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Autor Thema: Orgel der ev. Stadtkirche in Leun bei Wetzlar  (Gelesen 392 mal)
Wichernkantor
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« am: 14. August 2017, 07:24:32 »

Gestern hatte ich wieder mal das Vergnügen, an dieser schönen Orgel auszuhelfen. Sie stammt von Johann Georg Bürgy aus Homburg v.d.H.
B. war Ende des 18./Anfang des 19. Jh. der regionale Platzhirsch und kultivierte einen meistens einmanualigen Typus sehr solider Instrumente, die als Archetypus für die ev. Gottesdienstmusik der Zeit angesehen werden können. Joh. Chr. Rinck war "Orgelbaucommissär" des Herzogs von Hessen-Darmstadt und hat als solcher regelmäßig die Expertisen zu Bürgys Neubauten verfasst, auch die zur 1808 gebauten Orgel in Leun.
Zum 200jährigen Geburtstag hat die Gemeinde die Orgel von Mebold/Siegen mustergültig überholen lassen. Dabei wurden auch die beiden Zungenregister, die im späten 19. Jh. einer "Entrümpelung" zum Opfer gefallen waren, anhand vorhandener Muster in anderen Bürgy-Orgeln rekonstruiert.
Die Stadtkirche in Leun ist ein nicht sonderlich großer Raum. Wie so oft in dieser Gegend wurde an einen gotischen Chorraum ein klassizistischer Saal angebaut, um eine reformierte Predigtkirche zu bekommen. Mit dem Wachsen des Ortes wurden einfach umlaufende Emporen eingezogen. Und als es auf der Orgelempore in der Mittelachse zu eng wurde, baute man einfach einen neuen "Orgelraum" seitlich an.
So steht das Instrument also rechts von der Gemeinde, an der Schnittstelle zwischen Saal und Chorraum unter einem Gewölbebogen.

Hier die Ansicht von der gegenüberliegenden Empore aus:
https://www.dropbox.com/s/c3s767vi1xfq012/Leun%20Prospekt.jpg?dl=0

Hier der Blick aus den Bänken im Kirchenschiff:
https://www.dropbox.com/s/yezoel1gzb15nlu/Leun%20Prospekt%20II.jpg?dl=0

Die seitenspielige Anlage:
https://www.dropbox.com/s/whodz05iitqr80l/Leun%20Spielanlage.jpg?dl=0

Die Pedalregister und das Manual-Krummhorn, gut zu sehen ist die B/D-Teilung. Der OB hat den Zug einfach waagerecht durchgesägt. Eine sehr praxistaugliche Konstruktion.
https://www.dropbox.com/s/jcmt035jx05r4zv/Leun%20Pedal%20%2B%20Manual%20Krummhorn.jpg?dl=0

Die restlichen Manualregister:
https://www.dropbox.com/s/6w4pw7pry3afu53/Leun%20Manualregister%20au%C3%9Fer%20Krummhorn.jpg?dl=0

Die Hilfszüge (neben der Klaviatur rechts):
https://www.dropbox.com/s/bk0d3eari8u7nrr/Leun%20Hifsz%C3%BCge.jpg?dl=0

Da die Orgel Station war bei der Orgelarena 2017, habe ich im Schatzkästlein ein Rinck-Vorspiel verlinkt, das Matthias Grünert in seinem dortigen Konzert gespielt hat.


LG
Michael
 
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« Antworten #1 am: 14. August 2017, 07:47:48 »

Auf den Fotos sieht es so aus, als wäre die Orgel teilweise von dem Gewölbebogen verdeckt. Trügt dieser Eindruck?
Falls nein, wie wirkt sich denn das auf die Klangausbreitung aus?
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« Antworten #2 am: 14. August 2017, 08:29:31 »

Auf den Fotos sieht es so aus, als wäre die Orgel teilweise von dem Gewölbebogen verdeckt. Trügt dieser Eindruck?
Falls nein, wie wirkt sich denn das auf die Klangausbreitung aus?

Ja, der Bogen schneidet das Gehäuse an, wenn man auf Augenhöhe (auf der Empore gegenüber) steht. Aus dem Raum wirkt das optisch anders - siehe Bild 2. Die Windladen (und damit die Pfeifenmündungen) stehen auf dem Niveau der Labien des Prospektes. Das Gehäuse ist in die Brüstung der Seitenempore eingebaut und spricht frei in den Raum. Der Zugriff auf die singende Gemeinde ist ideal, die Akustik eher trocken. Aber sie verfälscht den Klang nicht.

LG
Michael
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« Antworten #3 am: 14. August 2017, 08:34:12 »

Danke für die Erläuterung.
Wenn ich mir das Foto aus der Perspektive der gegenüberliegenden Empore ansehe, frage ich mich jedoch, warum der Orgelfuß so hoch sein musste. Kopfkratzen Der Blickwinkel, auch von unten, scheint doch zumindest beinträchtigt zu sein - und die Windladen stehen im Gehäuse ja auch ziemlich weit oben, wie du vorhin verraten hast.
Hätte man der optischen Erscheinung des Instruments nicht einen Gefallen getan, wenn der Orgelfuß um einen halben Meter kürzer ausgeführt worden wäre?
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Wichernkantor
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« Antworten #4 am: 14. August 2017, 09:48:06 »

Bei einer seitenspieligen Anlage ist soviel "Luft" unter der Manuallade nötig, um die Mechanik, die ja mit liegendem Wellenbrett um 90 Grad umgehebelt werden muss, so einfach und funktionssicher wie möglich zu bauen. Die Registerzüge hebeln mit relativ kurzen Schwertern um. Die Pedallade ist hinterständig und steht ca 30 Zentimeter tiefer. Von unten sieht das wirklich sehr harmonisch aus.

LG
Michael
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« Antworten #5 am: 14. August 2017, 14:47:43 »

...
Die Hilfszüge (neben der Klaviatur rechts):
https://www.dropbox.com/s/bk0d3eari8u7nrr/Leun%20Hifsz%C3%BCge.jpg?dl=0
...
 

Hallo Michael,

wie ist denn jetzt der Hilfszug "Windablass" belegt?  Kopfkratzen

Viele Grüße
Gerd
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« Antworten #6 am: 14. August 2017, 17:49:06 »

Hallo Michael,

wie ist denn jetzt der Hilfszug "Windablass" belegt?  Kopfkratzen

Viele Grüße
Gerd


Mit einem Windablass ...  Lachen Funktioniert einwandfrei.

LG
Michael
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geris
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« Antworten #7 am: 15. August 2017, 10:12:52 »

Mit einem Windablass ...  Lachen Funktioniert einwandfrei.

LG
Michael

 Schock Ups, und ich habe wirklich gedacht, das wäre ein Relikt aus kalkantischer Zeit.  Kopfkratzen
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Wichernkantor
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« Antworten #8 am: 15. August 2017, 10:47:32 »

Schock Ups, und ich habe wirklich gedacht, das wäre ein Relikt aus kalkantischer Zeit.  Kopfkratzen

Jo, ist aber historisch. Die Orgel hat im Untergehäuse ein großes Magazin. An der Fundamentplatte dieses Magazinbalges ist ein Ventil und der Zug betätigt einen Stecher, der das Ventil öffnet. Die beiden Schöpfbälge sind entfernt, weil schon beim Umbau der Orgel von der vorderen auf die seitliche Empore (irgendwann Anfang der 60er Jahre) ein elektrischer Gebläsemotor vorhanden war.

LG
Michael
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« Antworten #9 am: 15. August 2017, 16:15:23 »

Mit einem Windablass ...  Lachen Funktioniert einwandfrei.

LG
Michael

uups - Windablass (= Flatus Organi) duck und weg
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