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Autor Thema: Viscount Physis Technologie - Softwarestand V1.14.0  (Gelesen 1208 mal)
Machthorn
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« Antworten #10 am: 25. Oktober 2017, 23:59:53 »

Das hat was mit persönlichem Geschmack zu tun. Ich mag es, wenn ein 2'-Prinzipal etwas spuckt. Meine Klassik tut das in den barocken Intonationen, die Gloria Optimus auch. Sogar meine Dienststeinmeyerin spuckt etwas trotz eher symphonischer Intonation. Sehr schön zu hören ist das am Beispiel der Nordener Schnitgerin hier ab ca. 3:25:
https://www.youtube.com/watch?v=CodBVtskkCw

Ich kann mir nicht helfen, aber genau das hat mir schon bei meiner allerersten Begegnung mit der Concerto gefehlt, ohne es da schon genau benennen zu können. Mit etwas mehr Begegnung verschiedener Concertos habe ich herausgefunden:
- Symphonisch klingt immer gut
- Flöten klingen immer schön
- Prinzipale bis 4' klingen auch gut
- Barockes Plenum wirkt auf mich künstlich, irgendwie steril, weil der für mich entscheidende hochlagige Spuck fehlt.
Letztes Jahr im September haben Klaus und ich bei Kisselbach die Optimus und die Concerto (234?) genau daraufhin verglichen und er hat mir bestätigt, dass er genau diesen zarten Spuck bei der Optimus ebenfalls schön findet und ihn bei seiner Concerto bei keinem 2'-Prinzipal finden konnte.

Das mag inzwischen spinnert klingen, fast manisch. Aber es ist wie mit dem kleinen schwarzen Fleck auf der weißen Wand. Wer ihn einmal entdeckt hat, wird immer wieder dort hinsehen und sich immer wieder neu daran stören. Ich hätte keine Freude an einer teuren Orgel, bei der ich diesen zugegeben vielleicht kleinen Makel unabänderlich immer wieder hören müsste. Solange das nicht beseitigt ist, kommt mir keine Physis-Orgel ins Haus.

Natürlich ist auch meine kleine Klassik nicht frei von Mängeln und die Concerto kann vieles sicherlich besser. Aber diese kleinen Mängel stören mich eben nicht. Zwei Dinge konnte ich intonatorisch ausgleichen, an eins muss ich noch ran, mit dem Rest kann ich als Charaktereigenschaft gut leben.
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Gloria Klassik 226 Trend
Michal
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« Antworten #11 am: 27. Oktober 2017, 14:49:26 »

Ich hab' momentan wenig Zeit, daher nur ein kurzes Posting.

Jetzt erst habe ich erst wirklich verstanden wo die Kritik bei den Zweifüßern überhaupt liegt. Es ist das Spucken, das hier manchem fehlt! Ich liebe das Spucken. So richtig barockes Spucken.
Jetzt sind die Unicos nicht so ganz sehr für nur den Deutschen Markt ausgelegt (Referenz kann nicht erbracht werden, sondern ist einfach meine Menung) und zumindest mein EU-Modell hatte auch in der barocken Stimmung nur wenig Spucken - generell. So mein Eindruck.
Weil - man kann es auf Wikipedia nachlesen - "Eine Klangverschmelzung kann nur durch die richtige Intonation erzielt werden [...] Ansprachegeräusche, wie Spucken und zischende Vorläufertöne, müssen minimiert werden."
Man bedenke, bei PM verhalten sich diese Ansprachegeräusche nicht statisch sondern DYNAMISCH! Das kann etwas viel Geräusche mit sich bringen, wenn man nicht sehr sparsam registriert. Gerade bei der Verschmelzung wurden den ersten Physis-Gehversuchen Mankos nachgesagt. Einzelstimmen begeisterten, aber das volle Werk war irgendwie ein Brei (noch zumal bei viel Hall).

Aber "Spucke" musste in die Suppe Freundlich

Ich habe daher schon gleich als ich die Orgel bekam die Air-Noise und andere Parameter zugunsten mehr "Spucken" verstellt. Das Ergebnis, wenn man richtig in die Vollen ging, war aber alles andere als gut. Zu viel "Air" war eher wie ein Luftkompressor oder wie bei den Synths, wenn man rosa oder weißes Rauschen zumischt um perkussivere oder flötenartigere Effekte zu erzielen. Es war auch sehr statisch - eben wie Rauschen.
Mir hatten auch die Pedal-Labialen zu wenig Anlauftöne/zeit und überhaupt. Irgendwie passte das alles nicht so richtig. Ich habe dann Viscount darum gebeten mir eine Intonationshilfe für eine barocke  Intonation zu geben.
Die sagten, das sei nicht nötig. Meine Intonation sei schon genau die, die ich gewünscht hatte, nämlich die, die ich auch live beim Concorso Organistico Marcello Galanti in 2011 hörte, die mir vor Ort so gut gefiel, dass ich genau diese Orgel mit der Pipe 39-Abstrahlung wollte.

Um es kurz zu machen: meine Synthesizer und Hammond-Spieltechnik ist im Vergleich zu derer eines richtigen Pianisten oder erfahrenen Organisten, der auf mechanischen Trakturen gewohnt ist zu spielen, vollkommen kraftlos. Ich hebe auch die Hände nicht von den Tasten ab - wie beim Klavierspielen nötig. Ich spiele relativ schnell, aber eben eher "wischend" als akzentuiert (so Hammond-Style halt). Und das offensichtlich sogar bei einer Druckpunktklaviatur, die aber in der Fatar-Holzversion (zumindest meine) sehr leichtgängig ist (geht schon fast als Waterfall-Klaviatur durch, was mir an sich sehr recht ist).
Man riet mir die Anschlagdynamik auf "Soft" zu stellen und auch die externe Abstrahlung anzuschalten (das machte ich vorher zum Probehören eigentlich nicht, denn die minderwertigen Verstärker darin - mein größter Kritikpunkt an Viscount waren immer die minderwertigen PA-Verstärker - rauschen und wie soll ich Rauschen aus Rauschen raus hören?

Und siehe da, nun spuckt es wie Sau - und rauscht (außer aus den Verstärkern) gar nicht.
Meine 2er-Blockflöte spuckt wie wenn ein Kind mit Zahnspange und viel Spucke diese bläst.
Die Prinzipale weniger, aber auch die Doublette spuckt, wenn auch nur bis zum eingestrichenen Oktave (ganz oben raus - jenseits der 8kHz-Zone -  hat Physis leider eine gewisse Schwäche, aber eben nicht in der Region, die in dem Video-Link bei der Registervorstellung als Referenz gepostet wurde.

Also wenn die Kritik wirklich nur das Spucken betrifft, dann ist das eine Frage der Einstellungen.
Der Witz ist, dass ich schon vor dem Tipp versuchsweise die Anschlagdynamik auf "Hard" gestellt hatte. Dies in der irrigen Meinung, dass dann mehr "rauskommen" müsse. Das Gegenteil ist der Fall. Auf "Hard" ist weniger Dynamik und weniger Beeinflussung der Töne wenn man nicht auch wirklich sehr hart anschlägt, als auf Soft. Das meiste Spucken hat man übrigens bei Fix 127 (aber halt dann keine Anschlagdynamik mehr).

Das ist Physis. Sachen gibt es da, die es anderswo gar nicht gibt. Aber wissen muss man es halt, gell. Deswegen irgendwo mal in einem Verkaufsraum spielen - ist keine Basis für eine Klangbewertung - nicht bei Physis!
Und man braucht bei Physis echt jemanden, der einem zur Seite steht oder die Orgel eben gleich so intoniert (und einstellt!!!) wie man es haben möchte. Deswegen sind die Concertos auch vorne. Hier steckt halt mehr Anpassungs-Mühe drin.

Und das erklärt auch warum einer wie Aeoline, der sich ganz offensichtlich viel in die Unico eingearbeitet hat, so manchen Kritikpunkt gar nicht nachvollziehen kann.

Zitat: "But the real interest of physical modeling is not so much how realistic it can be but how natural and expressive it is. As we explained previously, physical modeling generates sound in response to input signals. Its output is not deterministic and always varies depending on the nature of the control signals and what is being played. In other words, it is dynamic and this is how real life instruments behave!"
Quelle: https://www.applied-acoustics.com/techtalk/physicalmodeling/

... dieser Artikel sei auch bezogen auf de Thread "Was ist PM eigentlich" wärmstens empfohlen mal komplett zu lesen Freundlich U. a. zum Thema: "Minisamples".

PS: dass die Velocity-Kurve im letzten 13er-Update überarbeitet wurde überliest man gerne, ist aber gar nicht so unwichtig.

PPS: zu den Verstärkern der Pipes muss man auch sagen, dass die natürlich nicht fürs Wohnzimmer gemacht sind, sondern für große Beschallung. Allerdings: dass man ohrenbetäubenden Lärm auch ohne Rauschen aus dem D-Class-Verstärker machen kann, stellt Hammond-Suzuki unter Beweis - also doch eine Frage der Qualität.
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Michal
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« Antworten #12 am: 27. Oktober 2017, 14:49:57 »

Mist, kurz war das wieder nicht gerade Freundlich
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« Antworten #13 am: 27. Oktober 2017, 17:16:42 »

aber GUUUUT Danke
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Gemshorn
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« Antworten #14 am: 27. Oktober 2017, 17:40:48 »

Irgendwann möchte ich mal erklärt und vorgeführt bekommen, was an den Zweifüßern fehlt.
Lieber Aeoline, guckst du hier mal: http://www.ahlborn-orgeln.de/einmanualig.html
Am Ende der Seite ist eine Registerdemo, da kannst du den 2' anwählen und hören. Hernach magst du uns sagen, welches Physisregister da auch nur in die Nähe kommt.

Generell möchte ich sagen: Auch die Zweifüßer der Concerto "spucken". Aber eben nicht so, wie ich es gerne hätte. Und ab der zweigestrichenen Oktave verflüchtigt sich das initale Spucken sehr rasch, sodass im oberen Diskant ein steriler Klangeindruck entsteht.

Bitte, Michal: Wo stelle ich diesen Anschlagdynamik-Parameter ein? Stehe ich komplett am Schlauch??
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Martin78
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« Antworten #15 am: 27. Oktober 2017, 18:07:23 »

Bitte, Michal: Wo stelle ich diesen Anschlagdynamik-Parameter ein? Stehe ich komplett am Schlauch??
Ist das nicht "Tracker Touch" im Util./Midi-Menü?

Ich brenne schon darauf, an diesem von mir bisher gänzlich vernachlässigten Parameter rumzuspielen ...

Wundertüte Physis!

P.S. Danke schon jetzt an Michal, Aeoline, Machthorn etc. für die guten Physis-Diskussionen hier, die ich interessiert verfolge!  Danke Prost!
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Martin78
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« Antworten #16 am: 27. Oktober 2017, 18:10:41 »

Lieber Aeoline, guckst du hier mal: http://www.ahlborn-orgeln.de/einmanualig.html
Danke für den Link!
Das finde ich alles SEHR überzeugend, bis auf zwei Sachen:
- Zusatzstimme Piano (um der liturgischen Verwendbarkeit sollte so ein Instrument auf jeden Fall eine Klavierstimme haben)
- die Mixtur. Wenn man sie "so" anklickt, klingt sie mit der Rohrflöte zusammen wirklich gut, aber im Plenum (Setzer 7 drücken) klingt sie irgendwie klingelig, grell und steril. Ob das am Zusammenspiel mit dem Spuck-2' liegt?
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« Antworten #17 am: 27. Oktober 2017, 20:13:51 »

Ja, ist im Util-/Midi-Menue. Zuerst "Tracker-Touch" anschalten (sonst hat die Anschlagdynamik nur auf die Orchesterstimmen Auswirkung) und dann unter "Pedal/Keyboard Touch" für jedes Manual und das Pedal die Werte einstellen (TIP: wenn man die Fix-Werte auswählt, kann man die rauf und runterlaufen lassen und dabei immer wieder die Klaviaturtaste drücken und man hört den Unterschied der Anblas- und Spuckgeräusche - und auch der Ansprache der Labialen überhaupt - sofort auch ohne dass man anschlagdynamisch spielt).
Und noch etwas am Rande: die Anschlagdynamik wirkt auch in umgekehrter Richtung, also beim Loslassen der Tasten (die Lingualen reagieren gar nur auf diesen "Release"). Ich höre bei den Zungen aber kaum etwas - vielleicht habe ich da noch nicht kapiert auf welchen Unterschied ich hinhören soll - wenn's jemand weiß, bitte posten!!

PS: Anschlagdynamik bedeutet, dass diese auf Beschleunigung und nicht auf Kraft beim Spiel wirkt. Kraft in Form von "mechanischer Traktur mit allen Koppeln-Spielen" macht auf die Anschlagdynamik keinen Eindruck. Kraft wäre beim After-Touch der entscheidende Auslöser (nur mit After-Touch lässt sich übrigens eine Theater-Orgel stilgerecht spielen - leider hat die Viscount Klaviatur kein Aftertouch). Aber wenn man eine mechanische Traktur beeinflussen will muss man ja auch langsamer oder schneller drücken - somit stimmt die Funktionalität bei der mechanischen Traktur-Pfeifenorgel hier schon überein.
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Aeoline
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« Antworten #18 am: 27. Oktober 2017, 20:18:16 »

Lieber Michal,

ich freue mich ungemein, wieder von Dir in diesem Forum zu lesen.

Ich hab Dir und Deinem Physis-Sachverstand sehr viel zu verdanken. Als ich in 2012 auf Orgelsuche ging, habe ich ungeheuer viel von Dir gelernt. Vielleicht hätte ich das weiße Schätzchen heute nicht im Wohnzimmer stehen, wenn Du mich damals nicht so ausführlich an die Hand genommen hättest.

 Anbetung

Welcome back!

LG
Aeoline
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Viscount Unico 400 DE V1.13.1 (56/III/P) (seit 11.2012)
Johannus Opus 520 (45/II/P) (10.1987 bis 11.2012)

Die meisten Organisten leiden an einer schlimmen Krankheit:
Augentinnitus! - Man(n) sieht nur noch Pfeifen...
Gemshorn
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« Antworten #19 am: 27. Oktober 2017, 20:29:10 »

Auch von mir herzlichen Dank für die vielen, vielen Einblicke! Anbetung
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Gloria Concerto 234 DLX Trend
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