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Autor Thema: Verkauf Prospectum Weissenau  (Gelesen 986 mal)
Gemshorn
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« Antworten #10 am: 27. April 2018, 16:46:47 »

Sehe ich zwar alles ein, aber:
Ich verstehe nicht, warum die Angst vor Raubkopierern nicht bereits den ursprünglichen Käufer trifft.
So wie ich das sehe, dokumentiert sich in diesem - rechtlich anscheinend durchaus diskussionswürdigen „Weiterverkaufsverbot“ - ein gewisses Urmisstrauen gegenüber der Kundschaft.
Ob das einem Hersteller (oder Händler) gut steht?

Eine ähnliche Rechtelage besteht auch beim Erwerb digitaler Güter - ob generell oder nur bei bestimmten Anbietern, das weiß ich allerdings nicht. Jedenfalls scheint ein eBook zumindest nicht an die Nachkommen vererbbar zu sein.
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Was würde wohl dazu sagen?
ReinerS
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« Antworten #11 am: 27. April 2018, 17:33:19 »

Sehe ich zwar alles ein, aber:
Ich verstehe nicht, warum die Angst vor Raubkopierern nicht bereits den ursprünglichen Käufer trifft.
So wie ich das sehe, dokumentiert sich in diesem - rechtlich anscheinend durchaus diskussionswürdigen „Weiterverkaufsverbot“ - ein gewisses Urmisstrauen gegenüber der Kundschaft.
Ob das einem Hersteller (oder Händler) gut steht?

Eine ähnliche Rechtelage besteht auch beim Erwerb digitaler Güter - ob generell oder nur bei bestimmten Anbietern, das weiß ich allerdings nicht. Jedenfalls scheint ein eBook zumindest nicht an die Nachkommen vererbbar zu sein.
Hallo zusammen,

um mich da mal  als Samplesethersteller zu äußern (ich bin einer derjenigen, die den Weiterverkauf ausdrücklich erlauben):
Hier werden jetzt gerade zwei Aspekte in der Diskussion vermischt:
Der Weiterverkauf hat nichts mit der Angst vor Raubkopien zu tun. Gegen Raubkopien ist der einzige wirksame Schutz die Lizenz im Dongle, die mit einem gewissen Obulus an Milan zu Buche schlägt und sich damit nur bei den teureren Sets lohnt.

Das Problem mit dem Weiterverkauf ist tatsächlich eher, dass in einem doch sehr überschaubaren Markt die reichliche Verfügbarkeit von gebrauchten Sets, aus welchen Gründen auch immer sich derjenige davon trennen will, den Markt für neue Lizenzen entsprechend reduziert. Deshalb hat naturgemäß keiner der Hersteller (mich eingeschlossen) ein Interesse, einen Gebrauchtmarkt aktiv zu fördern. Unterbinden kann und will ich es aber auch nicht, dass sich jemand von einem meiner Samplesets wieder trennen will. Das ist dann eben so.

Ich sehe aber in einem Weiterverkaufsverbot kein Urmisstrauen gegenüber der Kundschaft, das hat damit wirklich nichts zu tun. Dieses durchaus vorhandene Misstrauen äußert sich eben in der Lizenzierung per Dongle-Update und der Weigerung (mich eingeschlossen), Samplesets für Grand-Orgue zu produzieren, da diese sich mit Sicherheit über kurz oder lang irgendwo im Internet zum Download wiederfinden werden. Da reicht ein einziger "Kunde", am besten in China oder Russland und damit rechtlich 100% unangreifbar.

Denke, der Standpunkt ist nachvollziehbar?

Viele Grüße
Reiner
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organi
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« Antworten #12 am: 27. April 2018, 20:17:05 »

Hallo,

ein weiterer Aspekt ist, dass einige Hersteller mit einem raffinierten Trick den Weiterverkauf verhindern wollen, denn für ihre Samplesets können nur die Nutzungsrechte erworben werden. Der Käufer wird also gar nicht erst Eigentümer seines Orgelsets und kann es folglich auch nicht wieder zum Kauf anbieten.

Ob diese geschickte Maßnahme rechtlich Bestand hat, wäre sicher interessant zu erfahren.

LG
organi
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ReinerS
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Beiträge: 44


« Antworten #13 am: 27. April 2018, 20:31:38 »

Hallo,

ein weiterer Aspekt ist, dass einige Hersteller mit einem raffinierten Trick den Weiterverkauf verhindern wollen, denn für ihre Samplesets können nur die Nutzungsrechte erworben werden. Der Käufer wird also gar nicht erst Eigentümer seines Orgelsets und kann es folglich auch nicht wieder zum Kauf anbieten.

Ob diese geschickte Maßnahme rechtlich Bestand hat, wäre sicher interessant zu erfahren.

LG
organi
Das der Kunde nur die Nutzungsrechte erwirbt, ist im Softwarebereich eigentlich so üblich und rechtlich einwandfrei. Er kann eben nicht alles damit machen, z.B. darf er sie nicht modifizieren und dann weiterverkaufen, etc.

Das beeinflusst aber nicht per se den Weiterverkauf, denn das Recht kann man nach aktuellen Urteilen nicht einschränken.

Der Vergleich mit gebrauchter Hardware (Orgel, Klavier, etc.) der weiter oben in diesem Thread gemacht wurde, ist allerdings nicht anwendbar, da Software weder altert noch abnutzt. Eine Software (oder Sampleset) ist auch nach 100 Jahren und vielen tausend Stunden spielen wie neu, da nutzt sich kein einziges Sample ab und es rauscht und knistert auch nicht mehr als beim nagelneuen Sampleset. Somit konkurriert ein weiterverkauftes Sampleset DIREKT mit den Erstverkäufen, während bei einer Digitalorgel diese eben ind er Tat "gebraucht" ist und damit auch nicht mehr dem Wert eines neuen Instruments entspricht. Wenn ich also ein gebrauchtes Sampleset kaufe, habe ich 1:1 das gleiche (in jeder Hinsicht) als wenn ich es neu beim Hersteller gekauft hätte!

Das sollte man bei der Betrachtung nicht außer acht lassen.
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Gemshorn
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« Antworten #14 am: 27. April 2018, 20:37:11 »

Die Diskussion ist sehr spannend - und ich danke Reiner für seine Stellungnahme aus der Sicht des Samplesetherstellers.
Dass Software nicht altert, hat kurz ein Schmunzeln bei mir ausgelöst.
Wollen wir erst definieren, was Alterung meint?
Natürlich werden die Nullen und Einsen nicht rostig - aber alte Programme werden mit der Zeit uninteressant, weil es a) neue Programme mit mehr Möglichkeiten gibt und b) weil die Kompatibilitäten im Sog der Zeit schrumpfen.
Software ver-altet.
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Was würde wohl dazu sagen?
ReinerS
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« Antworten #15 am: 27. April 2018, 22:54:39 »

Die Diskussion ist sehr spannend - und ich danke Reiner für seine Stellungnahme aus der Sicht des Samplesetherstellers.
Dass Software nicht altert, hat kurz ein Schmunzeln bei mir ausgelöst.
Wollen wir erst definieren, was Alterung meint?
Natürlich werden die Nullen und Einsen nicht rostig - aber alte Programme werden mit der Zeit uninteressant, weil es a) neue Programme mit mehr Möglichkeiten gibt und b) weil die Kompatibilitäten im Sog der Zeit schrumpfen.
Software ver-altet.
Das ist natürlich richtig, aber wir reden ja hier von der jeweils gleichen Version eines Samplesets. Und die ist neu vom Hersteller eben kein bischen anders als gebraucht von einem vorherigen Kunden. Vielleicht die DVD-Hülle etwas abgegriffen Freundlich Und weil Software (oder Samplesets) ver-alten, gehen auch hin und wieder die Preise für die alten Sets herunter (bei mir jedenfalls).
Es war ja nicht die Rede davon, dass wir Samplesethersteller ständig neue Versionen bestehender Sets produzieren, dann wäre bei einem Neukauf für den Kunden tatsächlich ein Mehrwert vorhanden.
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Machthorn
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« Antworten #16 am: 28. April 2018, 00:59:47 »

Zitat
ein weiterer Aspekt ist, dass einige Hersteller mit einem raffinierten Trick den Weiterverkauf verhindern wollen, denn für ihre Samplesets können nur die Nutzungsrechte erworben werden. Der Käufer wird also gar nicht erst Eigentümer seines Orgelsets und kann es folglich auch nicht wieder zum Kauf anbieten.

Da möchte ich nochmal kurz einhaken um den Vergleich zwischen Hard- und Software ein wenig klarer zu stellen. Was man bei Software kauft, ist eine Nutzungslizenz. Würde man die Software an sich kaufen, gingen damit Quelltext und jegliche Verwertungsrechte auf den Käufer über, der Hersteller würde sie damit verlieren, er könnte sie also ohnehin nur einmal verkaufen.

Auf Hardware übertragen bedeutet das, mit dem Produkt die Nutzungsrechte an dem entwickelten Produkt zu kaufen. Man kauft nicht die Pläne und auch nicht das Recht, das Produkt nachzubauen und zu verwerten.

Softwarelizenzen sind also keine Einschränkung und kein Trick sondern ein auch bei Hardware üblicher Vorgang, denn der Entwickler eines jeden Produktes hat i.d.R ein Interesse daran, seinen Entwicklungsaufwand und dessen Ergebnis selbst zu monetarisieren. Das ist legitim.
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