzahlung/)?

bzgl. der kath.Kirche hat sich das erledigt.

Auszug:

(Liebe Kirchenmusikerinnen und –musiker,
sehr geehrte Damen und Herren,
 
nachdem die Kündigung des bisherigen Pauschalvertrags für Konzerte zwischen GEMA und VDD zu Beginn des Jahres für viel Wirbel gesorgt hat, gab es nun eine sehr erfreuliche Einigung:
 
Neuer Gesamtvertrag mit der GEMA
Einigung sorgt für in Pfarreien für Planungs- und Rechtssicherheit
05.06.2018 – BONN...............................)

LG
Martin


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: Wichernkantor am 09. November 2018, 08:36:27
Ah ja, dann ist das (mangels Betroffenheit) an mir vorbeigegangen ...  :-)

LG
Michael


Titel: Urheberrecht, GEMA etc. - war: Liedanzeigetafel
Beitrag von: pvh am 09. November 2018, 10:29:44
Hallo,

Das wäre in Österreich auch der Fall. Konzert ist ja ein anderer Fall.
Aber im Gottesdienst? Bei uns regelt das Urheberrechtsgesetz, dass Kopien in angemessenem Umfang und nur für den kirchlichen Zweck zulässig sind, und kirchliche Aufführungen fallen unter freie Werknutzung...

Ist die Rechtslage in D tatsächlich so unterschiedlich, oder lese ich das UrhRG falsch?
Kopien/Faltblätter dürfen im Prinzip für (einmaligen) Gebrauch für bestimmte Gottesdienste verwendet werden, sollten also auch ein Datum tragen. Es ist nicht zulässig, Kopien oder gar Heftchen für regelmäßigen Gebrauch zu verwenden. Übrigens müssten auf den Kopien auch nachvollziehbare Quellenangaben (Autor, Verlag) stehen. Beamen von geschützten Werken ist meines Wissens nicht zulässig, weil in den Regelungen nicht explizit erfasst.

[...]Vor allem, weil der Tatnachweis schwer zu führen ist, wenn der Beamer ausgeschaltet und der USB-Stick mit den Texten irgendwo in einer Jackentasche steckt.
Einen Tatnachweis stellt auch der Bericht der "GEMA-Agenten" dar.

Bei Evangelens war das schon damals anders geregelt: Das Geld für Chornoten ist in den meisten Landeskirchen ein fester Titel des Budgets der Gemeinde. Es ist zweckgebunden, damit keiner auf dumme Gedanken kommt und dafür ein neues Altartuch kauft oder den Lokus im Gemeindehaus frisch streichen lässt ...
Bei uns in der neuen Großpfarrei gibt es jetzt erstmals so etwas wie eine Finanzplanung. Da hat der Kantor auch Noten und vieles andere aufgeschrieben, auch Fahrtkosten für Chöre und Musikgruppen (die einzelnen Gemeinden liegen bis zu 100 km auseinander).

Die EKHN schickte vor Jahren noch Listen rund, in die die Organisten einzutragen hatten, was sie gespielt haben. Ich habe mich immer geweigert, das zu machen - mit der Begründung, dass Zeit für Tatigkeiten als Hilfsbuchhalter der GEMA nicht Bestandtteil meines Arbeitsvertrages sei.
Das ist im katholischen Bereich immer noch so, in jedem Jahr werden 5 (?) Prozent der Gemeinden für die Statistik ausgewählt und müssen melden. 2017 musste ich quartalsweise für die GEMA alle Musik im Gottesdienst (ohne Choräle und Vorspiele/Intonationen) im ganzen Jahr und für die VG-Musikedition alle verwendeten Kopien melden. Das war ziemlich lästig, weil ich ebenso wie unsere insgesamt 4 Organisten/innen und weitere Aushilfen Ehren- und Nebenamtler/innen sind. Am schlimmsten war es aber, die Kopien einzutreiben, die irgendwelche Gruppen (Jugend, Kolping, Kindergarten, ...) irgendwann verwendet haben und noch schlimmer die Recherche nach den Rechteinhabern auf den "wilden" Kopien.

Die Erhebung sind aber wichtig, weil davon zum einen die Vergütung der Komponisten abhängt, zum anderen das Zustandekommen des Vertrags zwischen GEMA bzw. VG-Musikedition und der (katholischen) Kirche in Deutschland. Ein Problem bei den Verhandlungen der GEMA mit der Katholischen Kirche (über Bischofskonferenz) war wohl auch die lückenhafte Statistik. Wichtig für die GEMA ist dabei aber nur die Erhebung der nicht gemeinfreien Musik. Wer nur Pachelbel, Bach und Merkel spielt, muss eigentlich nichts melden - ähm, außer bei Konzerten, da muss alles eingereicht werden. 

Ich nehme an, für die evangelischen Kirche(n) gilt ähnliches. Da es dort aber mehr Hautamtliche und weniger Gottesdienste gibt, ist das sicher einfacher.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.


Titel: Re:Urheberrecht, GEMA etc. - war: Liedanzeigetafel
Beitrag von: Larigot am 09. November 2018, 14:53:25
Die Erhebung sind aber wichtig, weil davon zum einen die Vergütung der Komponisten abhängt, (...)

Genau dies!
Also wenn die bei uns ankämen, würde ich ...
- schleunigst in die GEMA eintreten,
- meine Machwerke irgendwie im Selbstverlach veröffentlichen,
- so viel davon spielen, wie es der Gemeinde irgendwie erträglich ist ...  :D :D

Das kann tatsächlich ein Geschäftsmodell sein. Hier in der Gegend gibt es einen Komponisten, der Schulen kostenfreie Gesprächskonzerte mit eigenen Werken (Modell "Hurz") anbietet. Weil er dabei auch erklärt, soll das Ganze gar nicht mal so schlecht sein. Einzige Bedingung sind eine relativ große Schülergruppe und dass die Veranstaltung öffentlich angekündigt und für Außenstehende zugänglich ist. Wenn nach Reisekosten dann tatsächlich noch ein Gewinn übrig bleibt, scheint die GEMA-Vergütung gar nicht mal so schlecht zu sein. Dummerweise ist im Gottesdienst sowohl die Dauer der Werke als auch die Zahl der Zuhörenden oft weniger üppig dimensioniert...

LG
Christian


Titel: Re:Liedanzeigetafel
Beitrag von: trompetendulzian am 09. November 2018, 18:09:24
Ein schöner Übersichtsartikel zur Situation in der EKD (https://cdn.website-editor.net/06abff5d66c2456b81827e05623a41ca/files/uploaded/Merkblatt%2520Urheberrecht%2520-%2520Stand%252027.05.2018.pdf) ist auf der vom Weseler (Weselaner?) Kreiskantor Ansgar Schlei betreuten Webseite kirchenmusikrecht.de (https://www.kirchenmusikrecht.de/) zu finden. Liedtexte zu beamen ist nun anscheinend auch mit abgegolten:
Zitat
Außerdem können  Gemeinden  der  EKD Lieder und Liedtexte auch speichern, um sie dann mittels
Folien oder Beamer sichtbar  zu machen.
Von den großen freikirchlichen Verbänden weiß ich, dass dort ähnliche Rahmenverträge existieren.

Viele Grüße
Trompetendulzian