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Autor Thema: "Cecilia" french romantic  (Gelesen 1882 mal)
Holztraverse
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« Antworten #20 am: 14. Februar 2017, 16:48:15 »

Schande über mein Haupt! Ich hatte nicht mehr auf dem Schirm, Michael  - doch hätte ich mir durchaus denken müssen, dass bei Deiner imposanten Orgelanlage (die wohl die Freiburger an Registern noch übertreffen dürfte  Zwinkern) mitnichten etwas fehlt -, dass auch Du über ein CM 100 und somit wohl über sämtliche Klangerzeugungssysteme verfügst.Anbetung
Wenn auch bei Dir ja eine gewisse Fernwirkung aufgrund Deines Werkaufbaues intendiert ist, lässt sich die von Dir angesprochene Latenz der virtuellen Komponenten irgend verbalisieren? Sprich sind die Verzögerungen bei gleichzeitigem Spiel z.B. eines Registers Deiner unmittelbarer abstrahlenden Excellent und der 'Cecilia' (ungeachtet der größeren Entfernung im Raume) fühl- bzw. hörbar? Wenn auch im Freiburger Münster bspw. ja die Verzögerungen aufgrund der Anordnung der versch. Orgelwerke teils recht groß sind, fühlt es sich bei Deiner 'Cecilia' eher ein wenig 'pneumatisch' an, wenn ich so plattitüdenhaft fragen darf?
Herzliche Grüße
Benjamin
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wohli
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« Antworten #21 am: 14. Februar 2017, 18:11:04 »

Meine Frage wäre mithin: Wie steht es generell mit der Verschmelzungsfähigkeit der beiden unterschiedlichen klanggenerierenden Systeme? Kann man bspw. Register das Cecilia-module mit solchen des Accupipe dergestalt verwenden und mischen, dass eine Verschmelzung eintritt oder hört man doch stets die Differenzen? Harmoniert also Physis mit sampling?

Hi Benjamin, da du mich direkt ansprichst: Wichernkantor hat so ausführlich geantwortet, dass eigentlich alles gesagt ist. Eine Anmerkung aber noch: Die HOFFRICHTER-Samples des SE24m sind alles andere als glattgebügelt, das liebe ich ausgesprochen, weil das den Klang so lebendig macht. Die zusammen mit z.B. dem "sterilen" Accupipe empfinde ich da als eine andere Nummer. Mein (unmaßgeblicher) Eindruck ...

LB Bernd
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GLORIA Excellent 238 (Bj. 2001) +
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Wichernkantor
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« Antworten #22 am: 14. Februar 2017, 18:40:03 »

Hi Benjamin, da du mich direkt ansprichst: Wichernkantor hat so ausführlich geantwortet, dass eigentlich alles gesagt ist. Eine Anmerkung aber noch: Die HOFFRICHTER-Samples des SE24m sind alles andere als glattgebügelt, das liebe ich ausgesprochen, weil das den Klang so lebendig macht. Die zusammen mit z.B. dem "sterilen" Accupipe empfinde ich da als eine andere Nummer. Mein (unmaßgeblicher) Eindruck ...

LB Bernd

Ja, die erste Generation der Physis-Register stand im Ruf, zu steril zu sein. Die Prinzipale sind inzwischen erheblich lebendiger geworden. (Da war doch mal ein einschlägig verrrufener Prinzipalfetischist aus Deutschland 2011 eine Woche in Mondaino ...  Lachen) Vor allem die leiseren Solo-Zungen habe ich vielfach als zu "glatt" empfunden. Auch das An- und Abspracheverhalten der 2'er ist nicht optimal im Vergleich zum Sample, wie Klaus bestätigen wird.
Das Sampling einer Komplettorgel schließt eben auch die kleinen "Macken" ein, die jedem Instrument seinen Charakter und seine Individualität geben. Ich mag es sehr, wenn da bei den mf-Zungen mal ein paar "Ausreißer" drin sind, solange sie sich im Rahmen des angestrebten Klangbildes bewegen. Vor allem französische Basse-de-cromorne-Stücke leben von einem nicht perfekten Gleichmaß der Intonation - weshalb die Alten die Solozungen gern mit Labialen abdeckten. Ich nehme z.B. zum Cromorne sehr gerne die (singende) Oktave 4'. Dasselbe gilt für die Vox humana. Da empfehlen die altfranzösischen Theoretiker (die ja allesamt auch versierte Praktiker waren) Bourdon 8' oder Flute 4', einige raten zum, andere warnen eindringlich vor dem Tremulanten.

LG
Michael

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Machthorn
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« Antworten #23 am: 14. Februar 2017, 20:45:31 »

Zitat
einige raten zum, andere warnen eindringlich vor dem Tremulanten
Offensichtlich spielte Geschmack schon damals eine Rolle. Und es lehrt, dass die Interpretation alter Musik nicht allzu dogmatisch gesehen werden darf.  Lachen
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Wichernkantor
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« Antworten #24 am: 14. Februar 2017, 21:50:22 »

Offensichtlich spielte Geschmack schon damals eine Rolle. Und es lehrt, dass die Interpretation alter Musik nicht allzu dogmatisch gesehen werden darf.  Lachen

Genau das. Die barocken Meister sprechen immer ausdrücklich vom "bon gout", dem "guten Geschmack" des Interpreten, der bei Ornamentik und Registerwahl gefordert sei. Auch die umfangreichen Ornamententabellen, die jeder Pariser Maitre seinem "Livre d'Orgue" voranstellte, waren nur als Richtlinien aufzufassen, keinesfalls als Dogmen.

LG
Michael
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« Antworten #25 am: 17. Februar 2017, 12:14:56 »

Wenn auch bei Dir ja eine gewisse Fernwirkung aufgrund Deines Werkaufbaues intendiert ist, lässt sich die von Dir angesprochene Latenz der virtuellen Komponenten irgend verbalisieren? Sprich sind die Verzögerungen bei gleichzeitigem Spiel z.B. eines Registers Deiner unmittelbarer abstrahlenden Excellent und der 'Cecilia' (ungeachtet der größeren Entfernung im Raume) fühl- bzw. hörbar? Wenn auch im Freiburger Münster bspw. ja die Verzögerungen aufgrund der Anordnung der versch. Orgelwerke teils recht groß sind, fühlt es sich bei Deiner 'Cecilia' eher ein wenig 'pneumatisch' an, wenn ich so plattitüdenhaft fragen darf?
Herzliche Grüße
Benjamin

Ja, das merkt man schon etwas. Nimmt man ein Gedeckt von der 360 und zieht einen 2' von der Cecilia oder dem SE24 dazu, dann schlägt der 2' leicht nach. In flüssigem Tempo wird das natürlich irrelevant.
"Unnatürlich" ist ja eher der Anschlang unserer DO, denn sie sind ja absolut pünktlich. Selbst bei einer PO mit Mechanik beträgt die Verzögerung zwischen 30 und 40 millisec.
Bei einer elektrischen Traktur geht man von 50 bis 70 millisec. aus. In einem Datenblatt (ich weiß gerade nicht, ob bei Hoffrichter oder Cecilia) ist die Anspracheverzögerung mit 15 millisec. angegeben.
"Gefühlt" spielt sich der Expander also wie eine sehr pünktliche elektrische Traktur. Ich nehme es nicht als irriterend wahr. Nach wenigen Takten hat man sich darauf eingestellt.
Hier in Wetzlar haben wir in einem der Gemeindebezirke eine Walckersche Elektropneumatik aus den 30ern, in der zweiten Kirche des Beritts eine sehr schöne und feingliedrige Mechanik mit "traction suspendue" und Spielschrank.
Die Walckerin ist also eine gemütliche ältere Dame und die mechanische Mebold ein junges, rassiges Rennpferd. Wenn ich da aushelfe und beide Gottesdienste unmitttelbar aufeinander folgen, merke ich den Unterschied erheblich stärker.
Je nachdem, in welcher Kirche der erste der beiden Gottedienste ist, erschrecke ich beim zweiten Dienst ein paar Minuten lang über die aggressive Traktur oder schimpfe innerlich auf das lahme Gerät, das partout nicht "gehorchen" will ...
Aber wie hat einer meiner Lehrer immer gesagt: "Jammert nicht, übt und spielt."
Die Herausforderung besteht darin, sich auf jede Orgel so positiv wie möglich einzustellen.

Viel deutlicher als die Ansprechverzögerung ist zu hören, dass es sich um "unterschiedliche" Orgeln handelt. Das liegt an der Konzeption und der sehr individualisierten Intonation.

Ich habe z.B. einen Ahlborn, in dem stecken süddeutsch-singende Barockprinzipale und sehr artikuliert sprechende Flöten. Das ist ein sehr charakteristischer Klang, der sich vom neutral-grundierenen Flötenchor auf den Nebenmanualen der 360 deutlich abhebt.
Bei der 360 habe ich sehr auf den chorischen Effekt der Zungen hingearbeitet, bei den Solozungen der Expander hingegen ausgesprochene Individualitäten herausmodelliert (Holzkrummhorn, Dulcianregal, Bassetthorn, diverse "voces humanae").
Die Komplettsamples eigenständiger Instrumente (Cecilia, SE24) waren tabu. Sie sind lediglich dynamisch angepasst und stellen im Gesamtorgelkomplex eigenständige Charaktere dar.

Jo, die Registerzahl bewegt sich langsam auf Passau zu ...  Lachen
Wenn's Dich mal in die Region Gießen/Wetzlar verschlägt: Vorwarnung via PN genügt und Du kannst dich nach Herzenlust austoben ...

LG
Michael
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« Antworten #26 am: 20. Februar 2017, 12:49:06 »

...wenn auch etwas verspätet - Vielen lieben Dank, Michael!! Freundlich

Nun (ver)lockte Deine ohnedies schöne Heimat ja noch mit einem weiteren Reisegrund Zwinkern Prost!
Herzliche Grüße
Benjamin
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