Sakralorgelforum

Unterforen => Liturgie => Thema gestartet von: pvh am 03. Dezember 2017, 13:56:43



Titel: Wir sagen euch an II
Beitrag von: pvh am 03. Dezember 2017, 13:56:43
Hallo,

mich würde einmal interessieren, wann "Wir sagen euch an den lieben Advent" so gesungen wird.

In unserer Katholischen Gemeinde wird, mindestens so lange wie ich in der Gemeinde bin (>15 Jahre?), das Lied vor den Sonntagsgottesdiensten im Advent gesungen, wenn der/die Ministrant/in die Kerzen anzündet. Wenn der Adventskranz im 1. Advents-Gottesdienst geweiht wird (in der Regel in der Vorabendmesse), dann gibt es Strophe 1 im Gottesdienst. Übrigens kann man nur so (Lied vor dem Gottesdienst) die hübschen Choralvorspiele von Wichernkantor unterbringen.

Heute behauptete der Pastor, dass dies liturgisch falsch wäre und man das Lied im Gottesdienst statt dem Eingangslied sänge. So stünde das auch in irgendwelchen Liturgiebüchern. Da der Adventkranz eine Erfindung des protestantischen Theologen und Sozialpädagogen Johann Heinrich Wichern ist und erst 1925 erstmals in einer katholischen Kirche aufgehängt wurde, kann ich mir das nicht so ganz vorstellen (gibt es etwa in Lateinamerika oder Afrika überhaupt Adventskränze?). Eine kurze Recherche ergab, dass im ambrosianischen Rithus im 6wöchigen Advent zu Beginn des Gottesdienstes Kerzen angezündet werden. Aber sonst?

Abgesehen davon, dass bei den Gemeindemitgliedern liebgewordene lokale Praktiken bestehen bleiben sollten: Wie wird das anderswo gehalten - mich interessieren die katholische und diverse protestantische Praktiken.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Gemshorn am 03. Dezember 2017, 16:56:51
Mir ging aus deinem Posting nicht hervor, was das "Falsche" wäre... Kannst du präzisieren? :lupe:

In meinen Gemeinden wird das Lied erstmalig bei der Adventkranzsegnung gesungen, unter denselben Rahmenbedingungen, die du beschrieben hast.
Früher baute ich es jeden Adventsonntag ein, davon bin ich aber inzwischen abgekommen - es gibt ja auch die werktäglichen Roraten, wo es dann uns wann gesungen werden kann.
Fixer Bestandteil ist es in meinen Gemeinden am Sonntag Gaudete, naheliegenderweise wegen dem Refrain "Freut euch, ihr Christen".


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: pvh am 03. Dezember 2017, 18:40:22
Hallo,
Mir ging aus deinem Posting nicht hervor, was das "Falsche" wäre... Kannst du präzisieren?
falsch wäre, nach Ansicht des Pastors, das Lied zu singen und dann das Eingangslied. Es ist allerdings so, dass "Wir sagen euch an" gesngen wird, bevor der Gottesdienst beginnt bzw. das Klingelzeichen ertönt. Insofern kann es ja nicht falsch sein, weil es nicht zum Gottesdienst gehört. Vermutlich ist unser lokale Brauch entstanden, weil irgendein früherer Pastor das Lied nicht mochte, die Leute es aber trotzdem singen wollten.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Gemshorn am 03. Dezember 2017, 20:20:21
Eine sog. statio vor dem Gottesdienst lässt sich für alle möglichen und unmöglichen Gelegenheiten zimmern. Der geistliche Herr ist wohl ein (unkundiger) Formalist.


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: clemens-cgn am 03. Dezember 2017, 20:52:55
Lieber Christoph,
weil das Lied bei uns einfach nicht tot zu kriegen war, hat der Kirchenvorstand entschieden, außerhalb der Meßliturgie direkt nach dem 2. Läuten mit einer Choralbearbeitung über das Thema zu beginnen. Die Gemeinde singt anschließend das Lied und dazu steckt eines der Kommunionkinder die jeweiligen Kerzen zur jeweiligen Strophe an. In der Gemeinde hat das seiner Zeit zur Befriedung beigetragen. Mittlerweile ist es bei uns lieb gewordene Tradition. Zaungäste aus anderen Gemeinden bedanken sich häufig hinterher. Offensichtlich gibt es für dieses Lied bei einigen Menschen ein inneres Bedürfnis, das hiermit gestillt wird. Ich kann damit gut leben. Selbst bei einem Pfarrerwechsel müßte dieser Beschluß erst durch den KV revidiert werden. Für den Fall daß, steht in meinem Dienstgesangbuch die genaue Fundstelle des KV-Beschlusses. Eine "Quick&Dirty"-Aktion irgend eines Klerikers  :teufel:ist damit gut "behindert"  :D
Lieben Gruß
Clemens


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: jogo31 am 04. Dezember 2017, 12:01:50
Bei uns wird das Lied 1. Mal gesungen und zwar am 1. Advent die erste Strophe. Und damit ist dieses belanglose Liedchen auch genug gesungen worden. Bei uns läuft das immer so ab:

1. Orgelmusik zum Einzug
2. Liturgischer Gruß und Einführung in die Messfeier
3. Segnung des Adventskranzes
4. Entzündung der ersten Kerze mit Strophe 1 des Liedes "Wir sagen euch an".

dann gehts mit der Messe ganz normal weiter. An den weiteren Sonntagen werden die weiteren Kerzen des Adventskranzes ohne weitere liturgische Ausgestaltung angezündet.

Derartige "Knebelverträge" würden meinen Pfarrer übrigens nicht an "Quick&Dirty"-Aktionen hindern. Nach seiner Auffassung hat er insbesondere liturgisch das letzte Wort. Und recht hat er.


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Jesaiah am 04. Dezember 2017, 15:06:54
1. Orgelmusik zum Einzug
2. Liturgischer Gruß und Einführung in die Messfeier
3. Segnung des Adventskranzes
4. Entzündung der ersten Kerze mit Strophe 1 des Liedes "Wir sagen euch an".

[...]

Derartige "Knebelverträge" würden meinen Pfarrer übrigens nicht an "Quick&Dirty"-Aktionen hindern. Nach seiner Auffassung hat er insbesondere liturgisch das letzte Wort. Und recht hat er.

Läuft bei uns exakt auch so.
Und: Natürlich hat der Pfarrer (sofern er wirklich einer ist und nicht "nur" Administrator oder Moderator oder so, da gibt es in der kath. Kirche einige feine, aber wichtige Unterschiede ...) das absolute Sagen vor allem in Sachen Liturgie. Aber ein weiser Pfarrer wird nur mit SEHR guten Argumenten gegen den KV / PGR entscheiden (oder in absoluten Krisenfällen)...



Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: clemens-cgn am 04. Dezember 2017, 18:49:09
Ein Pfarrer ist bei uns geborenes Mitglied im KV und stets sein 1. Vorsitzender. Wenn ein neuer Pfr. kommt und einen in der Vergangenheit gefaßten KV-Beschluß in "Bossingmanier" ohne Beratung und neuer Beschlußfassung kippt (aus welchen noch so gewichtigen Gründen!), wird sich im KV oder der 2x jährlich stattfindenden Gemeindeversammlung den schwerstmöglichen Status geschaffen haben.
Allerdings, wie Jesaiah schon sagte, sind derartige Beschlüsse vorwiegend zur Verhütung böser Überraschungen vor "Möchtegern Pfarrern" gefaßt. Ein gesundes Selbstbewußtsein einer Gemeinde gegenüber "geweihten Gefäßen" aller Art hat im Gemeindeleben wirklich etwas Belebendes. Der Gottesdienstbesuch in der Großstadt regelmäßig erheblich über 10 % spricht da für sich.


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: pvh am 04. Dezember 2017, 19:46:24
Hallo,
weil das Lied bei uns einfach nicht tot zu kriegen war, hat der Kirchenvorstand entschieden, außerhalb der Meßliturgie direkt nach dem 2. Läuten mit einer Choralbearbeitung über das Thema zu beginnen. Die Gemeinde singt anschließend das Lied und dazu steckt eines der Kommunionkinder die jeweiligen Kerzen zur jeweiligen Strophe an. [...] Offensichtlich gibt es für dieses Lied bei einigen Menschen ein inneres Bedürfnis, das hiermit gestillt wird.
genau, so machen wir das auch, nur dürfen wir keine Glocken haben und ein/e Ministrant/in zündet die Kerze an. Gerade Eltern mit Kindern legen Wert darauf, dass das Lied gesungen wird.

Beste Grüße
Christoph P.


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Praestant am 04. Dezember 2017, 21:48:54
Ich war gestern im Hochamt und dort wurde das Lied doch glatt zum Credo gesungen.

Zum Sanctus gab es dann die fünfte Strophe von "Macht hoch die Tür".

Da fällt mir nichts mehr zu ein.


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: clemens-cgn am 04. Dezember 2017, 22:14:11
Hallo Praestant,
darf man erfahren wo diese liturgischen Liedunfälle passiert sind?


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Gemshorn am 04. Dezember 2017, 22:47:17
Etwas in der Art erlebte ich vor Jahren in der Umgebung hier: Der Pfarrer ordnete zum Sanctus "In dulci jubilo" an... ich war dort Vertretungsorganist; einmal und nie wieder.


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Praestant am 04. Dezember 2017, 22:53:21
Hallo Clemens,
ich möchte Pfarrgemeinde und Stadt jetzt nicht beim Namen nennen.
Ich war halt in einer größeren Stadt am Jadebusen in der Messe.

Es war allerdings am gestrigen Sonntag kein Organist anwesend. Die Lieder wurden von einer mir unbekannten Person angestimmt. Evtl. ein Mitglied des Liturgieausschusses ?
Insgesamt ist das liturgische Verständnis hier oben im Norden in vielen mir bekannten Gemeinden zumindest bei der Auswahl der Lieder und Gesänge kaum vorhanden. Das liegt oftmals auch am begrenzten Liedrepertoire in den Gemeinden.
Insbesondere mit dem Ordinarium wird es halt oft nicht so eng gesehen. Ich habe den Eindruck, dass in der Adventszeit so oft wie möglich Adventslieder gesungen werden sollen. Gleiches gilt natürlich auch für Weihnachten und Ostern. Ich kann mich nicht daran erinnern hier oben jemals ein lateinisches Ordinarium (z.B. Missa de Angelis) oder eine deutsche Vertonung (z.B. Paulus Messe) in der Messe gehört zu haben.
Nach über vierzig Jahren Einheitsgesangbuch sollte dieses doch zumindest in den Stadtkirchen möglich sein; insbesondere an den Hochfesten.

Folgende weitere Beobachtung mache ich in nahezu allen mir bekannten Gemeinden:

- Kyrie wird fast immer gesprochen.
- Antwortgesang wird meistens in Form eines Liedes gesungen.


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: clemens-cgn am 04. Dezember 2017, 23:35:25
Lieber Praestant,
da muß ich wohl für die Diasporakatholiken eine Lanze brechen. Im niedersächsischen Gebiet gab es erst ab ca. 1850 nach der Reformation sehr zaghafte Gemeindegründungen. In der Regel haben sie nach dem 2. WK durch Flüchtlinge einen enormen Aufschwung erfahren. Durch die seit Jahrzehnten wegbrechende Industrie, Fischerei, Seefahrt, Werften, Armee etc. wandern auch immer mehr Leute ab.
In der Diözese Hildesheim hat es bis ca. 1990 nur eine an einer abzählbare Zahl hauptamtlicher Kirchenmusiker gegeben. Gemeinden die gerne nach Vat. II am Latein festgehalten hätten, wurde das teilweise mit Gewalt ausgetrieben. Die Sprachumstellung der Liturgie habe ich in der eigenen Sippe als äußerst schmerzhaften Prozess erlebt.  Für ein nach Vat. II gefeiertes lat. Hochamt sind meine Eltern und Großeltern mal eben am Sonntag 80 km gefahren. In meiner niedersächsischen Kleinstadtgemeinde hatte das seitens der Geistlichkeit stets etwas anrüchiges. Ähnliche Wege wurden und werden für eine klassische Maiandacht mit schlesischen Marienliedern absolviert. Die Generation der Flüchtlinge stirbt gerade aus und damit auch die letzten Überbleibsel einer tiefen Volksfrömmigkeit. Diese Gemeinden haben im Laufe der Jahrzehnte mitunter jahrelange Pfarrervakanzen überstanden. Die teilweise nicht ganz gewaltfreien Gemeindefusionen werden das Ihrige dazu beitragen. Postvatikanische Gemeindesingarbeit und Ausbildung von Organisten wurde erst ab ca. 1974 betrieben. Als frisch liturgisch ausgebildete Nebenamtler wurden wir allerdings vom Klerus nicht für voll genommen und entsprechend gehindert.... In W. hatten sie langjährig bis ca. 2003 einen ehem. Oberstleutnant aus dem Heeresmusikcorps als Kirchenmusiker.... den hat die kath. Obrigkeit rausgekickt .....


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: jogo31 am 05. Dezember 2017, 05:38:17
Ich habe mir vor einigen Jahren an Pfingsten erlaubt nach sehr langer Zeit eine Messe mit lateinischem Ordinarium zu gestalten. Um es der Gemeinde möglichst einfach zu machen, habe ich mich die Missa de angelis + 3. Choralcredo ausgewählt, die ja viele auch von den Papstmessen kennen. Es hat auch ganz gut geklappt und die Leuten konnten sie tatsächlich noch singen. Ich war zu frieden. Einige Tage später hat mich der damalige Pfarrer - ein Pfarrer der nach dem Minimalprinzip lebte, eine Sonntagsmesse die 45 dauerte, war bei ihm schon lange - angerufen und mir untersagt jemals wieder ein lateinisches Choralamt singen zu lassen, da "die Leute" mit Kirchenaustritt gedroht hätten. Wohlgemerkt wir leben hier nicht in der Diaspora, sondern in stock katholischer Umgebung.


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: clemens-cgn am 05. Dezember 2017, 18:26:20
Lieber jogo31,
Vorsicht vor derartigen Klerikern! :exor:
"die Leute" entspricht: "Ich habe gehört, ...."
Auf den ersten Eindruck führt der Sender ein Autoritätsargument ein (im Merkelsprech:  :hail: "alternativlos") mit der der Sender einer Botschaft, lediglich die eigene Meinung transportiert!
Die Frage, welches Leut denn mit Austritt gedroht habe, hätte er niemals  :ratlos: präzisieren können (mit der fadenscheinigen Ausrede des pastoralen Schweigegebotes  :church:), weil es dieses Leut garantiert nicht gab :jump:.
Ein Pfarrer, der es ehrlich meint, wird so niemals agieren. So richtig Lust zur "katholischen Liturgie" scheint er ja nicht gehabt zu haben. Wie hoch war denn die Frequenz seiner nachgewiesenen seelsorglichen Hausbesuche? Steht normalerweise im Seelsorgsbericht an den Diözesanbischof  ;-). :duckundweg:


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Gemshorn am 05. Dezember 2017, 18:46:47
In meinem alten Heimatdorf gibt es einen Herren (er ist noch gar nicht so alt!), der erst dann wieder die Hl. Messe besuchen will, wenn sie auf lateinisch zelebriert und von der (längst demontierten) Kanzel gepredigt wird.
An beiden Beispielen - dem von Jogo und meinem - kann man gut ersehen, an welch nebensächlichen Dingen Leute ihr Herz festmachen. Eigentlich traurig. Und trotzdem auch mir nicht unbekannt; auch ich kann „nebensächliche“ Rahmenbedingungen definieren, unter denen ich nicht zum Gottesdienst gehen würde.
Auch traurig, eigentlich. :augenroll:

Woran du dein Herz hängst und dich verlässest, das ist eigentlich dein Gott. (Martin Luther)


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: PM am 05. Dezember 2017, 19:33:50
In meinem alten Heimatdorf gibt es einen Herren (er ist noch gar nicht so alt!), der erst dann wieder die Hl. Messe besuchen will, wenn sie auf lateinisch zelebriert und von der (längst demontierten) Kanzel gepredigt wird.
Das erinnert mich an eine Geschichte über JRR Tolkien:

I vividly remember going to church with him in Bournemouth. He was a devout Roman Catholic and it was soon after the Church had changed the liturgy from Latin to English. My grandfather obviously didn't agree with this and made all the responses very loudly in Latin while the rest of the congregation answered in English. (....) my grandfather  (...) simply had to do what he believed to be right.

Gruß, PM


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Gemshorn am 05. Dezember 2017, 19:36:44
Das trifft es. :D


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Praestant am 05. Dezember 2017, 22:07:12
Hallo Clemens,
die von dir angesprochene Volksfrömmigkeit kenne ich noch von meinen Großeltern und teilweise auch von meinen Eltern. Ich bin in einem kleinen Dorf nahe Cloppenburg; also Oldenburger Münsterland aufgewachsen. Die Marienfrömmigkeit samt Maiandacht findet man heute mancherorts noch. Mit der Liturgie beim Volksgesang im sonntäglichen Hochamt nimmt man es nicht so genau. Gerade beim Ordinarium begnügt man sich oftmals mit dem was man seit langen kennt. Psalmgesänge sind auf den Dörfern nicht bekannt.

Ich kann mich noch gut an meine Zeit als Organist auf dem Dorf erinnern. Ich fing an, mich für die musikalischen Inhalte des alten Gotteslobes zu interessieren und spielte auch neuere noch nicht bekannte Lieder und Gesänge.
Das wurde von vielen Gottesdienstbesuchern kritisiert und es gab auch öfters Ärger und kleinere Streitereien. Meine Eltern machten da keine Ausnahme.
Der Einfluss von Pfarrgemeinderat und Liturgieausschuß auf den Ablauf der hl. Messe bzgl. Liedauswahl ist nicht zu verachten.

Sehr interessant für mich sind deine Ausführungen zur jüngeren katholischen Geschichte meiner heutigen Heimat.


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: clemens-cgn am 06. Dezember 2017, 18:37:55
Lieber Praestant,
die traditionelle Volksfrömmigkeitsprägung auf dem Territorium der Diözese Münster (Oldenburg/Vechta) ist dabei nochmal etwas völlig eigenständiges.  :-) Dort gibt es keine kath. Diaspora. Zwischen Weser- und Elbmündung hingegen schon.
Um Meßbesuchern neue Gesänge überhaupt schmackhaft zu machen, habe ich in Vergangenheit "traditionelle" Lieder morgens gern bis zu einer großen Terz höher gesetzt und das Tempo etwas verlangsamt :teufel:. Dann wurden die Höhen doch etwas anstrengend. Bei den neu eingeführten Gesängen (vorher durch Gemeindesingen) ggfs. so tief transponiert daß sie auch für Morgenmuffel mit Leichtigkeit singbar waren.... hinterher habe ich dann mein größtes Bedauern darob kund getan, daß da heute wohl für die alten Lieder, die den Gemeindegesang tragende Stimmen abwesend waren. Allseits wurde dann auch von älteren Meßbesuchern positiv bemerkt, daß das neue Lied ja ganz einfach gewesen sei ... Mit Speck fängt man Mäuse  :jump:.
So habe ich in der Vergangenheit so manches neue GL-Lied wegen der "ach so leichten Singbarkeit  :schock:" zum festen Repertoirebestandteil einzelner Gemeinden gemacht. Heute erinnert sich nach über 30 Jahren niemand mehr an die Schwierigkeiten bei der Einführung.


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: PM am 06. Dezember 2017, 20:01:45
 :D :D :D  Schöne story!  :D :D :D

PM


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Canticus am 20. Dezember 2017, 10:12:08
...auch auf die Gefahr, daß ich jetzt "Haue" kriege  :schock:
Dieses Liedchen hatten wir im Kindergarten gesungen, und da sollte es m.E. auch bleiben... :dafuer:


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: clemens-cgn am 20. Dezember 2017, 11:06:11
 :bad: dann fühl Dich jetzt mal, als hättest Du gerade von Knecht Ruprecht eine Spezialbehandlung über den Podex ergehen lassen müssen  :motz: Der Meinungsverstärker vermochte schon seit langer Vergangenheit seinen Beitrag zu  Bekehrungserlebnissen leisten :D.  :duckundweg:


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Machthorn am 20. Dezember 2017, 21:35:21
Dann muss ich meinen Allerwertesten wohl auch zur Behandlung schicken. Es gibt so schöne Adventslieder mit so viel Tiefe, da muss ich dieses Lied nicht wirklich haben.


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Bass-Coppel am 20. Dezember 2017, 21:58:41
In unserer Kirchgemeinde (Erzgebirge) wird das Lied von der Kurrende (die Kinder mit den schwarze Umhängen und weißen Kragen) der Gemeinde fröhlich zugesungen. Sie ziehen nach dem Läuten feierlich ein, tragen die brennende(n) Kerze(n) des Advents und entzünden damit die Kerze(n) auf dem Adventskranz. Dann folgt der zum jeweiligen Sonntag gehörende Liedvers. "Freut euch, ihr Christen" wird stets mit Wiederholung gesungen aber bereits davor erhellen sich die meisten Gesichter der Gottesdienstteilnehmer, denn allein der Anblick ist originell - wie auf der Pyramide  :dafuer: und dazu noch äußerst lebendig. Die Jüngsten (Vorschulalter) müssen acht haben, dass die nicht über ihren Umhang stolpern. Dennoch wird es nie lächerlich und ich empfinde diese Tradition für uns als nach wie vor sinnvoll. Wenn die Kinder dann erwachsen sind, gehört die festliche Ausgestaltung der Advents- und Weihnachtszeiten für viele zu den sehr schönen und prägenden Kindheitserinnerungen.

Euch allen eine gesegnete Zeit,
Bass-Coppel


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: clemens-cgn am 20. Dezember 2017, 23:52:34
....da muss ich dieses Lied nicht wirklich haben.
Was Du als Geschmacksbekundung beiträgst, kann m.E. dem Diskussionsverlauf nur in suboptimaler Weise dienlich sein. Dieses Lied ist bei Euch ja auch nicht im approbierten Gesangbuch enthalten (was Du nicht einmal verrätst) :(. Respekt vor anderen Konfessionen und den hier mitunter nach Standorten sehr unterschiedlichen Sichtweisen und in die Gestaltung hineinregierenden Sachzwängen, oder auch emotional als schön erlebten ausgelösten Emotionen, führte hier m.E. erheblich weiter. Dann kann auch jeder nach seiner Facon selig werden  ;-)
O clavis David.....
Frohe Weihnacht clm


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Machthorn am 21. Dezember 2017, 07:59:21
Lieber Clemens,

ich hatte mich eigentlich nur der Meinung von Canticus angeschlossen. Aber wenn du mich schon direkt ansprichst antworte ich gern:

Wie du richtig geschrieben hast, war das lediglich eine Geschmacksbekundung. Geschmack ist subjektiv, darüber mag ich nicht streiten. Dass das Lied musikalisch und textlich keine hohe Komplexität aufweist, dürfte hingegen unbestritten sein. Beides wurde übrigens auch in diesem Thema bereits geäußert.

Ja, in unserem Gesangbuch findet sich das Lied tatsächlich nicht, ist aber in der musikalischen Arbeit mit Kindern auch bei uns üblich. Da darf es auch gerne genutzt werden, da hab ich nichts einzuwenden.

Dass du stellvertretend für die Katholiken bei diesem Lied die Konfessionskarte ziehst, amüsiert mich ein wenig. Immerhin besingt es den Adventskranz, eine protestantische Erfindung (siehe Johann Hinrich Wichern, Rauhes Haus). Auch sollte dir aus unseren perönlichen Gesprächen noch bekannt sein, dass ich durchaus großen Repekt vor anderen Konfessionen habe und ich mir manches aus katholischer oder evangelischer Tradition auch bei uns in der NAK wünschen würde. Ich sehe mich in erster Linie als Christ, dann kommt die Konfession. Ich betone lieber Gemeinsamkeiten als Unterschiede.

Nichts für ungut,
Hendrik


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: viola pomposa am 21. Dezember 2017, 09:00:59
Dieses Lied ist bei Euch ja auch nicht im approbierten Gesangbuch enthalten

Hallo Clemens,

da gebe ich dir Recht. Mich hindert das aber nicht, zum 1. Advent das GL auf die Orgel zu stellen und
"Wir sagen euch an" zu spielen.  :orgel:
Eigentümlicherweise summen dabei einige Gemeindemitglieder mit, was bei anderen Adventsliedern nicht
vorkommt. ;-)

Liebe Grüße
Gerd


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Wichernkantor am 21. Dezember 2017, 09:48:39
Und jetzt werfen wir alle Ruten in den behaglich flackernden Kamin und versuchen mal, uns darüber zu freuen, dass es offenbar noch Adventslieder gibt, die die Menschen erreichen, ohne dass ein Schlagzeug wummert, eine E-Klampfe klampft, jemand auf Denglisch in ein zu laut gepegeltes Mikrophon radebrecht und "Weihnachtsmänner" in Begleitung rotnasiger Rentiere durch die Kirche steppen ...  :dafuer:

Heiner Rohr sitzt im Himmel und freut sich darüber, wenn "die Leut'" diese Melodie mögen ...

LG
Michael


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Gemshorn am 21. Dezember 2017, 12:19:40
Michael ist seinem Namenspatron entsprechend wieder einmal engelgleich. :lol:
Ich hätte stattdessen allseits die Knüppel für eine fröhliche vorweihnachtliche Prügelei für nichts und wieder nichts ausgeteilt. :D Also, wer's brauchen kann, bitteschön: :bad: :bad: :bad: :bad: :bad: :bad: :bad: :bad:


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Wichernkantor am 21. Dezember 2017, 12:37:42
Du Schelm!  :lol:


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Machthorn am 21. Dezember 2017, 17:55:06
Zitat
Und jetzt werfen wir alle Ruten in den behaglich flackernden Kamin und versuchen mal, uns darüber zu freuen, dass es offenbar noch Adventslieder gibt, die die Menschen erreichen, ohne dass ein Schlagzeug wummert, eine E-Klampfe klampft,
Das ist leider nur zu wahr, viele sind es nicht. Mit Glück bekommen manche vielleicht noch den Refrain von Tochter Zion hin, dann ist oft schon Ende.


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: jogo31 am 22. Dezember 2017, 08:46:00
Tochter Zion hat einen Refrain?  :verschwoer:  :D


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: Machthorn am 22. Dezember 2017, 19:11:40
Naja, nicht wirklich, ich meine den zu wiederholenden Text der ersten Strophe.  :D


Titel: Re:Wir sagen euch an II
Beitrag von: jogo31 am 22. Dezember 2017, 20:01:09
Das ist gar nicht so einfach. Insbesondere dann, wenn - wie im nicht mehr ganz so neuen Gotteslob - so kryptisches Zeug wie "D.C. al Fine" drüber steht, weil man lieber noch einen Kehrvers, den eh niemand singt, auf die Seite quetschen wollte, anstatt die eine Zeile von Tochter Zion nochmal abzudrucken.  :D :D