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Autor Thema: Christmette - Stille Nacht oder doch lieber mit "Bums"?  (Gelesen 627 mal)
jogo31
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« am: 04. Dezember 2017, 12:31:44 »

Spätestens mit der Christmette ist die Adventszeit vorbei. Jesus Christus ist geboren und zwar mit himmlischen Heerscharen die "Gloria" frohlocken. Sollte man jedenfalls meinen. Denn obwohl das "Gloria" im Mittelpunkt der Christnacht steht "fallen" wir - aus romantischen Gründen - am Ende der Christmette ins melancholische "Stille Nacht" zurück, obwohl mir persönlich eher nach einem kräftigen "Christus ist geboren, Halleluja" oder zumindest einem "O du fröhliche" mit Pauken und Trompeten zu Mute wäre. Und eigentlich wäre das auch dramaturgisch konsequent meiner Meinung nach. Kurz: Ich hätte große Lust dieses Jahr das "Stille Nacht" in die häusliche Weihnachtsfeier zu "verbannen" und den Gottesdienst einmal mit Jubelchören enden zu lassen.

Kann man das mal machen?
Muss ich mit einem Lynchakt rechnen?
Habt ihr die "Stille Nacht" schon mal weg lassen?
Was denkt ihr?

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Romanus
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« Antworten #1 am: 04. Dezember 2017, 12:38:33 »

Man kann dazu stehen, wie man will, aber das "Stille Nacht" ist einfach "das" Weihnachtslied, auf das alle warten, bei uns kommt es in der Christmette und am 1. Weihnachtstag immer als Danklied (dazu wird das Licht extra gedimmt !), würden wir es einmal weglassen, gäb´s vermutlich eine echte Revolte der Gläubigen !  Böse Zum Einzug singen wir bei der Christmette und am 1. Weihnachtstag immer "O du fröhliche", okay, nicht sehr abwechslungsreich, aber ich habe einfach keine Lust, wenn ich nach der Christmette um ca. 02:00 heimkomme, noch für den Christtag ein komplett anderes Programm zu üben.
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Die einzig wahre Königin ist die Pfeifenorgel.
Etwas gleichwertiges muss erst erfunden werden !
Wichernkantor
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« Antworten #2 am: 04. Dezember 2017, 13:16:14 »

An den Schluss einer ev. Christvesper gehört hierzulande "O du fröhliche". Aber die "Stille Nacht" wird immer in Nähe zum Weihnachtsevangelium "eingebaut". Gut, ich könnte es wegfeilschen - aber ich mache das nicht mehr. Die Leute "brauchen" das - da sollen sie es halt haben.

Als "junger Wilder" habe ich meinen Protest immer dadurch zum Ausdruck gebracht, dass ich ein möglichst herbes Vorspiel benutzt habe (Hermann Schroeder o.ä.) - die Vorspielbände der 70er und 80er strotzten vor "Protestkompositionen". Und im Begleitsatz habe ich ausschließlich die Akkorde der Kadenz verwendet - damit auch jeder merkt, wie banal die Melodie gestrickt ist.

Inzwischen bin ich da etwas kompromissbereiter geworden. Die Leut' kriegen ein "inniges" Vorspiel in pastoralem Duktus und einen schönen, würzigen Begleitsatz voller Spezereien aus der harmonischen Trickkiste.
Der Originalsatz des Oberndorfer Schulmeisterleins war ja für Klampfe - also ein damaliges NGL.  Lachen

LG
Michael




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jogo31
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« Antworten #3 am: 04. Dezember 2017, 14:23:55 »

Ich muss mal erklären wie das bei uns so abläuft.

Am Anfang der Christmette ist noch alles auf Advent eingestellt, es beginnt im Dunkeln (nur die Kerzen brennen) mit einem mediativen Orgelspiel, darauf erfolgt ein Adventslied, meistens "Macht hoch die Tür" oder "Tauet Himmel den Gerechten" - dann singt der Kantor das Invitatorium "Herr öffne meine Lippen" mit dem Psalm 95 - dann singt der Priester die Ankündigung des Weihnachtsfestes nach dem Martyrologium - es folgt das Gloria in excelsis, während dessen das Licht angeht und der Priester das Kind feierlich in die Kirche trägt und in die Krippe legt. Dann geht es mit dem Tagesgebet weiter. Die Festlichkeit steigert sich also permanent und fällt am Ende der Mette plötzlich wieder ab. Das find ich irgendwie schade.
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Jesaiah
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« Antworten #4 am: 04. Dezember 2017, 15:03:07 »

Ich muss mal erklären wie das bei uns so abläuft.

Am Anfang der Christmette ist noch alles auf Advent eingestellt, es beginnt im Dunkeln (nur die Kerzen brennen) mit einem mediativen Orgelspiel, darauf erfolgt ein Adventslied, meistens "Macht hoch die Tür" oder "Tauet Himmel den Gerechten" - dann singt der Kantor das Invitatorium "Herr öffne meine Lippen" mit dem Psalm 95 - dann singt der Priester die Ankündigung des Weihnachtsfestes nach dem Martyrologium - es folgt das Gloria in excelsis, während dessen das Licht angeht und der Priester das Kind feierlich in die Kirche trägt und in die Krippe legt. Dann geht es mit dem Tagesgebet weiter. Die Festlichkeit steigert sich also permanent und fällt am Ende der Mette plötzlich wieder ab. Das find ich irgendwie schade.

Man könnte das aber auch so sehen: Der Kreis schließt sich. Wir schließen in der Pfarre auch immer mit Stille Nacht ab. Es ist ja Nacht, und das Kindchen soll auch seinen Schlaf bekommen, so gesehen nicht unstimmig.
Für mich ist Weihnachtsfreude ist Osterjubel, aber das ist Geschmack und Lokaltradition.

Gelyncht würde bei uns fürs Weglassen keiner, aber die Besucherzahl im kommenden Jahr ... hm.
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"Ahoi da drin, hätten Sie vielleicht Interesse an einer Dampforgel?"

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« Antworten #5 am: 04. Dezember 2017, 19:39:02 »

Hallo,

unsere lokale Tradition: Als Dankgesang gibt es "O du fröhliche". Nach dem Segen und dem "Ita missa est" wird das Licht gelöscht und das unvermeidliche "Stille Nacht gesungen". Dann geht das Licht wieder an und zum Auszug kann festliche Orgelmusik geschmettert werden.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
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clemens-cgn
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« Antworten #6 am: 04. Dezember 2017, 19:46:02 »

Den geschichtlichen Kontext, habe ich ähnlich wie Wichernkantor.
Auch für Stille Nacht gibt es im Gemeinde-KV-Buch einen Beschluß (von 1989), also lange vor meiner Zeit, mit dem ich sehr gut leben kann: "In allen Hl. Abendgottesdiensten soll "Stille Nacht" vorkommen. Der jeweilige liturgische Einsatzort ist von den Gestaltern so zu wählen, daß das Volkslied weder als Introitus, noch als Schlußlied Verwendung findet. " Mein Vor-Vorgänger hat mir damit wirklich einen Gefallen getan.
Als Vorspiel zu Stille Nacht benutze ich gerne V. Gollers Vorspiel aus Op. 58 einschl. seines dort abgedruckten Begleitsatzes. Die Begleitung nur mit 8+4´Gedackten und Flöten im Manual, Ped. 16´+8´. Die weiteren Verse werden in der Begleitung immer harmonisch (H. Oxley und R. Lloyd) entfremdender.
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« Antworten #7 am: 04. Dezember 2017, 19:49:10 »

Hallo,
Der jeweilige liturgische Einsatzort ist von den Gestaltern so zu wählen, daß das Volkslied weder als Introitus, noch als Schlußlied Verwendung findet.
als Schlusslied hat es halt den Vorteil, dass es liturgisch nicht mehr richtig zum Gottesdienst gehört.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
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Gemshorn
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« Antworten #8 am: 04. Dezember 2017, 19:50:24 »

Stille Nacht steht auch hierzulande in jedem Kirchlein und jedem Dom am Ende der Christmette.
Ein etwas eigenwilliger Kollege erkühnte sich vor Jahren, das Lied an die Position Zur Gabenbereitung zu verschieben. Mehr hat er nicht gebraucht; nach der Messe wartete tatsächlich eine ganze Rotte erboster Gläubiger vor dem Emporenaufgang, um den Rebellen zur Rede zu stellen. Es fehlte nur noch, dass sie mit Fackeln und Mistgabeln in den Händen angerückt wären. Jedenfalls war den Leutchen „ihre“ Christnacht durch die Umstellung gründlich vergällt worden...

Meine These: Der Verzicht auf das finale Stille Nacht kommt einem emotionalen coitus abruptus gleich. duck und weg
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Gloria Concerto 234 DLX Trend
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« Antworten #9 am: 04. Dezember 2017, 21:27:24 »

Es war sicher ein coitus interruptus gemeint. Verwirrt
Coitus abruptus wäre vielleicht, das Lied bereits zum Einzug zu singen.
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