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Autor Thema: High-Tech-Spieltisch für's Wiesbadener Kurhaus  (Gelesen 403 mal)
Wichernkantor
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« am: 14. Oktober 2017, 08:15:49 »

Mein Freund Andreas Seul, der sich weitgehend auf Spieltischelektronik spezialisiert hat und seine Werkstatt hier im Nachbarort betreibt, arbeitet gerade an einem interessanten Auftrag:

http://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/art457,330249

Ich schaue dieser Tage mal bei ihm vorbei und werde dann hier wohl aussagefähigere Bilder und mehr Informationen einstellen.
Anno 2013 hat Andreas unsere Orgel in der Wichernkirche generalüberholt und dabei Hauptwerk und Pedal midifiziert. Das war ziemlich tricky, weil es beim Einbau des Kontaktrechens um Zehntelmillimeter ging - und es funzt ausgezeichnet.

LG
Michael
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Machthorn
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« Antworten #1 am: 14. Oktober 2017, 09:37:08 »

Zitat
Ich bin der kleinste Global-Player der Welt
Sehr schön!  Lachen Spezialisierung kann sich halt wirklich auszahlen, wenn man gut ist.

Die Orgel selbst blieb unangetastet?
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Gloria Klassik 226 Trend
Wichernkantor
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« Antworten #2 am: 14. Oktober 2017, 09:57:33 »

Ja, das ist eine Steinmeyerin aus der intonatorisch besten Zeit des Hauses. Sie ist zwar mal orgelbewegt umgepfriemelt worden. Aber ein eigener Verein hat sich der Rettung verschrieben. Auf dieser Page steht mehr:

http://www.kurhausorgel.de/pages/01_orgel_01.html

LG
Michael
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Aeoline
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« Antworten #3 am: 14. Oktober 2017, 10:15:19 »

Ich erinnere mich.

War es nicht 2005 als Iveta Apkalna auf der Orgel konzertierte?

Ich war dabei, als die Setzeranlage während des Konzerts Probleme machte.

FestivalTrumpet8 war auch dabei. Nach dem Konzert stellte er Frau Apkalna beim Shopping in einer nahe gelegenen Galerie. Seitdem hat er ein Autogramm und hat sich nach dem Händedruck tagelang die Flossen nicht gewaschen...

 Lachen

LG
Aeoline
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Viscount Unico 400 DE V1.13.1 (56/III/P) (seit 11.2012)
Johannus Opus 520 (45/II/P) (10.1987 bis 11.2012)

Die meisten Organisten leiden an einer schlimmen Krankheit:
Augentinnitus! - Man(n) sieht nur noch Pfeifen...
clemens-cgn
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« Antworten #4 am: 14. Oktober 2017, 14:50:33 »

Lieber Michael,
vielen Dank für die Informationen.
Ich freu mich, daß die ehrwürdige Dame weiterhin in ihrer Grundsubstanz späteren Generationen erhalten bleibt, ohne frz. oder engl. HD-Moden angepaßt zu werden.
Von diesem Orgelbauer könnten wir als Forianer sicher viel lernen. Von den verwendeten schweißabsorbierenden Kunststoffbelägen (mit ähnlichen Eigenschaften, wie Elfenbein) habe ich bislang noch nichts gehört gehabt. So weiß ich für die Zukunft wenigstens wo ich fachkompetentes Detailwissen herbekomme.
lbG
clm
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Gemshorn
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« Antworten #5 am: 14. Oktober 2017, 15:45:56 »

Sind diese elfenbeinähnlichen Klaviaturen etwa aus jenem Material, das Rodgers seinerzeit - ist auch schon wieder einige Jährchen her - für seine Orgeln beworben hat? Auch meine ich mich an Roland Digitalklaviere zu erinnern, die mit ähnlichen Tastatureigenschaften aufwarten konnten.
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Wichernkantor
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« Antworten #6 am: 14. Oktober 2017, 16:24:50 »

Ich werde am Montag mal Visite machen und das alles in Erfahrung bringen. Andreas ist ein Tüftler vor dem Herrn und immer für originelle Lösungen gut - die dann auch noch funktionieren.  Lachen

LG
Michael
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clemens-cgn
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« Antworten #7 am: 14. Oktober 2017, 17:32:58 »

Lieber Michael,
wo kämen wir hin, wenn wir Dich als "Staubsauger des fundierten Fach-Wissens" nicht bei uns hätten  Lachen
lbG
clm
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Machthorn
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« Antworten #8 am: 14. Oktober 2017, 20:15:45 »

Zitat
"Staubsauger des fundierten Fach-Wissens"
Lachen
Aber trotzdem sehr treffend!
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Gloria Klassik 226 Trend
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« Antworten #9 am: 16. Oktober 2017, 14:59:07 »

So, ich habe das Gerät eben in Augenschein genommen. Donniwetti. Raumschiff-Kommandobrücken-Flair. Warum rot?
Damit's auffällt. O-Ton des Chefs: "Wenn die sich schon ein Teil für 100.000 Euronen in den Saal stellen, dann soll es auch jedem sofort ins Auge fallen."

Was daran ist so teuer? Allein die diversen Feinmechaniken und deren hochpräzise Verarbeitung gehen kräftig ins Geld. Das einzige, woran gespart wurde, ist Anschlagfilz. Der ist nämlich gar nicht verwendet. "Wir haben halt genau gearbeitet", sagt der Meister. Also klappert nichts. Es ist schlicht nichts da, was irgendwo "anschlagen" und klacken könnte. Die Registerwippen (ihre Form ist Eigendesign) schweben über den Tableaux. Und die ganze Einheit von Klaviaturen und Registratur steht auf zwei massiven (durch ein hölzernes Untergehäuse getarnten) Säulen. Der Abstand Untermanual-Pedaloberstasten entspricht in Normalstellung BDO-Norm. Wer allerdings gern weniger Streckgymnastik zu III machen will, kann die ganze Einheit bis zu 2 cm tiefer fahren. Organisten mit Gardemaß können dafür 10 cm drauflegen. "Keine Ausrede zählt mehr", schmunzelt Andreas Seul. Und falls mal etwas im Untergehäuse gewartet werden muss: 40 cm nach oben sind noch drin für die, die lieber im Stehen spielen ...  Lachen
Natürlich ist die Bank verstellbar - nicht mit Kurbel und quietschender Gewindeschere, sondern geräusch- und anstrengungslos mit gedämpften Gasdruckfedern. Das Ganze ist selbstverständlich fahrbar, aber die Rollen für das Podest sind unsichtbar. Die Klaviaturen sind mit einem Werkstoff aus Porzellanmehl belegt, das in Kunststoff gebunden ist. Fühlt sich an wie eine gute, alte Klaviertaste aus Elfenbein. Die Tasten haben zwei Druckpunkte. Denn die Orgel soll noch erweitert werden um reale Stimmen (u.a. um 32'er) und um Spielregister. Effekte kommen dann auf den zweiten Druckpunkt. Die Kinoorgel lässt grüßen. Und natürlich ist eine Midi-Schnittstelle drin. Wer also zufällig einen CM 100 oder einen SE 24 einstecken hat, kann ihn einfach anschließen und mitspielen lassen.
Im Schubfach links ist ein Display, mit dem sich die gesamte Digitaltechnik verwalten lässt. Natürlich auch die quasi endlosen Setzer - auch vom USB-Stick. Und wem die üblichen Koppeln nicht ausreichen, der kann sich auf dem Display selber welche generieren und sie gleich in den Setzer einspeisen.

Natürlich ist die Digitaltechnik W-Lan-fähig. Der Interpret kann einspielen, dabei aufzeichnen, sich anschließend mit seinem Tablet in den Saal setzen, seine Registrierungen ausprobieren, sie vom Tablet aus ändern und in den Setzer füttern. Von daheim aus spielen - das geht allerdings noch nicht. Es muss ja noch Steigerungen geben ...  Lachen

Nichtsdestotrotz - ich vermute mal, die Kurhaus-Steinmeyerin ist mit diesem Spieltisch die flexibelste Orgel der Republik. Nur fliegen kann sie noch nicht. CC hat an seiner Touring-DO vermutlich kaum mehr Optionen.

Ab Donnerstag wird der Spieltisch eingebaut, am 5. November ist Inaugurationskonzert - mit Sinfonieorchester. Guilmants 2. und Mendelssohns Reformationssymphonie.

Hier ein paar Bilder:

https://www.dropbox.com/s/afom6ck7ly8iy0c/Wiesbaden%20Manuale.jpg?dl=0

https://www.dropbox.com/s/bmnn734bvw1rzl1/Wiesbaden%20Spieltisch.jpg?dl=0

https://www.dropbox.com/s/c7y6uvllitoktct/Wiesbaden%20Pistons%20links.jpg?dl=0

https://www.dropbox.com/s/qxgg8q1mxhqsiw4/Wiesbaden%20Pistons%20rechts.jpg?dl=0

https://www.dropbox.com/s/beb03n2navh3qy8/Wiesbaden%20Tableau%20links.jpg?dl=0

https://www.dropbox.com/s/y3jta9u16cc06a4/Wiesbaden%20Tableau%20rechts.jpg?dl=0

https://www.dropbox.com/s/cnlaf8om0ccfyex/Wiesbaden%20Unterbau.jpg?dl=0

https://www.dropbox.com/s/t9ou69rhseo11dg/Wiesbaden%20Tastenbel%C3%A4ge.jpg?dl=0


LG
Michael

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