Seiten: 1 2 [3] 4 5   Nach unten
Drucken
Autor Thema: EG plus  (Gelesen 1500 mal)
clemens-cgn
Allwissendes Orakel
*****
Beiträge: 1265


« Antworten #20 am: 11. Juli 2017, 16:57:20 »

....EINGESTIMMT (2015) - das Gesangbuch der Alt-Katholiken - da ist unter Nr. 643 die Fietz-Melodie enthalten. Da kann Clemens-cgn sicher mehr zu sagen ...
Das Volk rief nach Fietz und bekam es. (klugerweise!) Zwinkern. Die Fietzmelodie hat bei uns einen Stellenwert,, wie "Das Grab ist leer", "Tauet Himmel den Gerechten" oder "Stille Nacht".
Im EKG gab es derlei Versuche ja auch: "Geh aus mein Herze und suche Freud". Die EKG-Melodie habe ich immer als Fremdkörper zum Text erlebet. In den EG-Ausgaben hat man sich dann wieder auf die Melodie im Volkston besonnen, die schließlich auch Einzug ins Eingestimmt hielt.
Die Einordnung des Liedes "Du bist Heilig" im neuen Hessischen EG-Anhang unter die Sanctusgesänge, stimmt mich allerdings sehr nachdenklich. Im Eingestimmt findet es eine eindeutige andere liturgische Funktion.
@ Michael: Hast Du das OB zum alten Würzburger Anhang im Besitz?
@ Geris: "Tastenbegleitheft" ist m.E. eine eindeutige Degradierung der Orgel..... Traurig

lbG
Clemens
Gespeichert
Guilain
Erleuchteter
****
Beiträge: 436


« Antworten #21 am: 11. Juli 2017, 20:13:34 »

Das Problem bei Fietz ist, dass er eine Strophe des Gedichtes zum Refrain macht - und damit den literarischen Duktus zuerstört. Über die Vertonung selbst kann man unterschiedlich denken. Ein SEHR strenger & kritischer Kollege hat die Melodie verteidigt; es komme auf die Ausführung an.
Gespeichert
Wichernkantor
Moderator
Allwissendes Orakel
*****
Beiträge: 3487


« Antworten #22 am: 14. Juli 2017, 06:48:37 »


@ Michael: Hast Du das OB zum alten Würzburger Anhang im Besitz?
@ Geris: "Tastenbegleitheft" ist m.E. eine eindeutige Degradierung der Orgel..... Traurig

Leider nicht. Ich entsinne mich nur, dass der Würzburger Diözesananhang zum GL Anfang der 90er mal überarbeitet wurde. Das war auch dringendst nötig ...
Dabei wurde er erweitert und der damalige DMKD Hermann Grollmann gab ein neues Orgelbuch dazu heraus. Es war m.E. eine Großtat, denn man rückte - wohl erstmals in der Szene - von der Praxis ab, Gesängen aller Stilepochen und Richtungen einen Kantionalsatz à la Schütz überzustülpen. So bekam auch die berüchtigte Putzfrauenmesse ("Hier liegt vor Deiner Majestät im Staub die Christenschar ..." *hust*) Vorspiele und Sätze im Idiom der Klassik. Und plötzlich fand ich sie musikalisch gar nicht so übel. (Beim Text graust's mir immer noch.)

Mit der Bezeichnung "Tastenbegleitbuch" trägt man wohl der epidemisch um sich greifenden ländlichen Praxis Rechnung, dass Gemeinden ihre Orgeln verkommen lassen und sich ein Digitalpiano neben den Altar stellen. Das ist ja schließlich viiiiiiiel schöner als eine Orgel. Und wenn die lokale Organistin darauf herumhackt, klingen NGL ja soooo viel fetziger. Mir ist das vor Jahren schon mal passiert, dass ich in einer Gemeinde aushelfen sollte, deren Orgel in einem jämmerlichen Zustand war und wo man mich als "Ersatz" ans (Billigst-)Digitalpianiergerät komplimentieren wollte.
Dazu hatte ich aber schon gar keine Lust und bin wieder nach Hause gefahren. Inzwischen steht hier in so ziemlich jedem Altarraum Unterhaltungs-Equipment für 10.000 und mehr Euronen herum, mit denen der sonntägliche Gottesdienstbesucher "bespaßt" wird ... (Inzwischen ist die einschlägige Pfarrerschaft vorsichtiger geworden und teilt mir bei einer Anfrage gleich den Unspielbarkeitsstatus der Orgel mit, verbunden mit der Bitte, doch meine Feldorgel mitzubringen ...)

Das alte Würzburger Orgelbuch ist ja nun wohl außer Dienst - vielleicht hat es ja einer der "frrrängischen" Kollegen. Der Satz zu den "guten Mächten" wurde m.W. seltener gespielt, denn er war ganz schön tricky gemacht - mit einer durchlaufenden Achtelbewegung im Pedal, die sehr gut gebübt sein wollte. Dazu eine ausgesprochen würzige Harmonik, das Teil klang wirklich sagenhaft. Der kath. Pfarrer und Nachbar in meinem damaligen Wohnort brachte mir das Buch mal zur Durchsicht, verbunden mit der Frage, ob es sich lohne, das für seine acht (!) Kirchorte zu beschaffen. Als ich ihm mit gewisser Enthusiasmierung einiges daraus vorgespielt hatte, meinte er angesichts der Anforderungen ans organistische Handwerk: "O je, des gebrauch' mer net. Des verschimmelt nur unner der Orschelbank. Mit soviel schwarze Pünktli könne mei Organiste nix angefang' ... "

LG
Michael


Gespeichert
geris
Adept
**
Beiträge: 55



« Antworten #23 am: 14. Juli 2017, 08:54:48 »

...
Mit der Bezeichnung "Tastenbegleitbuch" trägt man wohl der epidemisch um sich greifenden ländlichen Praxis Rechnung, dass Gemeinden ihre Orgeln verkommen lassen und sich ein Digitalpiano neben den Altar stellen.
...

Eine Affenschande, dies!  Motzen
Da werden in einigen Kirchen Millionen EURO für Prestigeorgeln ausgegeben (siehe z.B. Martinskirche in KS) und viele kleine Orgeln u.a. Dinge in und an den ländlichen Nachbarkirchen verkommen.  Motzen
Ob dies der richtige Weg ist?
Aber das ist o.T.  ...


Grüße aus dem Waldecker Land
Gerd
Gespeichert
wohli
Erleuchteter
****
Beiträge: 294



« Antworten #24 am: 15. Juli 2017, 12:17:48 »

Die beiden ev. Kirchen in Hessen - die von Hessen-Nassau und Kurhessen Waldeck - bringen im Herbst eine Zusatzpublikation zum EG heraus.

LG
Michael


Ist das irgendwie mit dem hier vergleichbar?

http://www.glaubenssachen.de/himmel-erde-luft-und-meer.html

LG Bernd Freundlich
Gespeichert

GLORIA Excellent 238 (Bj. 2001) +
AHLBORN (202) + VISCOUNT (CM100) + HOFFRICHTER (SE24m) + ALLEN (MDS II) + YAMAHA (TG 100) + CECILIA (Romantic) - Expander
Wichernkantor
Moderator
Allwissendes Orakel
*****
Beiträge: 3487


« Antworten #25 am: 15. Juli 2017, 13:13:57 »

Ja, vermutlich. Gesangbuchverschlimmbesserungen liegen im Trend ...

LG
Michael
Gespeichert
chp
Allwissendes Orakel
*****
Beiträge: 1055


« Antworten #26 am: 15. Juli 2017, 13:36:20 »

Hallo,

nun, "Himmel, Erde, Luft und Meer" enthält Lieder, um die die Evangelen bisher die Katholen beneidet haben, teilweise mti eigener Ost-Geschichte ("Wenn das Brot, das wir teilen"), Klassiker auf Platt ("Christus, de is mien Läben"), Klassiker, die herausgeflogen sind ("Da Jesus an dem Kreuze stund", "Herzlich tut mich verlangen"), Lieder, die sehr gerne von Chören gesungen werden (Schwedisches wie "En vänlig grönskas rika drägt"), und einiges, was aktuell viel und gerne gesungen wird, auch in Hauskreisen (Taize, "Meine Zeit, Herr, steht in deinen Händen" oder im Gottesdienst ("Kreuz, auf das ich schaue"). Ich finde das eine ganz gute Ergänzung, vor allem weil versucht wird, ein Buch zu machen, das Liedgut aus der gesamten Nordkirche enthält, die ja erst 2012 aus dem Zusammenschluss von Nordelbien/Hamburg, Mecklenburg (lutheranisch) und Vorpommern (reformiert) entstanden ist. Das soll Identität schaffen und eine Art gemeinsamen Nordteil darstellen. Aber ich kenne das Buch als Kathole nur oberflächtlich, außerdem spreche ich kein "Platt", sondern eher "Bladd". ;-)

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
Gespeichert
clemens-cgn
Allwissendes Orakel
*****
Beiträge: 1265


« Antworten #27 am: 15. Juli 2017, 15:11:02 »

Bei meiner letzten Tour zur Backsteingotik mit Alfons, haben wir auch dem Dom in Greifswald einen Besuch abgestattet. Dort  druckfrisch "Himmel Erde Luft und Meer" zur Benutzung neben den EG´s aus. Sofort habe ich die Dombuchhandlung und eine fromme Buchhandlung gegenüber aufgesucht. An beiden Stellen teilte man mir mit, daß es im Handel gar nicht erhältlich sei. Also suchte ich nochmals den Glaskasten auf, um zu verhandeln. Entweder Ihr verkauft mir ein Exemplar, oder ich klaue Euch eines vor Euren Augen und Ihr bemerkt es nicht einmal.... Gegen eine Spende wurde der Küster angewiesen, mir eines auszuhändigen.... geht doch!
Jetzt muß man aus der Geschichte sagen, daß die heutigen östlichen  Landeskirchen, bei Herausgabe des EG aus Kostengründen nur einen sehr kleinen Anhang hatten (faktisch gar nicht vorhanden). Diese Lücke ist jetzt mit dieser Publikation geschlossen. Von Gesangbuchverschlimmerung kann mE. nach gar keine Rede sein.
Es beinhaltet ca. 180 Gesänge. Die Mischung hätte ich bei einer Neuauflage unseres Gesangbuches auch unterstützt. NGL mit Banderfordernissen habe ich weniger als 5 gefunden. Der Rest ist durch die Bank mit der Orgel gut begleitbar. Vieles hat offenbar historisch bedingt Eingang in diesen Band gefunden. Die jahrzehntelange Vorarbeit z. B. bei Plattdütschen Gesängen größtenteils auf bekannte alte Melodien: Chapeau! Weil ich selbst mit niederdeutsch groß geworden bin, verzeihe man mir die heimatlichen Gefühle. So ist das 19. Jhdt mit Text und Melodie häufiger als im restlichen EG zu finden. Den neuen Liedtext (Mel. Weißt du, wieviel Sternlein stehen) zur Taufe, halte ich für absolut gelungen. Der findet bei nächster Gelegenheit bei uns sicher Verwendung (wir machen was Neues, und das geht sogar ohne Einsingen Zwinkern ).
Zum Überblick mal den 1. Teil des Buches en Detail:
Nr. 1, T.: Neander (1680) Mel.: Strattner 1691 (EG 504)
Nr. 2, T.: Stoltenberg 1921, Mel.: Halle 1704 (EG 1)
Nr. 3, T.: Hey 1837, Mel.: Silcher 1842
Nr. 4, T.: Jesus Bruderschaft Gnadenthal (allgemein bekannt)
Nr. 5, T.: + M.: Longhardt 1972 (allgemein bekannt)
Nr. 6, T.:R.O.Wiener 1972, M.: W. Stockmeier 1987
Nr. 7, T.: + Mel Wittenberg 1529
Nr. 8, T.: Magdeburg 1540, M.: Schröter 1587
Nr. 9, T.: Luther 1524, M.: Erfurt 1524/Münsterschwarzach 1979
Nr.10, T+M.: Köln 1621
Nr.11, T.: Gerhardt 1653, M.: Luther 1539 (EG 24)
Nr.12ö,T.+M.: Zoller 1963
Nr.13, T+M.: Kurt Rommel1968
Nr.14, T. P. Schluchard 2000, M.:Lahusen (EG 52)
Nr.15, T.:Andresen 1991, M.: J.G.Meidell 1840
Nr.16, Böschenstain 1515, M.: Bautzen 1567/Stuttgart 1975
Nr.17, T.:H. Bonnus 1542, M.: Königsberg 1527 (EG 75)
Nr.18, T.:G. Werner 1638, M.: N. Herman 1551 (EG 79)
Nr.19, T.: 19. JH, AÖL 1990, M.: Köln 1638
Nr.20, T+M.: E.Egermann 1972
Nr.21, T.:E. Bücken 1982, M.: L. Graap 1982
Nr.22ö,T.: F. Spee 1623, M. Köln 1623
Nr.23, T E.C.Homburg 1659, M. Halle 1714
Nr. 24, T.:Grundvig 1846/Grundvig-Werkstatt 1991, M.: T. Linnemann Laub, 1915
Nr. 25, T.: F. Seebode 1924, M.: Steuerlein 1575 (EG 501)
Nr.:26, T.: G. Frizsche 1941, M.: M. Krüger 1941
Nr.27, T.: E. Alber 1549, J. Walther 1541 (EG 440)
Nr.28ö, T.:Hrabanus Maurus 856 / F. Dörr 1972, M.: Wittenberg 1524/ Mainz 1947
Nr.29 ö, T.:K. Okoner vor 1962, M.: Sarah Levy-Tanai 1975
Nr.30, T.: 1964 M.: nach Spiritual "It´s me"
Nr.31ö,T.:Metternich/Team 1972, M.:Janssens 1972
Nr.32, T.: Mourin 1985, M.: P+V. Mugnier 1982
Nr.33, T.:H. Möller 1978, M.: E. Wikfeldt 1958
Nr.34, T.:P. Eber 1554, M.: Burgeois 1551 (EG 300)
 das war der Inhalt für das "Kirchenjahr"
....
so wie ich finde ziemlich solide gearbeitet.
Gespeichert
Wichernkantor
Moderator
Allwissendes Orakel
*****
Beiträge: 3487


« Antworten #28 am: 15. Juli 2017, 16:45:56 »

Die im Eingangsposting verlinkte Inhaltsangabe zum EG plus liest sich leider anders ...
Trotzdestonichts - ich bin sehr gespannt auf das "Tastenbegleitbuch".


LG
Michael
Gespeichert
2nd_astronaut
Adept
**
Beiträge: 72


« Antworten #29 am: 26. Juli 2017, 03:20:42 »

Zitat
Die Fietz-Melodie hatte längst die Herzen der Menschen erreicht, und zwar flächendeckend, wie mir scheint.
Dank des GL-Österreichteils kam Fietz quasi durch die Hintertür herein.
Die Melodie ist m.E. gut;
Exorzist

Zitat
Ein bisschen erinnert mich die Fietz-Vermeidung ja fast an das Gezerre um das "gottlose" Segne du, Maria; jahrzehntelang bekämpft steht es - als oberster Wunsch aller im Vorfeld Befragten - nun im GL-Stammteil.
Exorzist

das sind dann 2/3 der lieder auf meiner schwarzen liste. den fietz kenn ich leider immer nicht, wenn er drankommen soll, nur den abel (und zur not den grahl). das gruslige "segne du" kam, seitdem es wieder offiziell ist, komischerweise hier nie mehr dran. nur als es noch verdienterweise draußen war, kamen laufend welche mit kopierten zetteln angerannt. die konnte ich aber nie lesen oder sie gingen gar verloren auf dem weg zur empore hoch und ich musste substituieren.  Engel

#3 ist übrigens yusuf islam (morgen hat's brocken).
Gespeichert
Seiten: 1 2 [3] 4 5   Nach oben
Drucken
 
Gehe zu: