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Autor Thema: Kienle's Resonatoren  (Gelesen 617 mal)
Michal
Novize
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« am: 21. Oktober 2017, 01:32:07 »

Ja, der Grund warum eine Pfeifenorgel immer gleich einen Eindruck macht, ist weil sich jemand zuvor, nämlich der Orgelbauer schon den Kopf zermartert hatte und viel probiert hatte um diese Orgel für den Raum passend, funktionierend und beeindruckend zu machen.

Warum ich nun spät Nachts schreibe (ist voll Off-Topic und muss vermutlich vom Admin verschoben werden) . Die Kienle Resonatoren. Anne, bitte erzähle! Ich habe einiges gelesen, aber nie welche gehört. Ich bin meganeugierig!!! Eigentlich müssten die die Krönung vom elektrischen Orgelklang sein.
Ich kann nur aus meiner Erfahrung sagen, dass genau die Pfeifen in den Pipe27/39 eine wichtige Diffusor-Rolle spielen. Ohne diese kommt der Schall aus den dahinter liegenden Lautsprechern viel zu direkt. Das weiß ich, weil ich es gehört habe, weil welche bei Lieferung verkratzt waren und die wieder zum Polieren eingeschickt wurden – nur die Pfeifen und nicht die ganzen Lautsprecher – und während die Pfeifen weg waren klang alles viel steriler und viel zu direkt einfach.
Aber wenn Röhren/Pfeifen selbst die Resonatoren sind, müsste es wirklich orgelmäßig saugut klingen. Und dies trotz der ganzen Frequenzproblematiken usw. die man dem Kienle-System nachsagt. Ein gleichmäßiger phasenstabiler Frequenzgang ist m. E. eine überschätzte Sache und manchmal sogar unnatürlich für das Ohr.

Anne erzähle bitte – ich platze vor Neugierde. Vielleicht ist eine gute Samplingorgel mit echten Resonatoren wirklich eine sehr, sehr gute oder gar die beste Lösung. Schließt man an einen so lala Hammond-Klon (z. B. Creamware 4000) ein echtes Leslie an, ist das System auch gleich 100% besser und vielleicht sogar besser wie der beste PM-Klon (HX3) ohne physischem Leslie (obwohl die Rotationslautsprecher ein im Wohnzimmer dermaßen nerviges Windgeräusch machen wie ein Riesenventilator – von Frequenzgang braucht man gar nicht erst reden und die Phasenlage zerstören die ja konstruktionsbedingt).
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clemens-cgn
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« Antworten #1 am: 21. Oktober 2017, 13:58:09 »

Hallo Michal,
meine damalige Einladung nach Köln (mit fußläufig erreichbarem Landungssteg am Rhein) steht immer noch.
Bei mir ein LS-bestückter Pfeifenprospekt (auch ohne LS-Treiber) geraten bei passender Frequenz die Luftsäulen in Schwingungen (fühlbar). Die Blindpfeifen haben gleichzeitig Diffusorfunktion. In der Kirche steht eine (im Bypass geschaltete) 5-fache Conn-Resonatorenbatterie. Die keine Kraft bringen (sollen), aber die Obertöne z.B. eines Gedackt produzieren und damit das Klangbild erheblich bereichern. Daß da etwas fehlt, fällt erst auf, wenn man die Resonatoren abklemmt. Durch die Resonatoren entsteht im Raum eine Lebendigkeit des Tones und damit eine gewisse Tragfähigkeit des Klanges, den LS nur mit Erhöhung des dB-Levels versuchen zu erreichen.
Lieben Gruß
Clemens
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Michal
Novize
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« Antworten #2 am: 21. Oktober 2017, 17:28:37 »

Hallo Clemens, toll, dass Du mitliest! Du gehörst sicher zu den wissensten und glaubhaftesten Leuten, von denen ich je was gelesen habe. Ich glaube Dir also gerne. Trotzdem, will ich gerne mal vorbei schauen. Heute bin ich an, respektive in mitten der Donau (Walhalla) - fette 175-Jahr-Party. Dann ist Winterlager, aber nächstes Jahr würde ich echt gerne den Rhein zu Tal kommen! Hab nur Angst ich könnte mich als Musiklegastheniker bei so einem Organisten wie Dir lächerlich machen. Werde also über den Winter mal am Selbstbewusstsein arbeiten Freundlich Danke nochmals für die Einladung!!!
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clemens-cgn
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« Antworten #3 am: 21. Oktober 2017, 20:34:15 »

Hallo Michal,
da freu ich mich wirklich, wenn Du kommst. Es wird ein sicher spannend reichhaltiges Austauschprogramm auf vielen Ebenen und Themen geben. Übrigens: bei mir hat sich noch nie ein Besucher musikalisch lächerlich gemacht. Ganz im Gegenteil. Weil jeder so ein Instrument anders anpackt, bleibe ich immer als Beschenkter mit neuen Erkenntnissen und Ideen zurück  Lachen. Dein musikalischer Horizont reicht ja ziemlich weit über die sakrale Klangwelt hinaus. Evtl. kriegen wir bei der Gelegenheit meine Vox Humana ja dem Klangideal von Wurlitzer i.V. mit Tremolo gemeinsam etwas näher Zwinkern.
Besitzt Du zufällig den Physis-Editor zum Piano? Nach LektüreMichal-/Machthorndisputes drängt sich mir ein Eindruck auf, den gerne mit Dir im geschützten Raum mal debattierte....
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Machthorn
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« Antworten #4 am: 23. Oktober 2017, 19:59:32 »

Ich habe mich keineswegs ausgeklinkt gehabt, war nur übers Wochenende nicht zuhause.
Zitat
Die ursprüngliche Frage wurde mit zwei Konzepten "beantwortet", von denen sich das eine an der offiziellen Diktion von Viscount orientiert, das andere aber ein - ich gebe zu: vielschichtig durchdachter - Eigenentwurf ist, der jedoch deutlich von der Sprachweise des Produzenten Viscount abweicht. Die Tatsache, dass nicht beide Konzepte zugleich wahr sein können, führte ja erst zur Entstehung dieses Threads.
Soweit ich sehe, ließ sich in der Frage nach der Wahrheit des einen oder des anderen Konzepts bisher kein Konsens erzielen.
Die Wahrheit kann nur Viscount selbst offenlegen. Wir können hier nur Wahrscheinlichkeiten anhand von Anhaltspunkten erörtern. Diese sind aus meiner Perspektive:
  • Veröffentlichungen seitens Viscount inkl. "zwischen den Zeilen lesen"
  • Von Physis angebotene Eingriffsmöglichkeiten
  • Klang
  • Fähigkeiten zum Zeitpunkt des Erscheinens verfügbarer Hardware
  • Betriebswirtschaftliche Aspekte
Aus meiner Sicht wurden alle verfügbaren Informationen ausgetauscht. Jetzt darf ein jeder für sich selbst entscheiden, wie er die Wahrscheinlichkeiten einschätzt. Wenn allerdings jemand noch Informationen hat, die hier unberücksichtigt geblieben sind, fände ich es sehr interessant, diese zu lesen, ich bin immer neugierig etwas dazuzulernen!
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Machthorn
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« Antworten #5 am: 23. Oktober 2017, 20:11:11 »

Zitat
Vielleicht ist eine gute Samplingorgel mit echten Resonatoren wirklich eine sehr, sehr gute oder gar die beste Lösung.
Meine Erfahrungen mit Kienle-Resonatoren stammen allesamt aus älteren Orgeln, vermutlich noch ohne nenneswerten Intonationseingriff. Die sind durchgängig ernüchternd gewesen. Resonatoren sind wie der Name schon sagt Resonanzkörper. Sie verstärken allerdings nicht sondern wirken jeder für sich ein wenig wie ein eng gefasster Bandpass. Frequenzen außerhalb dieser Bandpässe (und das sind vor allem die hohen Teiltöne) wirken somit stark gedämpft, weil sie mit keinem der Resonatoren in Interaktion treten. Ergo klangen die gehörten Orgeln sehr dumpf.

Ich glaube aber schon, dass das Konzept prinzipiell viel Potential hat. Ich durfte schon Anfang der Neunziger eine Woop hören und spielen, die über sogenannte "Digitalpfeifen" verfügte. Im Gegensatz zu Kienle stecken dort die Lautsprecher im Fuß der passenden Metallröhren (in der Front in Pfeifenoptik). Dabei bekommt jeder Lautsprecher nur die zu seiner Röhre gehörenden Töne zugespielt. Das Konzept ist sicherlich extrem aufwändig, klang aber schon vor über 25 Jahren äußerst realistisch und war kaum noch von einer echten Pfeifenorgel zu unterscheiden.

Wie ein Resonator an einer aktuellen darauf intonierten DO klingt, würde mich auch brennend interessieren. Vielleicht sollten wir doch mal ein Forumstreffen in Heimerdingen machen.
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Gemshorn
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« Antworten #6 am: 23. Oktober 2017, 21:22:38 »

Auch hierfür einen eigenen Thread, bitteschön.
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Machthorn
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« Antworten #7 am: 23. Oktober 2017, 21:28:18 »

Bei Kienle liegen die Lautsprecher wie eine große waagrechte Lautsprecherbox im Holzkasten, darüber ein gemeinsamer "Luftraum", aus welchem dann die Metallröhren nach oben rausgucken. Die Lautsprecher liegen also mit etwas Abstand unter den Röhren. Bei Woop lagen sie in den Röhren ganz unten - wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Allerdings gibt es Woop schon seit ein paar Jahren nicht mehr.
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PeterW
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« Antworten #8 am: 23. Oktober 2017, 22:45:54 »

Vor einigen Jahren waren wir (wer eigentlich alles? *grübel*) einen ganzen Tag in Ditzingen bei der Fa. Kienle und beäug-/hörten neben den Instrumenten aus Hoffrichters Manufaktur das damalige Resonatoren-Sortiment. Darunter waren sowohl die "Würfel" für  den Heimgebrauch als auch im Saal einige Batterien dieser Resonatoren unterschiedlicher Größe. Eine abschließende, sehr offene Diskussion bei Kaffee und vorzüglichem Kuchen mit dem jetzigen Geschäftsführer (Physiker) über Möglichkeiten und spürbare Grenzen der Resonatoren rundete unseren Eindruck ab. Zur todo-Liste gehörte damals eine stärkere Wiedergabe hoher Frequenzen, während tiefere beeindruckend "authentisch" herüberkamen.
Was sich in der Zwischenzeit getan hat, weiß ich nicht, sehe aber in der Wiedergabe hoher Frequenzen über Resonatoren physikalische Probleme. Wer weiß, vielleicht ist die Quadratur des Kreises inzwischen gelungen.
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+ 12.1.2018
wohli
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« Antworten #9 am: 24. Oktober 2017, 07:56:56 »

In der NAK Emden und Marienhafe hat es bis vor einigen Jahren WOOP-Orgeln gegeben, ich empfand den Klang als schauderhaft - zudem war die Haptik dieser Instrumente (Tastatur etc) gewöhnungsbedürftig und labberig ...

 Freundlich LG Bernd
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