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Autor Thema: Bemerkenswertes YT-Projekt  (Gelesen 490 mal)
Romanus
Allwissendes Orakel
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« Antworten #10 am: 15. April 2018, 13:32:06 »

Gestern stieß ich auf ein etwas skurilles Video, eine mehr als viertelstündige Vorstellung einer analogen Domus (Viscount) DK-800, die vor einer denkmalgeschützten, unrestaurierten (und nicht mehr benutzten) Pfeifenorgel in einer Allgäuer Pfarrkirche aufgestellt ist.
Nicht dass ich ein Fan dieses Orgelmodells wäre, aber eines muss zur "Ehrenrettung" der Viscount Domus DK-800 gesagt werden: Schlaumeier
Diese Orgel wurde vor 30+ Jahren in Mondaino, Italien produziert und hat(te) einen (für die damalige Zeit, als digitale Kirchenorgeln noch in den Kinderschuhen steckten und für normalsterbliche unerschwinglich teuer waren !!!) durchaus ordentlichen Klang. Die im Video zu hörenden, in der Tat grauenvollen Klänge sind durch die mehr als unprofessionelle Aufnahmetechnik total entstellt und können keinesfalls als "Referenz" für den damaligen Viscount-Klang gelten.

Woher ich das weiß ???
Ich erinnere mich noch, als ob es gestern gewesen wäre:
Herbst 1985, meine Eltern und ich im Musikhaus Reisinger in Wien (damals noch in der unteren Mariahilfer Straße, nahe der Stiftskirche), nach einer leistbaren Alternative zu meiner altersschwachen RIHA Classica suchend. Diese hatten wir erst ein halbes Jahr zuvor als Gebrauchtorgel ebendort erstanden, die für meine damaligen Ohren gar nicht schlecht klang, uns aber mit ihrer nicht enden wollenden Defektanfälligkeit zur Verzweiflung getrieben hatte.
Mein Blick schweifte sehnsüchtig zu einer - für mich und meine Eltern damals unleistbaren - Johannus mit Pfeifenprospekt, da kam der damalige Geschäftsführer, Herr Norbert Ludwig (ein äußerst kompetenter und kundenfreundlicher Hobby-Organist) zu uns und sagte feierlich: "Es gibt etwas neues !" Er zeigte uns einen Prospekt "Viscount church models" und rechnete uns vor, wie sich die Domus DK-40 - unter Inzahlungnahme zweier Gebrauchtorgeln rechnerisch ausginge.
Nachdem die DK-40 ein Auslaufmodell und - wie sich bald herausstellte - nicht mehr verfügbar war, wurde es schließlich die größere Domus DK-50. Diese hatte fast die gleiche Disposition wie die im Video zu sehende DK-800, ebenfalls 37 Register, allerdings einen geringeren Manual-(C-g3) und Pedalumfang(C-d1) und keinen Crescendo-Schweller. Beim ersten Ausprobieren im Musikhaus Reisinger war ich mit dem Klang absolut zufrieden.
Die Domus DK-50 hat bei mir immerhin 11 Jahre lang (1985-1996) treu gedient (so lang wie keine andere meiner durchaus zahlreichen Ex-Orgeln !), mit geschickter, trickreicher Registrierung waren ihr einigermaßen hübsche Klänge zu entlocken und sie hatte kaum Defekte. Ich habe damals sogar 2 MCs an ihr aufgenommen, wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich sie in mp3 konvertieren und eine Kostprobe daraus online stellen.
Erst im Oktober 1996 leistete ich mir meine allererste Digitalorgel, eine Johannus Wesley Allegro 30, die im Vergleich zur Viscount einen klanglichen Quantensprung bedeutete, allerdings den Nachteil einer beschränkten Polyphoniekapazität hatte, aber das ist ein anderes Kapitel, worüber ich mich in diesem Forum bereits mehr als erschöpfend geäußert habe.  Augenrollen
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Die einzig wahre Königin ist die Pfeifenorgel.
Etwas gleichwertiges muss erst erfunden werden !
Martin78
Allwissendes Orakel
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« Antworten #11 am: 15. April 2018, 13:41:14 »

Danke fürs Teilen deiner Erfahrungen und die zeitliche Einordnung!
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Gloria Concerto 350 Trend
Hornprinzipal
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Beiträge: 107



« Antworten #12 am: 15. April 2018, 19:12:48 »

Beim Stöbern im www stieß ich auf folgendes:

https://www.youtube.com/watch?v=y7BkISArVPk

Weitere Recherche ergab, dass der Autor und Interpret mittlerweile rund 180 (!) dieser Dorforgelporträts gemacht hat. Es sind überwiegend Instrumente aus der Region Osthessen, hessische/bayerische/thüringische Rhön, Thüringerwald etc. erfasst.

Ich bekenne mich schuldig und habe ein schlechtes Gewissen, dass ich Euch den Kanal vorenthalten habe. Ich habe ihn schon vor etlichen Wochen abboniert.

Was dieser ehrenamtlich tätige Kollege hier leistet, das ist einen Orden Wert!

Neben Familie und Beruf als Großhandelskaufmann, ist er noch Chorleiter,
(ok, bis hier her können viele von uns noch mithalten)
war bis vor einigen Jahren noch Kreischorleiter des Fulda-Rhön-Sängerbundes,
er arrangiert und komponiert:
https://www.youtube.com/watch?v=eq8ak5Sllx4
forscht er über einen vergessenen regionalen Komponisten:
http://www.fuldaer-nachrichten.de/?p=134133
und editiert dessen Werke:
http://imslp.org/wiki/Category:Pirkl,_Thorsten
und macht dann noch diese tollen Orgelporträts mit jeweils gut ausgesuchten passenden Orgelwerken, von Komponisten deren Namen ich noch nie gehört oder gelesen habe.

Chapeau!!
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PM
Gelehrter
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Beiträge: 137



« Antworten #13 am: 17. April 2018, 19:49:41 »

 Danke Sehr sehens- und hörenswert!
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„Bach ist Anfang und Ende aller Musik, auf ihm ruht und fuszt jeder wahre Fortschritt“  - Max Reger
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