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Autor Thema: Wir weih'n der Erde Gaben  (Gelesen 475 mal)
Jesaiah
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« am: 05. Oktober 2018, 07:02:04 »

Liebe alle,

im Rahmen unseres sehr schönen Semesterstartgottesdienstes habe ich erstmals das Lied gehört und mitgesungen:

"Vertraut den neuen Wegen". Es hat mich frappant an ein mir gut bekanntes Thema erinnert (und wie das so ist, ist mir der bekannte Titel nicht und nicht eingefallen, sondern nur der Text der dritten Strophe "Wenn wir das Leben schließen". Grummel.)

Nun, es ist eine Version von "Wir weih'n der Erde Gaben" aus dem katholischen GoLo mit minimaler Variation.
Was mich jetzt interessieren würde, und vielleich weiss das jeman von euch aus dem Ärmel: Welche der beiden Versionen ist das Original? Sprich, wer hat da bei wem gekl- äh... ökumenische Sangespraxis vorangetrieben ;) ?

Danke und Gruß aus dem Süden!
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"Ahoi da drin, hätten Sie vielleicht Interesse an einer Dampforgel?"

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trompetendulzian
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« Antworten #1 am: 05. Oktober 2018, 07:42:09 »

Hallo Jesaiah,

im Evangelischen Gesangbuch finden sich folgende Angaben:
EG 395 - Vertraut den neuen Wegen
Text: Klaus Peter Hertzsch 1989
Melodie: Lob Gott getrost mit Singen [Nr. 243] dort heißt es:
Text: Böhmische Brüder 1544
Melodie: 16. Jh.; Entlaubt ist uns der Walde; geistlich Nürnberg um 1535, Böhmische Brüder 1544, bei Otto Riethmüller 1932.

Im Gotteslob heißt es:
GL 187 - Wir weihn der Erde Gaben
Text: Petronia Steiner 1945/1993
Melodie: Vor 1526/Michael Töpler 1832

Um deine Frage zu beantworten müsste man nun wissen, welche Konfession sich "um 1535" in Nürnberg die Melodie des (vermutlich) Volksliedes zueigen gemacht hat.

Viele Grüße
Trompetendulzian
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Gemshorn
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« Antworten #2 am: 05. Oktober 2018, 08:30:09 »

Mit Quellenangaben wird meiner Erfahrung nach sehr freizügig umgegangen.
Vergleicht man so manches Lied im GL mit der dazugehörigen Quelle, kommt man aus dem Staunen oft nicht mehr heraus. Die Fassung im GL zeigt sich oftmals rhythmisch und/oder melodisch abgeändert (mal mehr, mal weniger) gegenüber dem Original. Soll heißen: Für die Herausgeber können Varianten wie "Wir weihn der Erde Gaben" und "Vertraut den neuen Wegen" durchaus mit der selben Quellenangabe hinsichtlich der Melodie versehen sein.

Hätte ich so eine Quellenangabe zu verantworten, dürfte im Fall einer Abweichung allenfalls der Hinweis „nach XY“ stehen, niemals aber einfach „XY“.
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« Antworten #3 am: 05. Oktober 2018, 09:12:47 »

Im GL BW regional steht unter Nr. 860 dieses vertraute Lied mit dem Nachweis Text/Melodie in das 16. Jh. : Entlaubt ist uns der Walde.

Der ursprüngliche Text des Volksliedes stammt vom Jahre 1452 und hat ursprünglich 6 Strophen = G.  Forster : Ein Auszug guter alter und newer teutscher Liedlein (Nürnberg 1539) Nr. LXI „Ein sehr altes und viel verbreitetes Lied.

Und wenn ich aus dem Fenster schau, dann ist es jahreszeitlich ein sehr aktuelles.

Das vertraute Lied wird dem Vernehmen nach bei Pfadfindertreffen gerne gesungen und hat sogar wie ich sicher weiß Chancen bei Hochzeiten gegen Ed Sheeran zu bestehen.

Michael
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Jesaiah
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« Antworten #4 am: 05. Oktober 2018, 09:35:13 »

Danke euch allen!

Ich suche genau solche Lieder, die melodisch in den großen westlichen Konfessionen bekannt sind und die gut ins Ohr gehen.

Weitere Hinweise werden gern entgegengenommen :)

Übrigens: Für unsere Sonntag-Abend-Gottesdienste steht nun im Pfarrsaal eine Yamaha Electone FS-70, dreimanualig. Keine Sakralorgel, aber immerhin mit Zugriegeln und einem brauchbaren (elektronischen) Leslie.

Bin schon gespannt ...
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Wichernkantor
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« Antworten #5 am: 05. Oktober 2018, 13:49:12 »

Wie zu vielen der reformatorischen "Urmelodien" gibt es zu dieser Weise mehrere Texturen.
"Stammtext" in den ev. Gesangbüchern ist "Lobt Gott getrost mit Singen" (EG 234)

https://www.youtube.com/watch?v=jMJC5mHbzLQ

Mein Lieblingstext ist "O komm, Du Geist der Wahrheit" von Heinrich Spitta, EG 136.

https://www.youtube.com/watch?v=qjyjn1AkXsg

Weiter in den "Top Ten" der ev. Loblieder-Hitparade:
EG 302, "Du meine Seele, singe" - kein Wunder, from Paul Gerhardt himself, jetzt auch in manchen Diözesanteilen des GL zu finden.

https://www.youtube.com/watch?v=flRJcyNh-WM&start_radio=1&list=RDflRJcyNh-WM&t=65

EG 328, "Dir, dir, o Höchster, will ich singen".

https://www.youtube.com/watch?v=flRJcyNh-WM&start_radio=1&list=RDflRJcyNh-WM&t=65


LG
Michael
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trompetendulzian
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« Antworten #6 am: 05. Oktober 2018, 15:38:50 »

Mein Lieblingstext ist "O komm, Du Geist der Wahrheit" von Heinrich Spitta, EG 136.
Philipp Spitta. Sorry, ich muss kurz klugscheißen, immerhin war er kurzzeitig Superintendent in meiner Heimatstadt. Sein Text gefällt mit ebenfalls am besten auf diese Melodie.

Viele Grüße
Trompetendulzian
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Wichernkantor
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« Antworten #7 am: 09. Oktober 2018, 20:47:11 »

Jo, stimmt. Heinrich war Philipps Bruder und Theologieprofessor in Straßburg.
LG
Michael
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« Antworten #8 am: 10. Oktober 2018, 00:22:06 »

Auch im (Erz-)bistum Bamberg haben wir übrigens beide Melodievarianten zur Verfügung. Im Regionalteil ist seit der Neuauflage "Vertraut den neuen Wegen" drin mit der ryhtmischen Melodiefassung inkl schönem Schlenkerla am Schluss Freundlich Quellangabe ist "M: geistlich Nürnberg um 1535, Böhmische Brüder 1544, bei Otto Riethmüller".
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Larigot
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« Antworten #9 am: 10. Oktober 2018, 18:55:26 »

inkl schönem Schlenkerla am Schluss Freundlich

In der ursprünglichen Volksliedfassung gab es deren sogar noch einige mehr, wenn man dieser Aufzeichnung Glauben schenken darf.
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